Sucht beim Partner

    • (1) 01.08.14 - 17:01

      Hallo zusammen!

      Auch wenn ich persönlich nicht betroffen bin, interessiert mich das Thema und eure Meinungen dazu.
      Wenn jemand suchtkrank ist und gegen diese Sucht ankämpft, eine Therapie macht und fortan "clean" leben will, ist es natürlich schwierig, wenn der Partner, der nicht suchtkrank ist, weiterhin Kontakt mit dem Suchtmittel hat. Beispiel Alkohol: man selber ist trocken, der nicht-süchtige Partner genehmigt sich weiterhin ab und an gerne ein Bier oder einen Wein. Funktioniert das?

      Bei bestimmten Dingen (Essen, Glücksspiel, einkaufen, Internet,...) ist es ja in Maßen in keinster Weise schädlich oder sogar gesund (Sport) und man möchte vielleicht nicht auf die leckere Pizza oder eine ausgedehnte ShoppingTour verzichten, auch wenn der Partner ein gestörtes Verhältnis zu diesen Dingen hat. Oder der Partner war Schmerzmittel- oder Schlafmittelabhängig - nimmt man dann vor seinen Augen eine Tablette gegen Kopfschmerzen oder Schlaftabletten, weil man momentan nicht einschlafen kann und der Hausarzt sie verschrieben hat?

      Oder gehört es für euch zu einer Partnerschaft dazu, sich da komplett zurück zu nehmen, um den suchtkranken Partner zu unterstützen? Kein Alkohol mehr trinken, auch Diät halten, etc... oder nur diese Dinge nicht vor den Augen des anderen zu tun um ihn nicht zu triggern? Ich stelle mir das sehr schwierig vor, denn einerseits möchte man den anderen ja nicht belasten, andererseits hat man selber ja kein Problem mit diesen Dingen. Prinzipiell kann ja alles zur Sucht oder zum Zwang werden - macht ihr da Unterschiede? Zum Beispiel: bei Alkohol kompletter Verzicht von beiden, beim Sport weiter machen wie bisher?

      Wie seht ihr das?

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

      Truly

      • (2) 01.08.14 - 17:21

        Hallo!

        Vorweg: ich habe keinerlei Erfahrungen mit dieser Problematik, kann also nur mutmaßen, wie ich mich verhalten *würde* und was ich persönlich in aller Ahnungslosigkeit für ratsam halte.

        Zunächst einmal würde ich trennen zwischen verzichtbaren Sucht- und Genussmitteln und Situationen des Alltags.

        Zur ersten Gruppe zähle ich Alkohol, Zigaretten, Spiele usw. Wenn mein Partner ein Problem damit hat, würde ich selbstverständlich *nicht* vor seinen Augen diese Dinge konsumieren. Neben einem trockenen Alkoholiker ein Glas Wein zum Essen oder Bier beim Grillen finde ich unpassend. Nun könnte man argumentieren, der therapierte Suchtkranke muss mit diesen Situationen umgehen können, schließlich kann man (Sicht-)Kontakt zu Alkohol nicht ausschließen, aber als Partner fände ich es respektlos, vor seinen Augen zu trinken, zu rauchen oder zu zocken. Ich würde wohl nicht ganz verzichten, wenn es vorher zu meinen Gewohnheiten gehört hätte, aber eben nicht in seinem Beisein und erst recht nicht zuhause.

        Schmerz- oder Schlafmittel - naja. Medikamente kann man recht diskret so aufbewahren, dass der andere nicht drüber stolpert und man kann sie ebenso diskret einnehmen. Mit Sicherheit verzichte ich nicht auf ein Medikament, das mir der Arzt gegen meine eigenen Beschwerden verschrieben hat, weil das meinen Partner triggern könnte. Er muss es ja nicht sehen.

