Verwahrlosung der Großeltern, Eltern tun nichts

Liebe Community,

heute wende ich mich an euch wegen eines sehr ernsten Themas. Vor 2 Jahren ist meine Oma gestorben und mein Opa lebt seitdem alleine. Es begann mit mangender Hygiene etc., nur mittlerweile sind er und die Wohnung komplett verwahrlost. Er trägt nur noch dreckige Kleidung, wäscht sich nicht mehr, putzt nicht, lebt in Dreck und Schimmel, isst abgelaufene Lebensmittel zu sich usw.. Da er auch kein angenehmer Zeitgenosse ist, bekommt er auch nicht viel Besuch. Er spricht ständig davon, dass er auch nicht mehr will und am liebsten sterben würde. Er fällt ständig und verletzt sich ernsthaft. Aber seit zwei Monaten verweigert er auch die Arztbesuche und seine mangelnde Hygiene ist auch auf seine körperliche Einschränkung zurückzuführen. Er fährt nur noch auf die Bank, zum Einkaufen und auf den Friedhof. Dabei bricht er sämtliche Verkehrsregeln. Ich habe furchtbare Angst, dass er sich was tut oder am Ende einem Kind!

Mein Vater besucht ihn 2,3x die Woche und hilft ein bisschen aus und hat ihm auch mal eine Putzfrau engagiert, die mein Opa aber auch rausekelt oder ihnen einfach nicht Tür aufmacht.

Seitdem legen meine Eltern die Hände in den Schoß, sie könnten angeblich nicht mehr tun, er weiß zu starrköpfig. Wir wohnen leider zu weit weg um helfen zu können. Heute waren wir erst wieder da und mir blutet das Herz. Er ist wirklich kein „netter“ Mensch aber er tut mir nur leid, er verkommt richtig und überall sind Urinflecken und Schimmel und er hat sich (glaube ich) sogar wieder eine Rippe gebrochen aber geht nicht zum Arzt…
Dass meine Eltern nicht helfen wollen (wir glauben weil sie ihn gerne finanziell ausquetschen und pflege eben kostet), macht mich fix und fertig. Ich kann nach jedem Besuch tagelang nicht schlafen und mir ist durchgehend schlecht (nicht nur wegen dem Gestank). Wir haben auch einen Sohn, den mein Opa sehr liebt aber wir können ihn nicht mitnehmen, weil es nicht sauber ist und überall spritzen rumliegen weil er Diabetiker ist.
Können wir irgendwas rechtlich gesehen tun? Meine Eltern werden nicht handeln .

Danke für eure Antworten

2

Ich wohne bei meiner 85 jährigen Großmutter. Meine Mutter pflegt ihre Eltern.
Glaub mir - hilflose alte Leute können einem immernoch das Leben zur Hölle machen.
Die eigene Geduld ist nur soweit strapazierbar. Wenn dein Vater 2 bis 3 mal jede Woche hingeht ist das extrem viel.
Verurteile deine Eltern nicht zu sehr.

12

Das fiel mir dazu auch ein.
Meine damals fast 100jährige Uroma hat es mal geschafft, dass ich mich über sie aufrege. Das muss man sich mal vorstellen, denn eigentlich war sie da schon alt und gebrechlich. Trotzdem war sie innerlich noch der strenge Drachen von früher, der alle maßregelte und versuchte es auch an diesem Tag.

14

Da hast du recht. Eine Klassenkameradin hatte eine solche Oma. Die hat es geschafft das meine Klassenkameradin keine Besuch mehr bekommen hat. Die Oma hatte z. B keine Demenz. Sie hat alle aufs beschimpft, war ein Nazi (da kamen solche Sprüche wie früher hätte man dich vergast, die Putzfrau wurde damit begrüsst das sie nichts wert ist). Irgendwann haben die Eltern sie wohl rausgeworfen.

1

Hallo,

Du kannst beim Amtsgericht eine gesetzliche Betreuung anregen.
Außerdem könntest du dich an den Sozialen Dienst der Stadt wenden oder an den Sozialpsychiatrischen Dienst. Da die Städte alle unterschiedlich organisiert sind musst du das ergooglen. Manche Städte haben auch eine Wohn und Pflegeberatung.

