Elternebene bei gewalterfahrung

    • (1) 13.12.16 - 16:30

      Liebe Alle,

      es heisst ja immer, dass man nach einer Trennung die Paarebene von der Elternebene trennen muss und dem Wohl des Kindes zuliebe ein gutes Verhältnis anstreben sollte um gemeinsam handeln zu können. Dazu gehört ja zwingend ein regelmäßiger Austausch samt Treffen etc.

      Wie sieht es denn nun aus, wenn in der Beziehung geschlagen wurde? Kann man wirklich erwarten, dass man sich mit dem Gewalttäter dann noch an einen Tisch setzen muss, zum Wohle des Kindes.

      Wie seht ihr das?

      #blume

      • Hallo

        egal ob körperliche Gewalt ausgeübt wurde oder psychische, du allein entscheidest ( in Absprache mit JA, Anwalt oder Therapeut ) ob du dich mit dem KV noch an einen Tisch setzt.

        Ich habe keine körperliche Gewalt erfahren, mich aber trotzdem (vor Gericht ) geweigert dem KV bei irgendwelchen Gelegenheiten gegenüber treten zu müssen oder mit ihm zu telefonieren.
        Offensichtlich konnte die Richterin das auf Grund der Aktenlage nachvollziehen.
        Der KV wurde aufgefordert, nur noch über ein (von ihm zu beschaffendes) Fax und nur über den Kindesumgang , mit mir in Kontakt zu treten.

        Natürlich steht das Kindeswohl an erster Stelle.Es gibt aber sicherlich Situationen die sind unzumutbar.

        Das musst du entscheiden.

        L.G.

        Aus leidvoller Erfahrung: JA.

        Trotz massiver Gewalterfahrung, Morddrohungen und Stalking wird von mir erwartet, dass ich dem Kindsvater offen und kooperativ gegenübertrete. Auch wenn mein Therapeut, bei dem ich genau deswegen bin meint, das wäre für den Genesungsprozess mehr als nur kontraproduktiv, weil das Trauma immer wieder und wieder auflebt, sobald mein Ex mal wieder Sch**** baut (was er in nahezu gruselig regelmäßigen Abständen tut).

        Letztlich kommt es wohl darauf an, auf welchen Richter du triffst. Ich hatte Pech: Unsere Richter(in!) meinte auf mein Entsetzen hin nur trocken: "Na und? Nur weil er mit Ihnen als Frau nicht zurecht kommt, heißt das doch noch lange nicht, dass er kein guter Vater sein kann!"
        Mittlerweile habe ich mir mit viel, viel Mühe und der Unterstützung engagierter Fachkräfte einen Rahmen geschaffen, in dem ich ihm gegenüber treten kann, ohne Angst vor weiteren gewalttätigen Übergriffen haben zu müssen. Gut tuts mir trotzdem nicht, zumal er auch seinem Sohn gegenüber alles ist, nur kein guter Vater (Hierzu die Richterin: "Na, das kann doch schon mal passieren, dass einem die Hand ausrutscht. Er hat doch jetzt hier laut und deutlich versprochen, dass das nicht mehr vorkommt!"). Mittlerweile konnte ich mithilfe des beauftragten Fachpersonals zumindest durchsetzen, dass ein Schutzrahmen für mich und mein Kind entstanden ist, auch wenn dieser entgegen der Bestreben der Richterin (dafür aber dem Kindswohl zuliebe) ist. Ich hoffe, der hält, bis mein Sohn seine eigenen Entscheidungen in Bezug auf den Umgang treffen darf.

        Stell dich darauf ein, dass wenn die Gewalttaten nicht ausdrücklich beweisbar sind und sich im Idealfall (das klingt gerade furchtbar :-() nicht nur gegen dich sondern auch gegen das Kind richten es unter Umständen tatsächlich erwartet wird, dass du dich mit dem Gewalttäter dann noch an einen Tisch setzen musst, zum Wohle des Kindes.

        • (4) 13.12.16 - 19:58

          Das klingt furchtbar und tut mir wirklich sehr leid für dich.#liebdrueck

          Ich hatte im Vorfeld schon mehrere Familienberatungsstellen kontaktiert, es gab ein Familien psychologisches Gutachten, die Kinder hatten einen gerichtlich bestellten Verfahrenpfleger u.s.w.
          Alles war sehr gut dokumentiert und fand auch deshalb Beachtung!?
          Die zuletzt zuständige Richterin hat sich zwei mal mit den Kindern "unterhalten".
          Erstaunlich was die ihr alles erzählt haben. Sie war ja praktisch eine Fremde für die Kinder und diese "Befragungen" haben mir allergrößte Bauchschmerzen verursacht.
          Das hätte ich meinen Kindern damals gerne erspart, allerdings ging es wohl nicht anders und hat letztendlich "die Wahrheit" ans Tageslicht gebracht.

