Mein Kind wird 18, Rückblick auf meine Mutterschaft

So, ich habe bei den Vorbereitungen auf den 18.Geburtstag meines Großen mal zurück geschaut auf diese Jahre.
Was ist mir in Erinnerung geblieben, wie habe ich das Muttersein empfunden?
Haben sich meine Vorstellungen von Familie erfüllt?
War es überhaupt die richtige Entscheidung Kinder zu bekommen?
Hab ich es wirklich als Bereicherung empfunden und war gerne Mutter?
Ich muss sagen, mein Fazit ist ziemlich ernüchternd.
Nach der Geburt hab ich erstmal auf die Glücksgefühl gewartet, ich warte bis heute darauf.😅
Jetzt empfinde ich Stolz und ich liebe mein Kind, aber das kam nicht automatisch sondern erst nach und nach.
Unsere Beziehung ist gewachsen, so wie er gewachsen ist.
Richtig bereichernd waren für mich die letzten Jahre ab Pubertät, er war immer reflektierten, erwachsener, diese Entwicklung zu sehen war im Gegensatz zu den ersten 12 Jahren toll.
Dir Baby und Kleinkindzeit war eine Durststrecke, ich konnte dieser Phase nichts abgewinnen und hab es einfach nur überstanden und mich an anderen Dingen erfreut, hab versucht, so viel wie möglich meine Interessen zu verfolgen, Dinge zu machen die mir gut getan haben.
Die Schulzeit war dann schon besser, ich konnte einfach eine bessere Bindung aufbauen als er älter wurde.
Bereicherung, also ja und nein, ich sehe es so, dass er etwas mehr Belastung als Bereicherung für mich war.
Harmonisches erfülltes Familienleben hab ich gar nicht erwartet, hauptsächlich habe ich gehofft dass es so läuft, dass die Partnerschaft nicht kaputt geht.
Das hatte ich nämlich im Umfeld oft genug beobachtet, dass ein Kind kam und die Beziehung kurz danach vorbei war..oder dass Freunde mit mir darüber sprachen wie unzufrieden sie mit der Partnerschaft sind seit das Kind da ist.
Unsere Beziehung ist leider dann doch zu Ende gegangen vor 6 Jahren, aber die erste Zeit mit Kind haben wir gut überstanden.
Ein Kind zu bekommen ist tatsächlich eine große Belastungsprobe für die Beziehung, da muss man sehr aufpassen dass man sich da nicht verliert.
Die Erfahrung, Mutter zu sein, war eine unter vielen Erfahrungen im Leben und also für mich nicht mehr wert als die anderen.
Was ich oft denke ist, welche Möglichkeiten ich wohl gehabt hätte ohne Kind?
Welche Erfahrungen konnte ich nicht machen?
Ich sehe das Ganze also eher nüchtern und empfinde in erster Linie Dankbarkeit aber auch Erleichterung dass diese Zeit vorbei ist.
Er zieht im Herbst aus und ich freue mich wie Bolle dass das so ist.
Ich könnte es so ausdrücken dass ich froh bin ihn los zu werden,😇 aber das stimmt nur halb.
Ich freue mich einen selbstständigen, lebensfähigen Menschen in die Welt zu entlassen.
Es war auf der einen Seite toll, ihn groß zu ziehen andererseits auch ziemlich ernüchternd.
So, mein Wort zum Sonntag.

3

Ich habe Gänsehaut beim Lesen......

"ich sehe es so, dass er etwas mehr Belastung als Bereicherung für mich war."


"Ich sehe das Ganze also eher nüchtern und empfinde in erster Linie Dankbarkeit aber auch Erleichterung dass diese Zeit vorbei ist.
Er zieht im Herbst aus und ich freue mich wie Bolle dass das so ist.
Ich könnte es so ausdrücken dass ich froh bin ihn los zu werden,😇 aber das stimmt nur halb."

Schade, dass es dir so ergangen ist, ich hoffe, du hast ihn das nie nie nie spüren lassen.

Während ich auch quasi den 18. Geburtstag meines Sohnes plane, platze ich vor Stolz und Liebe und Dankbarkeit für dieses einzigartige Kind, welches mir einfach alles bedeutet

8

Ich finde man merkt klar und deutlich, dass sie ihr Kind liebt und stolz auf den jungen Mann ist.

