Familienleben unter Druck

Guten Abend,

ich sitze hier und habe diese gewisse Ohnmacht: Morgen ist wieder Montag. Wieder eine Woche im Hamsterrad, die wieder wie im Flug vergeht, weil man von A nach B eilt und versucht allen gerecht zu werden. Durch den Stress gibt es dann wiederum Streit und ich wünsche mir einfach den Stop-Knopf zu drücken und auszubrechen.
Sind wir allerdings unter der Woche in unserem Programm, bin ich dabei meist happy und finde es auch gut so. Mein Mann und ich arbeiten beide sehr viel in hohen Positionen und verantwortungsvollen Jobs. Nachdem wir aber auch viel Zeit mit unserer kleinen Tochter verbringen wollen (2,5 Jahre), sind unsere Tage noch enger getaktet und wir geben uns oft die Klinke in die Hand. Dank Homeoffice, Großeltern und Aupair können wir viel Zeit mit unserer Tochter auch unter der Woche verbringen.
Dennoch ist das alles natürlich auch sehr anstrengend.
Nach so einem Wochenende denke ich mir dann, dass es einfach zu kurz war und scheue die bevorstehende Woche. Überlege, ob einer weniger arbeiten sollte. Spätestens morgen Mittag bin ich aber arbeitstechnisch wieder in meinem Element und freue mich trotzdem auch Zeit mit meiner Kleinen zu verbringen.

Wie ergeht es euch denn am Sonntag Abend? Zweifelt ihr auch manchmal alles an?

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Hi,

Kann dich sehr gut verstehen.
Mir ging/geht es auch so. Mein Mann arbeitet Vollzeit und verdient gut, ich bin selbstständig und verdiene dadurch ebenfalls gut. Im Moment geht es auch nicht anders, da wir noch 3 Jahre unser Haus abbezahlen.

Allerdings habe ich für mich beschlossen, meine Prioritäten zu ändern. Wir haben einen Sohn (2) und ich bin gerade auch wieder schwanger. Ich habe mich dazu entschieden, dass Familie an erster Stelle kommt und die Arbeit es mir nicht mehr Wert ist gehetzt durch den Alltag zu eilen. Daher habe ich mich nach und nach raus gezogen und höre ab April ganz auf zu arbeiten, auf unbestimmte Zeit. Ob das mit dem Betrieb so klappen wird, wird sich zeigen.
Den Betrieb werde ich auch in ca 2 Jahren vollständig aufgeben und mich in einem kleineren Stil selbstständig machen. So dass ich nur dann arbeite, während die Kinder morgens im Kindergarten sind. Das geht in meinem Beruf ganz gut.

Aber was ich niemals mehr tun werde ist mich von äußeren Dingen so stressen lassen, dass ich keinen Nerv mehr für meine Familie habe. Das war die letzten 2 Jahre leider oft der Fall und hauptsächlich der Arbeit geschuldet. Nein, dafür ist mir meine Zeit und die Kindheit meiner Kinder zu schade.
Ich musste in der letzten Zeit leider erleben, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Auch wenn man noch jung ist. Das hat mir noch mal die Augen geöffnet, meine Prioritäten neu zu sortieren.

Diese innere Erleichterung seit ich diesen Schritt entschieden habe und auch umsetze kann ich dir gar nicht in Worte fassen. Es ist einfach schön. Ich genieße bewusster, bin deutlich weniger gestresst und wenn ich Stress habe, dann ist es positiver Stress. Das ist für mich leben. Familie, glücklich sein und seine Zeit so zu verbringen wie man möchte. Keine Führungsposition der Welt würde ich haben wollen. Ich will keine Verantwortung mehr, ich hab einfach keinen Bock mehr mich mit anderen Menschen rum zu ärgern. Ich will keine verbindlichen Verpflichtungen mehr außer meine Familie.

Wir leben wirklich ein gutes Leben, wir sind gesund, haben ein Dach über dem Kopf, ein nettes Häuschen, müssen nicht jeden Cent umdrehen. Käme es drauf an, würde ich lieber finanziell den Gürtel etwas enger schnallen als die Zeit mit meiner Familie zu opfern.

