Wie sag ich es ihr am Besten?

    • (1) 14.01.18 - 01:00

      Ja, auch ich habe ein Problem mit meiner 'Schwiegermutter'; auch wenn ihr es sicher nicht mehr hören könnt 😉
      Mir geht's dabei allerdings um etwas Anderes als in den ganzen anderen Threads hier...
      Bei unserer Tochter wurde gleich bei der Geburt eine Epilepsie festgestellt und es folgten (mit Unterbrechung) fünf Wochen Intensivstation und zwei Wochen Epilepsiezentrum. Die Kleine steckt ihre Anfälle gut weg und lässt sich kaum bis gar nicht von ihnen beeindrucken. Aber ohne OP wird sie nie anfallsfrei werden...Mein Freund und ich kommen mittlerweile ganz gut mit den Anfällen zurecht. Aber meine Schwiegereltern haben ziemliche Probleme damit. Mein Schwiegervater versucht, sich nichts anmerken zu lassen aber meine Schwiegermutter zieht sich ziemlich daran auf. Sobald unsere Kleine in Sichtweite ist oder meine SchwieMu über sie spricht, hat sie diesen leidenden Unterton. Mir fällt da leider kein anderer Ausdruck für ein. Selbst wenn wir uns gerade darüber amüsieren, wie schön die Kleine strampelt - sie ist permanent das "arme Mäuschen" und es ist alles so schlimm und so schrecklich und selbst wenn man meine Schwiegermutter mit Augenverdrehen anschaut, kommt sie aus diesen Reden nicht raus bzw. möchte es immer wieder bestätigt haben. Ja, sicher ist Epilepsie ohne die momentane Chance auf Anfallsfreiheit sch*** - aber ich muss doch nicht permanent dran erinnert werden...
      Wie mach ich das am Besten so begreiflich, dass es ankommt - aber sie nicht voll vor den Kopf stößt? Denn manchmal neigt sie leider dazu, leicht einzuschnappen

      • (2) 14.01.18 - 06:39

        Hallo,

        Ich glaube das übernimmt am besten dein Mann!
        Er soll seiner Mutter klipp und klar sagen das ihr euch auf die positiven Dinge konzentrieren wollt und keinem mit ihrem "Mitleid" geholfen ist.
        Kinder dürfen doch deutlich formulieren was sie wollen.

        Das soll Dein Mann übernehmen in der Form "Mama ich kann dich wirklich verstehen, dass Dir *** leidtut, aber bitte hör auf mit diesem andauernden Bedauern, du erinnerst uns und bald auch sie nur ständig daran, dass sie eine Krankheit hat. Möchtest DU dauernd nur mitleidig angesprochen und als nicht vollwertig behandelt werden, denn immerhin versteht *** bald an Deinem Ton, dass du anders mit ihr redest als wir"
        Darauf würde ich dann auch bestehen. Ich weiß, wie ihr euch fühlt, meine Tochter hat als Kind mehrere Skoliose-Ops samt 2 Jahren Gipse und Korsetten hinter sich und meine Enkelin steckte als Baby viele Monate in gut sichtbaren Hüftgipsen. Da bekamen die Leute auch immer gleich dieses Bedauern im Umgang und in die Stimme. Hilft aber nicht weiter. Vielleicht ein kleiner Trost: Die Tochter von sehr guten Bekannten hatte als Baby auch ziemlich schlimm Epilepsie. Heute ist sie eine bildhübsche gesunde junge Frau; die Krankheit verlor sich unter guter Behandlung komplett schon in der Kindheit. Operiert wurde sie nicht. Vielleicht müsst ihr mehrere Meinungen einholen. LG Moni

        (4) 14.01.18 - 09:23

        Moin,

        eigentlich gibt es da keine richtige Antwort.

