Bin ich eine schlechte Tochter?

    • (1) 02.02.17 - 15:50

      Hallo,
      ich muss mir einfach etwas von der Seele schreiben.....es belastet mich sehr.

      Meine Mutter/Eltern hat seit ein paar Wochen eine neue Nachbarin. Diese ist 18 Jahre alt und hat ein kleines Kind von ca. 15 Monaten oder mehr. Sie hat das Kind mit 16 gewollt von einem 30 jährigen bekommen. Die Beziehung ist wohl aber kaputt gegangen und nun wohnt sie in der eigenen Wohnung. Alles schön und gut soweit. Seit sie dort wohnt ist sie ständig mit dem Kind bei meinen Eltern, das Kind wird von meiner Mutter gefüttert, sie bekommt essen hingestellt, mein Vater nimmt den kurzen zum kuscheln auf den Arm, meine Mutter fährt mit ihr zum Kinderarzt, wenn der kleine geimpft wird, putzt zusammen mit ihr ihre Wohnung. Versteht mich nicht falsch, in gewisser Weise tut sie mir auch leid und wenn sie meine Nachbarin wäre würde ich ihr auch mal meine Hilfe anbieten oder ihr bei behördlichen Dingen helfen, aber das Verhalten meiner Eltern tut mir weh.

      Ich muss dazu sagen, dass ich immer ein absolutes Mamakind war und dazu noch Einzelkind. Bis meine Mutter vor sechs Jahren erfahren hat, dass mein Vater (wohl noch nie so sehr treu) eine Geliebte über Jahre hatte. Er war früher Fahrer und hat sich an der Raststätte eine angelacht. Damals war ich ebenfalls geschockt über das Verhalten meines Vaters und meine Mutter tat mit unendlich leid. Aber anstatt ihn zum Teufel zu jagen tat sie so, als müsse sie unbedingt ihre Ehe retten. Ganz nebenbei hat sie mir dann auch erzählt dass ich einen 1 1/2 Jahre kälteren Halbbruder habe. Wohlgemerkt ich war zu dem Zeitpunkt 35 Jahre alt. Ich wa sehr enttäuscht, dass sie mir das nicht früher schon erzählt hat. Sie war bis zu diesem Zeitpunkt als Oma bestimmt 2-3 Tage die Woche hier bei uns. Nach diesem Schicksalsschlag war alles anders......sie hat beschlossen mit dem Vater zusammen LKW zu fahren, bis dieser in Rente geht (hat ihn also rund um die Uhr bewacht). Das allein war schon sehr merkwürdig, aber ich zeigte Verständnis nach den ersten zwei drei Fahrten. Sie fuhr aber die nächsten fast drei Jahre mit. In dieser Zeit war sie für mich als Mutter nicht da, geschweige denn für ihre Enkel. Sie hat sich für nichts mehr was uns angeht interessiert. Längste Phase, wo sie sich nicht gemeldet hat, war bestimmt zwei Monate. Auch um meine Oma hat sie sich in der Zeit nicht gekümmert, wie denn auch, wenn man nicht da ist.

      Ich glaube diese ganze Vorgeschichte ist der Grund, warum ich jetzt so eifersüchtig reagiere. Und das schlimme ist, ich weil das eigentlich nicht. Ich will kein schlechter, eifersüchtiger Mensch sein, der anderen nicht hilft. Aber es versetzt mit jedes Mal einen Stich, wenn ich höre sie ist schon wieder bei meinen Eltern und wird betuddelt. Meine Eltern sind seit drei Jahren Rentner, aber mal die 12 Kilometer wochentags zu uns fahren geht ja nicht, haben kein Interesse oder keine Zeit. Mir aber ein schlechtes Gewissen machen, wenn wir nicht mal am Wochende zu Besuch kommen.

      Es tut mir einfach weh, wenn ich sie mir erzählt, was sie alles machen und sie die Nachbarin behandelt, als wäre sie ihre Tochter und ihr Enkel. Ich kann mich selber nicht mehr leiden, wenn ich daran denke.

      Danke fürs lesen.......LG

      • Hallo!

