Demenz, telefonieren

Meine Mutter (89) hat Demenz, schon ziemlich fortgeschritten. Sie lebt auch seit einem halben Jahr in einem Altenheim. Mein Vater zog noch mit ihr zusammen dort hin, starb dann aber schnell. Ich wohne im Ausland, war dieses Jahr schon zweimal dort und versuche halt telefonisch etwas Kontakt zu halten. Das funktioniert aber sehr schlecht.

Sie geht nicht mehr selbst ans Telefon, glaube ich. Andererseits hält sie sich auch nicht soo viel in ihrem Zimmer auf, sondern mehr in gemeinsam genutzen Räumen. Sie mag wohl nicht allein im Zimmer sein. Meine Schwester besucht sie bisher jeden Tag (erstaunlich, dass sie das immer noch macht). Ich wollte mit dem Personal etwas ausmachen - dass ich also zu einer bestimmten Zeit anrufe. Das klappte nicht so richtig, aber inzwischen hatte sich auch die Nummer geändert.

Nun musste ich doch meine Schwester bemühen und sie bitten, zu einer vorausbestimmten Zeit mit unserer Mutter im Zimmer zu sein und den Hörer abzunehmen wenn es klingelt. EINE Minute höchstens hab ich mit meiner Mutter gesprochen, dann hatte sie den Hörer meiner Schwester zurückgegeben. Mein Mann fragte, ob meine Mutter sauer auf mich ist. Nein, das ist es nicht. Es muss die Demenz sein. Das war auch vorher schon so, seit ein, zwei Jahren schon mag sie nicht mehr telefonieren, oder sie weiss nicht viel zu sagen, und statt noch ein bisschen zu bleiben, verschwindet sie dann blitz-schnell.

Kennt sich da jemand aus, wie man da auf den Abstand Kontakt halten kann? Wie ich das Problem umgehe, dass es halt per Telefon sein muss? Tips, wie man sie ein bisschen länger in ein Gespräch locken kann?

Wahrscheinlich ist telefonieren ziemlich abstrakt für sie. Sie wird dich nicht mit der Stimme aus dem komischen Ding verbinden.
Meine Idee wäre mit deiner Schwester was auszumachen, um mal per Video Telefonie mit deiner Mutter zu reden. Oder ihr klassisch Briefe mit Bildern oder Videos zu schicken. Über deine Mutter kannst du ja mit deiner Schwester sprechen.

Alles Gute

Ja, es scheint so. Meine Schwester ist nicht so technisch, hat weder Handy noch Internet und weiss auch nicht, wie so was funktioniert. Daher kann ich das wohl vergessen. Falls nicht das Heim speziell solche Möglichkeiten schafft.

Hat sie früher gerne telefoniert?

Ich liebe Telefonieren. Aber auch ohne Demenz, fällt es mir manchmal schwer.
Gesprächen mit Blickkontakt kann ich besser folgen, weil ich die Person dabei auch vor Augen habe.

Bei Demenz kommt die Schwierigkeit hinzu, dass auch direkte anwesenden Personen mal mehr, mal weniger, mal gar nicht wiedererkannt werden.
Am Telefon stelle ich mir das noch schwieriger vor.

Vielleicht ein Foto zeigen, so lange sie telefoniert?
Videotelefon könnte evtl. überfordern, wäre aber mit mehr Blickkontakt oder so.

Interessante Überlegungen. Ja, ich denke auch in den Bahnen. Ich glaube es ist ihr inzwischen zu schwierig. Videotelefon - damit wäre meine Schwester überfordert wenn sie das organisieren sollte. Ausserdem hatten wir schon mal Probleme mit ähnlichem . Mein Sohn hatte mal eine Botschaft aufgenommen auf Video, die ich den Eltern vor Jahren mal gezeigt hatte. Schon da haben sie das gar nicht fertig gesehen, weil sie nicht verstanden haben, dass das nicht "live" sondern aufgezeichnet war. Und da dachten sie wohl. Bzw. sie haben den Anfang verpasst und man konnte ihnen nicht erklären, dass man das noch mal sehen könnte. Solche Probleme überraschen einen immer wieder.

Foto ist eine Idee.

