Anspruch auf Kur bei Erkrankung Ehemann

    • (1) 01.09.15 - 09:28
      ehefrau und mutter

      Guten Morgen,

      ich schreibe anonym, weil es sich um ein privates Thema handelt.

      Mein Mann leidet unter dem, was man allgemein als Burn Out bezeichnet. Er hat Depressionen und Angststörungen, war zunächst stationär in einer psychiatrischen Einrichtung in Behandlung und besucht nun eine Tagesklinik. Es geht ihm von Woche zu Woche besser.

      Jedoch nagt die ganze Situation auch an mir. Wir haben zwei kleine Kinder im Kindergartenalter. Sie wissen nicht, dass ihr Vater momentan krank ist. Wir haben ihnen erzählt, dass er beruflich unterwegs ist bzw. eine Fortbildung macht.

      Ich stehe seit der Diagnose sehr unter Strom und komme innerlich nicht mehr zur Ruhe. Für mich ist es sehr belastend. Ich beobachte meinen Mann oft und bin verunsichert: Geht es ihm gut? Kann ich nicht mehr für ihn tun? Enge ich ihn mit meinem Geglucke ein?

      Jetzt habe ich darüber nachgedacht, ob ich mal mit den Kindern eine Kur machen soll. Ich verspreche mir davon, dass wir wirklich mal losgelöst vom Alltag eine schöne Zeit miteinander haben und uns mal um nichts kümmern müssen, vor allem ich möchte mal durchatmen und eine Auszeit haben, um mich wirklich mit diesen Dingen auseinandersetzen zu können. Ich würde gerne etwas zur Entspannung machen und lernen, wie ich mehr Ruheinseln für mich in den Alltag einbauen kann. Und ich möchte wissen, wie wir als Familie mit dem Thema Depression in Zukunft umgehen können, denn bisher gab es wenig Hilfsangebote für die Angehörigen.

      Sind das Gründe, um eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen? Werden solche Themen überhaupt dort angegangen? Ich denke immer, dass solche Kuren eher für die Mütter sind, die selbst eine Erkrankung haben und das ist bei mir ja nicht so.
      Wer kann mich da kompetent beraten?

      Es wäre schön, wenn ihr mir ein paar Tipps oder Ratschläge geben könntet.

      Vielen Dank #blume

      • So sehr ich Deine Bedürfnisse verstehe, aber bist Du sicher, dass Du Deinem Mann momentan zumuten kannst, dass er allein zu Hause bleibt und Du zur Kur fährst?
        Ich würde vielleicht eher erstmal zu Hause nach einem Entspannungskurs suchen, öfter mal einen Babysitter einplanen, um allein oder mit Mann was Schönes zu unternehmen, mich nach Angehörigengruppen umsehen (auch für die Kinder, die kriegen nämlich viel mehr mit, als wir Eltern gerne hätten).
        Ich wünsche Euch ganz viel Kraft für die nächste Zeit.

        • (3) 01.09.15 - 11:29
          ehefrau und mutter

          Vielen Dank für deine Antwort #blume

          Bisher überlege ich nur, ob ich eine Kur beantragen kann oder sollte. Das bedeutet ja nicht, dass ich nächste Woche schon mit Sack und Pack losfahre. Ich denke, dass von der Beantragung einer Kur bis hin zum Starttermin auch noch einige Woche vergehen werden - falls eine Kur aus meinen Gründen genehmigt werden würde.

          Ein wöchentlicher Entspannungskurs bringt mir im Moment nichts, denn ich bräuchte schon mehr Raum, um mich überhaupt auf so etwas einzulassen. Stell dir vor, du hetzt nach der Arbeit zum Joga, kommst verschwitzt und mit klopfendem Herzen in den Jogaraum und sollst von jetzt auf gleich für 60 Minuten abschalten. Das funktioniert nicht.

          Und es ist momentan auch nicht möglich, mit meinem Mann abends groß etwas zu unternehmen. Dadurch, dass er den ganzen Tag in der Tagesklinik so viel erlebt und macht, ist er abends einfach ausgelaugt und körperlich müde. Er kann manchmal nicht mal mit mir sprechen oder gemeinsam mit mir und den Kindern zu Abend essen, weil er einfach nur Ruhe braucht und sogar ein Restaurantbesuch zu viel für ihn wäre.

          • Klar, Entspannung sollte zumindest am Anfang täglich gemacht werden, also auch zu Hause. Ein Kurs soll nur erstmal den Einstieg erleichtern, weil es eben ein fester Termin ist, während einem zu Hause immer was dazwischen kommen kann.
            Versteh mich nicht falsch, Du würdest sicherlich eine Kur bekommen, aber was nützt die Auszeit, wenn man hinterher wieder in den gewohnten Alltag zurückmuss? Meiner Meinung nach ist es da echt wichtig, dass die Kur nur als der Anfang einer grundlegenden Veränderung gesehen wird.
            Und wenn Dein Mann noch nicht so stabil ist, kommst Du evtl. etwas erholt aus der Kur, musst aber gleich doppelt einsatzbereit sein, weil er das alleine sein vielleicht nicht verkraftet.
            Daher mein Gedanke, die Kur erstmal aufzuschieben und stattdessen sofort für Veränderungen im Alltag sorgen, die Dich entlasten.

