Kein gutes Verhältnis zum erwachsenen Kind

Hallo
Bei uns in der Familie herrscht gerade etwas dicke Luft. Wir verstehen uns eigentlich alle gut und verbringen gerne gemeinsam miteinander Zeit. Jetzt wo man sich längerfristig schon wieder etwas mehr sehen kann, kommt eine Sache wieder extrem auf.
Wir haben bereits einige erwachsene Kinder in der Familie. Unter anderem hat auch meine Cousine eine erwachsene Tochter. Im Gegensatz zu anderen Eltern, hat sie nicht so ein gutes oder enges Verhältnis zu ihrer Tochter. Das war, soweit man das sagen kann bei einem Kind, schon früh zu erkennen. Als sie Teenager war, gab es dazu auch viel Streit zwischen den beiden. Das hat sich beruhigt. Mittlerweile ist es einfach ein sehr abgekühlte Verhältnis, mit relativ wenig Kontakt.
Bei uns anderen sieht das mit unseren eigenen großen Kindern ganz anders auch. Einfach mal so quatschen, gemeinsam etwas unternehmen, mal gemeinsam verreisen,… Daran wäre bei ihr nicht zu denken. Wir reiben ihr das alle nicht unter die Nase, aber es lässt sich natürlich nicht verheimlichen. Mittlerweile fängt es leider auch ein bisschen so an, dass sie uns sowas vorhält, nach dem Motto „Wie, XY spricht mit dir über dieses und jenes Thema? Warum denn das? Hat XY etwa keine Freunde“ usw.
Dieses Jahr werden wir uns sicher auch wieder vermehrt in der Größen Gruppe in Person treffen… und ich mache mir echt Gedanken, wo das noch hinführen soll.
Ich habe mit ihr in einer ruhigen Minuten auch schon darüber gesprochen und weiß, dass der Wunsch nach einem besseren Verhältnis zu ihrer Tochter da ist. Aber wie damit weiter umgehen? Hat jemand Erfahrung mit dem Thema oder ist selbst betroffen?

LG

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Ganz ehrlich: alle, und ich meine wirklich alle erwachsenen Menschen, die ich kenne, die den Kontakt zu den Eltern abgebrochen oder einschlafen haben lassen, hatten eine echt komplizierte Kindheit und dadurch wirklich gute Gründe für das kühle Verhältnis. Und die Eltern „wissen nie warum“ oder wünschen sich besseren Kontakt- weil sie völlig ausgeblendet haben, dass sie viel verkackt haben und keinerlei Einsicht zeigen, die wiederum wichtig wäre, um das Ganze zu verarbeiten und hinter sich lassen zu können.
Dementsprechend würde ich mir diese blöden Fragen echt verbitten. Einfach sagen „ja, bei uns ist das so. Wir reden über alles/Sowas. Ist halt bei euch anders.“

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Du hast so recht ! Kein Kind bricht einfach so ab .

Meine Mutter ist sich nie eine Schuld bewusst gewesen . Hat mich jahrelang geschlagen und sagte immer ich erfinde es .

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Hallo
Ich denke nicht, dass es bei ihnen so dramatisch war. Zumindest wenn ich dem Glauben schenke, wie ich sie selbst erlebe und was vor allem auch die besagte Tochter sagt (mit der wir uns sehr gut verstehen, insbesondere auch unsere eigene Tochter die nur unwesentlich jünger ist). Es passt halt einfach so gar nicht.
Sie sehen sich alleine mehrfach im Jahr, zwar eigentlich nur zu Anlässen aber das verläuft auch ruhig. Mehr ist es halt aber nicht.

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Was soll man denn da machen ? Ich würde es natürlich auch nicht unter die Nase reiben, dass der Kontakt so gut ist. Aber bei solchen nachfragen und Sticheleien a la "hat sie keine Freunde" würd ich eben auch sagen, dass man eben über alles redet und ein gutes Verhältnis hat und man sich selber über das gute Verhältnis freut. 🤷🏼‍♀️

Sie sollte sich doch eher für euch freuen, dass euer Verhältnis so gut ist.

Meine Mutter und wir Kinder haben auch ein gutes Verhältnis. Während ihr Partner zu seinen Kindern leider kein so gutes Verhältnis hat. Er findet das allerdings schön, dass es bei uns so ist und ist eher wehmütig, dass es bei denen nicht so ist. Aber da liegt es daran das die Scheidung mit der Frau sehr früh war und er nicht so viel Umgang mit den Kindern hatte.

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Es wird Gründe geben, weshalb sie solch ein Verhältnis haben, z.B. psychische Gewalt, die mitunter auch schlimmer ist als physische Gewalt, weil man sie nicht gleich sieht. So war es mit meiner Mutter. Nach außen immer lieb und perfekt, Zuhause die Hölle. Eventuell ist es so auch bei deiner Cousine.
Ich würde mich nicht verstellen und einfach weiter so machen, wie es für mich richtig ist. Solch einen Kommentar hätte ich verwirrt zurück beantwortet, denn in einem guten familiären Verhältnis kann man durchaus auch über Themen sprechen, die mehr nach Freundschaft aussehen. Solch eine Situation hatte ich auch schon, dass meine Schwester nicht begriff, wie ich so manches anders Handhabe und dadurch zu meinen Mitmenschen (darunter mein Ehemann!) ein besseres Verhältnis habe, als sie (geschieden, weil sie toxisch ist). Wenn der Wunsch nach einem besseren Verhältnis tatsächlich da ist, sollte deine Cousine überlegen, was in der Vergangenheit so vorgefallen ist und vielleicht auch mal mit der Tochter darüber sprechen bzw. einfach ihrem Kind mal ohne zu kommentieren zuhören, um deren Perspektive mal zu hören. Das menschliche Gehirn verdreht gern mal zum Selbstschutz Erinnerungen, so vielleocht auch ihre ... Was ist mit dem Vater des Kindes? Meine Mutter hat mir die Hölle heiß gemacht, wenn ich nur ihn erwähnte... Abfällige Kommentar wie "willst du so enden wie dein Vater?" (Funfact: Er hat ein glückliches und selbstbestimmtes Leben und ich einen sehr guten Kontakt mittlerweile zu ihm! Meine Mutter alles nicht.)
Was ich schon oft von Menschen erlebt habe, die sich einen Kontaktabbruch zu den Eltern niemals vorstellen könnten, dass diese meist eine schöne Kindheit hatten. Hast du der Tochter mal zugehört? Wenn ich meine Vergangenheit schildere verstehen viele, weshalb mein Verhältnis zu meiner Mutter so ist, wie sie ist, nämlich nicht gegeben.

