Erfahrungen von Pflegeeltern gesucht

    • (1) 14.12.17 - 19:44

      Erstmal finde ich es toll das es so ein Forum endlich gibt! Ich hab vor einigen Monaten schonmal nach was vernünftigem in diese Richtung gesucht und bin aber nicht so richtig fündig geworden..

      Mein Mann und ich sind gerade dabei uns zu überlegen, ob ein Pflegekind das richtige für uns wäre. Eine Infoveranstaltung des Adoptions- und Pflegekindervermittlungsdienstes haben wir schon besucht und die Bewerbungsunterlagen liegen hier auch schon halb ausgefüllt :-)

      Was mir bisher sehr fehlt ist ein paar mehr Erfahrungsberichte.
      Meine Patentante hat ein Pflegekind. Sie würde es nie wieder machen.
      Ansonsten kenne ich leider nur Leute die Leute kennen, sprich so richtige Infos bekommen wir da leider nicht.

      Vielleicht ist hier ja jemand dabei der einfach mal erzählen mag wie er das Bewerbungsverfahren empfunden hat, wie die Vermittlung tatsächlich ablief, wie das zusammentreffen ablief und wie sich alles bei euch entwickelt hat?
      Ich würde mich sehr über ein paar Erfahrungsberichte freuen #hicks

      • (2) 14.12.17 - 21:42

        Hallo.

        Ich oute mich mal als adoptiv- und pflegemama von inzwischen drei Kids im grundschul- bis weiterführende schulalter. Unser ältestes Kind ist ein.adotivkind mit 10 leiblichen Geschwistern wovon vier weitere auch fremd vermittelt wurden. Auf Grund des Alters haben alle Kontakt zueinander.
        Das zweite Kind zog im ältere babyalter ein, als Nikotin und canabisabhängiges baby-hatte über Monate einen Entzug. Ehe wir zueinander fanden dauerte es zwei jahre.
        Vor drei Jahren zog unsere jüngste Tochter ein. Wir entschieden uns bewusst gegen ein Baby was auch gut so war. Die Maus wurde seit babyalter psychisch traumatisiert und zog mit einer Entwicklungsverzögerung von mehreren Jahren ein. Gelandet ist sie erst seit ein paar Monaten - die Wunden der Vergangenheit sind noch nicht verheilt. Sie lernt erst jetzt im schulalter ein Kind zu sein.

        Wir lieben unsere drei Mäuse überalles. Eines sollte man aber nie vergessen -die Schatten der Vergangenheit sind mal mehr oder mal weniger da und da ist es egal ob es ein Baby ist oder ein älteres kind.
        Liebe macht viel möglich aber nicht alles. Gewisse Dinge muss man aber auch lernen zu akzeptieren.

        Viele grüße geli

        • Darf ich fragen wie man es schafft selber so zurück zu stecken auch als paar u fremde Leute Kinder zu übernehmen ? Hut ab für mich unvorstellbar bedenkt man wie anstrengend Kinder sind u ich habe eigene die mich u meinen Partner an den Rand des Wahnsinns bringen können ;-)

          • Hallo,

            mein Mann und ich haben uns bewusst damals gegen die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin entschieden und das war gut so. Wir lernten während unserer Kinderwunschzeit die Tochter unserer Nachbarn kennen und lieben. Sie war gerade in die Schule gekommen, ihre Mutter so ein Fall wo ich sehen konnte was Hormone alles anrichten können. Wir zogen das Mädchen drei Jahre mit groß und so kam der Entschluss ein Kind anzunehmen - kein Baby. Das das erste Kind ein Baby wurde war nicht geplant. Das zweite musste logischerweise jünger sein als das erste.
            Wir wissen nicht woher wir die Kraft manchmal nehmen. Aber es ist gut dass wir manchmal sagen können das es nicht unsere Gene sind.
            Ob man ein Kind lernt zu lieben das weiß man erst nach einer langen Zeit. Die Liebe zum ersten Kind war schnell da. Beim zweiten war mein Mann es der sich sofort in den kleinen Kerl verliebte - ich brauchte sehr lange. Und bei unserer Tochter waren es die äußeren Umstände die es einen schwer machten das Kind so zu lieben wie es es manchmal verdient hätte. Heute nach drei Jahren ist sie dort wo sie hingehört in meinem Herzen.
            Es gibt nicht ohne Grund auch Abbrüche von Pflegeverhältnissen von Seiten der Pflegeeltern weil die Kinder leider nicht "Pflegefamilientauglich" sind, da die Traumatisierungen schon im Kleinstkindesalter so massiv waren.