LG marci

3

Hallo,

Ich arbeite im sozialen Bereich und bin mit solchen Fällen vertraut.

Leider gibt es einen Leitspruch bei uns: Jeder hat ein Recht auf Verwahrlosung.

Eine Betreuung oder eine Unterstützung gegen seinen Willen wirst du nicht veranlassen können. Es ist richtig, dass eine Betreuung durch das Amtsgericht angeregt werden kann aber solange er noch seinen Willen formulieren kann und nicht psychisch/körperlich so labil ist, dass er in eine Einrichtung eingewiesen werden muss, wird es leider schwierig.

Ein sozialer Dienst von der Stadt könnte helfen, jedoch gehört hier auch der Wille deines Großvaters dazu etwas ändern zu wollen.

Mein Tipp wäre, ein offenes Gespräch mit ihm suchen und ihn versuchen zur Vernunft zu bringen. Wenn er gewillt ist etwas an seiner Situation ändern zu wollen, wäre eine Beratung durch den sozialen Dienst sehr sinnig. Diese können den Bedarf feststellen und wissen wo man was beantragen kann. Deine Eltern müssen finanziell eigentlich erstmal nichts befürchten. Die Einkommensgrenzen für Kinder sind relativ hoch und in Deutschland gibt es doch ein relativ stabiles Hilfenetz durch das Sozialamt, Pflegekasse und /oder Krankenkassen.

Viel Erfolg.

4

Aus der Entfernung könnt ihr eines tun: euch aktiv über die rechtliche Situation informieren.

Viel Spaß dabei, das ist mega anstrengend, kostet Zeit und Nerven, Kraft und Anstrengung.
Mit dem Fazit, dass ihr vermutlich nicht viel tun könnt.

Pflege kostet Geld. Stimmt schon. So lange dein Opa aber mitentscheiden kann, sich gegen alles wehrt, wird es schwierig.

Informier dich grundlegend, bevor du deinen Eltern einen Vorwurf machst.
Von außen sieht man oft, was ANDERE NICHT tun. Wenn man selbst mal in der Situation steckt, sieht man, wo man schon oft mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen ist und es doch nichts gebracht hat.

Alternative: ziehe 4 Wochen zu deinen Eltern, übernimm, was du von außen siehst.
Das wird für deinen Opa nichts ändern. Aber das zwischenmenschliche zwischen deinen Eltern und dir dauerhaft verbessern / erhalten. Mit ihnen wirst du noch einige Jahre länger leben. Mit Kontakt oder völlig zerstritten, weil Vorwürfe im Raum stehen.

5

"Nur" 2-3 x pro Woche? Das ist verdammt viel für jemanden, der noch ein eigenes Leben hat. Dein Opa sagt selbst, dass er nicht mehr will. Das musst du akzeptieren. Bevor du deinen Eltern solche unmöglichen Vorwürfe machst: zieh mal ein paar Wochen/Monate zu deinem Opa und hilf selber! Oder "willst" du nicht helfen? So, wie du es ja bei deinen Eltern definierst...

6

Dein Opa ist ein Erwachsener Mann und entscheidet selbst.
Jeder hat das recht auf Verwahrlosung.
Jeder hat das recht zu stürzen.
Usw....
Auch wenn du dies nicht hören magst, aber ER hat es SELBST so entschieden.
Und das ist sein gutes Recht.

Man könnte eine Betreuung beantragen. Ob dies aber dann am Ende so greift wie du es dir wünschen würdest ist auch noch die Frage.

7

Bei deinen Eltern reichen 2 bis 3 Tage pro Woche nicht, aber du kannst dich nicht für ein paar Wochen freistellen lassen und das mal übernehmen bzw. sehen wie anstrengend es ist sich über einen langen Zeitraum um so jemanden zu kümmern. Die Entfernung ist eine Ausrede, weil du nicht akzeptieren willst, dass dein Opa so verwahrlosen will und keine Hilfe annehmen will und deine Eltern nichts tun können und bereits vieles versucht haben.

Wenn dein Opa nicht will, dann wirst du nicht viel machen können, das muss man als Angehöriger irgendwann akzeptieren oder man zerbricht fruher oder später daran.