Ein Gespräch ohne Gesicht ist für sie extrem schwierig. Zudem kann sie wahrscheinlich nicht mehr spontan antworten.
Viel mehr Freude machst Du ihr mit regelmäßigen Fotos und kurzen einfachen Texten dazu.
Telefonate dann nur zum Beispiel Weihnachten oder Geburtstag.
Und ein dickes Dankeschön an deine Schwester, solltest Du auch aussprechen.

Das hab ich mir auch gedacht. Wahrscheinlich klappt das nicht mehr so gut, wenn sie die Person nicht sieht. Danke für die Tips.

Und natürlich bedanke ich mich bei meiner Schwester und ich hab ihr auch mit vielen Dingen geholfen. Sie fühlt sich auch irgendwie dazu verpflichtet - meine Mutter hat ihr immer wieder erzählt, wieviel sie für sie getan habe. Ich sehe das nicht ganz so und finde meine Mutter macht ihr da unberechtigterweise ein schlechtes Gewissen. Ich hab selbst auch keinen besonders guten Kontakt zu meiner Mutter, aber ich hab doch immer den Kontakt beibehalten, und sie tut mir halt auch leid.

Ich würde auch auf den klassischen Brief setzen und immer Fotos beilegen. Meiner 86-jährigen Oma fällt das Telefonieren ohne Demenz schon schwer und ich hab eine Bekannte, die ist viel jünger und "kann" nicht telefonieren - 5 Minuten sind bei beiden viel... Tatsächlich schreibe ich ihnen deshalb - einmal per Whatsapp, Oma bekommt Briefe.
Videotelefonie wäre einen Versuch wert, aber ich denke, dass es schwierig wird.

Ja, ich glaube auch, ich muss wieder anfangen Briefe zu schreiben. Das mache ich ja sonst gar nicht mehr. Und Fotos hab ich auch fast nur noch digital. Gut, Fotos entwickeln lassen.

Videotelefonie ist schon deshalb schwer, weil auch meine Schwester nicht so technisch ist. Man muss ja dann zumindest jemand vor Ort haben, der helfen kann. Sie hat auch kein Handy, meine Schwester. Meine Mutter sowieso nicht.

Hmm... ich muss wohl wieder anfangen mit Briefen und richtigen Fotos. Videotelefonie könnte man versuchen, wenn das Personal im Heim da wirklich die Möglichkeiten schafft. Und das machen die sicher nicht speziell für uns, aber vielleicht kommen sie auf die Idee?

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Meine Oma hat mich immer ganz oft angerufen. Nun ist sie dement und ruft nicht mehr an. Schwer für mich. Aber sie kann nicht mehr folgen, sie versteht auch Filme nicht mehr und Gespräche fallen ihr schwer. Dabei war sie eine sehr schlaue Frau, hat aus beruflichen Gründen mit hohen Politikern zu Abend gegessen, war stets in bester Gesellschaft. Das anzusehen tut weh.
Komme vom Thema ab 🙈
Denke deiner Mama geht's ähnlich
Telefonieren strengt sie an, sie versteht es vielleicht nicht mehr. Wäre das Schreiben von Briefen eine Möglichkeit? Sie wird dir sicher nicht antworten können aber sich sicher freuen, wenn deine Schwester ihr vorliest?
Sie werden einfach wieder wie ganz kleine Kinder 😢

Ja, ich werde das mal versuchen. Nein, ich rechne wirklich nicht damit, dass sie antwortet.

Schreib ihr doch Briefe, immer mit einem Foto von dir und erzähle ihr ein bißchen von eurem Alltag und dann schwelge noch in Erinnerung von früher. Daran wird sie sich wahrscheinlich besser erinnern können. Wenn sie es selbst lesen kann super, wenn nicht kann deine Schwester oder ein Pfleger jederzeit den Brief vorlesen, wenn es gerade passt und ist nicht auf eine bestimmte Uhrzeit gebunden.
LG

Ja, oder auch mal eine Ansichtskarte zwischendurch.

Hallo,
oft ist das Telefonieren für ältere Menschen alleine schon wegen der Schwerhörigkeit eine Herausforderung. Diese muss dazu noch nicht einmal sehr ausgeprägt sein, die Gespräche können aber für denjenigen sehr anstrengend sein und der ältere Mensch kann kaum folgen.