Ich habe 2 Kinder, eins ist 3, das andere 1,5. Nach 9 FG/Totgeburten/ späten Fehlgeburten bin ich auch echt froh die beiden zu haben. Aaaaber: Wo diese Zeit bereichernd sein soll, in der man einen Trotzanfall nach dem nächsten hat, weil der Becher die falsche Farbe hat, kann ich nicht verstehen. Ich liebe die beiden über alles. Ich würde jederzeit für sie sterben und alles für sie tun. Trotzdem könnte ich sie im 5-minutentakt an die Wand klatschen und freue mich jetzt schon drauf wenn sie groß sind und ich wieder mehr Freiheiten habe.
Klar ist es schön, zu sehen wie sie anfangen zu laufen, zu sprechen, größer werden und Die Welt entdecken. Aber es ist auch einfach eine Belastung, nachts aufstehen zu müssen, die Zähne die kommen, die Schübe, die wachstumsphasen, die Unfälle, die Verantwortung die man hat.

Meine Mutter sagt gerne die ersten 3-4 Jahre passt man eigentlich nur drauf auf, dass das Kind sich nicht versehentlich selbst umbringt. Wir haben ein mega gutes Verhältnis, reden über alles, trotzdem war sie froh als ich 18 war und mein Leben gelebt habe.

Das eine hat mit dem anderen rein gar nichts zu tun und ich finde es eher erschreckend, dass alle einen Hype machen daruum das Mutter sein das einzig wahre ist, und man sich bloß nicht beschweren darf, und wehe man findet es anstrengend. Wie oft liest man hier im Forum, dass eine Mutter nicht mehr kann, weil das Kind im Schub ist. Dass eine Mutter am verzweifeln ist, weil sie so sorgen um das Kind hat weil es in der Entwicklung zurück ist oder dass Beziehungen kaputt gehen, weil Die Zeit mit Kind so anstrengend ist? Da ist es ok was zu sagen, aber wenn eine Frau REFLEKTIERT schreibt, dass die 18 Jahre Muttersein eben nicht nur Zuckerschlecken waren und sie froh ist ihre Freiheit wieder zu haben, ist es erschreckend, und man hofft, dass das Kind das nicht gespürt hat?

9

Ich stimme dir absolut zu!

Aber das ist typisch für unsere Gesellschaft und auf urbia besonders auffällig. Wehe, du bist nicht zu 200% Mutter und küsst den Windelinhalt dankbar und freudig vom Babypopo😛

"die ersten 3-4 Jahre passt man eigentlich nur drauf auf, dass das Kind sich nicht versehentlich selbst umbringt" Made my day!😂

An die TE: super, dass dein Sohn ein lebensfähiges Mitglied der Gesellschaft geworden ist und du dich nicht selbst verloren hast👍

1

Interessant zu lesen. Danke für deinen ehrlichen Beitrag.
Meine Kinder sind noch klein (Grundschule und Kindergarten), aber ich bin mal sehr gespannt, was die Zeit noch bringt.

Aif jeden Fall finde ich die Zeit jetzt viel angenehmer, als die Babyzeit.

Lg mcbess

2

>>>Richtig bereichernd waren für mich die letzten Jahre ab Pubertät, er war immer reflektierten, erwachsener, diese Entwicklung zu sehen war im Gegensatz zu den ersten 12 Jahren toll.<<<

Im weiteren Text schreibst du, dass die Trennung vor sechs Jahren erfolgte, als dein Sohn ca 11/12 Jahre alt war.

Kann dein Rückblick auf die Jahre davor eher von deiner marode werdenden Ehe geprägt sein, oft braucht es JAHRE, um den Schlussstrich zu ziehen.

4

Vielen Dank für deinen Post, wenn ich könnte, würde ich ihn tausend mal herzen. Keine Ahnung, woher die aktuelle "Mutter sein ist trdas einzig Wahre und erhebt dich über Alles und Jeden" - Schwemme kommt, aber sie macht Beiträge wie deinen umso wichtiger.