        Sieh das mal realistisch ...

        Sollte die Nachbarin Deiner Eltern umziehen, dann werden die sich nie mehr sehen, sofern dann die Ex-Nachbarin nicht dort vorbei geht.

        Jetzt ist es für Deine Eltern sehr einfach die "Großeltern" zu spielen, sie müssen schließlich recht wenig "investieren" in diese Beziehung, es kommt alles in den Mund geflogen.
        Und ganz ehrlich ein Essen mehr hinzustellen, wenn man ohnehin schon kocht ist kein Aufwand. - Ich verköstige auch spontan mehrere Kinderfreunde und hoffe keiner bildet sich ein, dass ich dort die Ersatzmutter gebe.

        LG, I.

        Hallo,

        ich kann dich verstehen, mir würde es auch so gehen.

        Bzw. kenne ich das ein bisschen aus eigener Erfahrung.

        Mittlerweile weiß ich, dass ich andere Menschen nicht ändern kann.

        Hast Du mit Deinen Eltern schon mal darüber gesprochen, wie Du Dich fühlst?
        Vielleicht ist es ihnen gar nicht bewusst?

        Ich wünsche Dir alles Gute
        LG

        (4) 02.02.17 - 16:44

        Ich kann dich voll und ganz verstehen. Ich wäre auch eifersüchtig. Bei uns ist es mein alleinstehender Bruder der meiner Meinung bevorzugt wird/wurde. Vor ein paar Jahren sind meine Großeltern gestorben, die in unserem 3-Familienhaus die 120 m2 große Erdgeschosswohnung bewohnt haben. Ich wollte mit meinem Mann und den 2 Kindern gerne dort einziehen. Meine Mutter wollte uns nicht. Sie hatte Angst, dass dann unsere Kinder ständig bei ihr wären und sie ihre geliebte Ruhe nicht mehr hat. Jetzt wohnen wir einem Haus für 1200€ Miete und mein alleinstehender Bruder in die Wohnung bei meinen Eltern eingezogen, der schon mit einem einzelnen Zimmer vorher überfordert war. Die Wohnung ist total chaotisch und dreckig und meine Mutter beschwert sich ständig bei mir darüber. Ich sage ihr dann, dass sie zu mir nicht kommen braucht damit. Mittlerweile bin ich froh, dass wir nicht dort eingezogen sind und unser Verhältnis ist auch wieder besser.

        Ich an deiner Stelle würde meine Eltern zu einem konkreten Termin einladen und wenn sie sagen, sie haben keine Zeit, fragen, wann es Ihnen denn stattdessen besser passt. Dann würde ich das Gespräch suchen und deine Gefühle schildern.

      • Hallo,

        ich kann dich verstehen! Und es braucht nicht mal eine schlimme Vorgeschichte um so zu fühlen. Mir hat es auch sehr weh getan, dass sich meine Schwiegereltern mehr für die Nachbarskinder interessiert haben als für ihre eigenen Enkel. Da lief es so ähnlich, wie du es beschreibst. Die haben auf die beiden Jungs der Nachbarin aufgepasst, haben Essen und Eis spendiert. Bei ihren eigenen Enkel haben sie sich fast nie blicken lassen. Es ist noch heute so, dass die Nachbarskinder bei denen im Geburtstagskalender stehen und ihre Enkel nicht. Ich habe mich lange Zeit ganz furchtbar darüber geärgert, aber das ist dann irgendwann abgeflaut. Irgendwann konnte ich mir sagen, dass es doch ihr eigenes Problem ist, wenn sie die schöne Kleinkindzeit mit ihren Enkeln verpassen Bis heute ist es so, dass meine Kinder zu meinen Eltern ein viel innigeres Verhältnis haben als zu den Schwiegergroßeltern, was denen heute natürlich auch auffällt. Sie haben bei meinen Eltern ja auch viel mehr Zeit und Zuwendung erfahren ... selbst schuld, liebe Schwiegis!