          Ich hoffe du hast weiterhin durch deinen Therapeuten und andere Fachkräfte Unterstützung.
          Vielleicht würde es im Wiederholungsfall ( Kind wird geschlagen ) Sinn machen den Kinderschutzbund o.ä. ein zu schalten?

          #klee

          L.G.

          • (5) 13.12.16 - 20:08

            Danke für deine lieben Worte! #blume

            Mein Plan ist erst mal dafür zu sorgen, dass es keinen Wiederholungsfall geben kann - und ich denke, wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Bei uns gabs auch ein Gutachten, das meine Aussage gestützt hat, sowie eine Kinderanwältin, die die Aussage meines Sohnes gestützt hat. Aber wie gesagt: Letztlich ist es wohl immer etwas Glückssache, an welchen Richter man gerät und wie der die vorhandenen Materialien auslegt. In meinem Fall bsp. wäre es fatal gewesen, hätte ich mich der geforderten "kooperativen Zusammenarbeit" entzogen - auch wenns für mich sicher gesünder gewesen wäre. Also Schutzmöglichkeiten nutzen und Augen zu und durch, falls der zuständige Richter darauf besteht.

      Hallo,
      Ich habe lange in einem Frauenhaus gearbeitet und leider werden Frauen teilweise tatsächlich dazu gezwungen, sich mit dem Kindsvater an einen Tisch zu setzen, auch, wenn der Kindsvater gegenüber der Mutter (und den Kindern) gewalttätig war. Es kommt, wie die anderen ja bereits geschrieben haben, auf viele Umstände und die entsprechenden richterlichen Entscheidungen an.

      Ich finde es bedauernswert, dass Frauen, trotz Gewaltschutzgesetz, nicht vor ihren gewalttätigen (Ex)Partnern geschützt werden. Ich bin da Frauenparteilich und würde mir von den Familiengerichten mehr Sensibilität diesbezüglich wünschen.

      Natürlich steht das Wohl des Kindes an erster Stelle, aber ich habe nicht selten erlebt, dass ein Kontakt zum Kindsvater nicht dem Willen des Kindes entsprochen hat und trotzdem durchgesetzt wurde, weil er Vater es eingeklagt hat.

      Falls Du betroffen bist, kann ich dir nur raten, dich an eine Frauenberatungsstelle zu wenden. Es gibt auch ein Hilfetelefon, wo du eine erste Beratung bekommen kannst. http://www.hilfetelefon.de/

      Im akuten Fall kannst du dich an ein Frauenhaus wenden.

      Alles Gute,

      Cecilia

    • Hallo,

      Lieben dank fuer eure antworten.

      Es schockiert mich, was manche an beschluessen und Entscheidungen erleben muessen.

      In meinem fall geht es nicht um mich persoenlich.

      Und es geht um einen Mann der geschlagen wurde.

      LG #blume

      Hallo ,

      ich finde es auch erschreckend zu lesen, dass das anscheinend in dieser Form tatsächlich so durchgesetzt wird.

      Bei meiner Freundin war es so, dass sie nach Trennung zu ihren Eltern gezogen ist, mit den Kindern , und über diese Eltern wird auch kommuniziert, meine Freundin hat seit dem kein Wort mehr mit diesem Mann gewechselt, musste auch keine Termine gemeinsam wahrnehmen oder so , im Zweifelsfall gab es Vollmachten.

      So läuft es jetzt schon seit 5-6 Jahren.

      Es wurde nie "angeordnet", dass dies zu ändern sei - nicht dass der Ex es nicht versucht hätte.

      Vielleicht hat dein Bekannter auch Familie/Vertrauenspersonen , die dem Kind nahe stehen , und die das regeln könnten.

      Elternebene schön und gut, aber auch unsere (die meiner Kinder u mir) Therapeutin , nach meiner Trennung, meinte damals, dass sich gewisse Bereiche schon auch überschneiden bzw.schlecht voneinander trennen lassen können , gerade wenn seelische oder körperliche Gewalt im Spiel war/ ist - von daher rät sie in bestimmten Fällen auch davon ab , dass etwas auf einer "gemeinsamen" Elternebene stattfindet.

      Alles Gute für ihn,

      Lulu

      Hallo,
      nein, ich finde nicht das man das erwarten kann wenn es das Opfer nicht möchte/ kann.
      Ich würde da auch gegen angehen und andere Kommunikationswege suchen.

      Allerdings, ist jeder Einzelfall individuell zu betrachten und zu bewerten.
      Damit meine ich, wie geht es dem Opfer damit. Es gibt ja Situationen, da ist die Tat schnell vergessen und verziehen.

      Wenn die Opfer damit umgehen können, würde ich mich nicht einmischen.
      Wenn nur Hass, Angst usw überwiegt, dann geht das gar nicht.
      Gruß

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