Verhältnis mit der alternden Mutter

    • (1) 13.12.16 - 11:09

      Guten Morgen, ich weiß gar nicht, ob der Titel richtig gewählt ist. Meine Mama ist gerade 59 geworden, Frührentnerin und eigentlich topfit. Ich habe selbst vor 3 Monaten ein Kind bekommen und würde mich über Meinungen und Erfahrungen freuen. Meine Mutter ist seit dem Tod meines Vaters vor 25 Jahren alleine und pflegt auch sonst nicht viele soziale Kontakte. Meine Schwester und ich kümmern uns so gut es geht um sie, aber seit einiger Zeit macht sie es uns sehr schwer.

      Sie ist sehr direkt, fast zu sehr, kritisiert viel an mir und meiner Schwester und nun auch am Umgang mit meinem Baby. Sie wird immer eigener und mir fällt es immer schwerer, den Kontakt zu ihr so intensiv zu halten, wie er mal war. An Weihnachten denke ich mit Magenschmerzen, weil ihr wenig gefällt, sie die Eltern meines Partners nicht mag und ihr sowieso meistens alles zu anstrengend ist. Kennt ihr das?

      Nach ihrem Geburtstag am Anfang der Woche, der auch wirklich mies gelaufen ist (das Baby schrie im Restaurant, sie hat nicht das bekommen, was sie sich gewünscht hat, sagte nicht mal danke, gab Geschenke zurück und zeigte dann deutlich, wie beleidigt sie war) und wir seitdem nicht gesprochen haben, frage ich mich, ob ich den Kontakt reduzieren sollte oder ob es einfach meine Pflicht als Tochter ist, für meine Mutter dazusein und sie "auszuhalten", weil sie sich ihr ganzes Leben um mich und meine Schwester gekümmert hat.

      Ich gebe mir wirklich Mühe, alle Kommentare wegzuatmen und keine Diskussion anzufangen, aber sie macht es einem nicht leicht mit ihrem Verhalten. Sie ist sehr negativ und prinzipiell immer erstmal überall dagegen. Muss man aus Respekt dem Alter gegenüber alles ertragen oder ist es ok, den Kontakt zu reduzieren? Menschen, die mich schlecht behandeln, behalte ich ja sonst auch nicht in meinem Leben. Ich finde derzeit keine Lösung und freue mich deshalb über andere Sichtweisen.

      Danke und viele Grüße
      Sunnytown

      • Hallo,

        als ob du von meiner Mutter schreibst, haargenauso. Meine Mutter war 34 Jahre lang Wittwe, zwei Kinder. Mit 55 in eine Art Altersteilzeit (weiß nicht mehr wie das hieß, gab es in den 1990er Jahren) geschickt, mit 60 Rente oder Vorrente. Und sie war einsam, sehr einsam, hat es aber nicht geschafft, auf andere Menschen zuzugehen. Obwohl einige Menschen wie Nachbarn oder ehemalige Kollegen zu ihr kamen, hatte sie oft keine Lust. Auch immer negativ, wenn ich sie zu Feiern oder einfach zum Kaffee abgeholt hatte, waren ihre ersten Worte immer: "Eigentlich habe ich gar keine Lust.".

        Am liebsten ging sie zu Ärzten. Ihre Hausärztin vermutete eine Depression. Leider ließ sich meine Mutter auf keine Behandlung ein.

        Ich war jede Woche erst mit ihr, dann für sie (hatte keine Lust rauszugehen) einkaufen, habe sie zu Ärzten gefahren, zu uns geholt, bei ihr gequatscht. Und ja, es war vor allem aus Respekt, dass sie so viele Jahre allein für uns sorgen musste. Manchmal war ich angenervt, aber es war halt meine Pflicht und irgendwo wusste ich ja, warum sie war wie sie war.

        Vor drei Jahren ist sie recht plötzlich und unerwartet verstorben, und ich bin heute froh, die Zähne zusammengebissen zu haben.

        Versuche, einen Mittelweg zu finden. Höre über vieles weg, sag ihr aber auch, wenn es für dich unerträglich wird. Wenn du meinst, der Kontakt ist momentan zu intensiv, dann reduziere. Bei selteneren Treffen ist die Atmosphäre vielleicht entspannter.

        Alles Gute für euch

        Heike

        Ich habe auch so eine Mutter. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich ihr nichts schuldig bin. Ich habe diese denkstruktur, die einem auferlegt wird, durchbrochen und inzwischen ist sie ein ganz normaler Mensch und nicht mehr "sie ist ja meine Mutter". Ich habe keine Lust, mich groß um sie zu kümmern oder mich für ihr seelenwohl zu interessieren.

