unperfekte Partnerschaft vs Trennung - was ist besser für Kind(er) Seite: 2

          • Und woher weißt du, wie der "Außenstehende" denkt? Gibt es irgendwo ein Regelwerk, in dem steht, was „normal“ ist und was nicht? #kratz

            Das sieht jeder anders. Du, ich, eine außenstehende Expertenperson usw.
            Auch ist jedes Kind anders. Das eine Kind leidet bereits bei xy und das andere lässt diese Situation noch recht kalt usw.

            Andere Meinungen hast du hier ja auch schon erhalten. Und auch die Kommentare bei urbia kommen von Außenstehenden!
            Somit verstehe ich leider dein Anliegen nicht #kratz

            Die Frage ist eher, fühlst du dich in dieser Beziehung wohl?
            Bist du glücklich so, wie es ist? Kannst und möchtest du dich mit dieser Situation noch jahrelang arrangieren?
            Findest du als Mutter (denn wer kennt deine Kinder besser, als du?), dass deine Kinder unter dieser Situation leiden?

            Das sind Fragen/Entscheidungen, die nur du beantworten und treffen kannst.

            • (27) 20.05.16 - 09:18

              Das ist vielleicht unglücklich formuliert...

              Ich persönlich sehe eben derzeit im Normalfall nicht, dass unser Kind auffällig oder unglücklich ist. Im Gegenteil. Im Falle von Konflikten aber eben schon. Da bekommt es sehrwohl Spannungen mit und reagiert da mitunter sehr drauf.

              Was kommt mir nun in den Sinn? Es gibt sicher leichter erkennbare Alarmsignale, dass etwas schief läuft (Spielzeugverstümmelung, Bettnässen, emotionale Kälte anderen Kindern/Tieren ggü...?) aber sicherlich gibt es auch Verhaltensauffälligkeiten, die ich eben nicht als solche deuten würde (zB kenne ich eine Frau, die erheblichen Ekel vorm Zähne putzen empfindet - Ursache scheint frühkindlicher Missbrauch, der auch oral stattfand). Auf derlei Kleinigkeiten käme ich gar nicht.

              Ich möchte einfach sensibel sein, denn ich habe nicht den Drang, meine Partnerschaft unbedingt zu beenden. Manche Konflikte geben mir in ihrer Intensität einfach zu denken.

              Ich hätte nur gerne von einem Fachmann vielleicht ein paar Hinweise, worauf ich achten sollte, oder ab wann man sich wirklich tiefgehender damit auseinandersetzen muss, ob eine Partnerschaft der Eltern mehr von Vorteil, als von Nachteil ist.

              Drücke ich mich da wirklich so unverständlich aus? Oder ist das tatsächlich ungewöhnlich, solche Gedankengänge zu haben?

              • Weißt du, ich glaube dass es bei vielen Verhaltensauffälligkeiten gibt, die i-wie ihren Ursprung in der Kindheit haben. Eltern können nicht alles richtig machen. Wenn man sich intensiv mit den "Macken" Erwachsener beschäftigt, da findet sich wohl bei 8 von 10 irgendeine Kindheitserfahrung dazu. Als Erwachsener kann man sich da dann absolut "reinsteigern" oder eben lernen damit zu leben, es zu verarbeiten, sich zu sagen "Das war eben so" - wobei es natürlich auch wirklich "verkorkste" Leben gibt, die in ihrer Kindheit dazu gemacht wurden....
                Ich hatte beispielsweise alles andere als eine "liebevolle" Mutter. Das hat mich sicherlich ein Stück weit geprägt und mich in der Erziehung meiner Kinder einige Fehler machen lassen. Dennoch sage ich mir: Meine Mutter konnte es eben nicht anders/besser. Sie selbst hatte ja widerum ihre eigenen "Kindheitserfahrungen" (ihre Mutter verließ die Familie, als sie 6 Jahre alt war, ... sie hat sich damals quasi mit ihren Händen an ihr festgekrallt, als ihre Mutter sie schroff von sich riss und anschrie: Lass mich los!) Ihr Vater war alles andere als "liebevoll"....

                LG

      Hallo,

      Ich denke dass du deine Partnerschaft nicht immer nach dem Wohlergehen des Kindes ausrichten kannst oder sollst.

