Meine Mama....

    • (1) 13.09.18 - 11:47

      Hallo zusammen. Ich habe hier schon öfters von mir und meiner 86 jährigen Mutter berichtet. Mein Vater ist letztes Jahr gestorben im hohen Alter von 87. Meine Mutter hat denke ich, bis heute den Verlust nicht ansatzweise verarbeitet. Ich habe eine Beziehung seit über einem Jahr und besuche meine mom regelmäßig. Wir telefonieren jeden Tag und wenn etwas sein sollte bin ich in 15 min zuhause. Meine Mom war oder besser gesagt mittlerweile wieder, extrem eifersüchtig auf meine Partnerin. Die hat das auch alles mitbekommen, und deswegen ist dieses Verhältnis nicht das beste. Ich mache bis auf das Haus putzen alles. Organisiere ArztTermine, mache ihre Medikamente fertig , mähe den Rasen und die Wiese kaufe ein mache Überweisungen...also im Endeffekt sehr viel. Mir selber geht es aber überhaupt nicht gut. Jeden Tag höre ich von meiner Mutter was ich alles falsch mache, emotionale Erpressung ist ebenso ein Thema und mit meinen Nerven geht es stetig bergab. Ich habe online einen Therapeuten konsultiert, weil ich nicht mehr weiter wusste, geschweige den, was richtig und was falsch ist. Er meinte auch das mein Fehler darin liegt, das meine Mutter nie gelernt hat, alleine zu sein und das es jetzt im hohen Alter umso schwerer ist damit klar zu kommen. Mich befällt immer mehr eine tiefe Traurigkeit , weil ich nicht mehr weiß wie ich die Befindlichkeiten meiner Mom verbessern kann das sie nicht bei jeden Anruf ihre weitgehenden Hasstiraden meiner Partnerin gegenüber sein lässt. Ich habe sehr oft keine Lust mehr nach Hause zu fahren. Vielleicht ist hier jemand der mir tipps geben könnte was ich jetzt tun soll. Es muss jetzt etwas passieren. Ich bin komplett neben der Spur. Psychologische Hilfe annehmen ..was haltet ihr davon ? Danke für eure Zeit und Antworten.

      • Edit... nicht der Therapeut meinte es sei meine schuld das meine mom das alleine sein nie gelernt hat sondern meine schuld ist das ich zu lange zuhause war bei Ihnen...

        Ich kann verstehen, dass das eine schwere Situation für dich, deine Partnerin, aber auch für deine Mutter ist.

        Sie hat, nach vermutlich sehr vielen Jahren Ehe, ihren Mann verloren und sieht sich jetzt damit konfrontiert, auch dich an deine Partnerin 'zu verlieren'.
        Du schreibst, du kaufst ein, machst ihr die Medikamente zurecht, mähst den Rasen, machst also alles. Sitzt du auch mal bei ihr und plauderst mit ihr? Hörst ihr zu, erzählst von deinem Leben, fragst sie um Rat, wie es ihr geht, was sie von dies und jenem hält, führst Gespräche mit ihr?

        Natürlich ist das alles schwer, das alles unter einen Hut zu bringen. Wenn es finanziell machbar ist, vielleicht wäre eine Seniorenbetreuerin zwei, drei Mal die Woche eine Lösung? Die sich um all das 'Machen' kümmert, damit du dich auf das 'Dasein' konzentrieren kannst.

        Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass eine Frau in dem Alter es noch lernen sollte, allein zu sein. Es ist absehbar, dass sie in einigen Jahren dich/euch 'alleine' lassen wird, also genießt die Zeit, die ihr miteinander habt.

        • Hallo Dornpunzel, ja ich sitze 2 bis 3 mal in der Woche wen es machbar ist (ich weiß wie sich das gerade anhört) bei meiner Mum und versuche normale Gespräche zu führen...aber entweder ist das überhaupt nicht mehr möglich oder wir sind nach ein paar Minuten wieder bei den Vorwürfen und dem gezeter. Ich verstehe sie ja. Aber ich merke wie es bei ihr in kompletten Hass umschlägt. Und dann solche Kommentare " Du wirst mit Sicherheit noch eine bessere /andere (Frau/Freundin) finden als sie... Ich bin wirklich nicht auf den Mund gefallen aber da bleibt .Mr manchmal auch der Mund weit offen stehen...

      (5) 13.09.18 - 13:16

      Hallo Tom,

      ich hoffe, mein Sohn kümmert sich mal so toll um mich wie du dich um deine Mutter!

