Sollte ich putzen gehen?

    • (1) 16.11.14 - 17:03
      keinePutzfrau

      Schönen Sonntag!

      Mit meinem Mann will ich erstmal nicht darüber reden.

      Ich bin nun nach dem 2. Kind seit 3.5 Jahren zu Hause. Grund: erst Elternzeit (2 Jahre), dann war ich krank und nun bin ich arbeitslos. Denn an meine alte Stelle konnte ich nicht mehr zurückkehren. Ich bekomme noch ALG I. Und das sind für halbtags rund 600 Euro. Das läuft auch noch bis Herbst 2015.

      Ich schreibe seit 2,5 Monaten Bewerbungen auf alle möglichen Bürostellen. Halbtags (maximal 25 Stunden) am Vormittag. Aber bislang habe ich nur Absagen bekommen oder nichts gehört. Der Arbeitsmarkt, was Bürostellen betrifft, sieht hier nicht so gut aus. Und jetzt so kurz vor Weihnachten minimiert sich das erfahrungsgemäß eh immer nochmals.

      Fakt ist: Ich habe gute Zeugnisse (sowohl von den Noten her als auch von den Arbeitgebern). Habe auch einige Jahre Berufserfahrung.

      Nun habe ich in der Zeitung eine Putzstelle gefunden. Jeden Vormittag 2 Stunden zwei Orte weiter (also kaum Spritkosten). Die Internetseite hört sich auch sehr seriös an. Stundenlohn liegt bei über 11 Euro. Also würde ich für 10 Stunden die Woche rund 400 Euro verdienen.

      Aber ich zögere, mich da zu melden. Ich könnte natürlich diese Stelle zusätzlich zu dem ALG I annehmen. Das weiß ich. Oder ich könnte mich über meinen Mann familienversichern und wäre das Arbeitsamt los.

      Ich hab halt Angst, dass ich keine Stelle finde innerhalb des einen Jahres. Und andererseits hab ich Angst, dass ich mit Annahme einer Putzstelle jegliche Möglichkeiten verliere. Die Arbeitgeber werden sicher fragen, was man zur Zeit macht. Und wenn die hören, dass ich, obwohl ich 5 Jahre Ausbildung hinter mir habe mit berufsbegleitendem Studium, nun putze, nehmen die mich sicher erst recht nicht.

      Außerdem würde ich mir irgendwie scheiße vorkommen. Ich habe nichts gegen Putzfrauen und es ist gut, dass es sie gibt. Aber ich glaube, ich würde jeden Tag heulen, weil ich putzen gehen muss und keine Arbeit mehr im Büro habe. Und andere beneiden würde ich ohnehin.

      Und wenn ich dann bedenke, dass ich von 8-10 Uhr putzen würde und um halb 11 heim kommen würde und dann hier direkt weiter den Haushalt machen müsste... Ich glaub, da würd es mir hoch kommen.

      Was würdet ihr an meiner Stelle machen? Erstmal weiter das ALG I ausschöpfen und weiter auf Bürostellen bewerben oder sich doch mal bei der Putzfirma melden?

      Ich habe auch Angst vor den Mitarbeitern da. Wer weiß, was da für Vorarbeiterinnen dann sind. Eine wie ich, die aus dem Büro kommt, wird da möglicherweise gemobbt und fertig gemacht. Gern gesehen ist man da sicher nicht. Also könnte ich mir zumindest vorstellen. Und wenn dort, sorry, viele Leute wären, die nicht gerade sonderlich schlau wären, würde ich mir noch bescheuerter vorkommen.

      Aber andererseits hätte ich dann einen Job und 400 Euro auf wahrscheinlich lange Sicht in der Tasche...

      • Wenn Dein ALG I noch bis nächsten Herbst läuft, würde ich vor dem Sommer keine Putzstellen in Erwägung ziehen. Eine Putzstelle findest Du auch nächstes Jahr, wenn wirkllich alle Stricke reißen. Nutz die Zeit im Zweifel lieber für eine Fortbildung o.ä.