Im entfernten Familienkreis gibt es so einen Fall, 2 von 3 Kindern haben aufgegeben und tun nur das nötigste (zB 1x in der Woche Müll wegschaffen und etwas putzen, schwere Einkäufe machen).... eins der 3 Kinder will mehr tun und reibt sich total auf, sie behandelt ihre Mutter wie ein Kind und akzeptiert nicht, dass sie Hilfe ablehnt. Sie hat praktisch kaum noch ein eigenes Leben es schmerzt mich das zu sehen, alles bitten und flehen nützt nichts.

Meine Eltern pflegten meine Oma, sie wohnte bei uns bis sie starb. Es war nicht schön. Meine Oma hatte keine sozialen Kontakte außer uns, es war sehr anstrengend. Sie war auch sehr schweirig. Nach der Erfahrung, würde ich vielleicht schwere Einkäufe machen oder eine Putzfrau bezahlen (ich hasse putzen und haben selber eine Putzkraft) aber ich würde niemals selber pflegen.

8

Ich sehe hier zwei Themen, eins betrifft dich: Lerne zu akzeptieren, das dein Opa nicht will. Egal was dort über seinen Kopf hinweg entschieden wird, er wird es nicht akzeptieren.

Du bist dort nur Zaungast und in der Position ist es immer leicht zu urteilen, während dir nur "das Herz blutet" haben deine Eltern sich schon die Zähne an ihm ausgebissen. Ihnen da jetzt etwas zu unterstellen, das ist schon sehr frech. Du kannst gerne deinen nächsten Urlaub dafür nutzen, deinem Opa tatkräftig zur Seite zu stehen....das könnte zumindest deine Sicht der Dinge etwas verändern. Solltest du widererwarten doch Erfolg haben, bringt ihm das auch nichts, denn du bist nicht greifbar und willst das ja dann bestimmt auch nicht ändern.
Dein Vater schaut jetzt noch 2-3 mal in der Woche nach ihm, das ist viel wert udn es ist schade, das du das nicht erkennst.

Das andere Thema ist die rechtliche Seite: Egal was das Gericht dort entscheiden würde, denkst du dein Opa würde das akzeptieren? Er würde Betreuer "verbraten", wie andere Putzlappen. Oder an einen geraten, dem es schlichtweg egal ist, ob dein Opa sich an alles hält...der gibt dann seinen Bericht ab und für ihn ist das Thema vom Tisch. Man, er lässt ja nicht mal eine Putzhilfe ins Haus, mach dir das doch mal bewußt.
Schlußendlich ist ein Betreuer (aus Sicht deines Opas) nicht anderes als "Entmündigung" und somit Verrat, mit dem Ergebnis, das er auch dich nicht mehr rein lässt. Willst du das? Oder anders: Was soll ein Betreuer denn ändern? Dein Opa ist nicht geistig verwirrt, zumindest erwähnst du es nicht, er bezahlt seine Rechnungen und hat entschieden "das er nicht mehr will".....und das darf er, auch wenn es dir schlaflose Nächte bereitet.

9

Hallo,

Du kannst da wirklich wenig tun.
Nachdem meine Mutter gestorben war, hat mein Vater den Haushalt super im Griff gehabt. Ich war täglich da und habe geholfen, was er nicht konnte/wusste.

Nach einigen Monaten wurde es immer dreckiger, er räumte nicht mehr auf, Geschirr stand rum, Essensreste etc
Ich war weiterhin täglich da, habe aufgeräumt.
Irgendwann hat er mir das verboten, würde richtig ärgerlich, wenn ich wieder putzen wollte

Im Kühlschrank schimmelte das Essen, es wurde immer schlimmer. Manchmal habe ich mich über sein Verbot hinweg gesetzt und geputzt.

Schlussendlich habe ich seine Entscheidung akzeptiert. War todunglücklich und trotzdem täglich bei ihm. Wir saßen dann zusammen und haben geredet. Der Haushalt war egal

Im letzten Jahr dann verstarb er ganz plötzlich.

Er hatte aufgegeben, starb ein Dreiviertel Jahr nach meiner Mutter. Beide plötzlich und unerwartet.

Nimm dir Zeit für deinen Opa. Lass den Haushalt aussen vor.
Und verurteile Deine Eltern nicht.
2-3x Woche ist viel und kostet unheimlich Kraft.

Gruß,
Sverige