Total im Eimer

Hallo

Ich hoffe, das urbia-team verschiebt den threat nicht wieder so schnell, dass ich nicht mehr antworten kann. Ist mir egal, ob es andere "nicht so schlimm" finden, so zu versagen, wie ich. ICH finds schlimm.
Und danke an die drei, die mir so nett Mut zugesprochen haben. Ja. Ihr habt absolut recht, es wäre notwendig, mich raus zu nehmen. Gerade wenn andere Kollegen die Fehler ausbaden müssen.
Mein Problem ist, dass es keine Vertretung gibt. Ich habe zu viele Arbeitsaufgaben. Das geht aktuell auf keine Kuhhaut. Im März soll wieder was dazu kommen. Ich bin stinksauer gerade.
Am Montag habe ich mit meinem Psychotherapeuten darüber gesprochen. Und wir haben alle Möglichkeiten, die es so gibt, durchgesprochen.
Am meisten kann ich mich damit anfreunden, mit meinem Chef zu reden und erst mal nur das "Notwendigste" zu machen.

Ich hab oft nicht so den Mut, klare Worte zu finden. Aber muss ich ja. Keine Ahnung ob ich mit Kündigung drohen sollte. Ich liebe meine Arbeit und meine Kollegen. Hier habe ich mir was aufgebaut.
Habt ihr da vielleicht nen guten Rat für mich?

Geht zum Arzt!!!!

Wenn du JETZT zum Arzt gehst, kann er dir vielleicht direkt helfen. Bluttest, Untersuchungen, beginnende Behandlung, KURZE Krankschreibung.

Wenn du wartest bis März
- kannst du bis dahin so zusammenbrechen, dass
-- du tot umfällst (Herzinfarkt, Schlaganfall)
-- so sehr im Burn Out landest, dass du für viele Monate komplett ausfällst! Rückkehr in die Arbeit vielleicht oder vielleicht auch nicht
-- du wirklich etwas organisches hast, das UNbehandelt nicht mehr reversibel ist.


Wir können keine Ferndiagnose stellen.
Ein Arzt kann dir eher sagen, ob/wie lange du ausfällst.

wenn du Glück hast, ist es "nur" ein Eisenmangel, bekommst ein Medikament und bist schnell wieder fit.
Damit bleibt zwar die Belastung auf der Arbeit, aber diese wäre dann zu wuppen.

Wenn du nicht zum Arzt gehst, machst du DICH kaputt

und auf Arbeit wirst du ersetzt oder auch nicht.
Wenn du lange wartest mir Arztbesuch, bekommst du es vielleicht nicht mehr mit.


Mit Kündigung drohen würde ich nicht. Wozu auch?
Dann wirst du auch ersetzt.
Lass mich raten, DANN wird Ersatz für dich gefunden, der jetzt nicht gefunden werden kann? Warum auch, du machst es ja eh doch.


Geh zum Arzt, lass dich beraten.
Dann kannst du auch mit deinem Chef argumentieren.

Verlässt er sich dann trotzdem auf dich, obwohl du schon nicht mehr voll einsatzfähig bist, dann ist das SEIN Problem, NICHT deines.

Wenn du umkippst : Tot oder "nur" RTW mit monatelanger Ausfallzeit, dann ist das DEIN Problem.
Nicht das deines Chefs. Der wird dann schon eine Lösung finden (wenn er dann muss... jetzt muss er ja nciht, du machst ja)

Zahnweh, ich fall nicht tot um.
Lieb, dass du dir solche Mühe gibst, mir plausibel zu machen, warum ich zum Arzt gehen sollte.
Aber ich MÖCHTE mich nicht krank melden. Wenn ich das mache, komme ich nach 1 oder 2 wochen auf Arbeit und alles ist genauso wie vorher.
Und mein Hausarzt ist ein Vollhonk!
Ich bin jetzt wegen der Konzentrationsprobleme beim Neurologen gewesen, der Blut abgenommen hat. Morgen kann ich die Ergebnisse abfragen. Aber da kommt nix raus! Ich bin kerngesund!
Heute habe ich nen kognitiven Test gemacht (ich komme da über meine Arbeit ran) und er war absolut unauffällig.

Zahnweh, du hilfst mir nicht, wenn du mir damit drohst, dass ich sterbe, wenn ich deinem Rat nicht folge.

Mein Chef ballert mich mit Arbeit zu und jetzt ists einfach mal gut. Ich muss nur am Freitag meinen Mut zusammen nehmen und ihm das auch sagen.

Wenn dich dein Chef mit Arbeit zuballert, sag ihm, dass du noch die Aufgaben A, B, C,... Hast und frag ihn, welche du wegen der neuen Aufgabe zurück stellen sollst.

Zeig ihm alle deine offenen Aufgaben und frag ihn, wie du priorisieren sollst und wie lange du ca für jede Aufgabe brauchen wirst (großzügig rechnen, meist braucht man doppelt so lange wie geplant).

Zeige deutlich, wann mit Fertigstellung der einzelnen Aufgaben zu rechnen ist. Das ist kein Fehler von dir. Das ist alles ein Ressourcenproblem deines Chefs, nicht deines.

Mehr als arbeiten kannst du nicht.

Wenn du morgen für längere Zeit krank wärst, würde der Laden auch weiterlaufen. Jeder ist ersetzbar.

Überleg dir ev. was, wie du für 4-6 Wochen aussetzen könntest. Das wäre vermutlich lange genug, damit dein Chef die anfallende Arbeit anders verteilen müsste. Kur , Rücken, Krankschreibung wegen irgendwas. Wenn dir noch was einfällt, lass mich teilhaben, ich bin nämlich in einer ähnlichen Situation. Wie gerne würde ich mir irgendwas brechen...

