Familie, ToDos, eigene Erwartungen, Job - silopo

Ich glaube, ich muss das hier kurz niederschreiben - vielleicht wird es mir dann klarer.

Verheiratet, 1 Kind im Kindergartenalter, normal große Mietwohnung, Teilzeitbeschäftigung und eigentlich wirklich zufrieden! Das denke ich echt häufig, dass ich wirklich zufrieden bin.

So. Nun habe ich frisch einen neuen Job angefangen, was ganz anderes als vorher. Mir ist und war gleich klar, dass es zu Beginn etwas holprig sein würde, aber ich habe Probleme damit umzugehen, sehe immer mich als Fehlerquelle, ist alles immer an mir. Ich verstehe was nicht. Ich hab das falsch gemacht, müsste ich eigentlich auch so wissen, ohne zu fragen.
Blödsinn, weiß ich, ist aber sehr schwer wegzubekommen.
Ich glaube, das ist der Auslöser für meine kleine depressive Phase.

Denn es kommt immer viel dazu und bei jedem dieser Punkte, liegt die Lösung auf der Hand, aber immer wieder fällt mir was ein, weshalb ich etwas nicht erledigen kann, eine Entscheidung nicht treffen kann. Mit Just Do It, würde ich schon ganz gut fahren. Aber Man! Das ist nicht so einfach.

Dann stresst mich der Kinderwunsch, der jobmäßig jetzt irgendwie leider gar nicht passt. Aber jünger werd ich auch nicht.

Ich möchte eine Immobilie kaufen. Von welchem Geld nochmal? Hier kostet "alles" um die 500k.

Ich möchte den Alltag vereinfachen, über tägliche Banalitäten nicht mehr nachdenken müssen.
Einiges hab ich echt schon gut hinbekommen. Aber da ist noch so viel Luft nach oben.

Mein Mann ist super! Sieht alle diese Punkte auch, möchte mitmachen und das Leben toll und entspannt gestalten und nicht stressig und "unfertig".
Ich halte ihn häufig aus Dingen etwas raus, weil er oft die Kapazität nicht hat, minimaler Autismus, ADHS ... hat einen guten Job, der ihm Spaß macht, arbeitet zu Hause manchmal noch bis später nachts.
Man hat gleich immer diese Selbstoptimierung im Sinn, klingt komisch, aber in manchen Punkten macht es so viel Sinn und würde so vieles erleichtern. Wenn man sich im Griff hätte. Klar. Wäre auch manchmal super langweilig, aber wenn man eine Struktur hat, kann man auch leicht Mal ausbrechen und dann wieder dort einsteigen, wo man aufgehört hat.

Ich arbeite weiter dran das Leben zu organisieren und zu vereinfachen und hoffe mich nicht darin zu verrennen.

Ja, diese Tendenzen kenn ich. Nehme mir immer wieder dieses und jenes vor, sowohl im Job, als auch privat, um mich besser zu strukturieren.
Mein neuester Versuch, mir das Leben einfacher zu machen ist zu akzeptieren, dass ich so weiter mache wie bisher, und mir das schlechte Gewissen dabei spare. Schließlich funktioniert das System ja.

Ja, das ist auch mein Plan B. ;)
Das ist aber so resignierend, dem Schweinehund das Feld überlassen .. das geht ja auch nicht.

Ich glaube, das, was du beschreibst, kennen viele Menschen. Ich erlebe das bei mir phasenweise auch. Dann schaue ich im Netz nach Lösungen für diverse Alltagsprobleme, bleibe auf Blogs von vermeintlich perfekt organisierten Frauen hängen und am Ende habe ich stundenlang "Recherche" betrieben, fühle mich schlecht, weil ich ja so viel schlechter organisiert bin und setze nichts um von dem, was ich gelesen habe.

Ich glaube aber außerdem, dass das alles Quatsch ist, die anderen (welche anderen überhaupt?) auch nicht alles besser machen und man sich oft einfach mit solchen Dingen verrückt macht und damit nur vom eigentlichen Problem ablenkt.

Du hast doch sogar selbst erkannt, dass deine aktuelle Phase wahrscheinlich mit dem Jobwechsel zusammen hängt. Veränderungen kosten Kraft, selbst solche, die man sich gewünscht hat.

Vermutlich hattest du in deinem alten Job alles im Griff? Wusstest alles, kanntest jeden und warst mit sämtlichen Abläufen vertraut? Im neuen Job fällt der Unterschied jetzt besonders stark auf und obwohl du in klaren Momenten genau weißt, dass es völlig normal ist, seine Zeit zu brauchen, bis man sich eingearbeitet hat, schießen ständig diese Nörgler durch deinen Kopf, die dir zuflüstern, dies oder jenes hättest Du wissen müssen, da solltest Du schneller sein...?