      Versteh mich nicht falsch: Sicher gibt es Grenzen, wo es dann besser ist, u. a. um des Kindeswohl wegen, sich zu trennen. So wie hier ja schon von einigen Vorrednerinnen näher definiert.

      Doch diese Gedanken bzgl. Trennung sollte man dann natürlich auch weiterspinnen: Was wird folgen, wenn man dann wirklich getrennt ist? Wie wird man miteinander weiter umgehen, wie wird es dem Kind DANN ergehen?

      Ich glaube nicht, daß es DIE perfekte Partnerschaft, bzw. DAS perfekte Familienleben gibt! Jede Familie hat ihre kleinen und großen Geschichten... auch wenn es nicht alle nach außen tragen. Sicher klappt es bei manchen wirklich besser, als bei anderen.

      Ich denke, deine Frage kann man einfach nicht beantworten. Man kann einer unperfekten Partnerschaft sowohl positives als auch negatives in Bezug auf das heranwachsende Kind abgewinnen: Das Kind kann lernen, daß Probleme durchaus lösbar sein können, dass man nicht gleich alles hinwirft, dass man im Leben auch kämpfen muss... oder es kann lernen, dass ein Partner der Horror sein kann.... oder es kann lernen, daß man jederzeit aufgeben, neue Wege gehen kann.... und, und, und....!
      Wenn dein Kind nun Auffälligkeiten zeigt, ja so kann das natürlich mit dem Verhalten in der Familie zusammenhängen. Doch sei ehrlich: Kannst du dein Leben überhaupt so führen, daß es deinem Kind immer nur gut geht? Selbst wenn du eine absolute Vorzeige-Partnerschaft führst, kann es für dein Kind doch irgendwas geben, womit es dennoch nicht klar kommt. (Vielleicht kommt es dann eben außer Haus nicht klar, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt).

      Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.
      LG

      • (30) 20.05.16 - 09:06

        Deine Antwort hat mich wirklich aufgemuntert.

        Denn ja, wäre es hier der blanke Horror, würde ich nicht nur des Nachwuchses zuliebe hier bleiben.

        Dennoch ist mir bewusst, dass gewisse Dinge hier auch mal ein gesundes Maß überschreiten. Deshalb mache ich mir ja Gedanken. Ich sehe hier keine für mich offensichtlichen Auffälligkeiten am Kind, ich möchte aber wirklich genau hinschauen und feinfühlig bleiben, denn was zB hasipferd geschildert hat, wäre schlimm, für beide Elternteile sicherlich. Wir lieben unseren Nachwuchs beide sehr, aber jeder hat mit seinen Schwächen zu kämpfen, weshalb es eben nicht immer toll läuft.

        Schönen Tag wünsche ich dir!

        • (31) 20.05.16 - 09:33

          Ja - genau hinschauen und feinfühlig bleiben. Aber pass auf euch auf, daß du dich nicht zu sehr in evtl. Auffälligkeiten verrennst.

          Bei unseren Kindern gab es auch immer mal Auffälligkeiten - eine Phase löste praktisch die nächste ab...
          Auch in unserer Partnerschaft lief nicht alles immer gut - leider.

          Es hört sich schon so an, als ob ihr BEIDE darauf achtet, daß ihr eine einigermaßen "gutes" Familienleben zusammen hinbekommt - das ist doch schon was.

          Eine Freundin von mir hat sich getrennt, als ihre Tochter (Einzelkind) 13 Jahre alt war. Bis vor der Trennung hatte sie eine langjähriges Verhältnis mit einem anderen Mann - sie sagt, Eheleben gab es für sie quasi nicht mehr, sie stritt sehr häufig mit ihrem Mann über alles mögliche und das wirklich über mehr als 5 Jahre hinweg. Als sie sich dann trennten, ging alles sehr schnell: Haus verkauft, beide Elternteile in verschiedene Wohnungen gezogen, die Tochter kam mit zu ihr - und darauf folgten für sie dann echt die absolut heftigsten Jahre ihres Lebens. Die Tochter hat ihr das Leben zur "Hölle" gemacht: Abhauen, Alkohol, Diebstahl, Einbruch, Drogen, Schule schwänzen, Polizei, Jugendamt, Erziehungshilfe... mit alldem hat sie mehr Bekanntschaft gemacht, als ihr lieb war...! Heute ist das Mädel 18 - es läuft nun einigermaßen wieder in geglätteten Wogen, die Mutter ist mit dem neuen Partner immer noch zusammen, aber der Preis war hoch! Sie hat sich aus Liebe zu dem neuen Partner in dieses Mienenfeld begeben und mit seiner Unterstützung auch einigermaßen überstanden... wäre sie alleine gewesen - vlt. wären die Probleme nicht so heftig aufgetaucht, vlt. wäre sie aber auch daran zugrunde gegangen.

