Bullshit-Bingo für arbeitende Mütter

    • (1) 09.05.18 - 10:51

      Hallo zusammen,

      nachdem ich grade mal wieder den 342. Spruch zu meiner Berufstätigkeit trotz Kind bekommen habe, wollte ich doch mal schauen ob es hier ein paar gleichgesinnte "Leidensgenossinnen" gibt, die gerne auch ein bisschen Dampf ablassen wollen. :)

      Zu unserer Familiensituation: Mein Mann und ich sind Anfang/Mitte 30 unser Sohn ist 2,5 Jahre alt. Wir arbeiten beide Vollzeit, mein Mann 2 Tage im Homeoffice und unser Sohn geht max. 45 Std. die Woche zur TaMu (oft wird er aber von uns oder Oma & Opa früher abgeholt) bzw. bald in die KiTa. Da mein Mann im Homeoffice wenig arbeiten muss, kümmert er sich da um Putzen und die Wäsche und ich um den Rest (Kochen, "Logistik", Einkäufe, Bügeln, Buchhaltung etc.) nach Feierabend oder am WE. Seine und meine Eltern wohnen ganz in der Nähe und sind sehr engagierte Großeltern. Der kleine verbringt dort also regelmäßig alleine Nachmittage und Nächte. Mittlerweile mehr weil er dazu Lust hat, als dass wir wirklich "kinderfrei" brauchen. Wir haben eine sehr gleichberechtigte Beziehung: keiner hat wirklich die Hosen an, Entscheidungen werden zusammen getroffen, es gibt nur ein Konto und jeder muss bei allem ran. Sowohl Haushalt als auch Geld verdienen.

      Auch wenn unsere Woche immer wieder eine organisatorische Meisterleistung ist, sind wir mit unserem Modell und dem Status Quo wirklich sehr zufrieden. Durch die beiden Jobs sieht es natürlich auch finanziell sehr gut aus, was (egal wie groß die Liebe zu Partner und Kind ist), seien wir mal ehrlich, auch eine entscheidende Rolle spielt.

      Wenn da nicht das alltägliche Bullshit-Bingo von den mehr, weniger oder gar nicht beteiligten "Experten" wäre, mit dem man sich im Alltag so herumschlagen darf....

      Und immer wieder die gleichen Fragen:

      - Muss das denn sein?
      - Vermisst Du Dein Kind denn nicht?
      - Aber der Kleine ist doch noch so jung!?
      - Verdient Dein Mann nicht genug?
      - etc. pp

      Wie geht es euch denn da so? Bin ich da zu empflichlich oder muss man sich manchmal wirklich fragen ob zuviel Menschen der Gesellschaft im letzten Jahrhundert stehen geblieben sind?

      VG :)

      • Hallo,

        ich arbeite zwar nur halbtags, meine Freundin Vollzeit seit ihr Sohn 1 Jahr alt ist. Sie "musste", weil sie ihren Job behalten wollte (also nicht in eine andere Abteilung wollte).
        Ihr Sohn ist heute 10 und ich habe nicht den Eindruck, als wäre es ihm irgendwie nicht gut bekommen. Die wenige gemeinsame Zeit wird um so intensiver genutzt, also alles gut.
        Lass dich nicht verrückt machen ;-)

        LG
        sonntagskind

      Ach, wie man es macht, ist es falsch. Jeder hat irgendeine Meinung und fühlt sich dazu berechtigt, die auch lauthals zu verkünden. Dein Mann und du entscheiden, was am besten für eure kleine Familie ist - ihr kennt ja eure Familie am besten. Andere Leute müssen weder eure Rechnungen bezahlen noch haben sie Verantwortung für euer Kind. Lass dich nicht verunsichern: Sprüche zum einen Ohr rein und zum anderen gleich wieder raus 😉

      Meine Mutter hat immer Vollzeit gearbeitet und ich fühle mich dadurch nicht geschädigt. Meine Oma hat auch immer voll gearbeitet und sogar deren Mutter - das war noch vor dem Krieg: eigene Landwirtschaft, Gasthof und dazu drei Kinder. Ich habe die Frauen in unserer Familie immer bewundert, wie sie das alles gewuppt bekommen haben.