        LG

        (6) 02.02.17 - 19:33

        Hallo

        deine Mutter hat sich vor einigen Jahren abgenabelt , du noch nicht.
        Ihre Ehe war ihr damals wichtiger als die Familie und jetzt gibt es die Mieterin,direkt vor der Nase. Sicher ergibt sich mal die Gelegenheit darüber zu sprechen ,vielleicht sieht sie euer Verhältnis ganz anders?
        Ich würde sie regelmäßig einladen und ansonsten mich um meine Familie kümmern.
        Viele ändern sich mit zunehmendem Alter, leider nicht immer zum Positiven.

        <<<Mir aber ein schlechtes Gewissen machen, wenn wir nicht mal am Wochende zu Besuch kommen.<<<

        Wenn sie euch einlädt dann fahrt ihr doch hin ?

        L.G.

      • (7) 03.02.17 - 06:41

        Ich versteh dich auch!
        Bei mir ist es meine Schwester, die in solchen DIngen massiv bevorzugt wird... mittlerweile kann ich es objektiv sehen. Meine Schwester macht dafür auch wirklich jeden Mist mit, wo ich schon längst Widerworte gegeben hätte. Meine Mama und ich bewegen uns auf Augenhöhe, meine Schwester lässt sich widerspruchslos bemuttern, egal ob Kleidung, Deko, Haushaltsführung, Freizeitbeschäftigung- wenn Mama X will, wird das gemacht.
        Wie gesagt, mittlerweile seh ich die guten Seiten daran... mir bleibt viel elterlicher Wahnsinn erspart und ich muss mich nicht rechtfertigen, warum es bei uns keine Blümchen gibt und warum ich meine Unterwäsche oder Shirts für zuhause nicht bügele.
        Auch Du kannst egoistischer sein und Deine Sonntage anderweitig planen oder eben selbst Forderungen stellen "kommt zu uns, wir wollen nicht vor die Tür", auch kannst Du dir das junge Ding mal anschauen, vielleicht ist sie wirklich so hilflos, naiv und dankbar, dass selbst Du Muttergefühle kriegst und dann etwas mehr Verständnis hast.

        (8) 03.02.17 - 11:33

        Hey,

        wieso bewertest du "Eifersucht" so negativ. Eifersucht ist halt ein Gefühl und nichts schlechtes. Sie erfüllt einen Sinn. Akzeptier einfach, dass du dieses Gefühl hast.

        Leider kann keiner Menschen zu etwas zwingen. Du kannst deine Eltern nicht zwingen, sich mehr für dich zu interessieren als für die neue Nachbarin.

        Vielleicht brauchen deine Eltern nun jemanden den sie bemuttern können. Die neue Nachbarin wird sich hüten, Widerworte zu geben oder sich kritisch zu äußern. Wer beißt schon die Hand, die einen füttert. Und das ist für deine Eltern jetzt ja erstmal sehr schön. Sie können Omi und Opi spielen ohne Verpflichtungen und dem ganzen anderen was da so kommt;)

        Das tut dir weh, aber ändern kannst du es nicht. Vielleicht überlegst du dir, wie du es schaffen kannst, damit besser zu leben?
        Stärke vielleicht deine Beziehung zu den Schwiegereltern. Mach dich nicht abhängig von er Liebe und Fürsorge deiner Eltern.

        Und wenn die neue in einem Jahr wieder auszieht, dann wird das Interesse evtl wieder größer. Aber ob du das dann noch willst?

        Alles Gute

        Hallo & mach dich doch nicht so fertig,

        man hat als Mensch nicht nur positive Eigenschaften. Eifersucht ist etwas, was man auch nicht gut steuern kann.

        Mit meinen Eltern habe ich auch so eine Konstellation. Sie heißen meinen Lebensentwurf nicht so gut - aber eigentlich waren sie immer extrem kritisch, auch meinem Bruder gegenüber. Unsere Schwester hatte auch immer nach unserem Empfinden völlige Narrenfreiheit. Leute reagieren eben oft nicht so, wie man es sich wünscht. Ich war oft einfach auch enttäuscht, weil ich mir gewünscht habe, dass es anders ist. Eine Erinnerung ist z.B. der Abschluss an der Uni. Meine Eltern kamen nicht "ist ja dein Studium" - weil sie in Urlaub waren - meinem Vater wäre die Fahrt (weniger als 200 Kilometer) eh zu weit gewesen und im Hotel schläft er nicht gerne. Ich habe mir das Zeugnis dann zuschicken lassen, einfach, weil bei uns eine feierliche Übergabe mit Eltern üblich war und ich nicht derjenige sein wollte, der als einziger alleine da stand.