      Du machst das super!

      Bei Hasstiraden würde ich allerdings an deiner Stelle kommentarlos auflegen, nachdem du es vorher angekündigt hast.

      Dein Leben muss sie auch respektieren!

      Alles Gute weiterhin!

      Ich würde ihr klar sagen- Mama, ich bin erwachsen, du hast mich zu einem vernünftigen Mann erzogen, der weiß wer und was ihm gut tut! Ich verbitte mir jede Einmischung in meine Beziehung! Ab jetzt steh ich sofort auf und gehe, wenn das wieder passiert! Setz das dann auch um...sag ihr, dass du sie liebst und verstehst, dass sie einsam ist, du aber kein Partnerersatz bist und dein eigenes Leben führst!

    • "Psychologische Hilfe annehmen ..was haltet ihr davon ? "

      Auf jeden Fall!
      Aber prüfen, ob die Chemie stimmt und es passt.

      Meine Eltern waren beide pflegebedürftig.

      Es gab verschiedene Facetten

      1. helfen, unterstützen, wo es nötig war.
      helfen, unterstützen hat viele Formen!

      z.B. Pflegedienst, der zusätzlich Zeiten übernimmt

      2. emotionale Seiten.
      Warum handeln sie so?
      Bei meinem Vater war es eine Mischung aus Angst (es nicht mehr selbst zu können, keine Hilfe zu bekommen) und Verlust seiner Selbständigkeit.

      Hier gab es mehrere Wege
      - seinen Frust durfte er haben
      - ich war aber nicht verantwortlich für seine Gefühle
      - Unterstützen ja (ambulante Pflege), die ihn aber sein Gesicht wahren ließ (= ihn nicht der Hilflosigkeit ausliefern)

      Er lernte mit seinem Frust umzugehen, was ich ihn selbst anwesend nie hätte unterstützen können. Das waren die neutralen Personen, die vieles übernahmen. Er war nicht allein, er war aber auch nicht von der Familie verlassen.
      Wenn ich all das übernommen hätte, hätte es nur noch gekracht. Auch weil er innerhalb der Familie sein Gesicht nicht so zu wahren versucht hätte und weiter in eine Form von Depression gerutscht wäre.



      Und dann gibt es noch die andere Seite.
      Elternteile, die nie gelernt haben alleine zu sein. In der Form von : sich zwanghaft an ihre Kinder binden.
      Wo aber auch schon die Partnerschaft schwierig war und aus einem Nutzen-Halten-Zwangs-Verhältnis beruhte. Ein klammernder Parnter und ein co-abhäniger, der aus Angst den/die Partnerin alleine zu lassen, sich beklammern ließ.
      Oder umgekehrt eine/r der ausstrahlte alleine so hilflos zu sein, dass der andere sich in der Abhängigkeit sah, sich ständig zu kümmern. Weil die erste Person nie selbstständig sein wollte.

      Wenn dann andere Familienmitglieder mit ihrem eigenen Leben, diese Symbiose (vorgelebte Idylle) stören, wird es schräg, bizarr, teilweise hasserfüllt.

      Da ich glaube schon mehrere Beiträge von dir gelesen zu haben, kann ich es bei dir nicht so ganz einschätzen. Fürchte jedoch aus dem Bauch heraus, dass dich deine Mutter immer wieder in eine krankhafte (nicth nur altesbedingte auf dem Tod des Partners basierende) Symbiose zwängt, sondern schon viel früher Weichen gestellt wurden :-(
      Alter und Verlust des Partners (der Gewohnten Lebensumstände) toppen sich hierbei.

      Wäre dem wirklich so, wäre es wichtig, dass du dir selbst Hilfe suchst.
      Für jetzt (Situation mit und stundenweise ohne deine Mutter)
      für dich in deiner Partnerschaft und wie du Partnerschaft leben möchtest
      für später. Selbst wenn deine Mutter irgendwann nicht mehr lebt, kann es passieren, dass sie in deinem Kopf weiterhin agiert und dich beinträchtigt. Schlechtes Gewissen über den Tod hinaus ist leider nicht zu unterschätzen. Trauer ist gut und wichtig. Schlechtes Gewissen, das dann umso mehr, umso heftiger hervortritt (je nachdem welche unausgesprochenen/auspgesorchenen Drohungen oder Augenrollen über längere Zeit anerzogen wurden), kann es dann umso heftiger treffen (oder befreiend sein). 50/50 Chance und beides kann erst mal extreme Auswirkungen haben. Muss nicht, kann aber.
      Von eigenem Zusammenbruch (eintrainierten Schuldgefühlen), Trennung (weil unklar ist ob Muttern doch rechte hatte oder nicht) bis hin zu Freiheitssausen und Euphorie gefühlt endlich frei zu sein. Dabei sein eigenes Leben so auf den Kopf zu stellen, dass es erst mal wieder ungesund ist, weil man sich selbst verloren hatte. Oder gar nie erst kennen gelernt hatte, weil man ja eigentlich nur zum Funktionieren zuständig war, nie für sich selbst (und was man einem selbst gut tut und so).


