Alles scheint zu zerbrechen

    • (1) 22.05.19 - 09:36
      Alternativid

      Hallo.

      Es ist lang, wer es liest, bitte bleibt bis zum Ende, vielleicht kann mir irgendjemand einen wertvollen Tipp geben.

      Wir hatten einen ganz schlechten Start in den Tag - ich bin so verwirrt und weiß nicht, wie es weitergehen soll.

      Wir, mein Mann und ich (13 Jahre Beziehung/Ehe) 6 Jährige Tochter.

      Unsere Tochter wird diesen Sommer eingeschult. Sie ist ein wunderbares Kind, sie ist in emotionalen Bereichen den meisten Kindern deutlich voraus, sprachlich, motorisch fit, in anderen Dingen im normalen Durchschnitt, malen, Interesse an Zahlen und Buchstaben auch mal deutlich später als die ersten fitten Mädels im Kindergarten.

      Nun, unser Problem dreht sich um den emotionalen Bereich. Sie ist einerseits sehr unkompliziert, konnte schon früh auch über Stunden mit ins Restaurant, in ein Geschäftsmeeting, in den Gottesdienst, da funktioniert alles wunderbar, sie ist ruhig und lieb. Im Alltag aber ist sie wahnsinnig wild und ungestüm, konsequente Erziehung hier scheint immer wieder abzuprallen, immer wieder gleiche Rituale seit Jahren können auch heute noch wahnsinnige Dramen auslösen. Beratungen ergaben den Verdacht einer leichten Form von ADHS, aber alles nichts behandlungswürdig, sie muss einfach noch lernen, mit allem umzugehen, wie jeder Andere auch.

      Nun ist es so, dass Eskalationen bei mir seltener passieren, aber es passiert. Irgendeine klitzekleine Kleinigkeit, die aber manchmal eben nicht anders zu handhaben ist, es eskaliert aber trotzdem.

      Ich versuche ein Beispiel bewusst neutral aufzuzeigen, damit es nicht in eine situationsbezogene Diskussion ausartet, ob ich nicht einfach nachgeben könnte.

      Sie fragt oder möchte etwas, aber es geht gerade leider nicht so, wie sie es möchte. Ich versuche oft, mich auf alles einzulassen, lasse auch mal mit mir reden ohne inkonsequent zu sein, aber manchmal geht eben nicht alles und ich kommuniziere und erkläre es auch ruhig. Dennoch gibt es eben dann mal Situationen, in denen sie dann total ausrastet, es ist unaufhaltsam und von einer Intensität, die absolut krankhaft wirkt. Es ist vollkommen egal, wie ich dann reagiere, sie ist im wahrsten Wortsinn komplett irre und nichts kann sie da rausholen. Ihr irres Verhalten ist ohrenbetäubend laut, sie schreit vollkommen gegensätzliches von Lass mich in Ruhe bis komm her in einem Satz und egal was ich versuche, sie rastet so aus und dieses Verhalten kann auch eine Stunde anhalten, in dem sie an Möbeln randaliert, überall gegenschlägt usw.

      Momentan passiert es wieder häufiger, insbesondere, wenn mein Mann und sie zusammen sind. Und da beginnt das Problem. Mein Mann ist weniger konsequent und sein Verhalten ist in Erziehungsdingen leider nicht immer logisch nachvollziehbar. Folglich passieren diese Situationen leider deutlich häufiger.

      Ich habe den Eindruck, solche Ausraster machen in unserem Kind echt einiges kaputt, sie ist so empathisch, so weich, sie wirkt so zerbrechlich. Wenn ich mit ihr rede, was da passiert, wirkt sie so zerrissen, sie will sich bemühen, dann nicht so auszurasten, aber natürlich schafft sie es nicht. Ihr ist aber bewusst, dass das schlimm ist. Auch kann ihr Vater mit diesen Ausrastern sehr schlecht umgehen und ist dann auch wahnsinnig gestresst und verstärkt ihr Verhalten immens. Ich bin zwischen den Fronten und kann doch nur wenig ausrichten. Wie gesagt habe ich mir dazu auch schon Hilfe gesucht, aber ein solcher Ausraster passiert nunmal in den Terminen nicht. Filmen kann ich es akut auch nie, ist mein Mann dabei würde er das nicht zulassen, allein passiert es so selten, dass ich es bisher vergessen habe. Also ist kompetente, wirksame Hilfe zu bekommen da echt schwer, auch war ich lange nicht in Beratung, weil es ja lief.

