Mehr Angst um Söhne als um Töchter?

Hallo,

Ich habe eine vielleicht etwas merkwürdige Frage. Speziell an diejenigen, die sowohl Mädchen als auch Jungs haben.
Ich habe vier Kinder, der älteste in der Pubertät, die Mädchen noch im Kiga.
Und irgendwie mache ich mir im Moment durch die Metoo und Mißbrauchsdebatten mehr Sorgen in Hinblick auf ihr erwachsenes Leben um meine Söhne als um meine Töchter.
Vielleicht liegt es daran, dass bei meinen Söhnen das Thema Sexualität jetzt ganz langsam aktuell wird. Und ich weiß, dass es hart klingt. Aber ich habe im Moment mehr Angst davor, dass meinen Söhnen irgendwann etwas "angelastet" wird, als dass meine Töchter irgendwann Opfer eines sexuellen Mißbrauchs werden. Vielleicht auch weil ich nie in irgend einer Weise mit sexueller Gewalt in Berührung war und es ausserhalb meiner Vorstellungskraft liegt, dass meinen Töchtern soetwas passieren könnte. Wie gesagt, ich rede von ihrem Leben als Erwachsene.
Gerade jetzt, mit dem Beginn der Sexualität habe ich das Gefühl, dass Jungs inzwischen in einer ziemlich schwachen Position sind. Eine falsche Berührung, ein zurückgewiesenes Mädchen, all das kann einem Jungen zu einem lebenslangen Verhängnis werden.
Die Gesellschaft ist inzwischen ja sehr sensibilisiert, was dass Missbrauchsthema angeht. Und ich habe Angst, dass Männer und somit auch meine Söhne, in Zukunft immer mehr als potentielle Täter angesehen werden.

Wie geht ihr damit um?

Ich habe nur Söhne und mache mir um die diesbezüglich keine größeren Sorgen als wegen irgendwelcher anderer falschen Beschuldigungen. Die haben nämlich gelernt, andere Menschen und deren Wünsche zu respektieren.

Ich finde es gut, dass die Gesellschaft inzwischen sensibilisierter ist, und kann mit deiner Täter-Opfer umkehr und deinem Frauenbild überhaupt nichts anfangen...

Ich will nicht sagen, dass es keine falschen Beschuldigungen gibt. Aber ich hab ja auch mehr Angst, von einem Auto überfahren zu werden als von einer Pferdekutsche.

Wie siehst du denn mein Frauenbild?

Unter deinem not alone - Graunick erklärst du es ja ziemlich genau ;-).
Bin ja mal gespannt, ob diese üble Stimmungsmache noch gelöscht wird.

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Ich glaube das ist etwas weit hergeholt. So schnell wird keinem etwas angedichtet. Auch glaube ich persönlich, dass allenfalls mal übertrieben wird und schon eine Art Fehlverhalten vorlag. Dass jemand völlig grundlos so etwas beschuldigt wird, ist doch eher selten.

Du solltest dich, meiner Meinung nach, mehr um deine Töchter sorgen. Denn sexuelle Übergriffe sind bei weitem nicht so selten wie man es aus den Medien vermuten könnte. Vor allem kannst du da effektive Aufklärungsarbeit leisten, mit ihnen üben wie man sich bei einem Übergriff am besten verhält und sie ggf zu einem Selbstverteidigungskurs schicken.

"So schnell wird keinem etwas angedichtet"
Oh, das kann schon schneller passieren, als man denkt. Einem Freund von mir ging das so. Er hatte nichts getan, dann kam die Anklage und weil das Ganze fallen gelassen wurde und es keinen offiziellen Freispruch gab, steht das Ganze nach wie vor in seinem Führungszeugnis ...

Aber ansonsten stimme ich dir zu: Die Mädchen sind wohl eher gefährdet. Wobei auch Jungs zu Opfern von Übergriffen werden können.

Das ist ja völliger Quatsch! Ins Führungszeugnis werden nur Verurteilungen oder Strafbefehle eingetragen. „Einfach so fallengelassen“ gibt es übrigens in der deutschen Justiz auch nicht. Entweder gibt es ein rechtskräftiges Urteil, dann auch einen Eintrag. Oder das Verfahren wurde eingestellt, dann auch keinen Eintrag.

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Nicht mal 20% aller Vergewaltigungen werden überhaupt vor Gericht verhandelt. Und ich meine nicht, dass es da mit einer Verurteilung endet! Da gibt es Dokus auf YouTube von ARD etc. Guck dir die mal an. Ganz eindeutige Fälle, in denen den Opfern anschließend massivst übel mitgespielt wurde. Opferschutz gleich null. So was tut sich keine gesunde Frau aus Rachegelüsten heraus an. Da kannst du ganz beruhigt sein. Erzieh deinen Sohn zu einem respektvollen Umgang mit dem anderen Geschlecht. Dann passiert ihm auch nichts.

