So langsam mit den Kräften am Ende

Guten Abend,
ich schreibe hier sehr selten allerdings brauche ich nun wirklich einen Rat, weil ich merke das alles den Bach hinunter geht. Vermutlich wird der Post sehr lang sein, ich würde mich dennoch freuen wenn sich jemand die Zeit nimmt und einen guten Rat weiß.
Ich bin eine alleinerziehende Mutter von einer achtjährigen Tochter und bin seit 1 1/2 Jahren in einer festen Beziehung. Letztes Jahr fing auch alles schön und harmonisch an. Meine Tochter mochte meinen Partner direkt und wir hatten Spaß miteinander, insgesamt haben wir eine schöne Zeit miteinander gehabt. Bis sich nach kurzer Zeit der Kindesvater per Gericht gemeldet und nach 4 Jahren Kontaktpause wieder Kontakt haben wollte. In diesen vier Jahren gab es keinerlei Kontakt. Warum es zu dem Kontaktabbruch damals kam, war auf extreme Verhaltensauffälligkeiten bei meiner Tochter zurückzuführen die unerklärlich waren, das Jugendamt war gegen einen weiteren Umgangskontakte und somit wurden diese eingestellt. Sie hat damals psychologische Hilfe bekommen (da sie aber noch sehr jung war konnte man nicht herausfinden was los war), die nach über einem Jahr abgeschlossen und ihr Verhalten wieder unauffällig war. So verging die Zeit bis zum letzten Sommer bei der die Umgangskontakte wieder anfingen. Meine Tochter war sehr euphorisch und hat sich gefreut. Die Umgänge fingen begleitend mit dem Jugendamt an, da sie danach immer noch Angst hatte, habe ich zwei weitere Male meine Tochter unterstützt und die Umgänge begleitet (somit den Vater an meine Tochter gewöhnt). In der Zeit habe ich meiner Tochter gut zugeredet und habe sie unterstützt damit es zu einem normalen/ regelmäßigen Umgang zum Vater kommen konnte.
Leider wendete sich das Blatt rapide, sobald sie sich mit ihrem Vater alleine getroffen hatte fing sie an die Nägel abzukauen (war an den Fingern nichts mehr dran waren die Fußnägel dran bis sie einwuchsen), sie nässte ein, schrie/ weinte nachts und musste fast täglich von der Schule abgeholt werden da sie Bauchschmerzen/ sich übergeben hatte ( aus ärztlicher Sicht war alles in Ordnung). Das hat sich so extrem zugespitzt das sie extreme Ängste hatte und jede Nacht bei mir im Bett schlafen musste. Irgendwann rückte sie mit der Sprache raus. Ihr Vater nahm sie einfach mit nach Hause und sie musste mich anrufen und sagen Sie wolle bei ihm schlafen (was sie nicht wollte), er habe sich nach Schulen umgeschaut und sie solle zu ihm ziehen, wenn sie mir das sagen würde was der Vater alles mit ihr unternimmt (was vom Jugendamt aber untersagt wurde da es klare Absprachen gab an denen er sich aber nicht hielt) würde ich sie ins Zimmer einsperren und sie würde mächtig Ärger bekommen usw. ich könnte ewig so weiter erzählen, dass ist nur ein kleiner Bruchteil von dem was vorgefallen ist.
Daraufhin kontaktierte ich das Jugendamt und wieder wurden die Umgangskontakte eingestellt, mit der Begründung da dieser nicht dem Kindeswohl diene und meine Tochter nicht wolle/ Angst habe. In der Zeit hatte meine Tochter Geburtstag, allerdings meldete der Vater sich nicht bei ihr. Einen Monat später wieder ein Brief vom Gericht im Briefkasten. Der Vater klagt das umgangsrecht ein. Wieder gab es eine Verhandlung und nun sind wir bei einer Gutachterin, die beurteilen soll ob weiterhin Umgang stattfinden soll oder nicht. Meine Tochter möchte ihn nicht Wiedersehen, allerdings hat sie so eine Angst vor ihm das sie bei dem letzten Termin (treffen zwischen dem Vater und ihr) gesagt hat das sie ihn doch Wiedersehen möchte. Das einzige was er ihr mitteilte war, was sie sich wünschen würde er würde es kaufen. Da war meine Tochter natürlich Feuer und Flamme (diese Manipulation durch Spielzeug/ Geschenke war auch vorher zu beobachten).
Allerdings hat er sich nun seit Februar nicht bei ihr gemeldet auch nach dem Termin nicht und meine Tochter läuft so langsam am Stock. Sie redet sich selber ein das er so viel zu tun und keine Zeit hat, das er sich ändern und niemals nochmal das gleiche tun würde. Wie das Gutachten ausgeht weiß ich noch nicht. Ich weiß nur das die Kinderärztin und auch das Jugendamt gegen die Kontakte sind. Das ist die erste Baustelle.