        Deine Mama lebt nun eben ihre Omagefühle da aus. Es ist auch etwas "strange", dass sie das an einer fremden Nachbarin tut. Versuch einfach, locker zu bleiben, was anders kannst du sowieso nicht machen.

        GLG
        Miss Mary

        (10) 04.02.17 - 10:50

        Hi du,

        ich schick dir mal eine Umarmung.
        Das wichtigste vorneweg, mach dich deswegen nicht fertig.

        Ich kann dich gut verstehen, meine Eltern lassen sich auch nicht blicken. Wohnen 10 Minuten Fahrt entfernt. Als mein Vater noch gearbeitet hat, hab ich es noch verstanden, er im Schichtdienst auch am Wochenende und meine Mutter hat kein Auto. Mit den öffentlichen ist man auf die kurze Strecke ewig unterwegs mit 3 Mal umsteigen und so.
        Jetzt ist er fast ein Jahr zu Hause und trotzdem kommen sie nicht vorbei. Weiß nicht wie oft ich gesagt habt, kommt doch einfach vorbei, ich bin ja zu Hause.
        Habe es aufgegeben. Aber zum Glück eben die Schwiegereltern im Haus, zu denen hat der Kleine dafür ein besonders inniges Verhältnis.

        Ich habe noch einen jüngeren Bruder, der wird auch ohne Ende bevorzugt. Er wird jetzt 30, keine Ausbildung und den aktuellen Job hat er durch mich bekommen und auch nur noch, weil mein Schwager so gutmütig ist. ( mein Bruder schläft während der Arbeit ein, surft mit dem Geschäftshandy im Internet und so weiter)
        Glaub mir, der gibt zu Hause keinen Cent ab und ich darf mir noch anhören, wie viel der Arme manchmal arbeiten muss.. Er arbeitet auf 450 € Basis dort, die Vollzeitstelle hat er wieder verloren, weil sein Verhalten nicht tragbar war.
        Als ich in meiner Ausbildung war, hab ich mich darum gekümmert, dass meine Eltern wieder Kindergeld bekommen und da wollte meine Mutter dann auch alles haben. Da hat mein Vater dann damals ein Machtwort gesprochen und ich durfte einen Teil behalten. Hätte nur 300 € im Monat und musste davon alles Kaufen an Essen, außer das Abendessen und natürlich Klamotten, Monatsticket, Getränke, weil ich kein Cola trinke und was anderes gab's nicht und wehe ich hab mal von dem Saft von meinem Vater getrunken. Dürfte mir dann anhören, dass ich ja selbst Geld verdienen und mit was Kaufen soll, oder Leitungswasser trinken. Meine Mutter war da echt heftig, nur mein Bruder dürfte natürlich alles essen und Trinken, der Arme hatte ja keine Ausbildung, weil ja alle so böse zu ihm waren, die Lehrer, die Mitschüler und die Leute die ihm keine Arbeit geben.. ( Wie auch, wenn man keine Bewerbungen schreibt)

        Ich hab mir auch lange Vorwürfe gemacht, dass ich so über meine Mutter Rede, schließlich hat sie mich groß gezogen usw.

        Aber inzwischen denke ich mir, was soll's die ist halt so und nehme es hin.
        Ich hab aber auch eine supertolle Schwiegermutti ich glaube dass gleicht es etwas aus.

        Von daher würde ich einfach mal das Gespräch suchen, dass sie sich um ein fremdes mehr kümmern als um das eigene Enkelchen und wenn sie das nicht einsehen, hake es ab und sag ihnen, wenn sie wieder Interesse an euch haben, sollen sie sich melden.
        Und dann lebe einfach dein Leben und werde so glücklich, geht auch ;)

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