Oder willst du hier Stimmung machen? Zu viele Idiotenkommentare unter dem Urteil aus Schweden gelesen oder wie?

Das kann schon schneller passieren, als man denkt. Ein Freund von mir hat so eine Anklage bekommen, ohne dass er irgendetwas getan hätte. Sie hat dann nach einer Weile zugegeben, dass es eine Lüge war, aber in seinem Führungszeugnis steht es nach wie vor, weil er nicht offiziell vor Gericht freigesprochen wurde.
Diese Sorgen sind nicht ganz unbegründet.
Obwohl ich mir trotzdem größere Sorgen um die Mädchen machen würde.

Soweit ich informiert bin, wird "einfacher sexueller Missbrauch" nach Verurteilung noch nicht mal ins Führungszeugnis eingetragen. Es gilt nicht mal als Straftat, nur als Vergehen.
Bei einer Vergewaltigung muss eine Verurteilung vorliegen, damit es eingetragen werden darf. Bei Nichtverurteilung gibt es wohl auch Möglichkeiten gerichtlich gegen Verleumdung vorzugehen. Damit eine Vergewaltigung verhaltet wird, muss schon einiges vorliegen.

Du kannst froh sein, dass du in deinem Leben nie mit sexueller Gewalt in Berührung gekommen bist.

Es geht nicht in erster Linie um Vergewaltigungen, bei denen Frau vom fremden Mann in eine dunkle Gasse gezogen wird. Es geht um sämtliche Situationen, in denen die körperliche Selbstbestimmtheit ignoriert wird.

Ich hatte mit 18 einen Freund. Wir hatten Sex, er wollte noch mal. Ich habe ihm gesagt, ich habe keine Lust mehr. Er hat gedrängt bis ich nachgegeben habe. Als ich nach kurzer Zeit aber doch abbrechen wollte, ihm gesagt habe, dass es mir wirklich keinen Spaß macht und er mir weh tut, hat er weiter gemacht. Er sagte, ich müsse nur kurz aushalten, er sei gleich fertig.

Um solche Dinge geht es (auch)! Und das kann auch deinen Töchtern passieren. Da wird nicht groß drüber geredet, man zeigt auch niemanden an... Man fühlt sich "nur" ausgenutzt, überrumpelt und beschämt.

Erziehe deine Kinder zu selbstbewussten Menschen, die ihre eigenen Grenzen klar kommunizieren und die Grenzen anderer respektieren. Dann brauchst du dir keine Gedanken darüber machen, dass deine Söhne zu Unrecht stigmatisiert werden. Denn dann wissen sie, dass "nein" wirklich "nein" heißt und nicht: "setz mich nur ein bisschen unter Druck, denn wenn ich es vorhin noch gut fand, muss ich auf jeden Fall weiter machen und habe kein Recht, abzubrechen."

Hallo,

ich verstehe dich und sehe das ähnlich. Aber nachdem die Männer/Jungs eben immer die Bösen sind, wirst du auf wenig Verständnis stossen.

Ich finde, heran wachsenden Männer haben es unglaublich schwer sich in dieser Welt zurecht zu finden.
Wann ist man ein Mann, was muss ein Mann, was darf er und was nicht, er soll sensibel sein, aber kein Weichei... usw.
Und obendrein sind Jungs/Männer eben biologisch einfach Männer mit allem was dazu gehört. Das wird den Jungs ja schon in der Schule abgesprochen und sie sollen dann wissen wohin mit ihrer Kraft?!

Ich finde als Frau hat man es da heute viel leichter. Frau darf alles und Männchen muss schön brav sein und natürlich auch vorher schon wissen was wir wollen.
Und wenn nicht, dann machen wir Geschrei und können für nix was. Und Schuld ist wieder - na...??? ... natürlich der Mann.

Ich habe auch Jungs und die gehen Alle in Box oder Kampfsportgruppen. Es gibt da sogar welche die nur für Jungs sind, weil es da dann auch etwas rauer zugehen darf.

Gute Leitbilder helfen auch, wenn ihr da Möglichkeiten habt.

Oh, die armen Männer.

Und was haben wir Frauen es doch gut heutzutage!


Man man man, anonym kann man wieder den größten Schwachsinn vom Stapel lassen.


Aber stimmt, die Männer hatten es vor hundert und vor tausend Jahren leichter. Da durften sie sich von einer Frau einfach alles nehmen, was sie wollten. Doof, dass das heute nicht mehr so geht und sie ihre Triebe so unterdrücken müssen.

Was ist denn dieses "alles, was dazu gehört"? Das würde mich jetzt wirklich interessieren.

