Wir sind wohl relativ arm.

    • (1) 14.09.14 - 12:02
      dieeinewiediekeine

      Da bei uns am Ende des Monats meist 200-300 Euro im Minus sind, haben wir uns nun endlich mal zusammen gesetzt und die genauen Kosten aufgelistet.

      Das Ergebis war, dass wir Fixkosten von derzeit rund 950 Euro haben. Internet, Handys, Nebenkosten, Strom, zwei Raten, Autoversicherungen, andere Versicherungen.

      Dann kommen hinzu Lebensmittel.

      Wenn ich nun einen Monat heran ziehe, in dem quartalsmäßig noch Kosten wie GEZ, vierteljährliche Versicherungen hinzu kommen und es keine Überstundenauszahlungen oder Sonderzahlungen (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld usw.) gab, bleiben uns rund 500 Euro.

      Wovon man dann alles außer Lebensmittel noch bezahlen müsste. Im ersten Moment hört sich das ja vielleicht prima an. Aber, wenn man bedenkt, dass man davon Kleidung, mal unterwegs was zu essen kaufen, Material für die Kinder (Vorschule bzw. nächstes Jahr Schulsachen), mal zum Bäcker, Autoreparaturen etc. um nur mal ein paar Dinge aufzuzählen, bezahlen soll, relativiert sich das doch gewaltig.

      Eigentlich müsste man ja von seinem verbleibenden Geld noch was sparen, für Urlaub weg legen, für größere Klamottenkäufe für die Kinder (Wintersachen z.B.), für unvorhergesehene Reparaturen, für kaputte Haushaltsgeräte, mal für das ein oder andere Möbelstück, für anstehende Renovierungen etc. etc.

      Für alles, was so nebenbei halt anfällt. Natürlich gibt es Monate, wo mehr verdient wird, wo die quartalsmäßigen Abbuchungen nicht kommen, wo einfach nix Unvorhergesehnes ist. Aber man muss ja jetzt mal von den Monaten ausgehen, wo man das Meiste zu bezahlen hat.

      Das bedeutet wohl, dass man mit einem Nettoeinkommen von rund 2200 Euro (in normalen Monaten) plus Kindergeld schon relativ arm ist. Bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich weiß ich selbst, dass es global gesehen keine Armut ist. Und dass es auch in Deutschland Leute gibt, die mit weniger Geld auskommen müssen.

      Aber ja. Ich fühle mich arm. Und mein Mann auch. Täglich buckeln gehen und dann verbleibt eine Summe, die für all das, was man eigentlich ansparen/anschaffen müsste, schlichtweg nicht reicht.

      Die Schwiegereltern haben früher mit einem Verdienst einen Neubau abbezahlt, ein Auto gefahren, gespart und für den Jahresurlaub ordentlich was weg gelegt. Kinderkleidung kaufte man damals im Geschäft (ich rede hier von den 70er/80er Jahren) und nicht wie heute oftmals auf Basaren oder secondhand. Essen gehen war auch kein Problem.

      Mein Mann verdient nun das, was mein Schwiegervater nach 48 Jahren im Beruf umgerechnet in DM verdient hat. Also es ist nicht so, dass mein Mann vergleichbar unendlich weniger verdienen würde als die Leute damals. Schwiegervater hatte zuletzt rund 5000 DM netto und das war durchaus nicht wenig Geld. Aber leb mal heute von 2200-2500 Euro netto.

      Ich habe eine scheiß Angst, wie das noch weiter gehen soll.

      Es kommen nun sicher Antworten, dass man von 500 Euro für Alles, was ich so aufgelistet habe, prima leben kann. Aber ich finde es halt nicht. Wie gesagt. Wenn man davon alleine nur was für die Kinder, für Urlaub, für sich selbst zum Sparen weg legen wollte, außerdem was für Klamotten/Autoreparaturen/Haushaltsgeräte/Möbelanschaffungen, falls nötig,für unvorhergesehene Handwerkerrechnungen und DANN noch davon mal was außer der Reihe (oder für die Schule NICHT außer der Reihe) kaufen soll. WIE bitte soll das bloß gehen.