Und Kündigen, ohne einen neuen Job zu haben, würde ich nicht.

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Den Rat möchtest du ja nicht, wie ich gerade gelesen habe. Zahnweh hat einfach nur recht.

Geh zum Arzt und lass dich rausnehmen.
Oder mach genauso weiter.

Wer nicht will, der hat.

Traurig das als "versagen" anzusehen.
Du solltest dringend an deiner Einstellung arbeiten.
Zudem möchtest du hier eh keinen Rat annehmen, so wie man es rausließt...

Zu der Antwort von zahnweh: du denkst, das ist übertrieben, einfach so umzufallen auf der Arbeit? Ich arbeite auf einer interdisziplinären Intensivstation und kann dir sagen, dass mir im Laufe meiner Arbeit schon mehrere Menschen begegnet sind, die einfach so, anscheinend ohne jeglichen Grund in jungen Jahren sehr wohl umgekippt sind. Diagnose Herzinfarkt. Und stell dir vor, das waren alle solche workaholics, die nie zugegeben haben, dass sie (dauerhaften) Stress hatten o.ä.
Nein, das mag nicht die Regel sein (zum Glück), aber man sollte Warnhinweise des Körpers immer ernst nehmen, denn solche Sachen kommen sehr wohl vor.

Ich war mal in einer ähnlichen Situation. Meine alte Arbeit war sehr sehr stressig. Ich war für alles zuständig, nachdem 2 Kollegen, mit denen ich das Arbeitsgebiet zusammen gewuppt hatte, gekündigt haben. Ich habe wirklich für drei gearbeitet. Einige Jahre hab ich das so mitgemacht und je mehr ich geschafft habe ohne zu meckern, desto mehr Aufgaben kamen hinzu.

Eines Tages hat’s mir gereicht. Ich bin zum Vorstand und habe ihm meine todo Listen gezeigt, die ich jeden Tag anfertigte und er bekam große Augen. Er war total überrascht und verwundert, dass ich das alles an einem einzigen Tag erledigte und hat sofort Aufgaben verteilt und neue Stellen ausgeschrieben.

Allein das Verständnis hat mich total erleichtert aufatmen lassen. Schreib mal alles auf, was du so am Tag leistest und nimm deinen Mut zusammen und rede mit dem Chef. Erklär ihm sachlich, dass es dir zu viel ist und du gute Arbeit leisten willst, dies unter den Umständen aber auf Dauer nicht möglich ist. Er hat sicher auch kein Interesse an einer Mitarbeiterin, die monatelang ausfällt wegen Burnout.

Das Problem für mich ist, weswegen ich auch so verschämt bin: ich weiß nicht ganz genau, ob das objektiv zu viel Arbeit ist.
Wenn man hier auf Arbeit sagt, man habe zu viel Arbeit, kriegt man von den Kollegen schnell nen Rüffel. Es hätten alle viel zu tun.
Ich bin hier in zig Kleckerprojekten eingeteilt. Hier was, da was. Und da ich selbst nicht die organisierteste Person bin, weiß ich nicht, ob ich einfach nur zu doof bin, oder ob es wirklich zu viel ist.

MIR ist es zu viel. Das ist Fakt.
Und damit muss ich arbeiten. Ich setze mich nachher an die Überlastungsanzeige und gehe dann damit zum Chef.

Ich kann auch ruckzuck kündigen. Das geht. Arbeit gibt es hier dank Fachkräftemangel genug und vielleicht ist es doch Zeit für nen Tapetenwechsel. Aber ich mag auch meine Arbeit sehr und meine Kollegen. Egal wie schrullig die sind.

Alles grad sehr Zweifelbehaftet. Das ist grad das Hauptproblem. Weil ich nicht richtig einschätzen kann, ob ich nur zu doof bin, oder zuRecht überlastet.

Deswegen solltest du dir eine Todo-Liste machen. Und immer wenn du was erledigt hast, hakst du es ab. Mir hat immer geholfen, die Dinge mit Prio zu markieren.

Dann sieht man am Ende des Tages recht gut, was man geleistet hat und ob es wirklich zu viel ist. Unabhängig davon ist es einfach zur Zeit so, dass es DIR zu viel ist. Das kann man dir nicht absprechen und nach Lösungen suchen. Wem nützt es, wenn du richtig krank wirst. Bevor du kündigst, solltest du dich eher krankschreiben lassen.

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Ja so war ich auch.
Bis ich von Panikattacken heimgesucht wurde, die fälschlicherweise lange mit Betablocker behandelt wurden usw usf. Doch geändert hab ich nichts, bis ich dann in der Reha gelandet bin. Es war erst nicht körperlich, aber es wird körperlich, zumindest die Symptome. Schön ist was anderes.

Seit der Reha mit darauffolgenden Jobwechsel geht es mir besser und mit mehr Work Life Balance. Egtl ein doofes Wort wie ich finde, aber trotzdem verdammt wichtig.
Arbeit ist schön, ich brauch das auch, ich brauch auch bis heute ein bisschen Stress. Aber es ist nicht alles.
Niemand wird an unserem Grab stehen und sagen "hach ja, sie war stets so fleißig!"... Niemand.

Der Ansatz mit dem Gespräch beim Chef ist gut, den Tipp von Zahnweh solltest du dir trotzallem zusätzlich zu Herzen nehmen. Such dir einen neuen Arzt. Dein Körper wird dich sonst irgendwann in die Schranken weisen, ich hab es auch erst viel zu spät gemerkt.

Alles Gute.