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Gerade bei #metoo haben sich auch viele Jungs und Männer gemeldet, die selbst Opfer sexueller Übergriffe und Grenzverletzungen wurden. Eltern sollten ihre Kinder, egal welches Geschlecht sie haben, dahingehend erziehen, dass sie ihre eigenen und die Grenzen anderer akzeptieren.

Das beginnt schon ganz jung, bei uns war es früher üblich "Gib der Tante mal ein Küsschen. Dann gibt's auch 5Mark." Als meine Neffen und Nichten auf die Welt kamen habe ich sie gleich mit altersentsprechenden Büchern versorgt. Dass sie niemanden küssen oder drücken müssen wenn sie nicht möchten, früh lernen wie ihre Intimregion heisst usw.

LG
Muriel 🐇

Ich hab zwei Töchter und habe Angst, dass ihnen mal etwas in der Richtung passiert. Da mir auch etwas in der Richtung passiert ist.

Und seit neustem habe ich einen Sohn und seit Bekanntgabe des Geschlechts etwas Angst, dass er als junger Mann mal etwas in der Richtung machen wird.
Ich habe also nicht Angst, dass er zu Unrecht beschuldigt wird. Sondern dass er mal von seinen Trieben überrumpelt wird.
Denn meine Erfahrungen diesbezüglich sind, dass Männer meist sehr stark triebgesteuert sein können und da das Gehirn wirklich phasenweise aussehen kann.. Und ich hoffe, mein Sohn wird nie eine Frau so verletzen..

Was nicht heißt, dass es nicht auch umgekehrt geht.
Mein Sohn kann ebenso Opfer werden, auch als Mann. Und meine Töchter Täter.

Meine Erfahrungen sind aber andere und dadurch sind meine Ängste auch andere.

Und ich hoffe, dass weder das eine noch das andere passiert. :)

Ja, Angst davor, dass meine Söhne einmal zu weit gehen könnten, habe ich durchaus auch. Ist mein Grosser in gewisser Weise auch schon. Es kam mal zu Doktorspielchen im Kiga. "Einvernehmlich" sozusagen. Trotzdem ist es mir damals eiskalt den Rücken runtergelaufen. Hätte die Mutter des Mädchens die Schuld auf ihn geschoben, wäre er der Böse gewesen. Andersrum hätte das nicht funktioniert. Vielleicht kommt daher meine Angst.
Ich bin mir nicht zu hundert Prozent sicher, in wie weit ein Junge in der Pubertät seine Triebe unter Kontrolle hat. Wir haben gut aufgeklärt, und trotzdem denke ich, dass es schwierig für einen Jungen sein kann, Situationen richtig einzuschätzen

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Ich habe 3 Söhne (16,14 und 9) und habe mir solche Gedanken wie du noch nie gemacht. Mein Großer genießt weitestgehend Narrenfreiheit, er hat wenig Beschränkungen. Bei ihm habe ich aktuell Angst, dass er in eine Schlägerei gerät und jemand dann ein Messer zückt. Er ist zwar defensiv, aber man weiß ja nie.
Der Jüngste ist bildhübsch, da habe ich Angst, dass er Opfer von Pädophilen wird, trotzdem lasse ich ihm seine Freiheiten. Aber die Angst ist halt da.
Der Mittlere ist noch nicht abends unterwegs und aus dem Pädoschema ist er mit 1,75 "entwachsen".
Bei Töchtern hätte ich mehr Angst, dass sie vergewaltigt werden, vor allem wenn sie so viele Freiheiten wie mein ältester Sohn hätten. Der fährt spätabends oder nachts doch mal mit dem Rad durch einsame Feldwege, wenn sein 17jähriger Nachbar nicht mit ihm unterwegs ist #zitter

Unabhängig von dieser vollkommen schwachsinnigen Kampagne (ja so sehe ich das in meinen Augen) haben es meine Söhne in dieser Welt definitiv um sehr viel schwerer als meine Tochter. Die Mädchen werden in alle Richtungen gefördert, die Jungs sind – halt Jungs. Sie geraten aufs Abstellgleis. Man traut ihnen einfach nicht so viel zu. Sie sind schlechter in der Schule, Ihnen fehlen die männliche Vorbilder. Trotzdem habe ich keine Angst Um meine Kinder. Weder um Jungs, noch um das Mädchen.

Dann tröste dich doch damit, dass Männer später im Berufsleben nach wie vor trotz schlechterer Leistungen in Schule und Ausbildung dann die prestigeträchtigen und besser bezahlten Positionen besetzen.

"schwachsinnigen Kampagne"
Abwerten statt diskutieren - Sexueller Missbrauch ist und bleibt ein weitgehend straffreies Delikt. Es bleibt beim großen Schweigen, dank solch differenzierten Sichtweisen wie deinen.

Jup, in den 13 Jahren Schule haben sie es schwerer und sind weniger erfolgreich und dann bekommen sie aber dich die besser bezahlte Führungsposition.

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