Verwundert über Einstellung in Deutschland

    • (1) 07.06.19 - 09:59
      Rote Anne

      Hallo,
      Ich habe 10 Jahre in Frankreich bzw Niederlanden gelebt und gearbeitet.
      War da kein Thema, dass Eltern 3 Monate nach der Geburt wieder gearbeitet haben, die meisten sogar Vollzeit.
      Jetzt bin ich vor 4 Monaten mit meinem zweiten neugeborenen Sohn und dem Großen, der mittlerweile 8 ist, nach Der gezogen, muss dazu sagen, D ist nicht mein Herkunftsland, bin hier nicht geboren und aufgewachsen
      So....erst Mal... Kinderbetreuung, überhaupt was zu finden war schon schwer, noch schwerer allerdings bzw unmöglich, eine Betreuung jenseits von 16 Uhr zu bekommen.
      Im Ernst?
      Welcher normal berufstätige Mensch ist um 16 Uhr zu Hause?
      Ich arbeite jeden Tag bis 19 oder 20 Uhr und das war nie ein Problem Betreuung zu organisieren dort wo ich bisher gelebt habe.
      Klar, hat einiges gekostet, aber war zumindest verfügbar.
      Außerdem wundert mich die Verwunderung, dass ich meinen Sohn täglich 10 oder mehr Stunden betreuen lassen will... Es ist schon eher Unverständnis, das kenne ich weder aus Frankreich noch den Niederlanden.
      Meine Arbeitszeiten sind halt wie sie sind, ich arbeite Vollzeit und bin täglich 12 Stunden außer Haus durch Anfahrt und Heimfahrt....
      Gibt es in D keine flächendeckende Betreuung auch nach 16.00?
      Ich hab jetzt eine Kinderfrau eingestellt, anders ging es nicht...ist Deutschland immer noch insgeheim auf die Hausfrauen Ehe eingestellt?

      Hallo.

      Ja, da hast du recht. Es ist nicht überall eine derartige Begtreuung abgedeckt.
      Geht uns nicht anders. Wenn man keine Großeltern oder Tagesmutter hat, ist man teilweise echt aufgeschmissen.

      Andere Länder - andere Sitten ..... #zitter

    • (7) 07.06.19 - 10:13

      Erzieherinnen für die Kita müssen sich vier oder fünf Jahr unentgeltlich ausbilden lassen, die Verdienstchancen danach sind für den Allerwertesten... da hakt es gleich zum ersten Mal in Deutschland.
      Es fehlen Kitas, es fehlen Erzieherinnen, ergo wird für eine optimale Auslastung gesorgt und die hast Du meist zu den Kernzeiten. In den Metropolen gibt es 12h und sogar 24h Kitas, aber halt nur da wo im Umkreis soviele Menschen wohnen und arbeiten, dass die Kita auch nachts gut ausgelastet ist.

      Außerdem leisten sich größere Firmen/Betriebe, grade die mit langen Arbeitszeiten oder sogar Schichtbetrieb mittlerweile eigene Kitas auf dem Betriebsgelände bzw. dort in der Nähe. Dann nimmt ein Elternteil die Kinder mit zur Arbeit, gibt sie ab und holt sie danach wieder ab.

      Wenn Du jetzt natürlich nicht ganz so zentral wohnst und dazu noch lange Fahrt- und Arbeitszeiten hast, ohne dass Dein Arbeitgeber dir was anbietet ist Au-Pair, Kinderfrau oder dergleichen wohl wirklich die einzige Option.

      (13) 08.06.19 - 07:32

      Die Verdienstchancen ist für den Allerwertesten? Eine Erzieherin verdient mit 10 Jahren Berufserfahrung knapp 40 000 EUR Brutto (nach Tarif, wer das nicht bekommt, macht was falsch). Das ist überdurchschnittlich.

(14) 07.06.19 - 10:13

Es ist hier in Deutschland nicht üblich seine Babys 12 Stunden betreuen zu lassen. Die meisten Frauen die ich kenne arbeiten Teilzeit wenn die Kinder noch klein sind. Unser Schulsystem baut auch darauf das Mutti mit den Kindern nachmittags lernt oder Hausaufgaben macht.

Die Kinderbetreung wird zwar ausgebaut, es fehlt aber an Fachkräften. Früher haben viele Frauen hier gar nicht mehr gearbeitet sobald die Kinder kamen.

  • >>Unser Schulsystem baut auch darauf das Mutti mit den Kindern nachmittags lernt oder Hausaufgaben macht.>>

    Na Bravo, ein System was darauf baut, dass Frauen ihren Job aufgeben bzw auf Sparflamme fahren um sich um die Kinder zu kümmern.

    Ich moechte damit nicht sagen, dass Kinder in ganztägige Betreuung gehören, aber was ist bitte mit den Vätern? Wieso bauen wir nicht darauf?

    • Dem System ist es dich völlig gleichgültig, welcher Elternteil sich hauptsächlich um die Betreuung kümmert. Das ist doch eine veraltete Sicht der Eltern, bzw habe ich oft den Eindruck, dass "Mutti" ganz gerne Zuhause bleibt und sich dem Leistungsdruck im Job entzieht.

