Brauche mal eure Hilfe :-) - Pflegekind

    • (1) 15.10.19 - 21:55

      Hallo Zusammen,

      ich bräuchte mal Hilfe und Erfahrungen von euch. Wir wünschen uns noch weitere Kinder aber ich möchte nicht mehr schwanger werden. Eine weitere Schwangerschaft würde mir wahrscheinlich mehr schaden als es irgendjemanden nützen würde. Da wir bereits ein Kind haben, können wir wahrscheinlich keins adoptieren, dass habe ich so aus dem Internet rauslesen können.

      Eine Bekannte sagte dann letztens ich solle mir überlegen ob wir nicht Pflegeeltern werden wollen. Viele Kinder suchen ein liebevolles Zuhause und das sogar auf Dauer. Sie kennt wohl jemanden der ein kleines Mädchen aufgenommen hat und nun die kleine sogar adoptiert hat.

      So nun habe ich mich mal etwas belesen und weiß nicht so recht ob ich die Sachen richtig verstehe. Daher mal einige Fragen. Weil mein Sohn noch klein ist würden wir am liebsten einen Säugling in Pflege nehmen. Am liebsten natürlich mit Ziel der Adoption. Ginge das überhaupt?

      Dann habe ich das mit der Rückführung nicht verstanden ich habe schon häufiger in Foren gelesen das bei manchen eine Rückführung ausgeschlossen ist. Geht denn das? Kann die leibliche Familie das Kind nicht immer zurück fordern? Ich meine nicht nur das es uns als „Eltern“ wahrscheinlich das Herz raus reißt würde es meinem Sohn doch wahrscheinlich unmenschlich wehtun wenn man das Geschwisterchen verabschieden muss.

      Dann habe ich schon häufiger gelesen das Pflegekinder den Nachnamen annehmen können. Was ich sinnvoll fände da das Kind dann nicht offensichtlich damit gebranntmarkt ist und sich nicht immer rechtfertigen muss vor fremden. Geht denn das wirklich? Ich meine für uns als Familie ist das natürlich schön. Aber ist das nicht sehr hart für die Herkunftsfamilie?

      Dann habe ich noch eine Frage zu den Besuchskontakten. Wie läuft das ab? Wie häufig ist das? Müsste ich „mein“ Kind dann zu der fremden Familie bspw über Nacht oder sowas geben? Ist irgendwie doch ein merkwürdiges Gefühl wenn man bedenk das das Kind bei uns ist weil die Mutter dafür nicht sorgen könnte. Was kann die Mutter denn so alles bestimmen? Ich stelle mir das sehr schwierig vor wenn man das Kind erzieht. Man macht es ja so wie man denkt das es am besten und liebevollsten ist. Wenn die Mutter das ganz anders sieht steckt man doch in einem Dilemma oder?

      Kann vielleicht auch jemand mal schreiben wie es für das Pflegekind ist 2 Familien zu haben?

      Lieben lieben Dank im Voraus 😊😊😊😊

      • Hallo.

        erstmal....ein schöner gedanke.

        jedes Jugendamt kocht sein eigenes süppchen.

        fakt ist aber das es zu wenige Pflegeeltern gibt. hier gehen alle kinder ab 2 jahren in "Einrichtungen" weil die großen erst recht keiner mehr will. mitunter sind sie lange in Bereitschaft untergebracht bis eine Familie auf Dauer gefunden wird.
        Besuchskontakte sind hier alle 4 Wochen für eine Stunde im Jugendamt. Nur wenn alles super läuft.. die Realität ist oft eine andere. Oft schaffen es die Mütter nicht/verlieren das Interesse. Bei uns waren die Kontakte alle 3 Monate angesetzt. 1 mal ist sie gekommen. Die Kontakte wurden dann gänzlich ausgesetzt bis die Mutter sich von selbst wieder meldet. In so einem Fall finde ich es besser für das Kind, wenn keinerlei Kontakte statt finden denn es ist schwieriger wenn nur ganz sporadisch jemand kommt.

