Streit wegen Arbeitssuche... habe ich übertrieben reagiert?

    • (1) 20.04.18 - 12:52

      Hallo,

      ich möchte heute gerne von euch wissen wie ihr die Lage seht und wie ihr reagiert hättet in meiner Situation.
      Es geht darum, dass ich seit etwa 4 Monaten auf Arbeitssuche bin. Gestern hatte ich ein Vorstellungsgespräch und am Abend habe ich darüber mit meinem Freund gesprochen.
      Ich erzählte ihm, dass es wahrscheinlich nichts wird da meine Gehaltsvorstellungen zu hoch wären.
      Einige Minuten später frage er mich: Wann hast du also vor mit deinen Gehaltsvorstellungen runter zu gehen?
      Als ich sagte ich will nicht unter meiner Minimalforderung gehen, kam von ihm dann noch eine weiterer Tritt: Willst du also lieber noch ein Jahr arbeitslos sein als weniger zu verdienen? ( Wie gesagt ich suche seit ca. 4 Monaten einen Job, wobei ich erst seit 1 Monat nichts verdiene)

      Da war ich sehr verletzt und traurig. Die Diskussion ging weiter bis ich weinen musste.

      Etwas Hintergrund zu unserer Situation:
      Mein Freund hat einen befristeten Arbeitsvertrag der in ca. 1,5 Jahren endet. Möglicherweise könnte er dort noch weiter bleiben, er möchte danach aber einen anderen Job mit besseren Verdienstmöglichkeiten suchen. Wir werden also vermutlichen umziehen.
      Ich habe mein Studium beendet und suche nun nach einer Arbeit. Dabei ist mein Studiengang relativ speziell. Bedeutet es gibt Jobs aber nicht unbedingt in unserer Region. Um Karriere zu machen müsste ich mich auf die Stellen in ganz Deutschland bewerben. Unserer Beziehung zu liebe beschränke ich mich aber auf die Region wo wir momentan wohnen.
      Ich habe auch schon 3 Bewerbungen mit Bewerbungsgespräch gehabt, die zu meinem Abschluss gepasst haben.Dort hätte ich auch mein Wunschgehalt bekommen.
      Bei Nr. 1 hat mir die Aufgabe nicht gefallen -> Absage meinerseits
      Bei Nr. 2 - >Absage von der Firma
      Bei Nr. 3 -> sollte eine neue Abteilung geschaffen werden. Leider hat es bis jetzt nicht geklappt. Ich stehe mit der Firma im Kontakt und sollte sich doch noch was ergeben melden sie sich.
      Ich habe noch 20 offene Bewerbungen von denen 4 mehr oder weniger zu meinen Studiengang passen, der Rest sind Arbeitsstellen auf die ich mich bewerbe weil sie hier in der Nähe sind. Ich sage es offen mein Minimum sind 2200€ Brutto. Es ist schon deutlich weniger als das was ich bei den passenden Stellen bekommen hätte.
      Die Stellen wo selbst die 2200€ zu viel waren (es waren bis jetzt 3 davon), waren Stellen bei denen ich zusätzlich noch am Samstag hätte arbeiten müssen bzw. mir wurde offen dargelegt, dass man deutlich mehr als 40h die Woche sehen will und Überstunden zur täglichen Routine gehören.

      Meine Antwort auf die Frage von meinen Freund war, dass ich mich nicht ausbeuten lassen möchte bei einem Job, der unter meiner Qualifikation ist und mir nicht mal Spaß macht. Ich war so wütend und habe ihm an den Kopf geworfen, dass ich vielleicht jetzt auch an mich denken sollte und mich auch weit entfernt bewerben sollte und wir dann halt eine Fernbeziehung führen müssen.