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        Hallo,

        Da du eine Riesen Abneigung dagegen verspürst lasse es besser.

        Ich selber gehe derzeit für ein paar wenige Stunden die Woche Büroräume sauber machen, es ist kaum der rede Wert und leichter könnte ich mir kein Taschengeld dazu verdienen.
        Allerdings bin ich auch momentan gehandicapt mir etwas anderes zu suchen, da ich nächsten Monat in die Reha muss.
        Ab nächstes Jahr werde ich mich dann wieder auf Teilzeit bewerben, sollte ich gefragt werden,werde ich sagen das ich noch bei den Kindern Zuhause war, man muss nich jeglichen 400€ Job im Lebenslauf erwähnen.
        Meine Mutter arbeitet auch nebenberuflich dort und arbeitet hauptberuflich im Büro, es stört niemanden und den Vorarbeitern in der reinigungsfirma ist das herzlich egal wer den Job da macht.

        Aber wie gesagt, wenn es dich schon bei dem Gedanken fertig macht "niedere Arbeit" zu verrichten, wird es dich nicht glücklich machen.

        LG

      • Was ich als allererstes machen würde :

        Hast du schonmal deinen Lebenslauf von jemand lesen lassen, der das professionell macht ( z.B. jemanden von der Personalabteilung ? ) Und wie gestaltest du das Anschreiben ?

        Ich an deiner Stelle würde das mal überprüfen lassen, weil offensichtlich gibt es ja die Stellen auf die du dich bewirbst aber konntest mit deiner Bewerbung dich nicht von den anderen Mitbewerbern absetzen. Oder ?

        Dann würde ich mal dort anrufen wegen dem Putzjob und erstmal mehr darüber erfahren wollen. Stimmt das Gehalt überhaupt ? Sind es wirklich nur 2 Stunden ? etc. Und dann würde ich mir das Ganze durch den Kopf gehen lassen.

        LG

        Hallo,

        worüber ich zuerst stolper ist die Aussage, dass du diesen Job zusätzlich zum ALG1 machen könntest. Soweit ich weiß, sind 165 € anrechnungsfrei und der Rest wird mit dem ALG1 verrechnet. Vielleicht hat sich das aber auch wieder geändert und ich bin nicht auf dem neusten Stand.

        Du hast eine Abneigung dagegen und aus diesem Grund würde ich es nicht machen. Warte ab und bewirb dich weiter. Vielleicht kann jemand deine Unterlagen optimieren.

        ich denke einen 400 € Job findet sich immer wieder!

        Solltest du ihn annehmen, würde ich ihn im Lebenslauf und im Gespräch nicht erwähnen. Auch nicht den ALG1 Bezug.

      Du hast nichts gegen Putzfrauen aber fühlst dich als was besseres und würdestddich schämen vor anderen zu sagen das du putzen gehst.

      Lass es, das ist einfach nichts für dich. Du könntest nicht über den Dingen stehen.

      Ich würde noch warten, es ist doch noch alles gut so wie es ist. Vieles erledig sich von alleine….

      Selber habe ich (mit nur einem Kind) ein Jahr lang gesucht. Ich war selber beim Arbeitsamt gemeldet und es hat mir sogar geholfen. Von meiner Beraterin habe ich ganz aktuelle Stellenangebote bekommen und sie hat mir immer wieder gesagt, das es nicht an mir und meiner Qualifikation liegt sondern an meiner neuen Lebenssituation. Das hat mir zumindest gut getan und Mut gemacht.

      • (10) 16.11.14 - 22:20

        Ich habe nun mal unverbindlich eine Anfrage dahin geschickt. Wenn es wirklich immer der gleiche Ort wäre und ich wüsste, um welche Stelle es sich handelt und es bei den 2 Stunden bleiben würde, ließe sich das ja vielleicht doch arrangieren. Vor allem, weil meine Tochter im kommenden Jahr eingeschult wird und arbeiten gehen dann noch schwieriger wird. Wir haben hier nämlich keine Ferienbetreuung für die Kinder und ob meine Schwiegermutter das dann packt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
        Wir hätten dann halt erstmal gut 1100 Euro (mit dem Kindergeld), da man ja nur 165 Euro "behalten" darf neben dem ALG I. Und das wäre schon eine ganz nette Summe neben dem Verdienst meines Mannes.