        Und bei Unternehmungen und Dingen, die nunmal zum Leben unverzichtbar dazu gehören (Essen, Einkaufen, Internet), muss der Suchtkranke einen vernünftigen Umgang damit lernen. Ein Kaufsüchtiger kann schließlich nicht nach absolvierter Therapie ganz aufhören einzukaufen, ein Fettsüchtiger kann nach der Therapie ganz mit dem Essen aufhören und so weiter. Insofern wäre dem Betroffenen nicht damit gedient, wenn der Partner all diese Sachen einstellt. Im Gegenteil würde ich es als meine Verantwortung ansehen, ihn bei einem unschädlichen Umgang damit zu helfen. Es nützt ja nix, wenn ich mit meinem kaufsüchtigen Partner nicht mehr einkaufen gehe, er dann aber alleine dauernd mit Werbung, Rabatthinweisen und anderen Verlockungen konfrontiert wird. Es muss ja keine ausgedehnte Shoppingtour sein.
        Ebenso beim Essen. Natürlich halte ich *keine* Diät mit meinem schwergewichtigen Partner. Aber ich unterstütze ihn bei einem vernünftigen Essverhalten. Wenn ich also Bock auf Burger, Pizza und Pommes habe, esse ich diese Dinge, wenn er nicht dabei ist. Gemeinsame Mahlzeiten finden im Rahmen der Empfehlungen statt.
        So in etwa.

        Also, kurz und knapp: Verzicht nur in seinem Beisein, denn ich selbst (im hypothetischen Fall jetzt) habe ja kein Problem damit.

        Viele Grüße!

        • (3) 01.08.14 - 17:29
          ehm. Alkoholiker

          Von meinem Mann kann ich dir berichten das gerade diese gestellten alkoholfreien Grillabende ihn tierisch ankotzen ihn stört der Genuss vor seiner Nase garnicht, der absichtliche Verzicht stört ihn hingegen.
          Er trinkt dann sein Malzbier und ist guter Dinge die anderen trinken eben Bier

          • Ah, nee, da haben wir uns missverstanden. Der Verzicht bezog sich *ausschließlich* auf mich. Ich glaube, es ginge mir quer runter, wenn wir gemeinsam den Entzug durchgestanden hätten, also würde es auch meinen Bedürfnissen entsprechen, nichts zu trinken in seinem Beisein. Alle anderen trinken natürlich wie sie wollen.

            Und klar, dann hängt es natürlich vom Partner ab. Wenn es ihm schwerfällt, zuzuschauen, würde ich nichts trinken, wenn er komplett okay damit ist, schon.

      (5) 01.08.14 - 17:23
      ehm. Alkoholiker

      Hi.
      Mein Mann ist trockener Alkoholiker seit 6 Jahren er ging von 5l Wein auf 0 runter er machte dazu keine Therapie sondern hörte von jetzt auf gleich auf mit eisernem Willen und schafft es bis heute den Entzug machte er daheim und schlief in den kritischen 10 Entgiftungstagen sehr viel.Davor war er 16Jahre Alkoholiker.
      Aber du möchtest ja mehr zum Alltag wissen:
      Da er mäkelig beim Essen ist viel schon während der Sucht Essen im Alkohol weg. Ihm schmeckten Soßen und Kuchen ect mit Alkohol noch nie, mir ebenfalls nicht.
      Zum Alkohol an sich, ich habe durchaus mal Alkohol auch im Kühlschrank und er geht nicht dran er sagt auch er hat garkein Interesse mehr und versteht selbst nicht wie er das eigentlich widerlich schmeckende Zeug trinken konnte.
      Wir gehen auch gemeinsam auf Partys er ist da perfekt als Fahrer.
      Ihn stört es nicht wenn andere vor ihm trinken.
      Das einzigste was ihn in dem Thema Richtig abnervt sind die übertriebenden Rücksichtsnahmen. D.h. Bier wegpacken wenn er kommt oder erst garkeins den übrigen Gästen anbieten.
      Er sagt er hat sich das selbst versaut da brauchen die anderen ihren Konsum nicht absichtlich verstecken.
      Liebe grüsse

      (6) 01.08.14 - 18:02

      ....man selber ist trocken, der nicht-süchtige Partner genehmigt sich weiterhin ab und an gerne ein Bier oder einen Wein. Funktioniert das?

      Ja, ich weiß das von meiner Mutter, die seit 35 Jahren trocken ist. Das funktioniert, man sollte aber bei Menschen Rücksicht nehmen, die gerade aus der Klinik oder Therapie kommen.
      Das sollte alles schon ein wenig gefestigt sein.