        Als unser Kleiner die Kopforthese tragen musste sagten die Ärzte "Die Kinder brauchen 2 Tage um sich daran zu gewöhnen, die Eltern 2 Wochen und die Großeltern 2 Monate" :-)

        Ich denke klar darf man immer wieder darauf hinweisen dass man nicht ständig daran erinnert werden möchte. Sagt ihr einfach am besten zusammen (Mann vorschicken finde ich immer komisch) dass es für Euch auch schwer ist aber ihr gerne auch mal glückliche Momente erleben wollt und das nicht geht wenn sie das immer so präsent macht. Und dass es ja auch für sie besser wäre wenn sie mal die guten Momente ohne dieses "Gespenst" Eplilepsie genießen könnten. Aber auch sagen dass Ihr Verständnis dafür habt. Müsst ihr auch. Als unser Lütte damals als Extremfrühchen auf die Welt kam litten Omas und Opas auch gefühlt mehr als wir Eltern. Als Eltern ist man involviert, weiß mehr, ist auch irgendwo "beschäftigt". Und zumindest bei uns stehe man unter dem Einfluss der Ärzte und der Pfleger, die routiniert mit solchen Krankheiten / Vorfällen umgehen und man profitiert da finde ich viel mehr davon als man wahrnimmt. Mir ist das immer mehr klargeworden wie das Verhalten der Ärzte und Pfleger uns in der Sicht auf die Dinge beeinflusst hat. Das haben Grosseltern nicht. Überlegt Euch was für Sprüche / Gespräche / Verhalten Euch vielleicht in der Klinik weitergeholfen haben und gebt das weiter.

        Alles Gute Euch!
        WuschElke

        Also Gespräch a la "wir sagen wie wir uns fühlen" und nicht "auf den Pot setzen".

      • (5) 14.01.18 - 11:34

        Hallo,

        In der NS Zeit wurden Menschen mit Fallsucht zwangssterilisiert und stickmatisiert. In der katholischen Kirche gibt es Heilige die helfen sollen, dass es keine Anfälle gibt.
        Ohne Medikamente/ Therapie ist die Lebensqualität und Lebenserwartung mies.
        Die ersten Medikamente hatten häufig aufschwemmen zur Folge.
        Bis heute glauben zu viele, das man die Finger aufbrechen muss beim Anfall und das man immer den Notruf wählen muss.
        Epilepsiekranke durften ganz lange kein Auto fahren und noch ein paar Dinge nicht.
        Kurz die Krankheit ist schrecklich.

        Wie gut ist deine Schwiegermutter über den aktuellen Stand der Dinge aufgeklärt?
        Therapie Möglichkeiten, Notfallversorgung, geänderte Vorschriften und so weiter? Der Führerschein wird nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.
        Da würde ich ansetzen. Das sollten aber Fachkräfte machen. Erste Hilfekurs für Kinder und das sie nach Möglichkeit mal mit zum behandelnen Art mitkommt.

        Wenn das erledigt ist und ihr Tonfall immer noch leidend ist, solltet ihr reden. Es empfiehlt sich, dass das leibliche Kind der Wortführer ist.

        Gruß Sol

        • (6) 14.01.18 - 12:05

          Dein Freund sollte mit seinen Eltern darüber reden und zwar alle positiven Aspekte. Auch
          das die Epi nun mal Fakt ist und es dagegen auch Medikamente gibt, um diese blöde
          Krankheit irgendwie in Schach zu halten. Und das es ggf. auch eine Op geben wird.

          Meine Schwiegermutter hat sich ziemlich schnell damit abgefunden, dass unser jüngster
          Sohn frühkindlicher Autist ist.

        • (7) 14.01.18 - 12:27

          Vielen Dank für eure Antworten. Ich werd mit meinem Freund sprechen und dann werden wir gemeinsam mit seiner Mutter reden. Vielleicht bringt es ja was...
          @ Frühchenoma: Wir hören auch immer von Leuten, wo es sich in der Kindheit / Jugend verwachsen hat; aber ob das bei unseren Kleinen zutrifft, ist fraglich. Es ist leider eine komplette Hirnhälfte betroffen und bisher spricht alles von dieser OP. Wir haben uns schon verschiedene Meinungen eingeholt und sind noch an verschiedenen Stellen dran...
          @ Sol: Ich glaube nicht, dass sie die alten Stigmata im Kopf hat. Es ist eher ihre Art, wegen der sie so ist. Sie ist schwer übervorsichtig, das sieht man z.B. in der Art, wie sie mit ihrem Patenkind umgeht. Die Kleine kam zu früh auf die Welt und selbst jetzt noch - sie ist neun und man merkt nichts mehr davon - darf die Kleine kaum einen Schritt allein machen, ohne dass ihr hinterhergerannt wird. Mit vier durfte sie nicht einmal die vier Stufen von der Terrasse hoch in den Garten machen, ohne dass man das Kind an die Hand nahm. Und immer wieder hat sie in allen möglichen Situationen die Kleine ermahnt, dass sie aufpassen muss, damit sie sich nicht weh tut...
          Sie meint es ja nicht böse; aber ich seh mich leider schon jetzt das Selbstbewusstsein meiner Tochter wieder aufbauen, weil Oma ihr so viele Gefahren eintrichtert. Dabei sollte sie doch grade bei Oma tun dürfen, was Mama nicht erlaubt...