            Inwieweit wir die Kinder bis zu Ihrer Volljährigkeit begleiten können wissen wir nicht. Das liegt nicht immer an uns und anderen Pflegeeltern sondern an den Rucksack den die Kids mitbringen.
            Mein Mann und ich haben immer vor Pflegeeltern zu bleiben aber mit unserem zunehmenden Alter wird auch das Alter der Kinder steigen, d.h. wenn unsere zwei großen ausgezogen sind wird das Alter der Kinder mindestens im Grundschulalter sein oder älter. Bei dem Alter ist dann auch an Hand der Sozialberichte eine grobe Prognose zu ersehen ob die Kinder es schaffen sich in den Alltag und an die Regeln einer Familie einzufügen oder ob der Rahmen einer auf die Bedürfnisse der Kinder speziellen Einrichtung. Der große Bruder unserer Tochter fand diesen für ihn annehmbaren Raum erst 600km entfernt der Heimat in der fünften Einrichtung und dort geht es ihm gut.

            Meine Kinder sind mir nicht fremd. Waren sie auch noch nie.

        (7) 18.12.17 - 18:44

        Ich danke dir für deine Antwort! Wir sind uns auch sehr wohl bewusst darüber, das alle Kinder die kommen ihr Päckchen zu tragen haben und das mit unter sehr viel Zeit und Nerven kosten wird. Aber gerade um das für uns selber ein bisschen besser hinterfragen zu können bin ich sehr dankbar über alle Erfahrungen. Es ist schließlich eine Sache zu wissen da kann was kommen und eine andere zu sagen wie können wir mit folgenden Situationen umgehen bzw trauen wir uns das überhaupt zu.
        Wir möchten an die Sache nicht blauäugig ran gehen und hinterher dastehen und sagen das wollten wir aber anders haben #hicks

    Hallo,
    Weisst du denn, aus welchem Grund deine Patentante nie wieder ein PK aufnehmen würde? Da gibt es ja 10000 individuelle Gründe, und ich finde es toll, dass du nach weiteren Erfahrungen suchst. Das habe ich im Bewerbungsprozess auch getan, um uns immer wieder zu hinterfragen und zu prüfen. Gibt es bei euch in der Nähe einen Pflegeeltern -Stammtisch? Dort könntest du einen direkten Eindruck bekommen, eventuell auch ein erstes Gespür entwickeln, wie du dich mit Pk-spezifischen Besonderheiten und Problemen fühlst, und einen Eindruck bekommen, wie dein Heimat-JA aufgestellt ist.

    Ich habe viel in einem Pflegeeltern Forum gelesen und vor allem Fachliteratur. Auch dir würde ich dringend empfehlen, dich mit FAS, Bindung und Trauma auseinander zu setzen! Es sind ja nicht die Kinder von Jesper Juul und Katja Sahlfrank (?), die Pflegefamilien bedürfen...

    Wir sind noch ganz frische Pflegeeltern, und ich formuliere es mal zurückhaltend :
    Unsere Pflegetochter ist ganz sicher ein fantastisches Kind -mit großem Gepäck - und ich habe sie sofort ins Herz geschlossen. ABER schon jetzt bin ich fassungslos, wie das Jugendamt nach Aufnahme des Kindes "plötzlich" ganz andere Fakten präsentiert als vorher (zwischen den Gesprächen lagen 1,5 Wochen, die Herkunfsfamilie ist seit Jahren bekannt). Zum Glück haben wir noch einen Träger als Puffer dazwischen. Das Vertrauen ist sehr stark beschädigt worden durch diese Unprofessionalität. Jeden "Job" hätte ich sofort gekündigt, wenn mein Chef sich so verhalten würde. Doch natürlich hängt unser Herz an dieser jungen Dame, und wir würden ihr keinen weiteren Bindungsabbruch antun. Nur sind wir als gesamte Familie (haben 3 LK) emotional erpressbar und teils von einem System abhängig, dass das Kindswohl eben nicht immer an erster Stelle stellt. Denn das ist tatsächlich ein juristisch weicher, nicht klar definierter Begriff. Ganz im Gegensatz zum Elternrecht. Unsere Maus hat extrem großes Glück gehabt: nur harte Drogen, Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft #Ironie. Ihre älteren Geschwister mussten, unter der schützenden Hand des JA, noch jahrelang! in der Familie bleiben und "durften" Rausch, Gewaltexzesse, Kriminalität und Misshandlung miterleben, bis sie endlich final in Obhut genommen wurden. So legt also das vermittelnde JA in unserem Fall die Prioritäten (massiv Hilfe in die Familie stecken, um die Kinder möglichst in der Familie zu belassen, als Folge sind diese Kinder schwerst traumatisiert, nicht mehr familienfähig und leben im Heim), und so verhält es sich auch nun uns gegenüber... Allein aus diesem Grund würde ich mich NIEMALS direkt ans Ja wenden, sondern immer nur an einen Träger. Unsere Sachbearbeiterin klärt für uns nun einiges am JA - wir hätten sonst schon direkt am Anfang einen Anwalt hinzuziehen müssen.

    Man wird mit Dingen konfrontiert, die man sich als "Normalo" kaum vorstellen kann.
    Man muss mit einem ganzen System klar kommen und darf nicht so agieren, wie man es bei leiblichen Kindern tun würde, man wird "gläsern".