Jetzt kommt leider eine weitere dazu. Seitdem das alles mit ihrem Vater ist, ist meine Tochter so extrem eifersüchtig auf meinen Partner und mich, das ein normales Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Sie läuft um 2 oder 4 Uhr morgens ins Schlafzimmer schreit „ihr seit scheiße/ idioten“ knallt dann die Tür zu schreit und weint. Und keiner weiß was los ist. Ich komme dann gar nicht mehr an sie ran und soll aus ihrem Zimmer gehen. Wenn wir uns tagsüber umarmen geht sie sofort dazwischen sagt sie sei wertlos und nutzlos usw. mittlerweile ist das so extrem das ich mir keinen Rat weiß. Sie ist immer die Nummer eins bekommt viel Aufmerksamkeit, wir gehen immer auf sie ein und sie wird nicht vernachlässigt. Ich bin mittlerweile mit dem Latein am Ende und weiß mir keinen Rat mehr. Mein Partner und ich streiten uns schon regelmäßig wegen dieser Situation weil die für keinen mehr tragbar ist. Sie ist nur am schreien/ weinen und bekommt einen Wutanfall nach dem anderen sie hört gar nicht mehr zu, jeden Abend fängt es von vorne an. Mein Partner darf mir noch nicht einmal die Hand reichen sie schlägt diese weg und unterstellt mir ich würde sie nicht lieben. Heute Abend (ich war mit ihr alleine) hat es drei Stunden gedauert bis sie schlafen gegangen ist ( sie hat Magen Darm und war total müde und ist deshalb früh ins Bett gegangen). Sie ist fünfmal aufgestanden hat mich angeschrien das ich mal ihre Schmerzen spüren solle und sie mal wieder angepisst sei, außerdem wüsste ich ja gar nicht wie stark ihre Schmerzen doch seien. Ich habe ihr eine lange Geschichte vorgelesen, habe Ihre Lieblings cd angemacht und eine gute Nacht gewünscht. Nichts deutete daraufhin das es so enden könnte. Alles war in Ordnung, sie ist grundlos in schreien/ weinen ausgebrochen. Für mich unerklärlich. Wir haben den Tag zusammen verbracht, gemeinsam gegessen (eher schlecht als recht aufgrund ihrer Magen Darm Geschichte) wir haben eine Struktur/ Rituale, alles so wie es sein soll. Sie bekommt Grenzen aufgezeigt damit sie Sicherheit erfährt, alles was für ein Kind wichtig ist, aber nun bricht alles auseinander.
Ich bin am überlegen wieder eine Psychologin aufzusuchen, allerdings nimmt niemand meine Tochter weil da ein laufender Prozess ist (wegen dem Gutachten) das ist so eine verzwickte Situation das ich echt am Ende bin.
Vielleicht hat jemand von euch eine Idee was ich noch machen kann. Für jeden Rat wäre ich mehr als dankbar.

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Hallo.