      • Wo bitte entzieht sich eine Mutter die ein paar Stunden weniger arbeitet dem Leistungsdruck im Job?

        Ehrlich, dass ist eine Frechheit. Ich habe zum Teil Fristen einzuhalten und muss aber pünktlich gehen um meine Kinder abholen zu können. Ich habe keine Mittagspause wenn ich die Kinder um 14:00 Uhr hole und bereits fünf Stunden gearbeitet.

        Als ich noch ohne Kinder Vollzeit gearbeitet habe war es sehr viel entspannter. Wenn noch etwas weg musste blieb ich halt länger. Ich arbeite jetzt fast genauso viel in 25 Stunden wie früher in 40. Kaffepausen, Mittagspause ect. kann man vergessen.

        Nachmittags dann bis 21:30 Uhr die Kinder, die machen ja ausgiebig Mittagsschlaf in der Einrichtung. Für alle organisatorischen Dinge, Termine mit dem Handwerker, Kita, Arzttermine, Haushalt und co bin ich dann zuständig. Mein Mann kommt um 19:00 Uhr und setzt sich an den gedeckten Tisch. Wir haben übrigens den gleichen Beruf und verdienen auch etwa das gleiche, bzw. würden es wenn wir beide Vollzeit arbeiten würden.

        Selber Schuld? Hier im Ort geht die Krippe von 8:00 bis 14:00 Uhr. Wir haben uns Gedanken gemacht und sind zu dem Schluss gekommen das wir unsere Kleinkinder nicht ohne Not (wir leben auch so ganz gut} mehr als sechs Stunden täglich in den Kindergarten bringen wollen. Das ist der Grund für die meisten Eltern- das Wohl der Kinder. Nicht der Leistungsdruck im Job.

        • (18) 08.06.19 - 09:17

          Wenn Ihr beide den gleichen Job habt und in Vollzeit gleich viel verdienen würdet, war für Euch direkt klar, dass Du Teilzeit machst, um Dich um die Kinderbetreuung zu kümmern?

          Ich frag nur interessehalber, weil ja meist als Grund für die Teilzeit der Frau angeführt wird, dass sie auch in Vollzeit deutlich weniger verdient, als ihr Partner.

          • (19) 08.06.19 - 13:12

            Ja. Der AG meines Mannes meinte mal er kennt das Wort Teilzeit nicht. Für meinen Mann wäre es viel schwieriger für die Kinder zu reduzieren.

            • Diese Antwort hört man eigentlich jedesmal, glauben kann ich sie allerdings nicht. Was wäre denn, hätte dein AG dasselbe gesagt.. wie hättet ihr euch dann entschieden oder hättest du es trotzdem möglich gemacht, dein Mann aber nicht?

              Ich würde mir nicht neben der Arbeit noch alles andere aufhalsen lassen und mein Partner setzt sich abends nur noch an den gedeckten Tisch, so gesehen ist das oft auch ein hausgemachtes Thema - bei Mutti gehts komischerweise zu 99%, bei Vati irgendwie immer zu 99% NICHT.

              • Mein Mann könnte auch nicht reduzieren...
                Wer sollte dann seine Abteilung leiten?^^
                Bei Männern ist es sehr oft so.

                • Tut mir leid, ist kein stichhaltiges Argument... eine Abteilung kann man auch in Teilzeit leiten, es geht, es will nur keiner und da sich Männer und Frauen leider oft einig sind, dass Mutti dann eben reduziert, gibt es auch gar keine Veranlassung, dass sich mal jemand darüber Gedanken macht und hinwegsetzt.

                  Meine Teamleiterin arbeitet auch nur 6 h am Tag, da sie zwei Kinder hat und eins davon behindert ist und sie hat einen richtig verantwortungsvollen Job. Es geht und niemand hat das in Frage gestellt. Unsere jüngeren, männlichen Kollegen werden anfangs noch verwundert angeschaut, wenn sie Eltern- oder Teilzeit beantragen und es wird versucht zu diskutieren. Aber sie halten es mittlerweie größtenteils aus und siehe da, es klappt trotzdem alles.

                  Wenn ich das hier teilweise so lese, wird einerseits gemeckert, Frauen würden immer noch weniger verdienen als Männer und das wäre ungerecht. Leider scheinen sich DIESE Frauen aber auch immer Jobs zu suchen, die wenig Verantwortung oder keine gute Ausbildung benötigen. Dann gibt es aber auch keinen Grund, sich über zu wenig Bezahlung für Frauen zu mokieren.

                  Das Problem liegt oft in "uns" selbst - alles geht einfach nicht und Haus- und "Familienarbeit" ist nun mal keine Erwerbstätigkeit, das weiß ich doch vorher und rege mich dann aber auch nicht über Benachteiligung auf. Oder ich mache eine gute Ausbildung/Studium, ich hab nie weniger verdient als meine Partner und wir haben meistenteils (bis auf einen Missgriff ;-)) alles geteilt und niemand kam zu kurz.