          LG

    <<<Ab wann/woran ist erkennbar, ob eine Trennung für das/die Kind(er) besser wäre, als eine nicht rund laufende Partnerschaft der Eltern?>>>

    Wenn jeden Tag nur noch Unfrieden und Streit herrscht, der durchaus auch vor den Kindern "ausgetragen" wird, und selbst Kleinigkeiten ausreichen, um einen der Beteiligten sofort ausrasten zu lassen, ist in meinen Augen der Punkt erreicht, an dem ernsthaft über eine Trennung nachgedacht werden sollte, solange man zumindest noch miteinander spricht.

    Oft ist es ja sogar so, dass wenn man sich nach der Trennung nicht mehr jeden Tag sieht, sich auch der Umgang miteinander wieder so weit bessert, dass das Miteinander wieder zumindest höflich von statten geht.....und auch wenn Mom und Dad nicht mehr zusammen leben, ist DAS für die Kinder sicher besser als wenn jeden Tag die Fetzen fliegen, oder man sich so rein gar nichts mehr zu sagen hat und nur eiskaltes Schweigen herrscht.

    >>Meiner Meinung nach muss es schon ziemlich schlimm sein, dass eine Trennung der richtigere Weg ist! <<

    ich denke, kein Paar macht es sich leicht mit einer Trennung. Was aber "ziemlich schlimm" ist, und was nicht, da hat jeder seine eigene Vorstellung von

    (34) 21.05.16 - 08:35

    Hallo,

    ich kann deine Frage gut verstehen, da sie mich selbst lange beschäftigt hat.

    Meine Ehe lief einige Jahre nach dem Motto: "Zu gut,um zu gehen, zu schlecht, um glücklich zu sein."

    Mein Mann war in jüngeren Jahren recht jähzornig mit geringer Frustrationstoleranz. Auf der anderen Seite war er ein Vollblutvater, der sehr viel mit den Kindern unternahm, sich kümmerte, vollumfänglich seiner Verantwortung für die Familie nachkam. Aber alle positiven Attribute konnten nicht wettmachen, dass er mit seinen Aussetzern häufig die Atmosphäre zu Hause vergiftete. Er vergriff sich gerne im Ton, sowohl gegenüber mir als auch den Kindern.
    Das war für mich auch so eine schwere Zeit! Einerseits sah ich meine Kinder, wie sie freudestrahlend mit dem Papa vom Ausflug zurückkamen und andererseits musste ich sie genauso oft trösten, wenn er wieder mal verbal austickte. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber ich meinen Kindern damals in solchen Situationen immer wieder bestätigt, dass ich das Benehmen ihres Papas auch ganz schlimm finde und ich sauer bin! Ich wollte ihnen so wenigstens spiegeln, dass das Verhalten inakzeptabel ist. Meine größte Befürchtung war nämlich, dass sie sich daran gewöhnen und es als "normal" ansehen könnten.
    Noch komplizierter wurde es, als mein ältester Sohn anfing, ähnliche Verhaltensstrukturen zu entwickeln. Da wusste ich nicht, ob er das Wesen meines Mannes geerbt hatte oder ob er es sich abschaute, was mich wieder in den Zwiespalt stürzte. Denn ICH bin nicht so und empfinde Jähzornigkeit als Störung des Charakters. Ich wollte keinesfalls, dass mein Sohn so ein Verhalten übernahm. Aber verhindern konnte ich es auch nicht, zumal der Papa sowieso der Star für den Älteren war. Es waren Jahre, die nicht schön waren. Mehrere Male äußerte ich auch den Wunsch nach einer Trennung. Dann wurde es wieder besser, man schöpfte Hoffnung...na ja, wie das halt so ist...