Ich bin der Meinung, dass deine Tochter auf alle Fälle professionelle Hilfe benötigt. Und zwar schnell.
Den laufenden Prozess kann man wahrscheinlich nicht abwarten. Das kann sich ewig ziehen.
Würde mich sofort ans Jugendamt wenden und um Hilfe bitten, damit eine Therapie begonnen werden kann.

Alles Gute!

2

Ich würde dir auch raten setzte dich mit dem Jugendamt in Verbindung. Deine Tochter und ihr braucht dringend Hilfe.

Mein dummes Bauchgefühl vermutet das bei den Umgängen mit dem KV noch mehr war wie sie euch erzählt.

Eine Psychologin ist in meinen Augen auch angeraten. Allerdings habe ich auch schon gehört das es dann bei laufenden Prozessen zu Problemen kommen kann. Ich finde es unmöglich das deswegen ein Kind länger leiden muss.

Freundliche Grüße

blaue-Rose

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Ich finde es auch unmöglich, da merkt man mal wie sehr einem die Hände gebunden sind. Es passiert einfach nichts, sie muss alles mitmachen und es wird von ihr erwartet das sie Entscheidungen treffen soll wie eine erwachsene.

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Gibt es denn Momente, in denen du sie erreichst und mit ihr reden kannst? Also "vernünftig" reden kannst?
Momente, in denen du ihr sagen kannst, dass du verstehst, wie schwer das alles für sie ist. Dass du ihr gern helfen möchtest und sie wissen soll, dass du sie immer lieben wirst, egal, was passiert.
Und auch, dass dein Partner sie lieb hat (, wovon ich jetzt mal einfach ausgehe).

Das hilft natürlich nicht, wenn sie gerade schreit oder heult. Aber immer wieder diese Bestätigung kann helfen, dass es langsam wieder dauerhaft zu ihr durch dringt.


Wie verhält sie sich denn in der Schule?


Ich finde auch, dass es sehr wichtig ist, dass sie eine Therapie macht. Aber auch für euch könnte es hilfreich sein, ein paar Ideen mit auf den Weg zu kriegen, was ihr in welchen Situationen machen könntet.

Eure Tochter scheint Angst zu haben, von dir nicht mehr wahrgenommen zu werden. Du weißt nicht, was sie für Schmerzen hat. Sie geht dazwischen, wenn du Zeit mit deinem Partner verbringst usw.

Keine Ahnung, ob die Idee hilfreich ist.. Aber könntet ihr euch vorstellen, dass sie erstmal bei euch schlafen darf? Dann müsste sie auch nicht nachts zu euch kommen und euch beleidigen. Vielleicht würde ihr das allein schon ganz viel Geborgenheit zurück geben?
Ist zwar nicht optimal für euch, aber es wäre ja nicht für immer. Und ich denke, dass das Wohlergehen deiner Tochter jetzt erstmal an erster Stelle stehen sollte.
Vielleicht 5 Tag pro Woche mit ihr im Zimmer, 2 Tage ohne sie. Oder so..
Keine Ahnung, ob die Idee gut ist..
Das würde ich gut finden, wenn ich in ihrer Haut stecken würde. Denke ich.. :)

Und, wie gesagt, holt euch Hilfe, bevor ich ganz kaputt geht.

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Das letzte "ich" soll natürlich "ihr" heißen.

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Tagsüber erreiche ich sie und teile ihr genau das mit (das ich immer für sie da bin, ich verstehe das es ihr schlecht geht usw.)
In der Schule war es Anfang des Jahres auch nicht einfach sie ist nicht mehr mitgekommen, hat ihren Freunden erzählt das sie umziehen muss weil der Vater das will, damit wurde sie dann gehänselt. Ich musste sie immer wieder abholen, da sie Bauchschmerzen hatte oder sich übergeben hat. Jetzt nach den Sommerferien gehts wieder, sie geht gerne zur Schule.
Sie darf und schläft so gut wie jede Nacht bei mir im Bett, ich verbiete es auch nicht.