        (4) 13.12.16 - 13:44

        Hallo

        ich bin auch eine alternde Mutter ( 60 ) und eine manchmal verstörte Tochter ( meine Mutter ist 82 )

        Jeder altert auf eine andere Art und Weise.
        Auch ich bin mittlerweile sicherlich ängstlicher, besorgter und kategorischer geworden.:-)

        Nicht nur in meiner Familie oder bei Freunden ,sondern auch in unserem Verein habe ich seit Jahren die Möglichkeit, das regelmäßig auch bei Anderen zu beobachten.

        Personen die ein kleines Umfeld haben, fehlt oft die soziale Kontrolle.
        Besonders natürlich verwitweten.Aber der fehlende Partner allein ist es nicht ( viele Partner haben um des lieben Frieden willens auch längst aufgegeben etwas zu sagen )
        Es sind die Personen außerhalb der Familie, die nicht zum Umgang verpflichtet sind!
        Diese spiegeln das Verhalten, bringen andere Sichtweisen und Kritik.

        Die fehlen bei deiner Mutter wohl schon seit sehr vielen Jahren.

        Meine Mutter merkt das z.B. gerade auch am Verhalten ihrer zwei besten Freundinnen, die beginnen sich zurück zu ziehen.

        Wir haben uns auch merklich zurück gezogen, beschränken uns auf die Versorgung und Feiertage.Natürlich rufe ich regelmäßig an.Aber ihr zunehmender Realitätsverlust macht mich oft traurig.Sie schreibt ihre und unsere Vergangenheit um.:-(

        Was mir hilft, ist die Erinnerung daran, was für eine tolle Mutter und Oma sie war.

        Jetzt ist das eben so.

        Sicherlich musst du nicht alles ertragen und darfst dich zurück ziehen.Deine Mutter ist keine Greisin.
        Stell die Ohren auf Durchzug und wechsle das Thema.Vielleicht merkt sie noch etwas.

        L.G.

        • (5) 13.12.16 - 17:02

          Liebe bejona, vielen Dank für deine Einschätzung! Du hast sicherlich recht, dass der fehlende Spiegel bzw. die Kontakte ursächlich für Ihre mitunter verletzende Art ist. Die, mit denen sie noch Kontakt hat, sind auch alle anstrengend und gehen ihr auf den Nerv. Ich will auch gar nicht urteilen, wenn sie das so empfindet, ist es halt so, auch wenn ich glaube, dass eher ihre Ansichten nicht so kompatibel mit anderen sind. Mir tut das natürlich leid, wenn der Kontakt sich reduziert, weil sie die einzige Familie ist, die ich neben meiner Schwester habe.

          Alles Gute für euch und viele Grüße
          sunnytown

      Hallo du!

      Ich habe ebenfalls ein schwieriges Verhältnis zu meiner Mama aber die Familie sucht man sich ja leider nicht aus.
      Ich habe meine Kindheit unheimlich toll in Erinnerung und finde, sie hat ihren Job gut gemacht nit uns Kindern. Sie ist erst im Alter so verbittert geworden aufgrund von Krankheit und Trennung.
      Ich verstehe sie und dennoch habe ich ihr eines Tages mal klipp und klar meine Meinung gesagt, nämlich dass ich kein Fußabtreter bin, diese Nörgelei nicht mehr hören kann und habe sie am Telefon immer abgebügelt, wenn sie davon anfing.
      So haben wir seit vielen Jahren ein sehr minimales Verhältnis, es tut mir so aber eben nicht mehr weh. Ich glaube nicht dass sie das (mich und meine Beweggründe) ernsthaft versteht, aber das ist mir egal. Wir sehen uns selten, telefonieren alle paar Wochen und inzwischen sprechen wir über lustigere Themen oder ihre Enkelin.

      Also ich persönlich würde an deiner Stelle wirklich das Gespräch suchen und auch ruhig mal deutlich werden. Denn bei allem Respekt muss man sich nicht alles von der Familie gefallen lassen. Den Kontakt abbrechen könnte ich selbstverständlich niemals, dafür bin ich auch zu harmoniebedürftig.

      Ich wünsche dir alles Liebe und dass du eine gute Entscheidung triffst für dich und deine Familie!

      • Liebe Mama-Carlie, danke für deine Antwort. Leider ist meine Mutter absolut kritikunfähig - sie verwandelt sich dann immer leider in eine bockige 16-jährige, ich habe schon oft versucht mit ihr zu reden, aber sie ist absolut uneinsichtig und wird dann auch recht schnell unfair. Sie sagt dann beispielsweise, ich wäre respektlos und könne nicht so mit ihr reden, bzw. ist es eben mein Problem, wenn ich etwas nicht mag, was sie sagt oder sie bitte, etwas zu lassen. Nach solchen Diskussionen (es eskalierte u.a. mal wegen der Auswahl des Kinderwagens, meine Wahl gefiel ihr nicht) ist oft tagelang Funkstille und meistens melde ich mich dann. Vielleicht muss ich in Kauf nehmen, dass sie sauer auf mich ist, aber für ihren Enkel nicht dauerhaft schmollt.