          • (8) 14.01.18 - 14:20

            Nach der Beschreibung sehe ich euch auch schon immer wieder innerlich seufzend das Selbstbewusstsein eures Kindes aufrichten.

            Dabei sollte sie doch grade bei Oma tun dürfen, was Mama nicht erlaubt...

            Nagut, ich habe nach den Hüftproblemen meiner Enkelin auch sehr auf sie aufgepasst, dass sie nicht von zu hoch wo runterspringt (Druck auf die Hüftpfanne) usw. - aber nicht lange, das hat sich dann gelegt und ich habe sogar die Mama ermuntert, ihrer Maus mehr zuzutrauen. Aber es stimmt schon, auch durch die WS-Geschichte meiner Tochter war ich anfangs auch ein bißchen ......vorsichtig#augen Aber dann hat Leonie bei mir wirklich mehr angestellt als bei Mama :-)
            Ich denke auch, sie hat einfach Mitleid mit dem kleinen Wesen, aber bitte, das darf man wirklich nicht übertreiben und das würde ich wirklich auch so sagen.
            LG Moni

      Meine Mutter kommt mit der Epilepsie meines Kindes noch heute sehr schlecht zurecht. Mein Sohn ist bereits 20.
      Er hat ausserdem aber auch eine schwere geistige Behinderung...da macht sie gar kein großes Theater drum, aber sie erträgt es bis heute kaum, wenn Sie einen Anfall sieht und hat jedes mal eine irre Panik, er würde nicht wieder zu Bewußtsein kommen.
      Alles erklären nützt da auch nichts.

      Aber Sie bemitleidet ihn nicht mehr rund um die Uhr, war früh in ziemlich viel involviert, da sie im Kleinkindalter viele Termine an meiner Stelle mit ihm wahrgenommen hat, da ich schwer erkrankt war....trotzdem mußte ich mich über die Jahre daran gewöhnen, mich nicht durch die lieb gemeinten Mitleidsattacken meiner Mitmenschen runter ziehen zu lassen.

      Irgendwie gehören sie dazu....in schlechten Momenten bei allen Großeltern, Urgroßeltern, Freunden, Nachbarn, Bekannten, Kollegen und wildfremden Menschen auf der Straße, auch ohne akuten Anlass. Dabei bin ich niemand der aktiv anfängt zu jammern und mich beim erzählen dann auch ehr auf positive Situationen beziehe. Ich hab solche Untertöne (mein Opa konnte es auch schlecht lassen) versucht zu überhören oder gesagt, dass wir kein Mitleid benötigen, da es uns gut geht, so wie es ist.

      Mein Sohn ist Autist und daher Verhaltensoriginell. Meine Schwiegermutter kommt auch nicht damit zurecht. Sie hat mir gegenüber auch oft diesen Unterton und den entsprechenden Gesichtsausdruck. Ich ignoriere das eiskalt und spreche mit ihr nur über seine Probleme wenn ich es für meinen Sohn für unausweichlich halte. Irgendwann wird ihm bewusst werden, dass seine Oma nicht hinter ihm steht. Das tut mir heute schon leid. Allerdings habe ich nicht soo viel Kontakt, so dass ich es nicht andauernd ertragen muss.

      (12) 16.01.18 - 15:23

      Hallo!

      Unsere Große hat seit ihrem dritten Lebensmonat täglich mehrere Anfälle. Kann mich echt gut in das rein versetzen, was du sagst. Bei mir war es meine Mutter. Ich würde dir auch raten, dass dein Mann das Gespräch übernimmt. Tut er dies nicht, würde ich nicht mehr mit hingehen und je nachdem wie alt euer Kind ist, darf es eben auch nicht mehr mit. Was soll die Kleine nur denken, wenn sie nur bejammert wird.

      Jeder geht mit dem Schock anders um. Aber wenn es dich zu sehr runterzieht, schütze dich davor. Du brauchst Kraft für dein Kind! Wenn sie so gar nicht damit klar kommt, rate ich zu professioneller Unterstützung.

      Alles Gute

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