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Dass du das so enteisen und leben kannst ist ein großer, großer Luxus den sich die allerwenigsten leisten könnten. Du hast sehr viel Glück!

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Dazu muss ich noch sagen, dass ich seit 7 Jahren auf vieles verzichte. Ich habe bewusst eine hohe Tilgung gewählt, damit ich schnell fertig bin. Klar, ich muss jetzt beim einkaufen nicht schauen, ob’s der Käse für 1€ oder für 3€ ist, aber mal eben Urlaube sind zb nicht drin. Ich spare jeden Cent der übrig bleibt, um notfalls auch die restliche Zeit abdecken zu können, falls es ohne mich im Betrieb nicht klappt und ich ihn früher als geplant abgeben muss.
Ich habe Glück insofern, dass mir viele Dinge reingespielt haben, ja. Es lief meistens nach Plan. Aber ich habe es mir auch sehr hart erarbeitet mit 40 schuldenfrei und dann unabhängig sein zu können. Das ist mir jetzt nicht in den Schoß gefallen.

Mein Mann genau so. Nur jetzt kommt eben der Punkt wo wir beide drüber nachdenken, dass Zeit kostbar ist. Auch mein Mann wird in 3 Jahren seine Stunden reduzieren, so dass wir beide noch etwas von unserer Zeit haben.

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Ja mir geht’s genauso.

Seit der Pandemie habe ich das Gefühl , ich komme nicht mehr mit. Ständig denke ich: häh, wieso ist schon wieder Donnerstag die Woche hat doch erst angefangen, wo ist das Wochenende hin, warum haben wir plötzlich schon Mitte Februar… Ich achte schon auch drauf, die Woche nicht zu voll zu stopfen und am we auch mal nichts zu machen. Aber irgendwie rennt die Zeit dahin und auch Urlaube sind nicht mehr so erholsam.

Allerdings war ich jetzt anderthalb Wochen ohne Kinder krank zu Hause, das kam mir ewig vor und mir fällt die Decke auf den Kopf

Bearbeitet von Genauso
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Ja, genau so geht es mir auch. Auf der anderen Seite, könnte ich mir aber auch nicht vorstellen, daheim zu bleiben. Da würde ich ebenfalls durchdrehen vermutlich

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Nein das denke ich tatsächlich nicht.
Ich habe aber auch montags meinen freien Tag, genau so wie mittwochs. Ich arbeite bewusst und gewollt in Teilzeit, hole meine Kids um 13 Uhr von Kindergarten und Schule ab, helfe der Großen ab und zu bei den Hausaufgaben oder beim Lernen, verbringe viel Zeit mit den beiden, wirklich viel schöne Zeit und habe mir das auch genau so ausgesucht und aussuchen können.
Mein Mann ist selbstständig und arbeitet viel. Er liebt seinen Beruf. Ich liebe es, ohne Druck und Stress zu arbeiten und viel Zeit mit meinen Lieblingsmenschen zu verbringen.
Wir haben nur dieses eine Leben. Wenn es möglich ist, sollten wir es so gestalten, wie wir uns wohl fühlen und glücklich sind.
Wenn du weniger arbeiten möchtest und es kannst, dann probiere es aus. Vielleicht bist du dann zufriedener.

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Hier auch...mein Mann geht Vollzeit,ich bewusst nur Teilzeit .

Würde es auch nicht anders wollen mit 3 Kids

Hol sie um 14 Uhr aus der Kita

Ich arbeite von 9-13 Uhr,so,dass auch morgens kein Stress aufkommt

Wenn wir genug Geld hätten,würde ich garnicht arbeiten gehen.

Bin der absolute Familienmensch...und stecke gern Zeit in die Familie.

Was aber nicht bedeutet,dass ich mich nicht um mich kümmerr,und keine eigenen Interessen habe.die Große wird grad flügge mit 16 und ich freu mich so tierisch,dass sie nun ihren eigenen Weg geht...ich zerbreche daran also nicht 😅

Aber Fakt ist, Arbeit gehört nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung

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Das ist super, wenn der Weg so für dich passt.
Aufgrund meiner Erfahrungen ist es mir einfach unfassbar wichtig auf eigenen Beinen zu stehen. Deswegen kommt gar nichts breiten für mich nicht in Betracht.