        Zum Thema Namensänderung. Es kommt sicherlich darauf an, welcher Bezug zur Herkunftsfamilie besteht, grundsätzlich sind Pflegeeltern aber der Lebensmittelpunkt für das Kind und der Wunsch wie Mama und Papa zu heissen, groß. Ab 6 Jahren (wenn das kind selbst befragt werden kann) ist die Wahrscheinlichkeit groß, das es euren Familiennamen bekommen kann.
        Wir haben das volle Sorgerecht und die Namensänderung eher machen lassen.

        zum Thema Rückführung. Es gibt keine tausend prozentige Garantie. Es ist kein leibliches kind ( auch wenn es sich dann so anfühlt) umso länger das kind bei euch ist, umso unwahrscheinlicher ist es, das es zurück geht.
        hier gehen nur 0,3 Prozent zurück.
        Man fährt immer gut die Vormundschaft zu haben.
        Adoption gibt es sicherlich aber man sollte nicht davon ausgehen, sondern das es ein Pflegekind bleibt. Viele Mütter wollen ihr kind nicht gänzlich aufgeben...auch wenn keine Besuchskontakte bestehen.
        Nüchtern betrachtet....handelt man im Auftrag des Jugendamtes und mit Pech hat man ne blöde Sachbearbeiterin, die ihren Beruf verfehlt hat. Aber natürlich gibt es auch ganz tolle. Viele Kinder haben einen Vormund. in unseren Fall lag das volle Sorgerecht bei der Mutter.

        Kein Kind wird ohne Grund zum Pflegekind. Jedes hat sein Päckchen zu tragen. Die einen mehr und die anderen weniger.

        (3) 16.10.19 - 22:45

        Ich habe zwar kein Pflegekind, denke aber, dass ihr euch im Fall der Fälle keine Illusion darüber machen solltet, dass dieses Kind aus einem Grund von seiner Familie getrennt lebt, dass es eine Vergangenheit hat und leibliche Eltern, die ein Umgangsrecht haben und keine 1000 %ige Garantie für euch gibt es zu behalten, auch wenn eine Rückführung sehr selten der Fall ist. Wenn man sich und das Kind nicht unglücklich machen möchte, dann sollte man mit all diesen Faktoren umgehen können, es so nehmen können, wie es eben ist und dass Kind auch genauso lieben, behüten, versorgen, eben im Notfall sogar loslassen können.

        Ich finde eine Pflegschaft eine super Sache, aber für mich sind Motive die letztlich darauf zielen ein nicht bekommenes leibliches Kind zu ersetzen immer zweifelhaft. Denn das ist nicht die Aufgabe des Pflegekindes.

        Pflegekinder richten sich an Menschen, denen es gut geht und die die Kapazität, Zeit und Nerven haben einem Kind auf seinem Lebensweg die nötige Stabilität und Unterstützung zu geben, wohl wissend dass es eine Verbindung zur Herkunftsfamilie gibt. Und vielfach ist es den Kindern sogar sehr wichtig, dass diese erhalten wird. Und viele Kinder wollen auch keine Namensänderung, weil diese ihre Identität verfälscht.

        Ich denke als Pflegeeltern braucht man viel Verständnis und viel Offenheit. Das ist nicht einfach ein weiteres eigenes Baby, dass noch zu klein ist, um was mitzubekommen.

        Und für mich hast Du momentan nicht die richtige Einstellung dazu, weil Du eher versuchen würdest die Herkunft/Wurzeln zurückzudrängen, damit es möglichst vollständig dein Kind ist. Und das halte ich für Selbstbetrug. Manche Kinder nehmen es an und kommen damit zurecht aber so manche Pflegschaft scheitert in Pubertät und Erwachsenenalter auch genau daran, dass man mit der Geschichte des Kindes einfach nicht offen umgegangen ist, um das Kind in das Schema seiner Vorstellung von einer Standard-Familie zu pressen und dabei sämtliche Kernfaktoren die Identitätsstiftend für das Kind sind - Wer bin ich - Woher komme ich - Was ist meine Geschichte einfach tabuisiert oder ausgeblendet werden.

        Wenn ihr das macht, dann müsst ihr damit leben können, dass das Kind bereits Eltern hat, egal wie mies diese sind, und dass das Kind diese vielleicht auf eine höchst eigenwillige Art sogar lieben wollen will, auch wenn es bereits einsieht, dass es viel besser ist bei euch aufzuwachsen. Die Frage ist kannst du das akzeptieren? Ich glaube, so von deinem Schreiben her, nein.

        • (4) 17.10.19 - 10:14

          Hallo,

          erstmal danke für eure Antworten.