5

Man kann sein Kind auch lieben ohne die Mutterschaft als bereichernd zu empfinden.
Ich habe im Umfeld zum Glück einige Eltern die das ähnlich erlebt haben.
Die ihre Kinder zwar lieben aber durchaus auch sagen, dass es oft eine Belastung war, sie groß zu ziehen.
Stolz bin ich auch auf meinen Sohn, er ist richtig gut gelungen.
Aber ich sehe auch den Preis den ich bezahlt habe, ganz subjektiv aus meiner Perspektive.
Trotzdem bereue ich es nicht Kinder zu haben.
Allerdings habe ich auch immer auf mich geachtet, habe beruflich das gemacht was ich wollte.
Bin auch alleine gereist weil viele Dinge die mich im Urlaub reizen, mit Kindern nicht gehen und warten bis ich Ü 50 und die Kinder erwachsen sind, war mir zu riskant, wer weiß ob die Gesundheit noch mit spielt.
Corona macht es wahrscheinlich auf längere Zeit noch schwierig bestimmte Länder zu bereisen, Australien, viele Länder Afrikas, Südamerika.
Ich bin so froh dass ich das alles gemacht habe, es kann mir keiner mehr nehmen.
Klar hab ich auch Urlaub mit Kindern gemacht aber immer mit befreundeten Familien, damit ich nicht 14 Tage im Sand buddeln und den Bollerwagen ständig ziehen musste.

6

Ich finde wenn man deinen Text richtig liest, hört man genau raus, dass du dein Kind sehr liebst. Und ja man darf es auch als Belastung empfinden ein Kind groß zu ziehen, das Zurückstecken, das Organisieren, die Sorgen, die Verantwortung... natürlich belastet das...aber (und das lese ich zwischen den Zeilen heraus bzw empfinde es selbst so) man geht gestärkt daraus hervor, man lernt Seiten an sich kennen, die man nicht kannte, man wächst über sich hinaus und das bringt einen im Leben weiter. Ohne diese Erfahrungen würde mir viel fehlen, auch wenn mein Leben vlt entspannter wäre. Ich finde es völlig legitim, dass du dich freust wenn dein Kind auszieht, nicht weil du es loswerden willst sondern weil das nunmal der Lauf der Zeit ist Kinder in ihr Leben zu entlassen ohne selbst in ein Loch zufallen und dann nicht mehr zu wissen was man mit seinem Leben anstellen soll. Alles km Leben hat seine Zeit und jede Phase und jede Facette gehört dazu und jetzt ist es eben an der Zeit, dass dein Leben wieder dein Leben ist...das ist doch völlig in Ordnung so. Alles Gute dir

7

dein Beitrag klingt ehrlich und realistisch . Du liebst dein Kind und bist stolz auf es , bestimmt bist du auch auch ein bisschen stolz auf dich und die Früchte deiner Arbeit , das kannst du auch sein ! Gleichzeitig blickst du zurück welche Mühen und Einschränkungen die 18 Jahre auch mit sich brachten . Viele hier die noch kleine Kinder haben und noch am Anfang sind werden deinen Beitrag vielleicht noch nicht oder nicht verstehen können . Ich finde es super das du ehrlich schreibst wie du diese 18 Jahre empfunden hast . Ich sehe es ähnlich wenn ich auf die Jahre zurück blicke eine Mischung aus Bereicherung aber auch Belastung es wäre schlichtweg gelogen zu behaupten das alles schön und sorgenfrei war und das man als Eltern nicht auch viel zurücksteckt .
Ich bin recht jung Mama geworden , meine Kinder sind 17 , 15 und 12 und ich verstehe dich gut . Die Baby und Kleinkindzeit habe ich zwar weniger als Durststrecke empfunden aber die Zeit zwischendrin . Freundinnen von mir planen oder bekommen noch Nachwuchs ich freue mich für sie aber gleichzeitig bin ich froh das meiste schon hinter mir gelassen zu haben und oft denke ich es ist gut so das sie noch nicht wissen was es wirklich heißt ein Kind großzuziehen .
Diese Last fällt jetzt wo dein Kind volljährig wird und anfängt seinen eigenen Weg (Auszug ) zu gehen von dir ab und du freust dich wieder freier zu sein und nicht mehr für alles was dein Kind tut die Verantwortung tragen zu müssen . Ich finde es vollkommen legitim das du dich darauf freust das dein Kind im Herbst auszieht und du es offenbar so weit begleitet hast das es selbstständig und lebensfähig genug ist um diesen Weg ab jetzt für sich gehen zu können . Egal ob nun mit 18 oder erst später das sollte doch das Ziel sein seine Kinder so zu begleiten das sie irgendwann selbstständig genug sind um ihre eigenen Wege gehen zu können . Das heißt doch nicht das du froh bist es los zu sein es hat doch auch etwas gutes und richtiges wenn man als Mutter loslassen kann . Dein Kind bleibt es trotz Volljährigkeit auch weiterhin denn Kinder hat man bekanntlich sein leben lang .

10

Für all DEINE falschgesteuerte Familienplanung kann das Kind nichts.