Und wenn du dann dabei bist, dich so richtig schön zu geißeln, weil du deinen Job ja so überhaupt nicht im Griff hast, kramt dein innerer Kritiker immer mehr Unzulänglichkeiten und Probleme aus deinem Leben hervor: Ihr habt immer noch kein Haus und werdet nie eins finden, du putzt viel zu selten die Fenster, die Abstellkammer sieht überhaupt nicht aus wie diese perfekt organisierten Stauraumwunder bei Schöner Wohnen, dein Kind liegt nicht jeden Abend um 7 Uhr im Bett und schläft und wahrscheinlich gab es gestern auch noch Nudeln mit fertiger Tomatensoße anstelle eines Gemüseauflaufs mit selbst angebautem Biogemüse. Denn du hast zwar keinen Garten, aber die Blogger von Urban Gardening haben dir doch erklärt, dass du selbst in der Großstadt auf 0,3 qm ein Gemüsebeet mit mindestens 12 heimischen Gewächsen anlegen kannst. Wieso hast Du das denn jetzt nicht wenigstens mal in Angriff genommen? Ach ja, weil du ja sowieso nix hin bekommst und sogar im Job, den du jetzt bereits seit 4 Tagen machst, noch nicht alle 200 Kollegen mit Namen und persönlichen Vorlieben kennst. Die Foodbloggerin hätte bestimmt auch schon Kekse mit gebracht, die sie selbst in ihrer perfekt strukturierten Küche gebacken hätte...

Ich hab extra ein bisschen übertrieben, um die Absurdität dieser Selbstkasteiung deutlich zu machen.

Meine Tipps:

- Versuche es ein bisschen mit Humor zu nehmen.

- Sprich darüber! Abgesehen davon, dass dadurch oft genau diese absurden Schleifen deutlich werden, kommt man darüber häufig zum Kern des echten Problems.

- Vergleich dich nicht mit Leuten, bei denen scheinbar alles perfekt läuft. Die zeigen dir auch bloß den Ausschnitt aus ihrem Leben, den du sehen sollst.

Lass dich nicht fertig machen von deinen eigenen Ansprüchen. Du selbst bist dein größter Kritiker. Dieses Zitat "Leben ist das, was passiert, während man andere Pläne macht" mag zwar ein bisschen abgedroschen sein, trifft aber wohl bei sehr vielen Menschen zu.

Die wenigen, die das akzeptiert haben, schreiben Blogs darüber, um uns anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, dass wir immer noch über Selbstoptimierung nachdenken, statt uns in unserer wunderschönen Unperfektheit zu akzeptieren. 😉

Das, was du schreibst, kenne ich von mir. In ausgeprägter ADHS Form.

Selbstoptimierung klingt als Ausweg, als DIE Lösung.
Nur ist es nicht die Lösung, sondern schafft mir mehr Probleme als Nutzen.
Warum? Weil es perfekt nicht gibt.

Daher versuche ich für mich: gut ist besser als perfekt!
Gut ist entspannter, lebenswerter.
Besser geht immer.... aber zu welchem Preis?


Mit viel Arbeit und Hilfe und ADHS-Diagnose/Hilfe habe ich gelernt Prioriäten zu setzen.

Was will ich?
Was kann ich erreichen?
Was BRAUCHE ich?

Selbstoptimierung wäre schön, ist aber eigentlich nur eine Flucht davor, sich den Prioritäten zu stellen. Flucht mir darüber klar zu werden, was ich BRAUCHE.

Seit ich mich dem Gedanken, den Gefühlen stelle, was ich wirklich brauche und mir das selbst zu erfüllen (mir selbst Zeit gönnen, mir selbst gönnen, dass ich mich selbst akzeptiere, dass ich mein erreichtes wertschätze), verschwimmen die vielen anderen Baustellen, was ich "will".

Mit Prioritäten komme ich sehr viel weiter, auch in sichtbaren Schritten, als wenn ich nur das ganz große Ziel vor Augen habe.
Letzteres hat meine Mutter angestrebt und bis zu ihrem Tod nicht geschafft. Sie hat sich selbst perfekt in den selbstoptimierten Tod getrieben.

Was sie brauchte, hat sie ignoriert, weil das nicht gut genug war und nicht in die Optimierung passte. Gesundheit blieb auf der Strecke.