    Und wir freuen uns jeden Tag, dass unsere Kleine nun ein Teil unserer Familie ist! Denn das ist so: sie gehört zu uns <3 unsere Kinder lieben sie abgöttisch, sie hat Humor und kann ganz toll lachen :-) Trotz des Ärgers mit dem Amt bereuen wir nichts. Aber wie gesagt: wir sind noch ganz frisch.

    Alles Gute!

    • Hallo,

      typisch JA, wenn man ein Kind aufgenommen hat ist alles “plötzlich“ anders. was wir nachträglich (nicht vom JA) alles Erfahren haben, über unsere Pflegetochter, hätten wir von anfang an ganz anders gearbeitet.
      Wir arbeiten auch mit einem Träger und sind darüber sehr glücklich, da man mehr Unterstützung hat.

      (10) 18.12.17 - 18:55

      Erstmal auch vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort!!

      Meine Patentante hat einen Säugling aufgenommen der den Eltern aufgrund von Drogen und Alkoholmissbrauch (auch massiv während der Schwangerschaft) weg genommen wurde.
      Dieses Kind hatte einige Entwicklungsstörungen und war stark verhaltensauffällig, so das sie irgendwann nirgends mehr hingehen konnte, auch nicht zu engen Freunden, weil niemand dieses Kind dabei haben wollte und das hat sie natürlich stark in ihrer eigenen Lebensqualität eingeschränkt. Noch dazu kommt, dass das Jugendamt wohl einige Fakten verschwiegen hat vor der Aufnahme und andere Sachen sich hinterher als schlichtweg falsch raus gestellt haben.
      Sie sagt, natürlich liebt sie dieses Kind (inzwischen ist er Mitte 20) aber sie hat ihr eigenes Leben für ihn aufgegeben und das würde sie im Nachhinein betrachtet nicht mehr machen.

      Der Knackpunkt den ich in ihrer ganzen Schilderung raus gehört habe war aber der, dass sie sich vom Jugendamt sehr allein gelassen gefühlt hat. Sie hat da viel gegen Mühlen gekämpft bei denen sie einfach keine Chance hatte und hat sich schlichtweg auch verarscht gefühlt.

      Was wir für uns aus der Situation lernen konnten, ist das es wohl wirklich sinnvoll ist einen Träger dazwischen zu haben damit wir im Fall eines Falles nicht ganz alleine da stehen.

      Und trotz allem denke ich es gibt sehr negative Beispiele, mit Sicherheit aber auch sehr positive und wir wollen uns gerne ein umfassendes Bild machen :-)

      Vielleicht magst du ja nochmal berichten wie sich bei euch alles entwickelt?
      Wir haben es mit der Entscheidung absolut nicht eilig denn wir wollen uns zu 100% sicher sein :-)

(11) 17.12.17 - 20:59

Hallo.
Da gibt es sehr unterschiedliche Berichte.

Was man manchmal liest ist erschütternd, wirklich erschütternd!

Unser Jugendamt hat von anfang an mit offenen Karten gespielt und wir haben keine bösen Überraschungen erlebt, Unser zwerg hatte es "gut getroffen" er lebte von fast anfang an in einer Bereitschaftsfamilie die ihn ein liebevolles und normales Zuhause gegeben haben und alles für ihn getan haben. Ich bin mir sicher, das hat ihm ganz viel gebracht und wird sich ein Lebenlang positiv für ihn auswirken.

Unser zwerg wird bald 2 Jahre. Der Kontakt mit dem Jugendamt läuft Problemlos.

(14) 05.01.18 - 14:06

Vielleicht mal aus der Sicht einer Pflegeschwester ::-D

Meine Eltern haben vor knapp 20 Jahren einen kleinen jungen Mann von nicht mal 1 Jahr zu sich genommen, da sich seine leibliche Mama mit knapp 15 Jahren , nicht in der Lage fühlte den Jungen groß zu ziehen...

Ich weiß noch das die ersten Monate hart waren, da er lange Abends nach seiner Mutter geweint hat und sie vermisst hat. Leider hat sie sich in den Jahren, die er bei uns lebt nur 4 mal blicken lassen um ihm seine leiblichen Geschwister vor zu stellen..danach war er jedesmal total am Ende...

Nach ca 6 Monaten bei uns hing er sehr an meiner Mutter und tut es bis heute...

Er ist nun 19 Jahre jung, in der Ausbildung und wohnt noch immer bei meinen Eltern:-) Mit 18 haben sie ihn adoptiert. Und wir 4 leiblichen Kinder haben einen kleinen Bruder dazu gewonnen, war er von Anfang an....
Er gehört dazu ,wie jedes andere Geschwisterteil auch....vielleicht ist er ein wenig verwöhnter aber hört man ja oft vom Nesthäkchen#rofl

(15) 12.05.18 - 06:48

Besteht noch Interesse an Erfahrungen? Wir sind Pflegeeltern seit Mai 2017 von einen jungen den wir direkt aus Klinik holten.

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