      Psychologische Hilfe auf jeden Fall.

      Du scheinst schon an einem Punkt zu sein, wo du nicht mehr weißt, wo oben und unten ist. Die Situation an sich ist anstrengend genug.
      Dass deine Gefühle herumgetrampelt werdne ist ein No Go.


      Pflege von Angehörigen ist für viele anstrengend
      und auch bei gesundendem! Verhältnis würde ich zu Hilfe von außen tendieren. Entlastung, mit anderen sprechen, sich austauschen, nicht alleine sein mit der Situation.Sowohl für den Gepflegten, als auch für die pflegenden Angehörigen selbst!

      In deiner Situation scheint sich alles noch zu toppen, noch ganz andere Dinge die tiefer gehen dabei zu sein. Da würde ich auch ohne Pflege und ohne die aktuelle Situation zu Unterstützung von außen raten.

      In der Doppelsituation also auch doppelt.

      Pass auf dich auf
      und verlier dich selbst nicht aus den Augen
      (oder viel Kraft, damit du dich für dich selbst erstmals oder wieder findest)

      Du wirst sie in diesem Alter nicht mehr ändern, das ist Fakt. Aber Unverschämtheiten gefallen lassen musst Du Dir auch nicht.
      Hat sie einen Pflegegrad, bekommt sie z.B. eine Haushaltshilfe oder ähnliches? Wer putzt, kocht und kauft ein usw.? Gib mal ein paar Arbeiten ab, sonst bist Du mehr in ihrem Haushalt als in Deinem. Haushaltshilfe, Essen auf Rädern, Hausmeisterdienst - es gibt Hilfen genug.
      Zudem kannst Du ihr wirklich sagen, dass Du Dir die Beschimpfungen nicht mehr anhörst und sie notfalls auf Deine Besuche verzichten muss, wenn sie nicht aufhört. Das müsste sie schon noch begreifen.
      Wozu brauchst Du psychologische Hilfe? Weil Du Dich nichts sagen traust? Na DAS müsstest Du als erwachsener Mann eigentlich hinkriegen. Aus emotionaler Erpressung kann Dich niemand befreien - nur Du Dich selber.
      LG Moni

      Welche der bereits in Deinen vergangenen Postings zahlreichen und guten Tipps hast Du denn bereits umgesetzt? Man rät Dir ja immer wieder dasselbe: Deine Mutter in die Schranken weisen, ihr Grenzen aufzeigen. Und jedesmal erklärst Du, Du kannst nicht mehr. Irgendwie liest sich das jetzt so, als hättest Du abgesehen von dem Onlinegespräch mit dem Therapeuten noch gar nichts weiter unternommen?

      Wenn das so weiter geht wirst Du die psychologische Therapie dringend brauchen, weil Du eine Depression bekommst.

      • (10) 13.09.18 - 17:26

        SO wirklich kommt er aus der Sache nicht raus, ohne sich ewig Vorwürfe zu machen. Die Mutter ist 87, hast du das gelesen? Er muss sich halt ab- und zu aussprechen, um durchzuhalten. Das schafft er schon noch.

        • Es geht hier u.a. um Abgrenzung. Die Mutter muss nicht seine Freundin beschimpfen, das darf er sich verbitten und unterbinden. Auch ihr Alter rechtfertigt nicht alles, selbst beginnende Demenz oder eine Depression ihrerseits heißt nicht, er muss das stundenlang anhören.

    Wohnt ihr zusammen? Dann zieh aus. So einfach

    Wuah dejavu??? Wie oft noch?