      Ich war einfach verletzt. Vielleicht auch weil er damals, als er mit dem Studium fertig war diese Stelle angenommen hat und nicht einfach einen Job in meinem damaligen Wohnort gesucht hat. Damals waren die Jobs nie passend zu seiner Ausbildung (laut seiner Aussage). Wir sind dann also zusammengezogen in eine Wohnung zwischen seiner Arbeitsstelle und meinem Studienort.
      Ich habe während meines Studiums als Werkstudentin gearbeitet 20h die Woche. Natürlich habe ich weniger eingebracht, aber er wollte damals unbedingt zusammenziehen obwohl ich ihm offen gesagt habe, dass ich finanziell nicht die Hälfte der Lebenshaltungskosten tragen kann, wenn wir dort zusammenziehen. Es war für ihn okay und wir haben die Aufgaben so verteilt, dass wir darüber nie Streit hatten. Aber jetzt fühle ich mich von ihm unter Druck gesetzt so nach dem Motto nimm das Erstbeste bevor du gar nichts einbringst und das verletzt mich in gewisser Hinsicht, weil ich ihn damals unterstützt habe und gesagt habe er soll was suchen, das Ihm gefällt.

      Er konnte meine Aufregung über seine Fragen nicht verstehen. Er hätte sie einfach nur sachlich gestellt. Es ginge ihm nur darum, dass etwas einbringen besser ist als gar nichts und es auch nicht toll ist wenn ich so lange ohne Arbeit dastehe. Er hat sich danach entschuldigt konnte aber nicht nachvollziehen wieso ich mich so verletzt gefühlt habe.

      Also nun die Frage habe ich mich zurecht verletzt gefühlt oder übertreibe ich?

      Lg Neokeks

      • (2) 20.04.18 - 13:15

        Ich bin ganz ehrlich, für 2200 brutto würde ich nicht Vollzeit arbeiten (und ich habe nicht studiert).

        Zu deiner Frage, ich finde nicht dass du überreagiert hast. Jobsuche ist nicht unbedingt leicht und es soll ja auch passen sonst fängst du vll in drei Monaten wieder von vorne an.

        Ich würde allerdings, umso länger die Arbeitslosigkeit andauert, umso mehr Kompromisse schließen, da bist du allerdings noch weit davon entfernt.

        • (3) 20.04.18 - 13:37

          Danke für deine Antwort.:-)
          Ich habe bis Ende März noch als Werkstudentin gearbeitet, somit habe ich noch etwas angespart, sodass ich momentan noch meine Teil zu unseren Kosten beitragen kann.
          Wie gesagt ich gehe schon runter mit meinen Erwartungen aber momentan habe ich noch viele Bewerbungen offen und deshalb sehe ich es noch gelassen.

          >>Ich bin ganz ehrlich, für 2200 brutto würde ich nicht Vollzeit arbeiten (und ich habe nicht studiert).<<
          Leider denken zu viele Berufseinsteiger so. Früher war es so, daß man klein angefangen hat und sich dann beweist. Heute wird nur die Hand aufgehalten und damit auch gleich die verbundenen Forderungen. Traurig :-(

          • Hmm. Ja ich habe mich in den Jahren auch hochgearbeitet. Und klar, ich verdiene jetzt viel mehr als ich damals überhaupt dachte. Aber mit Studium evtl im blödsten Fall unter 2000 brutto anfangen kann doch auch nicht das wahre sein.

            Übrigens habe ich damals nach einer Ausbildung im Büro mit 2000 brutto angefangen ;)

      (6) 20.04.18 - 13:17

      Du übertreibst.

      Auch mit deinen Ansprüchen an einen Job als Berufseinsteigerin.

    • Um sich auch nur ansatzweise ein Urteil darüber erlauben zu können, sollte man wissen, was Du studiert hast und in welchem Bereich Dein zukünftiges Tätigkeitsfeld liegt.
      Nachdem Du ein Studium abgeschlossen hast klingen 2200€ brutto (!) für mich erstmal nicht übertrieben. Aber wie gesagt, es kommt auf den Bereich an, in dem Du arbeiten möchtest.
      Könntest Du nicht auch erstmal einen Job annehmen und die Arbeitsstelle wechseln, wenn sich etwas besseres ergibt? Du kannst Dich ja weiterhin bewerben und jederzeit kündigen, wenn Du eine bessere Chance erhälst, es sei denn, Du würdest verbeamtet und müsstest dafür die Laufbahn wechseln.