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Das Kind leidet Höllenqualen und ich finde ihr Verhalten überhaupt nicht unerklärlich, sondern völlig verständlich. Auch, dass es so extrem ist. Sie braucht unbedingt sofort psychische Unterstützung, auch mit Euch zusammen. Es kann nicht sein, dass Dein Partner und Du Euch streitet, weil sie gerade eine emotionale Krise hat. Auch das wirkt sich nämlich auf ihre Stabilität aus, wenn sie mitbekommt, dass Ihr wegen ihr ein Beziehungsproblem habt.

Wohnt Dein Partner mit Dir zusammen? Falls nicht würde ich persönlich zuerst die Übernachtungen unter der Woche einstellen und das Kind zu mir ins Bett holen. Sie muss jetzt merken, dass sie an erster Stelle steht und ausgeschlafen für die Schule sein. Allerdings können ihre Aktionen mitten in der Nacht auch durch Alpträume oder einen Nachtschreck verursacht werden.

Vielleicht kann das Jugendamt eine psychologische Familienhilfe (keine reine Sozialarbeiterin, sondern wirklich jemanden mit therapeutischem Hintergrund) zur Verfügung stellen oder die Gerichtsgutachterin hat noch eine Idee, wer helfen könnte. Frag überall nach und mach da auch Druck, immer mit dem Satz "mein Kind braucht dringend Hilfe!". Lass Dich nicht so leicht abspeisen.

Auch ich denke nämlich, dass Deine Tochter mit ihren Äußerungen zu ihren starken Schmerzen nicht nur die körperliche Komponente meint.

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Seh ich exakt genauso!!!

Dein Kind schreit nach Hilfe und alles andere würde ich momentan hinten anstellen.

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Mein Partner und ich leben nicht zusammen, er ist hauptsächlich am Wochenende hier, da er nicht in der Nähe wohnt. Sie darf bei mir schlafen, was seit Februar dieses Jahr immer wieder (fast täglich) vorkommt. Die Streitereien zwischen meinem Partner und mir bekommt sie kaum mit, da diese hauptsächlich über das Handy stattfinden, wenn er hier ist gehe ich auf die Streitereien auch nicht ein, gerade damit meine Tochter nichts von alledem mitbekommt.
Druck mache ich schon seit Juli, allerdings ist immer die Ausrede es ist ein Verfahren am laufen und in der Zeit könne man keine Therapie anbieten. Dass das Kind leidet merkt nur der Kinderarzt und er hat schon Berichte geschrieben/ Telefonate geführt ohne Erfolg.

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Hallo.

Könntest du nicht auf akut eine Kur für dich und deine Tochter beantragen. Ich denke mal, deiner Tochter ist in den letzten 1 1/2 Jahren sehr viel zugemutet worden. Neuer Partner, der Vater meldet sich wieder, ich denke, sie ist in die Schule gekommen und dann noch die Verhandlungen bzw. ungewollten Besuche beim Vater. Das kann nicht gutgehen.

Alles Gute und viel Kraft.

LG

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Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht, aber wie funktioniert das mit der Schule?
Ich habe in den Herbstferien Urlaub an der Nordsee für meine Tochter und mich gebucht in der Hoffnung das man da ein wenig zur Ruhe kommt

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Ich glaube, Schule wird da auch gemacht. Zwar spärlich, aber so ganz ohne glaub ich nicht. Oder sie bekommt von der Schule einige Aufgaben mit zum Üben. Frag mal bei der Krankenkasse nach und ich denke, ihr habt gute Chancen damit. Viel Glück und schönen Urlaub.

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Hallo!

Das arme Kind. So schnell wie möglich professionelle Hilfe. Das Kind schreit förmlich nach Hilfe. Ich hoffe, dass da beim Vater nicht "mehr" vorgefallen ist. Bitte hilf deiner Tochter.
Alles Gute.
GAbi