      Darüber solltest Du mit Eurem Hausarzt sprechen. Dieser und Deine Krankenkasse können Dich mit Sicherheit besser informieren als Urbianer aus dem Partnerschaftsforum.

    Ich glaube, ganz so einfach ist das nicht.

    Es gibt sicher Ausnahmefälle, aber bei den meisten gesetzlichen Krankenkassen musst du erst einmal eine Krankenakte vorweisen - sprich, lasse dich häufiger krank schreiben, wenn du arbeiten gehst, gehe zum Psychologen oder mache Gruppentherapien.

    Wenn du bei der Krankenkasse sagst, du bist psychisch angegriffen und brauchst Zeit für dich, dann werden sie dich zuerst fragen, warum die Kinder mitkommen müssen und dir dann zu einem Urlaub raten, den du selbst bezahlen kannst. Sorry für die harten Worte, aber das ist die Realität.

    Dir wird von der Krankenkasse erst einmal eine Litanei von Kursen zur Entspannung und Selbsthilfegruppen vorgeschlagen, vielleicht auch der Rat zur Therapie. Wenn du zum Psycho-Doc gehen musst, bekommst du vielleicht noch Tabletten. Und erst nach einer langen, langen Weile, wenn es dir immer noch schlecht geht, dann bekommst du vielleicht mal eine Kur.

    PS.: Ich komme auch häufig abgehetzt zum Sport. Und innerhalb von 10 Minuten ist der Alltag weg. Und das nicht nur bei mir, sondern bei allen Teilnehmern.

    • (9) 01.09.15 - 13:36
      ehefrau und mutter

      Auch dir danke ich für deine Antwort.

      Ich bin ja nicht krank, deshalb gäbe es auch keinen Grund, dass ich mich wegen einer nicht vorhandenen Krankheit in ärztliche Behandlung begeben oder irgendwelche Tabletten nehmen müsste. Von daher steht mir nach deiner Definition wohl wirklich keine Mutter-Kind-Kur zu. Es war nur eine grundsätzliche Überlegung, ob diese Möglichkeit in Frage käme.

      Es ist schön, dass scheinbar alle nach 10 Minuten beim Sport abschalten und den Alltag vergessen können. Ich schaffe das momentan nicht, denn im Gegensatz zu beruflichem Stress oder Gedanken um was-weiß-ich trifft mich der aktuelle Zustand meines Mannes an einer ganz anderen Stelle. Viel tiefer. Und mein Alltag wird ganz anders davon bestimmt und verändert als von all den Dingen, mit denen man sich wohl sonst so rumschlägt.

    Hallo. Das stimmt definitiv nicht! Eine Mutter-Kind-kur ist immer zur Prävention und zudem eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Lieben Gruß

    "Ich glaube, ganz so einfach ist das nicht."

    Dein "Glaube" ist eben kein "Wissen"

    Scheint unterschiedlich zu sein. Meine Schwägerin ging 2 halbe Tage arbeiten, ist alles andere als gestresst, der Mann total auf der Höhe und im sicheren Job. Sie bekam kurzfristig und ohne jeden Aufwand mit ihren beiden Jungs eine MuKi-Kur für 3 Wochen. Ebenso meine Nagelfee. Zu Hause - der Mann auch keine Probleme physischer oder psychischer Natur - 3 Wochen mit den beiden Jungs auf Borkum . Beide Familien übrigens mehr als 2 mal im Jahr in Urlaub und mit eigenem Haus und Garten ausgestattet.

    Kommt wohl immer drauf an. So schwer scheint es m. E. aber nicht zu sein.

Hallo,

Und wieso kein "normaler" Urlaub, z.B. in einem Familienhotel? Da musst Du Dich auch um nichts kümmern, kannst die Kinder betreuen lassen und ebenfalls Kurse besuchen, die zu hauf in guten Familienhotels angeboten werden.

LG

  • ...und der Oberkellner bietet einen Gesprächskreis für Angehörige psychisch kranker an, oder wie??? *ohne Worte *

    • Dann mach eine Therapie oder such Dir eine Beratung oder einen Gesprächskreis für Angehörige psychisch Kranker.

      Aber eine Kur mit Kindern sehe ich bei Dir gerade nur als bezahlten Urlaub. Da DU aber nach Erholung oder Hilfe suchst, wäre eine Mütter - Kur (ohne Kinder) oder eben andere Therapieformen vielleicht sinnvoller als eine Kur mit Kindern ....

      LG

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