                  • (23) 09.06.19 - 13:00

                    Schon mal überlegt dass auch die Biologie eine Rolle spielt? Wie viel 'Leittier' in uns steckt ist stark von unserem Hormonspiegel abhängig. Man merk bei Frauen teilweise sogar wenn sie die Pille nehmen dass sie anders sind als sonst, auch im natürlichen Zyklus merkt man Schwankungen. Auch wenn es einige nicht wahr haben wollen, aber Testosteron hilft ungemein dabei Karriere zu machen. Schon allein das Verhalten in Gehaltsverhabdlungen ist von unserem Hormonspiegel mit beeinträchtigt. Ich dachte auch immer was haben die anderen nur ich hab da keine Probleme meinem Chef klar zu machen was ich verdienen will und hatte auch ne leitende Position, bis dann im Rahmen eines Hormontests für mich 'einiges klar würde.

                    Und ja die ca.21 % Ubterschied im Gehalt liegen mit unter an den von dir genannten Problemen. auch das bereinigte Gender Gap liegt immer noch bei 7%.

                    • An der Hormontheorie mag durchaus was dran sein, vielleicht sollte ich meinen Spiegel auch mal messen lassen ;-). Ich habe zwar nie eine Führungsposition angestrebt, komme mit meinem EInkommen aber super (allein) zurecht und finanzielle Unabhängigkeit war und ist mir sehr wichtig - hab aber auch ein technisches Studium, da habe ich das Problem mit der gender gap nicht.

                      Allerdings hält sich dieses Bestreben auch soweit die Waage, dass ich zeitweise um 4:00 Uhr aufstand, damit meine Tochter nicht bis sonstwann in der Kita bleiben musste, also ich habe "Karriere" und meine Verantwortung für meine Kinder so gut wie möglich in Balance gehalten in Zusammenarbeit mit meinem Partner.

                (25) 09.06.19 - 10:42

                Das BEEG ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein Bundesgesetz, kein unverbindlicher Vorschlag. Und laut diesem Gesetz steht Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen Elternzeit zu, wenn sie mit dem Kind in einem Haushalt leben und es betreuen. Würde ein Arbeitgeber einer Mutter mitteilen, sie könne nicht in Elternzeit gehen, weil sonst niemand ihre Abteilung leiten könne, würde (zu Recht) ein Shitstorm sondergleichen losbrechen. Aber Väter sind in dieser Hinsicht anscheinend Elternteile zweiter Klasse (und finden das vielleicht insgeheim gar nicht so schlimm, sonst würden sie ja ihr gesetzlich verbrieftes Recht einfordern).

                Arbeitgeber von Frauen müssen und können regelmäßig möglich machen, dass ein Mitarbeiter (in dem Fall die Frau) länger ausfällt. Und viel zu oft kriegen die Väter so Sprüche zu hören wie der Mann der Userin weiter oben. Mich ärgert, dass sie so oft damit durchkommen!

                Ich bin nicht komplett weltfremd und habe wirklich Verständnis dafür, dass man nicht das Einkommen des Hauptverdieners riskieren möchte (wobei ich bei der aktuellen Arbeitsmarktlage gar nicht glaube, dass man ein so großes Risiko eingehen würde). Aber wenn auch bei gleichem Beruf und gleichem Gehalt trotzdem glockenklar die Mutter in Teilzeit geht, weil sich der Arbeitgeber des Mannes weigert, Teilzeit möglich zu machen und das unwidersprochen bleibt, dann war es wohl auch keinem der Beteiligten so richtig wichtig, dass Papa gleichberechtigtes Elternteil ist.


                In der Wochenendbeilage unserer Tageszeitung war vor einiger Zeit ein Artikel darüber, dass das deutsche Elterngeldmodell die Hausfrauenehe zementiert. Frei zitiert "in den Kreisssaal gehen zwei Arbeitnehmer, heraus kommen ein Alleinverdiener, eine Hausfrau und ein Baby". Island zahlt wohl nur das Maximum an Elterngeld aus, wenn beide Elternteile gleich lang in Elternzeit gehen. Dort müssen die Arbeitgeber dann nicht nur bei jungen Frauen längere Ausfallzeiten befürchten, sondern auch bei Männern im fraglichen Alter. Da ist es dann nicht mehr seltsam, wenn der Vater in Elternzeit geht. Und das fände ich für Deutschland auch erstrebenswert. Denn anscheinend ist hier noch bei ganz vielen fest verwurzelt, dass selbstverständlich die Mutter für die Betreuung der Kinder zuständig ist und daher beruflich zurücksteckt.

                Ich fände es großartig, wenn es irgendwann normal wäre, dass beide Elternteile sich die Elternzeit gleichmäßig aufteilen, und danach beide Teilzeit arbeiten. Statt einer 40 Stunden und eine 20 Stunden könnten ja auch beide 30 Stunden arbeiten. Damit sich das mehr Familien leisten können, muss die gender pay gap geschlossen werden. Das wird aber nicht passieren, wenn hochqualifizierte junge Frauen all ihre beruflichen Ambitionen immer zurück nehmen, "weil es halt so ist", weil sie sich nicht als Rabenmütter titulieren lassen wollen, weil den dazugehörigen Vätern die Elternzeit verwehrt wird, und und und.

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