    Du merkst vielleicht, dass mein Text in der Vergangenheit geschrieben ist. Ich bin inzwischen 15 Jahren mit meinem Mann verheiratet und noch nicht geschieden! :-D Er ist in manchen Situationen immer noch ungeduldig, aber heute in einem gesunden Maß. Es kommt nicht mehr vor, dass sich mein Mann dermaßen im Ton vergreift. Szenen, wie sie sich vor 5 Jahren abgespielt haben, finden heute nicht mehr statt. Keine Ahnung, warum und wie mein Mann zu einem gesunden Verhalten eines erwachsenen Menschen gefunden hat. Ich denke, er wird wohl auch durch die Kinder gewachsen sein. Vor allem mein ältester Sohn bekam durch seine aufbrausende Art schnell Probleme im Kindergarten, später in der Schule. Ja, was soll man da der Lehrerin sagen, wenn sie im Beisein meines Mannes das schwierige Verhalten meines Sohnes beschreibt, das hätte genau so von ihm selber sein können? Vielleicht ist auch der Testosteronspiegel um die 40 gefallen? ;-) Vielleicht hat er auch erkannt, was auf dem Spiel steht, denn auch eine Frau mit 40 lässt sich bei Weitem nicht das gefallen, was sie mit 25 noch über sich ergehen ließ. Ich lasse wohl keinen Zweifel daran, dass das Maß voll ist und ich nicht bereit bin, ein bestimmtes Verhalten zu dulden. Ich fühle mich zu alt für das ganz große Drama. Das mache ich nicht mehr mit.

    Bei uns scheint es sich zum Guten gewendet zu haben. Ich denke mit schwierigen Entscheidungen ist es nie leicht! Man muss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung treffen, nach bestem Wissen und Gewissen und auf der Basis der Ressourcen, die man zu diesem Zeitpunkt hat. Niemand kann wissen, ob es im Nachhinein besser gewesen wäre, anders entschieden zu haben.

    Auch ich kann das schlussendlich nicht wissen. Meine Kinder sind wohl im Großen und Ganzen glücklich in unserer Familie. Auch der Papa wird heiß und innig geliebt und er selbst geht nach wie vor in der Rolle auf. Er ist ein guter Mensch, mit einem guten Herz. Das war er schon immer. Trotzdem kann ich sein Verhalten in jüngeren Jahren nicht beschönigen. Das war schlimm. Ob mir meine Kinder eines Tages mit einem erwachsenen Blick auf ihre Kindheit vorwerfen werden, dass ich mich nicht getrennt habe, das weiß ich nicht. Verstehen könnte ich es.

    Was ich dir sagen kann, ist, dass ich die Frage, ob ich mich trenne, vor allem auch von mir selbst abhängig machen würde. Bin ich mit meinem Leben im Großen und Ganzen glücklich und zufrieden? Fühle ich mich stark und lebendig? Wenn dem so ist, kann man doch so einiges auffangen. Schlimm ist es, wenn einem der psychische Stress mehr und und mehr zusetzt und man immer kraftloser wird. Das ist ein schleichender und gefährlicher Prozess. Dann kann man nämlich weder für die Kinder da sein, noch hat man die Kraft, eine notwendige Trennung durchzuziehen. Es ist tatsächlich eine Wanderung auf ganz schmalem Grat.

    Dir alles Gute
    Malena

    • (35) 21.05.16 - 13:11

      Ein wirklich reflektierter und sehr hilfreicher Beitrag.#blume
      Mir ging es vor vielen Jahren ähnlich .
      Mein Sohn hat ganz eindeutig die Verhaltensweisen seines Vaters erkennen lassen.
      Seine Wutanfälle verschwanden innerhalb weniger Monate nach unserem Auszug.
      Meine Kräfte schwanden so langsam, wie von dir beschrieben.
      Es war ein Befreiungsschlag sich von diesem Mann zu trennen, für den ich insgeheim , recht lange noch, eine ungesunde Loyalität empfunden habe.
      Meine Kinder waren bald froh über die Trennung und konnten sich ihre Eltern als Paar nicht mehr vorstellen.
      Ich wünsche dir und deiner Familie ,dass alles weiterhin friedlich und zu händeln bleibt.

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