Dann wurde bereits erwähnt dass gerade bei Demenz eine Zuordnung ohne Gesicht sehr schwierig ist. Ich denke auch dass deiner Mutter in ihrem Zustand regelmäßige Telefonate mit dir nicht mehr wichtig sind. Bitte nicht falsch verstehen, ich kann es nur nicht richtig ausdrücken. Dir ist es wahrscheinlich wichtiger als ihr, sie wird das Telefonat kurze Zeit später vergessen haben. Dies habe ich in der Praxis immer wieder erlebt.

Daher sind Briefe besser, diese gerne in richtig großer Schrift am PC geschrieben, dann kann sie es auch selbst lesen. (Das mache ich bei meiner Großtante so, ich komme mir immer total albern vor, sie freut es aber riesig denn sie braucht so niemanden zum Vorlesen, trotz Brille!)

Du könntest auch mit dem Altenheim vereinbaren (oder deiner Schwester) dass du E-Mails schickst die man ihr dann ausdrucken kann. Vielleicht wäre ja auch ein Wechsel aus Brief mit Foto und dann wieder eine E-Mail sehr schön.

Alles das, was für uns heute aus technischer Sicht völlig normal ist (Skype, Whatts app etc.) ist für die Generation deiner Mutter meistens eine große Herausforderung und überfordert oft mehr als dass es Gutes bezweckt.

Liebe Grüße,
masinik

Okay. Nein, ich habe nicht wirklich ein Problem damit, wenn es ihr nicht wichtig ist. Wie gesagt, wir hatten nie eine enge oder gute Beziehung, aber sie tut mir doch leid. Ich bin da auch ziemlich pragmatisch. Das hab ich meiner Schwester übrigens auch gesagt - das es vielleicht etwas unnötig ist, jeden Tag hinzugehen. Wenn sie nur jeden zweiten Tag käme, unsere Mutter würde ja den Unterschied gar nicht merken.

Ja, ich werde das mit der Email auch mal überlegen. Dann müsste ich sehen, ob die im Heim das machen - meine Schwester hat nämlich kein Internet zu Hause.

Ist hier auch so. Meine Mutter weiß gar nicht mehr so recht, was ein Telefon ist und versteht nicht, was sie damit soll und wer dran ist.
Ich besuche sie so oft es geht und wir haben ihr als Familie diesen Bilderrahmen hier geschenkt:

https://www.familinkframe.com/de/

Der steht bei ihr auf dem Nachttisch und man kann per Alp ganz einfach Fotos und Texte auf den Rahmen schicken. Praktischer Weise kann man so auch an Termine (Geburtstage etc.) erinnern oder einfach mal schreiben, dass man sie lieb hat.

Sie selbst muss gar nix tun, nur draufschauen und bei Besuchen gehen wir die Fotos durch und machen ein bisschen Gedächtnis-Training.

Hmm... diese Bilderrahmen - da weiss ich selbst noch nicht wie das funktioniert. Aber ich werde es mir mal näher angucken, vielleicht ist die Technik hier hilfreich.

Ich würde keine Produktwerbung machen, wenn das Ding nicht so toll und absolut selbst erklärend wäre. ICH habe es in 10 Minuten zum Laufen gebracht.
Nichtsdestotrotz halte ich Körperkontakt und physische Nähe für die vielversprechendste Art zu Demenzkranken vorzudringen.
Aber manchmal will man ja auch einfach nur etwas tun, damit es einem selbst auch besser geht.

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Ganz einfach: vor Ort sein ist das Einzige und Beste für einen Dementen. Telefonieren oder Video Call wird ab einem gewissen Stadium der Krankheit viel zu abstrakt, das klappt nicht mehr.
Hut ab, dass Deine Schwester jeden Tag bei Eurer Mutter ist!

Mir scheint ehrlich gesagt, dass Du nicht allzu viel Ahnung von ihrer Krankheit hast und sie wahrscheinlich auch nicht oft besuchst. Ist nicht böse gemeint, viele können damit nicht umgehen. Weiss ich aus Erfahrung, ich bin damals aus dem Ausland zurück gezogen, um mich um meine demente Mutter zu kümmern.

Besuche sie, sooft Du kannst und solange sie Dich noch erkennt.