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Huhu, nein, mir geht es an sich nicht so, weil ich nur so viel arbeite wie nötig, um allen Kindern gerecht zu werden.

Was mich tatsächlich stresst sind die ganzen Termine der Kinder, weil dadurch gemeinsame Zeit mit uns Eltern verschwindet, aber sie sollen ja glücklich sein. Da freu icb mich häufig aufs Wochenende oder die Ferien.

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Also mir fiel beim Lesen ein das du zwar schreibst das in der Woche dir vieles dennoch Spaß machen würde, aber vielleicht funktionierst du hier auch einfach nur, bist drin und die Sache läuft. Da du aber weißt was alles kommt eben Sonntags doch der Frust kommt weil einen alles eben nicht so glücklich macht. Aber es funktioniert halt doch irgendwie, man ist beschäftigt und hat wenig Zeit darüber nachzudenken, außer eben Sonntag.
Vielleicht tut es doch gut das du dir versuchst Ruheinseln zu schaffen.

Ela

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Vielen Dank. Genau das habe ich mir auch schon gedacht. Mammuts dann einfach dein und funktioniert. Sobald man Zeit hat runterzukommen und zu reflektieren, merkt man aber dass das alles evtl doch nicht sooo erfüllend ist.

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Ja, danke für deine Zustimmung. Denn ich denke mir auch, wenn man wirklich so zufrieden ist kämen solche Gefühle eigentlich gar nicht erst so auf.

Ela

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Vielleicht braucht ihr einfach mal Urlaub? Oder vielleicht auch mal Paarzeit, damit ihr euch nicht nur die Klinke in die Hand gebt?

Oder ihr könnt freitags früher Schluss machen und das Wochenende etwas verlängern?

Es scheint ja nur ein müh zu fehlen, vielleicht findest du es ;)

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Danke dir. Ich glaube da sind wirklich gute Ansätze dabei und ich glaube auch, dass gar nicht viele fehlt, weil gar nicht arbeiten für mich nicht in Betracht kommt. Evtl wäre es wirklich gut, das We zu verlängern oder regelmäßig Auszeiten zu haben.

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Ehrlich? Ich denke: yuhuu, morgen endlich Kita und ich darf arbeiten und mich Erwachsenen-Dingen widmen.

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Hallo,

nein das Gefühl habe ich nicht.

Ich glaube das ist aber das Grundproblem, wenn man alles zu 100% haben will, also Karriere und Familie. Meiner Meinung nach geht das nicht.

Mein Mann ich arbeiten beide Vollzeit in Jobs die uns ein gutes Einkommen aber gleichzeitig auch geregelten Arbeitszeiten ermöglichen. So kann ich in der Regel um 15 Uhr gehen und verbringe den Nachmittag mit unserem Kind. Dank Homeoffice haben wir auch 2 bis 3 Nachmittage unter der Woche als Familie gemeinsam. Hier gibt sich keiner die Klinke in die Hand und wir sind nicht zusätzlich zur Kita auf externe Betreuung durch andere angewiesen.

Ich bin zufrieden mit den was ich beruflich erreicht habe, gehe auch gern auf Arbeit, aber es ist nicht mein Lebensinhalt und ich definiere nicht den Erfolg meines Lebens darüber.

Mit der Geburt unseres Kindes haben sich für mich die Prioritäten da klar in Richtung Familie/Privatleben verschoben. Eine Karriere die diesbezüglich Abstriche bedeuten würde, käme für mich persönlich nicht in Frage.

VG Nenea

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Das hat du falsch verstanden - wir haben gar keine Kita.

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Und warum nicht? Würde das nicht auch Druck nehmen?

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Ich fände es auch schön, wenn man mindestens 500 Jahre leben könnte. Dann hätte man viel mehr Zeit für alles und nicht so im Stress

Bearbeitet von Petronellas