        Danke und viele liebe Grüße
        sunnytown

        • Oh das ist bei meiner Mutter nicht anders!
          Mir war klar, dass sie in Abwehrhaltung geht bei Kritik und sehr unfair wird aber dennoch habe ich ihr meine Grenzen damit aufgezeigt und ICH bin dabei sachlich geblieben. Wir haben mitunter viele Wochen nicht gesprochen nach diesen Streits und Telefonaten aber ich habe mich NICHT gemeldet danach. Einfach weil ich es nicht einsehe.

          Deswegen sagte ich auch: ich glaube nicht, dass sie versteht, dass ich das nicht hören will/kann aber sagen muss ich es ihr trotzdem. Denn alles immer runterschlucken konnte ich irgendwann auch nicht mehr. Ich möchte dir ans Herz legen, das auch nicht mehr zu tun.

          Ich habe meiner Mutter sogar einmal gesagt, dass mich ihre kindische Reaktion nicht interessiert, genauso wenig ihre unbegründete Kritik an mir und dass ich lediglich von ihr "das und das" möchte und habe wirklich aufgelegt wenn sie das nicht respektiert hat oder bin gegangen! Ich habe oft betont dass ich Kontakt zu ihr nur unter gewissen Vorraussetzungen halten kann und ich nicht als emotionale Mülltonne diene.
          Es geht dabei um Respekt! Und den hat nicht nur eine Mutter verdient.

          Alles Liebe!

    (9) 13.12.16 - 14:05

    >>>ob es einfach meine Pflicht als Tochter ist, für meine Mutter dazusein und sie "auszuhalten", <<<

    Ich meine schon, dass du für deine Mutter da sein solltest, wenn sie dich braucht, ABER nicht "aushalten".
    Deine Mutter ist noch nicht so alt, dass man alles schlucken und hinnehmen muss.
    Immerhin kann sie noch locker 25 Jahre leben, wie willst du so lange noch mit ihrem Verhalten, was sich vermutlich verschlimmern wird, klarkommen?
    Wäre ich nur ansatzweise wie deine Mutter, hätten meine Töchter mich schon längst auf den Pott gesetzt.

    Vermutlich haben deine Schwester und du ihr nie Einhalt geboten, dazu die fehlenden sozialen Kontakte deiner Mutter, wahrscheinlich merkt sie selber gar nicht, wie unpassend ihr Verhalten ist.

    >>>Muss man aus Respekt dem Alter gegenüber alles ertragen<<<

    Nein, muss man nicht ertragen, Respekt ist selbstverständlich, aber den muss man auch verdient haben und darf sich nicht verhalten, wie die Axt im Wald.
    Solltest du den Kontakt zu deiner Mutter reduzieren, solltest du sie wissen lassen, warum.

    • (10) 13.12.16 - 17:15

      Hallo gh1954, danke, du hast recht, ich sollte ihr zumindest sagen, weshalb ich mich in nächster Zeit weniger melde - auch wenn sie dafür vermutlich null Verständnis haben wird, aber es stimmt, sie wird ja hoffentlich noch lange leben, schon alleine für ihr Enkelkind.

      Vielen Dank und liebe Grüße
      sunnytown

(11) 13.12.16 - 15:11

Hallo,

meine Mama -nur wenig älter als Deine - war auch lange Jahre allein, hatte aber immer auch gute Sozialkontakte und war immer schon in Vereinen aktiv.

Natürlich ist und bleibt Deine Mama Deine Mama, egal, wie sie auch sein mag. Das entschuldigt aber schlechtes Benehmen nicht. Und es kann niemand verlangen, dass Du Dich immer kümmerst, um Dich dann vor den Kopf stoßen zu lassen.
An Deiner Stelle würde ich das mit Deiner Mutter mal ansprechen, wie Du Dich fühlst, wenn sie für alles und jeden nur Kritik übrig hat. Vielleicht ist ihr selbst das auch gar nicht bewusst?
Ich denke aber auch nicht, dass Du aus Respekt "alle Kommentare wegatmen" musst....sicher ist es Deiner Mutter gegenüber auch nicht fair so zu tun, als wäre alles in Ordnung, wenn das nicht der Fall ist. Mein Angebot - wenn meine Mutter sich so verhalten würde - wäre, mit ihr darüber zu sprechen und sie zu bitten, sich zu bemühen, auch die positiven Dinge zu sehen und zu versuchen, die Zeit mit Tochter und Enkel zu genießen. Wenn sie das nciht will oder kann, würde ich den Kontakt - zum eigenen Wohl - tatsächlich vorerst reduzieren.