    • <<<Beispiel Alkohol: man selber ist trocken, der nicht-süchtige Partner genehmigt sich weiterhin ab und an gerne ein Bier oder einen Wein. Funktioniert das?>>>

      Um von einer Sucht los zu kommen muss man unweigerlich lernen, dass man nur ganz alleine dafür verantwortlich ist, einem niemand wirklich helfen kann, sondern man selbst es wollen muss, und man sich NIEMALS von dem Verhalten anderer abhängig machen darf.

      Letzteres ist am schwierigsten, aber eine reine Willenssache. Hat man diese Lektion verinnerlicht, macht es überhaupt nichts aus, wenn man "in Versuchung" geführt wird.

      Es ist sogar ab einem gewissen Punkt lustig (in freundlich-positiver Hinsicht, im Sinne von rührend), wenn andere sich dann mehr einen Kopf darum machen, als man selbst als Betroffener, einfach weil man es geschafft hat und "darüber steht".

      Aber auch wenn man noch lange nicht an diesem Punkt angelangt ist, kann man nie erwarten, dass andere immer und überall Rücksicht nehmen.....und aus meiner Sicht soll das auch gar nicht geschehen !! In Watte packen hilf evtl. bei Geschirr....aber nie bei Menschen !

      Das gilt in meinen Augen immer....egal ob nun Schokolade, Tabletten, der mentalen Abhängigkeit von einer Person, Alkohol oder schlimmeres !

      Hi!
      Ich denke, das kann man nicht pauschalisieren. Ich kenne Ex-Süchtige, die stört es nicht, dass der Partner mal etwas trinkt oder raucht.
      Ich bin selbst suchtkrank und für mich geht das gar nicht.
      Ich lebe mittlerweile absolut drug-free, kein Alk, keine Zigaretten, seit drei Jahren auch vegan, also ..wie sagte man mir schon?...sehr langweilig und spaßbefreit, aber es ist so schön, total klar im Kopf zu sein.
      Ich könnte nicht mit einem Mann zusammensein, der raucht und regelmäßig Alkohol trinkt und Fleisch isst.
      Nicht, weil es mich triggert und ich Angst vor einem Rückfall habe, sondern weil ich Alkoholfahnen, Rauchgeruch und gebratenes Fleisch ekelhaft finde und nicht in meinem nahen Umfeld haben will.

      Ach so, meine "Hauptsucht" waren Beruhigungstabletten und Opiate, natürlich geht auch kein Partner, der sich gerne mal Pillen einwirft, um high zu sein.Sollte er natürlich aus "echten" Gründen, sprich:Schmerzen Tabletten nehmen müssen, ist das total legitim, denn er macht es ja nicht aus "Ich beame mich mal eben weg-"Gründen.

      Viele Grüße!

      (9) 02.08.14 - 01:19

      "Zum Beispiel: bei Alkohol kompletter Verzicht von beiden, beim Sport weiter machen wie bisher?"
      Zu was zählst du Sex? Wenn der Partner onlinesexsüchtig ist und ich als Frau schon lange auf Sex (unfreiwillig) verzichtet habe, weil ich nicht wusste, dass seine Unlust vom Onlinepornokonsum kommt.

      Was wäre da dein Beispiel?

    (12) 02.08.14 - 16:30

    Mein Mann ist seit 8 Jahren clean von Suchtmitteln (Drogen, Alkohol).
    Ich persönlich habe auch schlechte Erfahrung mit Alkohol, weswegen es nie Alkohol bei uns in der Wohnung geben wird. Das ist einfach so. Er sagt aber, wenn ich mit Freundinnen einen Cocktail trinken will, kann ich das draußen in der Bar gerne tun.
    Außerdem nehme ich weiterhin meine Kopfschmerztabletten wenn ich Migräne habe.

    Genau so war es übrigens bei meinem damaligen Graskonsum. Ich habs ab und zu gemacht, natürlich nie in seiner Gegenwart.

    Also ich muss nicht grundsätzlich auf alles verzichten, habe mich aber (auch zu meinem eigenen Wohl) im Laufe der Zeit angepasst.

    Nur bei Alkohol sind wir recht streng.

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