    Hallo,

    ich betreue auch meine Mm, sie wird 85 Anfang nächsten Jahres. Auch sie hat sich auch meinen Vater verlassen, hat nichts mehr selber gemacht, sei es Bankgeschäfte, Termine usw. Das habe ich als Tochter übernommen, mittlerweile seit fast 8 Jahren so lange lebt mein Paps nicht mehr) Aber Anfang des jahres habe ich beim Hausarzt angefragt mit welchem Pflegedienst die zusammen arbeiten und habe mich mit dem Pflegedienst in Verbindung gesetzt. Seit 14 Tagen hat sie den Pflegegrad 2 (gegen den Grad 1 hatten wir Widerspruch eingelegt) haben uns vorher vom Hausarzt eine Verordnung ausstellen lassen damit die Medikament gestellt werden usw. Sie bekommt jetzt eine Haushaltshilfe alle 14 Tage und es kommt 1x in der Woche jemand der ihr beim Duschen hilft ds zusätzliche duschen übernehme ich dafür gerne am Wochenende. Somit bin ich entlastet, sie auch obwohl sie megasauer auf mich war weil ich einen Dienst angesprochen hatte. Die Pflegedienstleitung hat sie ein bissel eingenordet und das schein geklappt u haben.
    Du solltest das auch einfach mal in Angriff nehmen ohne vorher anzufragen bei deiner Mutter.

    LG
    Solltest du noch Fragen haben kannst du mich gerne per PN anfragen!

    • "Du solltest das auch einfach mal in Angriff nehmen ohne vorher anzufragen bei deiner Mutter."

      So war es bei meinem Vater auch ein bisschen.
      Wenn das Thema aufkam, hat er sich mit Händen und Füßen gewehrt.
      Als der Pflegedienst dann kam, war er stolz wie bolle, zeigte sich von seiner fittest möglichen Seite.
      Ihm tat es gut, wieder unter Menschen zu sein, wieder von anderen als Mensch wahrgenommen zu werden.

      Seine Angst war u.a. dass er dann nur noch als "der Pflegefall" behandelt wird.

      Im Fall des TE wäre es aber auch eine Form des loslassen müssens, nicht mehr alles unter Kontrolle haben. Diese Angst hatte mein Vater zum Glück (in Bezug auf die erwachsenen Kinder), sondern "nur" auf sein eigenes tun und wahrgenommen werden.

      Außerdem kann es nicht schaden, sich selbst mal zu informieren.

      Das nimmt dann auch den "Patienten" die Angst, wenn sie nicht mit zig Vorschlägen überschwemmt werden.
      Bei meinem Vater gab es kaum Auswahl.
      Wenn es zwei gute gegeben hätte, hätte er die Wahl zwischen diesen gehabt (ganz ohne wäre nicht zur Wahl gestanden :-p) so viel Mitsprache hätte er von mir bekommen.

      Er war dann auch froh, dass ich einiges an Vorarbeit geleistet hatte und der Arzt mit ihm dann darüber sprach. Seine allerallergrößte Angst wäre gewesen, ins Heim zu müssen oder noch schlimmer dran zu sein :-(


      Bei einer Bekannten half auch nur ausprobieren.
      Nicht darüber reden, sondern machen.
      Da war aber das Problem die ständige Kontrolle durch die zu pflegende Person. Nicht die Angst vor dem alleine sein, sondern die Angst, die Kontrolle über die Pflegenende Person zu verlieren. Dass diese nicht mehr sofort springt, nicht mehr auf Abruf da ist, nicht mehr hörig im Halbschlaf kommt, weil sie gerufen wird. Weil der Einfluss dadurch sank.
      Der Abstand tat der Bekannten wirklich gut. Die zu pflegende Person blieb wie vorher auch. Hasserfüllt und schimpfend und beleidingend war sie ja vorher auch schon. Nur mit mehr Schlaf, Abstand und nachts nicht mehr aus dem Bett geklingelt werden, fühlte es sich für die Pflegende besser an und sie konnte die Zeit auch wieder genießen. Zumindest nicht mehr als Angst erfüllt sehen, sondern als sie kann mit guten Gefühlen hingehen und wieder gehen (und nach etwas Verarbeitungszeit wieder gutes fühlen)
      Davor war es nur noch ein springen mit Schlafmangel auf Kommando. "Leckerli" waren aber keine Leckerlis, sondern Spitzen, wie blöd sie sich anstellt, wie sehr sie nie genug sei (aber trotzdem kommen müsse, als Zumutung) usw. Pflegedienst brachte Entlastung.
      Das Verhalten blieb gleich, aber mit Entlastung einfacher auszuhalten. #schwitz

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