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Ich kann jetzt nicht so ganz nachvollziehen, warum das jetzt deine Baustelle sein soll oder warum es deswegen Streit in der Familie gibt. Wegen dem "„Wie, XY spricht mit dir über dieses und jenes Thema? Warum denn das? Hat XY etwa keine Freunde“"?
Möchte die betrefende Mutter etwas ändern, dann muß sie doch mit der Tochter ins Gespräch gehen udn selber rausfinden, was das Problem ist. Aber ich schließe mich einer anderen Antwort an, meistens sind die Erwachsenen nicht in der Lage, das Problem anzuerkennnen und anzunehmen. Und genau das, sollte man der Mutter klar mitteilen, was sie dann daraus macht, das ist ihr Ding.
Sollten beide auf Familientreffen ihre Konflikte offen austragen, dann würde ich beiden dazu deutliche Worte mitgeben.

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Da schließe ich mich an.

Es ist nicht deine Baustelle, liebe TE. Begeh bloß nicht den Fehler und mache es zu deiner.

Ich würde einfach nur sagen „meine Tochter hat genug Freunde. Aber da wir uns sehr nahe stehen, sprechen wir auch über sowas.“ und fertig.

Wenn deine Cousine ein besseres Verhältnis will, muss sie halt was tun 🤷‍♀️

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"Das war, soweit man das sagen kann bei einem Kind, schon früh zu erkennen. Als sie Teenager war, gab es dazu auch viel Streit zwischen den beiden. Das hat sich beruhigt. Mittlerweile ist es einfach ein sehr abgekühlte Verhältnis, mit relativ wenig Kontakt."

Jahrelang war es wie du beschreibst, stress als junger Teenager, dann beruhigung und dann Kontakt nur zu "Pflichtanlässen". Als dann der erste Enkel kam wurde ich von meiner Mutter regelrecht belagert, es wurde mir zu viel, ich realisierte woher die Konflikte rührten, woher meine Depression kommen. In Therapien habe ich beim Thema abgeblockt, wollte es nicht sehen. Mit reden kam ich nicht weiter. Ich habe den Kontakt letztendlich völlig abgebrochen.

Ich habe es selber jahrelang nicht gesehen (sehen wollen/können), dass ich emotional manipuliert und vernachlässigt wurde. Nach aussehen sah das niemand und für mich war das normal. Als junger Teenager gab es da auch öfter streit, ich lernte dann aber mich abzugrenzen und dann beruhigte es sich nach außen hin. Dabei lebten wir ein "Paralellleben" bis ich auszog. Ich war entweder unterwegs oder in meinem Zimmer, ich kochte auch für mich und wir aßen nicht gemeinsam. Familienleben gab es bei uns sowieso nicht, nicht wenn kein Besuch da war. War Besuch da gab es plötzlich Ausflüge und Unternehmungen. Ich dachte, das sei irgendwie gastfreundlich, heute verstehe ich, dass es zum "Scheinwahren" war.

Innerhalb unserer Kleinfamilie war die Dynamik seit je her vergiftet. Meine Mutter hat mich auch geschlagen (viel schlimmer ist aber die emotionale Gewalt), ich war schon so Gehirngewaschen, ich dachte ich hätte es gut, denn sie schlug mich mit bloßer hat ohne Hilfsmittel wie Gürtel oder Kleiderbügel. Sie schlug mich nur als kleines Kind, später war ich schlau genug rechtzeitig wegzuflaufen oder mich einzusperen.
Trotzdem ist sie sich keiner Schuld bewusst, die emotionale Erpressung will sie sowieso nicht sehen, dabei habe ich sogar Beweise Schwarz auf Weiß (WA-Nachrichten, E-Mails usw.), sie sieht darin nichts falsches... Sie kennt es nicht anders, das ist ihr Umgang mit anderen Menschen. Diese Seite kennt nur der innere Familienkreis. Nach außen Hilft sie übermäßig gern, hat sogar meine Einschulung verpasst, weil sie an dem Tag Bekannten "Helfen" musste - hinterher wird dann über diese Leute gelästert.

Was hinter verschlossen Türen passiert ist kannst du nicht wissen. Von "Unterschiedliche Charakter und interessen" bis zu "emotionalen Missbrauch" ist alles möglich, wenn es um ein unterkühlter Verhältnis geht. Ich kenne viele die kaum Kontakt zu ihren Eltern haben, ohne Streit o.ä. man hat sich einfach nichts zu sagen und siehst sich selten. Nur weil man Verwandt ist muss man nicht "beste Freunde" sein.