Familie nicht begeistert von Tattoo

    • (1) 26.02.18 - 12:33

      Guten Tag,

      ich habe eine kleine Frage. Ich habe zwei 18 Jahre alte Narben am Oberarm, die mich mit jedem Jahr mehr belasten und mein ganzes Dasein beherrschen. In wirklich schlimmem Ausmaß, der Sommer ist für mich seit 18 Jahren eine riesen Qual , schon im Winter weiß ich nicht wie ich mit dem kommenden Sommer umgehen kann. Ich meide Grillfeste usw und bin jedes Mal froh, wenn der Herbst naht...also findet deshalb auch eine kleine soziale Isolation statt.

      Vor fünf Jahren habe ich mir die Narben sogar chirurgisch korrigieren lassen, hat aber für meine Seele wenig gebracht. Einen Vorteil hat es allerdings; sie sind so gut verheilt und so flach geworden (vorher waren es Keloide), dass man sie nun problemlos übertattoowieren lassen könnte. Für mich der absolute Hoffnungsschimmer; ich war schon im Tattoo Studio und nun warte ich auf die Zeichnung.

      Ich bin eher ein Mensch, der viel für Andere tut und sich regelrecht aufopfert. Dies wäre nun quasi das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas tun würde, was ausnahmslos mir gut tun würde und ich denke, dass auch Andere von meiner Hoffnung profitieren würden.
      Nun ist es so, dass in meinem familiären Umkreis keiner tattoowiert ist. Mein Bruder und mein Schwager reden mir gut zu und sagen auch, dass es ja eigentlich keinen etwas anginge.
      Mein Mann findet es auch nicht bestens und auch meine Kinder wollen es eher nicht. Nun bin ich wieder in einer Zwickmühle. Was soll ich tun. Einfach mal an mich denken und es durchziehen,...meinen Kindern wenn sie älter sind erklären wie ich mich gefühlt habe und dass es mir einfach nur geholfen hat oder soll ich es den Anderen wegen lassen und mich weiterhin Jahr für Jahr quälen bis ans Ende meines Daseins?

      Im Grunde genommen liegt die Antwort ja schon im Text verborgen. Es ist doch mein Körper und ich kann damit machen was ich will, oder?

      Brauche aufmunternde Worte und Meinungen.
      Lg. mein 2008

      • Natürlich ist es dein Körper und wenn du unter den Narben leidest, solltest du tun, was immer dir hilft um nicht mehr zu leiden. Ein Tattoo ist eine persönliche Entscheidung, in der absolut niemand dir rein reden darf. Wenn du doch damit besser fühlst, dann tu es. Du bist NIEMANDEM Rechenschaft schuldig. Du solltest allerdings an deinem Grund Problem (dich für andere aufopfern) arbeiten. Denn so wirst du niemals glücklich. Egal ob Tattoo oder nicht.

      Mach das,was Du für richtig hälst.
      Es ist Dein Körper und es geht niemanden was an,was Du damit machst.

      LG

    (6) 26.02.18 - 12:42

    Mach es! Die anderen gewöhnen sich schon dran.

Hallo,

natürlich machst Du es!
Da steckt jede Menge Leid in Deinen Zeilen. Wenn Dir das Tattoo dabei hilft, wieder ein gutes und selbstbewusstes Körpergefühl zu bekommen, dann lass Dich bei Deiner Entscheidung nicht von anderen beeinflussen. Sie stecken nicht in Deinen Schuhen.

Alles Gute für Dich!

(10) 26.02.18 - 13:08

Ich sehe es ein bisschen anders als die Vorschreiberinnen. Ich habe durch einen Unfall im Jahr 1991 (Schnittverletzungen durch den Sturz durch eine Glastür) zwei riesige Narben am linken Bein. Eine halbmondförmig, ca. 12 cm groß an der Wade, eine, sehr verwachsene ca. 25 cm lange unter dem Knie bis den Oberschenkel hinauf. Dazu leide ich seit 2001 unter Vitiligo, das heißt, nachdem ich schon immer nicht gut braun geworden bin, kommt nun dazu, dass ich an verschiedenen Stellen weiße Flecken habe, die hell bleiben. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass der Sommer auch für mich oft ein Graus ist. Ich trage draußen keine Shorts und keine "kurzen" Röcke, vor allem nicht im Job. Röcke nur im Winter mit blickdichten Strumpfhosen (was bin ich froh, dass diese Mode sich schon ewig hält! :-)) Ins Schwimmbad gehen funktioniert seit einigen Jahren wieder, so langsam wird es mir wurscht, ob wer guckt und dank des Internets und verschiedener Models wissen die meisten inzwischen auch, was Vitiligo ist. Sooo schlimm ausgeprägt empfinde ich es auch nicht, die Narben haben mehr Trauer und Frust verursacht.

Worauf will ich raus? Du klingst, als solltest Du generell an Deinem Selbstwertgefühl arbeiten (Stichwort aufopfern) und erst mal ganz tief in Dich hineinhören.

Was, wenn das Tattoo misslingt? Was, wenn es Dir plötzlich doch nicht so gut gefällt? Gibt es vielleicht die Möglichkeit, eine Art temporäres Tattoo über die Narben zu bringen. Zu Urzeiten - Anfang der 90er - gab es doch mal solchen Folientattoos, die sehr echt aussahen und einige Duschen überstanden haben bzw. nur mit Alkohol von der Haut zu entfernen waren. Vielleicht so etwas erst mal ausprobieren, wenn es das noch gibt?

LG
o_d

(11) 26.02.18 - 13:09

Nachtrag: Bei der unteren Narbe hatte ich auch schon mal überlegt, ein Tattoo drüberdengeln zu lassen, die Idee dann aus den von mir genannten Gründen verworfen. Ich hatte zuviel Angst, dass der Status schlimmer werden könnte.

Wenn du ein Tattoo willst - lass es machen. So wie du schreibst könnte ich mir aber vorstellen, dass es dir nicht hilft. Ich habe das Gefühl dass dich nicht die Narben selbst sondern die Geschichte hinter den Narben belastet. Und das lässt sich nicht „übermalen“ sondern muss aufgearbeitet werden.

  • (13) 26.02.18 - 13:27

    #pro

    War bei mir ähnlich. Mein Unfall passierte während eines Streits mit meinem Kindsvater. Erst als ich die in den nächsten Monaten folgende Trennung sowie die Beziehung (mit viel Fremdgeherei seinerseits) aufgearbeitet hatte, konnte ich mit meinen Narben besser umgehen. Vorher war da viel Bitterkeit, denn er war und ist mit dem "Streitgrund" zusammen. Sie hatte eine wunderbar makellose Haut, die beiden lagen ständig an irgendwelchen Baggerseen in der Sonne herum, während ich "allein und entstellt" war -
    da war in mir so viel Bitterkeit, Eifersucht, Wut und Neid. Erst als das alles ad acta war, ging es mit mit meinem Bein besser.

    LG
    o_d

    Das stimmt auch und ich bin dran. Die Sehnsucht nach einem richtigen Tattoo wächst aber mit Intensität der Aufarbeitung.

    Danke für deine Antwort!

(15) 26.02.18 - 13:14

Jetzt hab' doch mal nachgeforscht, die gibt es inzwischen sogar zum Selbermachen, wie cool ist das denn? #huepf Das muss ich ausprobieren, damit ich vielleicht im Sommer zu einem DM-Konzert eins auf dem Arm habe... :-)

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Dir alles Gute!

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