      Mich beschäftigt nun ein schwerer Gedankengang: mein Mann ist ein guter Familienvater, tut viel für uns, aber in dieser Situation ist eben sein Manko. Er hört sich zwar Beratungen an, aber umsetzen kann er es eben auch nicht. Ebenso kann er sich in diesen Extremstressituationen auch nicht rational verhalten. Vielleicht ist es genau das Problem, dass meine Tochter das von ihm geerbt hat. Mir ist bewusst, dass nicht jeder Mensch jedes Problem zu lösen schafft, wir haben alle Grenzen. Seine Grenze ist erreicht, er wird sein Verhalten leider nicht öndern um unserer Tochter zu helfen, er kann oder will nicht mehr geben. Aber so kann es nicht weitergehen. Ich habe das Gefühl, die Situation entzerren zu müssen und meine Tochter vor diesen sich hochschraubenden Eskalationen schützen zu müssen. Sie leidet und man merkt zunehmend, wie sie sich immer mehr an ihren sich distanzieren vater klammert. Mir geistert sogar durch den Kopf dass wir uns trennen müssen, obwohl die Ehe ansonsten so gut läuft . Ich habe das Gefühl, ich muss mich entscheiden, ob ich glücklich sein kann, oder meine Tochter. Ich habe das Gefühl, wenn ich alles so weiter laufen lasse, weil ich unsere Familie so belasse, dann wird es zulasten meiner Tochter gehen, wenn wir uns trennen, wird es für meine Tochter ruhiger, aber ich werde leiden.

      So, das war mein Problem. Und eine Lösung sehe ich nicht.

      • Hallo,
        Ich denke mit einer Trennung machst du es erst richtig schlimm, viele Kinder geben sich die Schuld für die Trennung der Eltern.
        Das dein Mann anders als du mit dieser Situation umgeht, finde ich ganz normal und auch wichtig und richtig.
        Ich finde es wichtig das Kinder beides haben , die sozial orientierte Seite der Mutter und auch die rauhe vielleicht manchmal überforderte Seite des Vaters.
        Ich empfinde das Verhalten deiner Tochter auch als normal für dieses Alter. Zeig ihr Wege mit ihrer Wut besser umzugehen. Sie ist zu Hause so 'irre' weil sie euch vertraut, weil es ihre sichere Umgebung ist. Sie weiß in dem Moment nicht wohin mit ihren Gefühlen.

        Meinem Kind habe ich in vielen Gesprächen beigebracht die Wut an einem Kissen auszulassen. Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Schreien , weinen ist immer noch, finde ich aber okay, irgendwo müssen die Gefühle ja hin. Und es ist zehnmal besser als es in sich hineinzufressen wie viele Erwachsene es tuen.

        • (3) 22.05.19 - 12:57

          Danke.

          Mein Mann ist manchmal beruflich länger weg, auch mal über ein paar Wochen. In dieser Zeit ist es schon deutlich leichter. Sie scheint dann ausgeglichener zu sein. Abrr sie lkebt ihren Vater auch sehr und hängt mehr an ihm als an mir. Daher hoffe ich, dass du trotzdem Recht hast und fühle mich auch ein wenig getröstet.

          • Hallo.