      • Mein Studium bestand aus 3 Bereichen:
        1. Wirtschaftswissenschaften sowie bestimmte Rechtsgebiete.
        2. Eine Hauptfremdsprache, die man wählen konnte mit dem Ziel beim Abschluss auf einem Niveau zu sein, sodass Übersetzungen und Konversation problemlos klappen.
        3. Sowie Kurse in Geschichte, Kultur und Literatur bezogen auf den Bereich.

        Punkt 1 hat die Hälfte und Punkt 2 +3 zusammen die zweite Hälfte des Studiums ergeben.

        Firmen in meinem Bereich haben meistens eine Abteilung in dem Land, vertreiben ihre Produkte oder beziehen Teile von dort. Also sind die Jobs öfters zu finden, im Vertrieb, im Beschaffungswesen oder als Unterstützung der Geschäftsführung bei der Kommunikation zwischen den Firmensitzen und Abteilungsleitern/Personal gedacht.

        • (9) 20.04.18 - 15:24

          Hallihallo,

          gehe ich dann recht in der Annahme, dass Du Kulturwirtschaft studiert hast?


          Liebe Grüße
          Piwilein

          • (10) 20.04.18 - 15:46

            Mag sein das es so in die Richtung geht.
            Bei meiner Universität gibt es Kulturwissenschaften als eigenständigen Studiengang mit Spezialisierungen und Unterpunkten natürlich.
            Für uns war der Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften sowie für Sprachwissenschaften zuständig. Man kann sowohl die Bachelor wie auch die Masterarbeit entweder bei einem Lehrstuhl der Wirtschaftswissenschaften schreiben oder bei den Sprachwissenschaften.

            Darf ich fragen, ob du Kulturwissenschaften studiert hast?

            Ich kenne zwei Personen, die ein kulturwissenschaftliches Studium absolviert haben. Eine entfernte Bekannte arbeitet jetzt beim Finanzamt, die zweite ist Leiterin von zwei Filialen einer bekannten Modekette. Beide sind glücklich mit ihren Jobs :-)

            Lg Neokeks

            • (11) 20.04.18 - 16:47

              Ich habe Kulturwirtschaft mit Schwerpunkt ibero-romanischer Kulturraum studiert und arbeite als Assistentin des Geschäftsführers einer großen Baufirma.

              Ich muss sagen, dass ich - ohne es anfangs richtig geglaubt zu haben - sehr glücklich in meinem Beruf bin. Eigentlich hatte ich die Stelle zuerst nur angenommen um nach dem Studium mal irgendwo Fuß zu fassen. Das hat sich dann aber als echter Glücksgriff herausgestellt, was ich so ehrlich gesagt nicht erwartet hätte. 😉

              Liebe Grüße
              Piwilein

    (12) 20.04.18 - 13:25

    2200 Euro verdient man als berufseinsteiger fast nirgends. Zumindest nicht in den mir geläufigen Branchen. Ich hätte in meinem Beruf mit langer Berufserfahrung trotzdem nie mehr 1800 brutto verdient. Mein Mann als Elektriker mit jahrelanger Berufserfahrung verdient brutto gerade 2300. Also finde ich deine Forderungen schon recht überzogen.

    • (13) 20.04.18 - 13:34

      Also, für jemanden mit abgeschlossenem Studium fände ich 2200 Euro Brutto dann doch recht wenig. Auch als Einstiegsgehalt.

      Bei mir war das Einstiegsgehalt damals 3750 Euro Brutto, und mein Job zählt bei weitem nicht zu den bestbezahltesten unter Akademikern....

      • (14) 20.04.18 - 14:27

        "Weniger" ist aber doch deutlich mehr als GAR NIX! Auch in Puncto Lebenslauf und Arbeitserfahrung. Die TE merkt ja nun, dass die Arbeitgeber nicht nur auf sie gewartet haben.