      • (2) 14.09.14 - 12:28

        Hallo

        ich finde auch, dass das Leben zunehmend teurer wird. Und damit meine ich keinen Luxus, sondern alltägliche Dinge. Gerade sind unsere Verwandten aus Australien bei meinen Eltern zu Besuch und wir haben bisschen verglichen was wie viel wo kostet. Man muss schon sagen, dass das Lebensniveau in Aust. höher als in D. ist. Und es tröstet auch nicht sich immer mit ärmeren Regionen der Welt zu vergleichen, wir leben ja hier. Wäre ich nicht AE, würde ich auf jeden Fall noch am Samstag einen Zweitjob annehmen. Dann sehe ich mein Kind aber kaum noch, da ich eh schon VZ arbeite.

        • (3) 14.09.14 - 23:19

          Nimmt man die Arbeitszeit, die früher für ein Brot/ Apfel/Nudelpackung ect gearbeitet werden musste und vergleicht sie mit der Arbeitszeit, die man heute dafür Arbeiten muss stellt man fest, dass früher LÄNGER dafür gearbeitet werden musste.

          Demnach ist es nicht teuer geworden.
          Probier es mal aus, es stimmt tatsächlich.
          Liebe Grüße

      Hallo ich finde nicht das man mit 500 Euro gut leben kann. Wenn man damit Lebensmittel ab und zu Schuhe und Klamotten kaufen muss und auch mal einen Ausflug machen möchte. Ich lebe in der Schweiz, wir gehen beide arbeiten und haben zusammen gute 9000 Euro. Damit werden alle Rechnungen bezahlt. Lebensmittel, Klamotten, Schuhe Ausflüge, Geschenke usw. Nach den Fixkosten gebe ich für Lebensmittel relativ viel Geld aus weil es mir einfach wichtig ist das ich meine Familie gesund und ausgewogen Ernähre. Dazu haben wir auch noch eine Katze und einen Hund. Gehst Du auch arbeiten? Wir legen auch jeden Monat etwas auf die Seite. LG Andrea

      Hi

      Mit dem Begriff "arm" tu ich mir schwer, ist ein bisschen übertrieben.

      Ansich hast du aber recht. 2500 als Familieneinkommen ist heute definitiv nicht die Welt! Da ist nix mit "man kann sich schön was leisten". Je nach Wohnkosten kommt man da halt nur über die Runden!

      Die Eltern eines Freundes haben auch mit nur einem Einkommen ihr Eigenheim in schöner Lage bezahlt. Heute in derselben Lage unmöglich. ...

      LG

      Aber lebensmittel sind schon runter?

      2200 -950 macht doch nicht 500?!
      Wir haben 850 euro für den Monat minus Lebensmittel 500. Aber in den fixkosten sind bausparverträge und sparen mit bei.

      Wir kommen.prima aus.

      Ich empfinde das genau wie du. Obwohl die Inflationsrate in Deutschland relativ gering ist. Das mag auch daran liegen, dass im Gegenzug die Gehälter in den letzten 10 bis 15 Jahren real kaum gestiegen sind. Selbst bei nur 1% Teuerungsrate im Jahr sind es auf 10 Jahre schon 10%. Und die Reallöhne sind im gleichen Zeitraum nicht annähernd so gestiegen. Der Trend vieler Arbeitgeber zu 450 Euro Jobs tut sein Übriges.

      Familien wie ihr es seid, sind tatsächlich sehr stark von einem Armutsrisiko bedroht. Stärker als irgendeine andere Bevölkerungsgruppe.

      Ich verdiene netto mehr als ihr, habe einen eigenen Hausstand wie mein Partner, dennoch ist es bei uns beiden ebenfalls so, dass wir uns für das, was wir arbeiten, am Ende des Monats fragen, wo das Geld bleibt. Wir haben jeweils ein Kind und sind beide Steuerklasse 1. Abzüge vom brutto bei uns beiden rund 45%. Da bleibt nicht viel.

      Wir fühlen uns nicht direkt arm aber mitunter bei Kosten wie neuer Waschmaschine oder Reparaturen sehen wir beide ziemlich bescheiden aus. Wir waren beide oft arbeitslos, branchenbedingt, hatten richtig enge Zeiten, wo auch das Ersparte dran glauben musste.

      Ich frage mich oft, wie das im Alter wird.

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