            Ich sehe das Problem nicht in eurem Kind. Ich sehe es eher darin, dass du und dein Mann nicht jeden Tag miteinander "erziehen" könnt. Er ist öft mal länger weg, manchmal sogar Wochen. Wo soll er sich dann mit einbringen. Die Erziehung in dieser Zeit übernimmst du. Also bis du in dieser Zeit ja alleinerziehend. Somit kennt eure Tochter nur erstmal diesen einen Stil. Wenn er da ist, dann wird er sie verwöhnen bzw. inkonsequenter sein und sie wird es genießen bzw. ausnutzen. Sie haben sozusagen nicht viel Zeit, aufeinander zuzugehen. Also werden diese Momente genutzt. Und da sie sehr ähnlich sind eskaliert es dann eben. Deine Tochter kommt diese Jahr in die Schule, für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das trägt auch noch mal dazu, mit ihren Gefühlen Achterbahn zu spielen. Gib ihr und den beiden Zeit. Wird er immer so unterwegs sein oder auch mal länger am Stück zuhause sein.

            Alles Gute euch allen.

            LG

      Hallo!

      Ich kenne das Ausrasten. Unsere zweite Tochter hatte Jahre lang auch solche Ausraster, wenn was nicht sofort möglich war. Ich habe an allem gezweifelt, ob wir falsch erzogen haben, etc.
      Je weniger Beachtung ich diesen "Wutausbrüchen" geschenkt habe umso weniger wurde es. Heute kommt es viel. einmal im Jahr zu so einem heftigen Ausbruch, früher war das viel häufiger. Sie ist auch in der Schule und überall sehr beliebt, eine ausgeglichene Jugendliche, zuhause dürfen die Kinder auch mal so sein wie sie sich fühlen. Bitte trenn dich nicht von deinem Mann, ich denke es wird euch dann noch schlechter gehen. Ich kann und konnte auch mit den Wutausbrüchen besser umgehen als mein Mann. Wir haben es überstanden.


      Lg Gabi

      • (6) 22.05.19 - 12:58

        Ja, ich möchte mich ja auch nicht trennen. Ich hoffe, wir überstehen es und es ist der richtige Weg.

        Lg

    Hallo,

    du hast geschrieben, dass deine Tocher eine leichte Form von ADHS haben soll. Wer hat die Diagnose gestellt, der Kinderarzt, ein Kinderpsychologe oder ein Kinderpsychiater?
    Sollte es nicht letzterer gewesen sein, rate ich dir beim Kinderpsychiater einen Termin zu vereinbaren und dort eine Diagnostik anzustreben.

    Erst der dritte Kinderarzt (Aussage erster KIA: zu früh eingeschult, zweiter KIA: ADS, Praxis aus altersgründen geschlossen) schickte uns mit unserem Sohn zum Kinderpsychiater, jetzt wissen wir, dass er vermutlich kein ADS aber kann sicher Asperger Autist ist. Unser Sohn hat auch extreme Ausraster aber nur, weil er den ganzen Tag sein Verhalten der Umgebung versucht anzupassen.

    Mein Rat an dich, führt eine grundlegenden Diagnose an der richtigen Stelle durch und holt euch entsprechend Hilfe, bevor du eine eigentlich glückliche Beziehung beendest.

    Liebe grüße
    mckiki

    • (8) 22.05.19 - 13:16

      Es ist richtig, dass es keine gesicherte Diagnose gibt, allerdings bin ich mit dieser Thematik in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis, daher auch der Verdacht.

      Sie war dort in einer Kindergruppe, in der sie sich nicht auffällig zeigte. Kurse habe ich auch selbst besucht, Beratung haben wir angenommen. Wie gesagt, es ist schwer, ohne das die Therapeuten mal eine solch eskalierende Situation und die aufschaukelnden Faktoren sehen können. Die sich aufbauende Situation kann ich ja auch nicht filmen, wie mir oft geraten wurde, ich bin ja involviert, oder eben gerade nicht dabei und dann ist die Situation ja bereits in vollem Gange.

      Ist schon frustrierend.