    (15) 20.04.18 - 16:42

    Das ist bruttogehalt. Das finde ich sehr wenig.
    Ich habe nicht studiert und nach der Ausbildung direkt 2000 netto bekommen. Weiß gar nicht genau wie viel brutto das ist.

    • (16) 20.04.18 - 16:55

      Ich weiß, dass das brutto ist. Aber in diesem Bereich (zwischen 1800-2300) bewegen sich so zitmlich alle Menschen um meinem Umfeld vom Gehalt.

      • (17) 21.04.18 - 09:52

        4vielleicht hängt das ja auch vom Bundesland ab. Aber ich bin Krankenschwester, also kein gut bezahlter Job und habe von Anfang an um die 3500 brutto bekommen, jetzt dann als teilzeitkraft natürlich weniger.

        • (18) 21.04.18 - 10:28

          Ich glaube, das hängt davon ab, wie man arbeitet. Als Krankenschwester hast du nachtschicht und Museen am Wochenende arbeiten, dafür bekommst du natürlich Zuschläge (Feiertags- und nachtzuschlag). Wenn du, wie die te, beides nicht machen wollen würdest, würdest du auch weniger verdienen.

          • (19) 21.04.18 - 10:43

            Aber das ist nicht nur bei mir so. Viele meiner Freundinnen verdienen mehr oder gleich wie ich und das in einem bürojob.
            Mein Mann verdient deutlich mehr hat auch nicht studiert und arbeitet auch nicht im schichtdienst
            Und ein Studium sollte sich ja auch irgendwie lohnen.

(20) 20.04.18 - 17:42

Beim "richtigen" Studienfach (Mint-Fächer) in der richtigen Stadt (Metropolregion) erhalten Einsteiger durchaus das Doppelte. Ich habe vor 15 Jahren (!) als Einstiegsgehalt bei einem Unternehmen in München 4000 Euro brutto erhalten. Ein Bekannter wechselt gerade als Datenanalyst frisch von der Uni zu einem großen Unternehmen für 70.000 fix plus Boni (gesamt ca. 100.000 jährlich). Ein bekannter Ingenieur hat bei einem Autokonzern direkt nach der Uni für 60.000 p.a. brutto angefangen. Sind aber Top-Performer mit Promotion. Wenn man natürlich Germanistik und Kunst studiert hat, irgendwas mit Medien machen will und in Görlitz einen Job sucht, sieht die Gehaltsstruktur sicher deutlich anders aus.

  • (21) 20.04.18 - 17:47

    #pro

    (22) 20.04.18 - 17:52

    Klar, in einer Stadt wie München, wo die mieten schon exorbitant hoch sind, verdient man natürlich auch mehr, da die Lebenshaltungskosten ja auch extrem hoch sind. Und ja, natürlich kommt es auch darauf an, was man studiert hat. In meinem Umfeld (Familie und freunde) hst niemand studiert. Hier arbeiten alle in berufen, die man mit einem haupt- oder Realschulabschluss erlernen kann. Der einzige freund von mir, der studiert hat, hat Architektur studiert, will aber gar nicht als solcher arbeiten und lebt in Berlin. Dort hat er 3 Jobs, um die Miete und seine Lebenshaltungskosten zu zahlen. Alle anderen in meinem Umfeld sind in handwerklichen oder sozialen berufen tätig oder eben im Einzelhandel oder in Büro Jobs. Und in keiner dieser Branchen verdient jemand mehr als 2300 Euro brutto. Zumindest nicht, dass ich wüsste.

    Ich habe Germanistik studiert (Kunst nicht, aber ein anderes Nebenfach), mache im weitesten Sinne "was mit Medien" und verdiene recht ordentlich. Allerdings wohne ich geschätzte 600 Kilometer von Görlitz entfernt. Vielleicht liegt es daran. ;-) #winke

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