      Ich selber habe mich trotzdem etwas anders entschieden und war mit den ersten beiden Kindern jeweils 2 Jahre zu Hause. Aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich persönlich die Doppelbelastung von Familie und Beruf nicht wollte. Interessanterweise bekomme ich blöde Sprüche zu hören, wieso ich denn so lange zu Hause bleibe. Es würde den Kindern schaden, wenn sie nicht

    Ich finde es klingt doch als wären in eurer Familie alle glücklich und zufrieden wie es läuft und es scheint ja auch gut zu laufen. Also sei lieber stolz auf euch und genießt euer Leben genau so weiter. Das ist so wichtig und es ist völlig unwichtig was andere davon halten. Ihr als Familie müsst euch mit dem wie ihr lebt identifizieren können und glücklich sein.

    Alles andere ist irrelevant. Kein Leben und kein Modell lässt sich auf jede beliebige Familie übertragen. Deshalb hat auch keiner das Recht darüber zu urteilen.

    Wir leben im Moment ganz anders und sind in allen Bereichen unseres Lebens auch glücklich und zufrieden. Das nächste Jahr wird sich zwar viel ändern aber im Moment und die letzten drei Jahre haben wir ganz anders gelebt als ihr und wir sind nicht weniger glücklich. Und glaub mir auch ich habe den ein oder anderen Spruch bekommen.
    Ich halte mich aber lieber an die die uns gut gesonnen sind, mir ein Kompliment machen oder sich für uns freuen das alles so ist wie es ist. Den Rest überhören ich und genieße mein Leben.

    Mach das auch... 🙋

(9) 09.05.18 - 11:23

Hallo,
ich mache mir wenig Gedanken, wie andere Menschen leben und kommentiere deren Leben in der Regel auch nicht.

Wenn eine Freundin Probleme hat, um Rat fragt und ich sehe eventuell den Grund dafür in ihrem Lebens-Arbeits-Betreuungsmodell gebe ich Tipps, ob es daran liegen könnte.

Daher verstehe ich diese Fragen von anderen nicht und würde mir das verbitten. Ich frage ja auch nicht aus dem blauen Dunst meine Hausfrauen Freundinnen, ob sie nicht Angst vor der Zukunft haben und ob sie es nicht frustrierend ist nur Haus und Kinder um sich zu haben.

Für mich persönlich (auch vollzeit arbeitend seit die Kinder 8 Monate sind) mit früher vollzeitarbeitenden Mann wären 45 Stunden Betreuung bei Tagesmutter plus Betreuung durch die Großeltern zuviel.

Bei uns war das anders geregelt weil unsere Arbeitszeiten recht flexibel sind. Die Kinder waren so etwa 25- 30 Stunden in Fremdbetreuung (inklusive Oma Tage). Ab drei Jahren im Kindergarten max. 7 Stunden.

Dass ein Elternteil Home office hat und dann während die Kinder bei der Tagesmutter oder Großeltern sind die Wäsche macht, wäre für uns nicht in Frage gekommen.
Und spätestens, wenn die Kinder dann noch lieber zusätzlich bei Oma und Opa sind, würde ich mich fragen, ob ich nicht den Kontakt verliere.

Und bevor ich dann in der freien Zeit bügel und putze hätte ich eher eine Putzfrau. Hatten wir auch damals, als die Kinder klein waren.

Aber wie gesagt, so sehe ich das. Und bis auf einmal hat auch nie jemand mein Modell bewertet, zumindest nicht mir gegenüber.

Du machst es anders, und das ist auch vollkommen okay.

Kenn ich gar nicht.. lese sowas immer nur bei urbia.

In meinem realen Umfeld - sowohl im Freundeskreis als auch im Job - treffe ich durchwegs arbeitende Mütter und "gleichgestellte" Elternteile.
Da kräht kein Hahn nach.