LG

a79

  • (12) 13.12.16 - 17:22

    Hallo a79, danke für deine Antwort. Wie oben schon beschrieben, ist meine Mama leider komplett unfähig Kritik anzunehmen. Sie entschuldigt sich auch nie, selbst wenn sie wissen muss, dass sie sich daneben benommen hat. Aber es bleibt ja keine andere Option als mit ihr zu reden. Sie wird wahrscheinlich sauer sein, aber dann habe ich ihr die Chance gegeben, etwas zu ändern. Es bleibt dann ihr überlassen, was sie daraus macht.

    Vielen Dank für deine Hilfe!

    sunnytown

(13) 13.12.16 - 15:58

Ich würde es Ihr klar und deutlich sagen, dass du sie zwar lieb hast, es dich aber nervt, wenn Sie z.b. ständig nörgelt oder das Geschenk als falsch empfindet. Vielleicht weiß sie gar nicht wie sie auf andere wirkt und überdenkt dann mal ihr verhalten. Klar Stellung dazu beziehen, dass du für Sie da bist, aber halt das was dich stört Ihr so sagst, als wärst du nicht Ihre Tochter, sondern zb. die Freundin ( ohne Schlechtes Gewissen und rumgeeiere ) Nur so hast du eine Chance und sie ist dir vielleicht sogar dankbar. #winke

(15) 13.12.16 - 16:01

Achso und ich hatte auch erst Probleme zu akzeptieren, dass man sich verändert und somit auch Ansichten. Ich liebe meine Eltern und sie sind immer für mich da. Ich ehre und achte sie, es gab keinerlei Probleme usw. Trotzdem gehen Sie mir manchmal einfach voll auf die Nerven. :D Dass zu akzeptieren, obwohl sie mir doch nie was getan haben und gut zu mir sind, hat mir gut getan. Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr deswegen. Habe es aber nie gesagt, da es sich nicht so darstellt wie bei dir.

(16) 16.12.16 - 13:02

Es gibt viele Gründe, warum man im Alter sich so stark verändert. Altersdepression ist eine schlimme Sache, Rückzug von Freunden und Bekannten und sicher kann auch das Verhalten sonst anstrengend werden.

Meine Mutter ist vor ihrem Tod an Demenz erkrankt. Wir brauchten über 4 Jahre, um dies zu erkennen. Als erstes hat es mein Vater gemerkt, der sie vor ca 7 Jahren (sie waren schon lange geschieden) bei einem Familienausflug wiedergesehen hat. Wir haben ihn nicht ernst genommen. 2,5 Jahre später sagte mein Partner mir auf der Hochzeit meines Bruders, dass meine Mutter dement ist, und ich habe alles versucht, sowohl sie als auch meine Brüder zur Regelung der nötigen Familienangelegenheiten zu bewegen, vergebens. Irgendwann hat sie auf gar nichts mehr gehört, dabei konnte ich sie immer beraten und sie hat meinen Rat angenommen. Die letzten 1,5 Jahre vor ihrem Tod waren furchtbar. Ich konnte nicht mehr täglich mit ihr telefonieren, bestenfalls 1x pro Woche oft noch seltener, weil nichts mehr von ihr kam. Es war kein Gespräch mehr.

Die Mutter meines Partners leidet vermutlich an Altersdepression. Allerdings ist sie noch recht erträglich, da wir uns kaum sehen und ich somit wenig Kontakt zu ihr habe. Es beschränkt sich auf 3-4 Tage pro Jahr, an denen wir uns sehen. Ansonsten gibt es eine Karte und kleine Aufmerksamkeiten.

Es liegt an Dir zu entscheiden, wie wichtig Dir der Kontakt unter diesen Umständen ist. Mir hat die größere Distanz, der Verlust des Gesprächspartners schon ordentlich Probleme bereitet. Aber es war auch gut, mich nicht mehr zu belasten, da ich es einfach nicht hätte ertragen können. Durch meine Brüder konnte die Last gut verteilt werden. Und am Ende waren es auch meine Brüder, die viel organisiert und sich vor Ort gekümmert haben.

Ich hab auch Sorge, dass ich so ein störrischer alter Knochen werden könnte. Aber ich erlebe auch, dass ein festes Netzwerk an Kontakten mit Feedback sowie die geistige Fitness auch da ein Stück gegensteuern kann.

Am Ende muss es leider jeder für sich entscheiden, wieviel er zu ertragen bereit ist. Die Grenze zu ziehen.

Ein Kind verändert viel und es sollte für Dich Priorität haben. Danach kommt alles andere.

Gruß
marjatta

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