Wenn Verdacht auf ADHS besteht, wenn auch nur leicht:

- Elterntraining speziall zu ADS/ADHS!
Das kann enorm viel helfen. Standard-Erziehungstipps machen es oft nur schlimmer

- wenn sie es von ihm geerbt haben könnte,
dann läge es nahe, dass sie ADS/ADHS von ihm geerbt haben könnte.
Falls er hierzu Anzeichen merkt, wäre eine Testung evtl. sinnvoll.
Mir hat die Diagnose sehr geholfen, weil ich mich seither selbst viel besser leiden kann.

Bevor ich mich testen ließ, habe ich mich aber damit auseinandergesetzt, wie ich damit umgehe, wenn es
a) ADHS ist
b) wenn es das doch nicht ist (in meinem Fall: warum dann bin ich so ein "Versager")

in eurem Fall: wenn er es nicht hat, kann er dir das unter die Nase reiben #schein. Wenn er es hat, könnt ihr alle Tipps bekommen, besser mit euch umzugehen.


- wer reagiert schon rational in einer emotionalen Situation?

Sicher, man kann auch lernen, nicht jede Gefühlssition voll auszuleben. Rational muss aber auch nicht sein.

- Warum möchtest du deine Tochter da schützen? Reagiert er so extrem, dass sie davon Schaden nimmt? Was passiert, wenn du aus der Situation rausgehst?
Trifft es dich mehr als sie?

Wie ist es bei dir mit ADS/ADHS?
Mich nehme emotionale Situationen mehr/anders mit, als andere. Damit habe ich gelernt umzugehen.


ADS/ADHS ist oft intensivstes Fühlen/Handeln .... reflektieren oder innehalten, kommt dann eher hinther.
Aber auch aufsaugen von "Stimmung". Rational erfassen wollen, weil einen emotional das Gefühl so sehr überschwemmt, dass man sich handlungsunfähig fühlt.


So spontan würde ich sagen: es kann alles ohne ADS sein, bei allen von euch. Dann wirken andere Faktoren zusammen.

Wundern würde es mich aber auch nicht, wenn bei euch dreien etwas von drin steckt und jeder von euch eigene Strategien hat, zu versuchen irgendwie damit umzugehen.



Daher mein Vorschlag: wenn bei deiner Tochter der Verdacht auf ADS besteht: Elterntraining.
Hilft das weiter, prima. Bringt es nichts, dann eher in eine andere Richtung suchen. Wer trägt wie seinen Part dabei. (Schlaf, harter Tag, wann verstärkt, wann weniger...)

Kinder mit einer Adhs/ ADS-Symptomatik zeigen auch häufiger eine oppositionelle Verhaltensstörung auf. Auch dazu gibt es spezielle Elterntrainings bzw. auch Eltern-Kind-Schulungen. Hier wird es z.B. bei der Frühförderstelle angeboten.

Vlt. beliest du dich darüber mal etwas. Falls ihr euch darin wiedererkennt würde ich mich damit nochmals an den Kinderarzt wenden und darum bitten an entsprechende Stellen weitergeleitet zu werden.

(11) 22.05.19 - 11:37

Hallo, ihc kann dir nur empfhelne, zu einem guten Kinderpsychologen zu gehen, dasist für viele ltern und Kinder echt eine Hilfe. Dort können die Auslöser gut analysiert werden und ihr als Elötern werdet auch gut beraten.
Oft helfen den Kindern auch Auszieten.
Eine Trennung würde ich nciht in Betracht ziehen, eher viel viel reden!
LG

Hallo :)

Meiner Mutter würde früher auch gesagt oh habe ADHS und sollte dann Tabletten nehmen, das hat sie zum Glück verneint und die Diagnose kam nie wieder in Raum.

LG 🌺

(13) 23.05.19 - 12:34

Hallo.

Ich kann Dir eine Buchempfehlung geben, Nora Imlau, "so viel Freude, so viel Wut".

Deine Tochter ähnelt sehr meiner Tochter im Verhalten. Es gibt auch eine facebook Gruppe dazu.

Du solltest es lesen...

Gruss

Laura

Hast Du mal von gefühlsintensiven Kindern gehört? Schau mal ob das zu Deiner Tochter passt 🤗

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