Urbia scheint hier nicht besonders repräsentativ zu sein. Oder wir sind in Österreich einfach so fortschrittlich. ;)

LG

  • >>>Kenn ich gar nicht.. lese sowas immer nur bei urbia.<<<

    Geht mir auch so und da würden mir noch bestimmt zehn andere "Problemstellungen" einfallen.

    (12) 09.05.18 - 16:00

    Ich kenne das auch erst seit ich selbst Mama bin und arbeite (20-30 Stunden) und diese Diskussion regelmäßig mit meiner Schwiegermutter führe. Ich hätte es nicht für möglich gehalten und bin mittlerweile schon reichlich angenervt von dem Thema.

    Du musst doch nicht arbeiten.
    Du bist doch die Mama.
    Warum bekommst du Kinder wenn du sie nicht selbst erziehst?
    Ich bin ja so froh das ich immer bei meinen Kindern daheim war, man verpasst so unglaublich viel.
    Und so weiter. Und so weiter.....

    Mein Mann hätte es auch gern gesehen wenn ich mindestens 2-3 Jahre voll daheim wäre. Mein Angebot, er dürfe gern das 2. Jahr Elternzeit nehmen und wir leben von meinem Gehalt, fand er total abwegig und absurd. Schließlich verdient er mehr. Ja, stolze 300€ ohne die wir bestimmt verhungern! 😂

    Du siehst, das Familienbild der 50er ist noch sehr präsent. Als ich meinem Mann und seiner Mutter mal direkt sagte das ihre Ansichten veraltet sind waren beide beleidigt.

Da ich hinter unserem Lebensmodell stehe, hat mich nie verunsichert, was andere davon halten. Und wir leben tatsächlich anders als die große Mehrheit.
Anders herum: Ich kommentiere die Lebensmodelle anderer nie, nicht mal in Gedanken, denn jeder hat das Recht (und seine persönlichen Gründe) sein Leben so zu leben, wie er es tut. Insofern bin ich da komplett schmerzfrei und würde mich an deinen Stelle weder angegriffen fühlen noch Dampf ablassen wollen.

Oder willst du vielleicht einfach nur über aus deiner Sicht weniger emanzipierte Mütter lästern und dies mit abgelassenem Dampf "vernebeln"? #schein

  • Nun ja, ich glaube nicht, dass die Mütter, die weniger arbeiten weniger emanzipiert sind. Ich glaube Emanzipation bedeutet, dass vor allem Frauen heute frei entscheiden können sollten, wie sie ihre eigene Rolle definieren bzw. wie sie leben wollen. Da spielt es keine Rolle ob es als Hausfrau, Working Mum oder eben Mischung aus beidem ist. Wir sollten uns alle damit wohlfühlen aber uns auch über die Konsequenzen Gedanken machen. Das kann bei jemandem wie mir die Tatsache sein, dass ich das ein oder andere im Leben meines Sohnes verpasse und/oder ich vielleicht auch nicht seine engste Bezugsperson bin etc. pp. Bei anderen Müttern kann es bedeuten, dass weniger Geld zum leben da ist, zu wenig für die Altersvorsorge gemacht wird und man eben im Falle einer Trennung oder schlimmer Krankheit/Verlust eventuell sehr schlecht da steht. Vor all diesen Punkten hatte ich persönlich immer mehr Angst als vor anderen, was zum kleinen Teil auch Gründe für meine Entscheidungen waren.

    Also nochmal, es geht mir nicht darum jemanden zu verurteilen. Aber wenn man sich genau sowas selber ständig anhören muss und sehr kommunikativ ist, tut es manchmal einfach gut, die genervten Gedanken in Worte zu fassen.

    • Wenn du dir das wirklich "selber ständig anhören musst" (wenn ich die andere Antworten überfliege und auch aus meiner eigenen Erfahrung ist das bei anderen nämlich nicht der Fall), dann würde ich mal überlegen, warum ausgerechnet Dir gegenüber so viele dieses Thema ansprechen. Vielleicht forderst du diese Diskussion ja tatsächlich heraus, weil du das Thema so mit dir "rumträgst" (eigene Unsicherheit/ Unzufriedenheit/ deine Zukunftsängste).

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