        Attraktiv macht es für mich nur der Lohn für 2 Stunden Arbeit.

    Hi,

    grundsätzlich wird Dir kein künftiger Arbeitgeber "verübeln", dass Du eine Tätigkeit ausgeübt hast, die unter Deiner Qualifikation liegt. Es kann, im Gegenteil, sogar zeigen, dass Du "hand-on" Dinge, die nun mal notwendig sind, anpackst und auch bereit bist, temporär Abstriche zu machen. Das gibt bei vielen Arbeitgebern sogar Pluspunkte. Denn Du hast trotz dieser niederen Tätigkeit, Dein Ziel nicht aus dem Auge verloren und Dich weiter beworben.

    Allerdings ist eben bei Dir die Frage, ob Du das wirklich machen musst oder aber alternativ die Zeit nicht sinnvoller einsetzen kannst. Wenn es keine Bedenken gibt, hinsichtlich existentieller Fragen und Dein ALG1 plus der Verdienst Deines Mannes ausreicht, dann wäre die Zeit auf mittlere Sicht besser investiert, wenn Du Dich voll und ganz Deinen Bewerbungen widmest bzw. eventuell noch die ein oder andere Weiterbildmaßnahme mitnimmst, die Dich in Deinem originären Beruf weiterbringt.

    Der Putzjob an sich ist nichts ehrenrühriges, stellt aber auch keine besonders hohen Ansprüche. Es gibt allerdings Menschen, die müssen u.a. auch solche Jobs annehmen weil sie keine Alternative haben und das Leben nun mal Geld kostet.

    Ich war auch einige Male arbeitslos und habe trotz einer guten Ausbildung oft Schwierigkeiten gehabt, einen neuen Job zu finden. Es gab oder gibt einfach zu viele mit meinem beruflichen Hintergrund. Ich habe dann, bevor Hartz4 drohte, Jobs gemacht, die richtig fies waren und 0 mit meiner Ausbildung zu tun hatten. Das war nun wirklich beruflich nicht die beste Zeit meines Lebens. Aber ich hatte und habe Verpflichtungen und musste irgendwie Geld ranschaffen. Es war äußerst frustrierend aber zu dem Zeitpunkt notwendig. Ich wünsche das eigentlich niemandem. Deswegen, wenn Du kannst, erspare Dir diese Erfahrung.

    Abgesehen davon, wird sich der Unwillen gegen einen ungeliebten und ungewollten Job und die daraus resultierende Frustration auch auf Deinen seelischen Zustand auswirken. Was dann als Folge schlechte Laune in Dein privates Umfeld trägt. Das sollte ein 400-Euro-Job nicht wert sein, wenn man es sich finanziell leisten kann, diesen abzulehnen.

    Grüße

    PS:

    "Und wenn dort, sorry, viele Leute wären, die nicht gerade sonderlich schlau wären"

    Du glaubst nicht, wer heutzutage alles putzen geht bzw. ähnlich niedrig angesehene Dienstleistungen vollbringt.

    Hallo!

    Eine kleine Anmerkung noch - auch wenn das vielleicht im Moment bei dir nicht wichtig ist, trotzdem sollte man das wissen:
    Gesetzt den Fall, du nimmst jetzt - vorübergehend, bis du was anderes hast - einen Putzjob an.
    Angenommen dein Mann und du ihr trennt Euch irgendwann - dann kann von dir durchaus verlangt werden, dass du auch künftig für deinen Unterhalt selbst sorgst - als Putzfrau. Denn den Job hast du ja schon ausgeübt.

    Ob du andere Qualifikationen hast und sogar ein Studium, interessiert dann nicht mehr. Die Arbeit als Putzfrau ist dann für dich zumutbar.

    Nur so als Hinweis...

    LG

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