          Dann ist es wahrscheinlich falsch rüber gekommen. Ich wollte nur ein paar Sachen verstehen weil viele immer schreiben Rückführung ausgeschlossen usw...

          Das es so rüber kam als würde ich alles ausblenden wollen ist nicht der Fall. Das Kind soll offen mit der Vergangenheit umgehen können und darüber sprechen können wann immer es möchte. Mit dem Wort Ersatz habe ich immer ein Problem denn das Kind ist kein Tier es soll in der Familie willkommen sein und sich als Teil der Familie fühlen dürfen.

          Mit der Rückführung werde ich mich dann nochmal schlau machen. Auch hier richtet sich mein Gedanke vollständig an das kind. Ich stelle mir vor ich lebe 3-4 Jahre oder sogar 10 bei „meiner“ Familie und alle 4 Wochen sehe ich jemanden für eine Stunde. Klar ist die Person dann nicht völlig fremd aber mir kann doch auch keiner erzählen das das Kind eine vernünftige Bindung zu der bauchmama aufbaut sodass es dort leben kann und wir die Bezugspersonen plötzlich aus dem Leben verschwinden. Halte ich für pädagogisch nicht sinnvoll.

          Ich werde mich diesbezüglich nochmal informieren. Ansonsten werde ich mal beim Jugendamt nachfragen wegen einer adoptions Bewerbung, vermutlich werden wir zwar nicht gewählt aber naja wenn man es nicht probiert weiß man es nie.

          Trotzdem danke für eure Berichte

          • (5) 19.10.19 - 18:11

            Hallo,

            umso länger das PK bei Euch lebt, umso geringer ist die Möglichkeit einer Rückführung zu den leiblichen Eltern. Allerdings trifft eine solche Entscheidung das Gericht und es gibt durchaus Gerichte, die auch nach Jahren einer Rückführung zustimmen. Auch wenn Verfahrenspfleger, Jugendamt und Fachpersonen eine solche Rückführung für kindeswohlgefährdend halten. Eine 100 %ige sichere Dauerpflege gibt es nicht.

            Unsere PT lebt seit vier Jahren bei uns. Sie kam mit zwei Jahren zu uns. Sie hat alle drei Wochen BK mit ihrer leiblichen Mama, der leibliche Vater hat sich zurückgezogen und meldet sich maximal drei mal im Jahr. Für unsere PT ist es ganz klar, dass sie zwei Mamas und zwei Papas hat. Allerdings ist es für sie auch ganz klar, dass wir die soziale Familie sind. Sie wohnt hier, sie hat hier ihre Geschwister, geht in Kindergarten und jetzt zur Schule, hat ihre Hobbys und ihre Freunde. Zu ihrer leiblichen Mama hat sie keine "innige Bindung", allerdings wird sie immer ihre leibliche Mama sein und eine wichtige Stelle in ihrem Leben annehmen. Auch wenn sie nicht bei ihr leben kann, ist sie ihr trotzdem wichtig. Sie wurde nicht einfach "weggegeben", sondern sie ist auch ihrer Mama soviel "wert", dass diese (relativ) zuverlässig die Kontakte wahrnimmt. Das gehört zum Leben mit Pflegekindern dazu. Auch das Annehmen der leiblichen Eltern. Wertfrei. Auch wenn das nicht immer einfach ist. Die leiblichen Eltern haben bei uns volles Sorgerecht, im Alltag merken wir das aber nicht. Wenn ich eine Unterschrift brauche, dann ruf ich kurz an, fahr vorbei und lass sie mir geben. Bis jetzt kein Problem.

            Leider ist im Leben mit Pflegekindern nicht alles pädagogisch sinnvoll. In Deutschland steht das Elternrecht über allem. Da muss sehr viel vorfallen, um dieses einzuschränken. Auch wenn es pädagogisch nicht sinnvoll ist.

            Unsere PT ist das liebste, tollste und wunderbarste Mädchen, was man sich vorstellen kann #verliebt. Neben unseren beiden Söhnen ist sie das Allerbeste und Wichtigste in unserem Leben. Wir dürfen jeden Tag mit ihr verbringen. Sie jeden Abend ins Bett bringen, jede Krankheit durchstehen, jeden Kummer trösten. Und ich bin sehr froh, dass die Leibliche Mutter unserer PT genauso stolz auf unser Mädchen ist.

            Trotzdem lebt man immer mit dem Gedanken, dass die leibliche Mutter wieder vor Gericht gehen könnte und eine Rückführung beantragen könnte (hatten wir vor 2 Jahren schon mal). Auch wenn allen klar ist, dass sie das nicht schafft mit PT und sie mit ihrem eigenen Leben schon überfordert ist. Aber zumindest kann sie "unserer" Tochter das geben, was sie zu geben vermag. Alle drei Wochen in einem geschützten Rahmen.

            Lange Rede (sorry): Nimm Kontakt zum Jugendamt auf, besucht einen Informationsabend. Stell Deine Fragen. Wir haben die Entscheidung für ein Pflegekind nicht eine Sekunde bereut (trotz wirklich schwerer Zeiten).

            Liebe Grüße
            Delenn

        Ich sehe es etwas anders.
        Ich finde es durchaus extrem wichtig, dass man auch einem Pflegekind die Normalität in der Dauerpflegefamile bietet. Natürlich hat es eine Herkunfstfamilie, aber die sollte auch nicht zuviel Raum im täglichen Familienleben bekommen.
        Es hängt mit Sicherheit auch damit zusammen wieso und wann ein Kind aus der Herkunfstfamile rausgenommen worden ist, aber gerade für kleine Kinder sind Mama und Papa die Menschen, die sich jeden Tag um es sorgen.
        Wir haben einen 2 jährigen Dauerpflegesohn und keine leiblichen Kinder. Wir haben uns mit ihm unseren Kinderwunsch erfüllt. Bin aber trotzdem nicht der Meinung, dass dies egoistisch war oder ist. Auch er hat so die Möglichkeit in einer Familie aufzuwachsen, die die Voraussetzungen hat ihn mit ganz viel Liebe großzuziehen und eine Konstante in seinem Leben zu sein.
        Es existieren Umgangskontakte mit den leiblichen Eltern, die von jeder Seite aus mit viel Respekt stattfinden. Ich benenne seine leiblichen Eltern mit Mama und Papa + Vorname. Er selber würde momentan aber nie zu ihnen Mama und Papa sagen. Dazu ist er noch viel zu klein und versteht die Situation nicht. Ich fände es daher auch falsch das Thema extrem präsent zu machen.
        Ein Pflegkind soll nie ein leibliches Kind ersetzen und wir immer 2 Elternpaare haben, aber sollte genauso behandelt werden. Ist das bei einem Adoptivkind nicht genauso, nur das dort die Eltern bewusst entscheiden oder verstanden haben, dass sie sich nicht um ihr Kind kümmern können. Dort trägt das Kind auch den Familiennamen der Familie in der es lebt.

    (7) 20.10.19 - 12:55

    Ich versuche Mal deine Fragen zu beantworten. Eine Rückführung ist nie ausgeschlossen, gesetzlich sogar das Ziel jeder Pflegschaft. Sicher gibt es Eltern die keine Umgänge wahr nehmen und das Kind zur Adoption freigegeben, ist aber eher selten. Die Eltern haben das größte Recht. Oft behalten sie auch bei Dauerpflege das Sorgerecht. Wie viel Umgänge es gibt hängt vom Jugendamt ab, die Arbeiten alle unterschiedlich. Normalerweise bei Dauerpflege einmal im Monat und es kann zur Übernachtung kommen. Du wirst mit der Herkunftsfamilie bzw Vormund und Jugendamt zusammen arbeiten müssen. Entscheidung wie Schulanmeldung, impfen etc kannst du nicht alleine Fällen. Selbst für Urlaubsreisen brauchst du eine extra Vollmacht. Je nach dem wie die Herkunftsfamilie agiert, reagiert kann alles zum Reibungspunkt werden. Sie können jederzeit vor Gericht gehen wegen Umgänge, Rückführung etc. Als Pflegeeltern habt ihr nicht viele Rechte. Ihr könnt zum Beispiel einen Antrag auf Verbleib stellen. Aber dürft zum Beispiel Umgänge nicht aussetzten. Die Kinder bringen alle ihr Päckchen mit. Trauma Bindungsstörungen, FAS belesen dich! Sie werden viel brauchen und oft sind Therapien nötig. ABER sie geben ganz viel zurück, jedes Kind hat eine liebevolle Familie verdient. Wenn ihr das drum herum Tragen könnt, ist das eine wundervolle Überlegung.

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