alles perfekt? (Update - Vertrauen nach Affäre)

    • (1) 12.10.16 - 09:52
      bauch-herz-kopf

      Hallo zusammen,

      ich war die TE des um einige Zeilen weiter unten stehenden Beitrags "Vertrauen nach Affäre".. und habe nun einfach mal das Bedürfnis, mich hier etwas "mitzuteilen"
      Ich möchte mit meinen Zeilen absolut niemanden zu nahe treten. Jedoch staune ich immer wieder darüber, daß hier in Urbia offensichtlich größtenteils "perfekte Gutmenschen" unterwegs sind - sei es,

      - daß sie nach Fremdgehen durch den Ehepartner, sofort und unverzüglich taff genug wären, ihr Leben allein zu stemmen, sich das NIE bieten lassen würden
      - oder daß ihnen etwa ihre pupertierenden Kinder ihnen niemals mit blöden Kraftausdrücken etc. kommen würden
      - daß sie in der Kindererziehung einfach alles richtig machen und fassungslos sind, daß es Mütter gibt, die das nicht auf die Reihe bekommen
      ..... und, und, und.
      Es geht nun nicht allein um die Antworten auf meinen genannten Thread - es sind übrigens auch einige sehr emphatische, offene Antworten dabei - aber ich frage mich schon: Gibt es die wirklich, bei denen alles einfach perfekt läuft#gruebel von der Kinderstube bis zur Partnerschaft?
      Wenn ich hier komplett auspacken würde, was bei uns in den letzten 1,5 Jahren alles los war ...ui - ich würde wohl den absoluten Stempel erhalten. (Ich sehe es ein Stück weit als Herausforderung, die das Leben mit sich bringt)
      Wie gesagt: Hoffe nun, keiner fühlt sich dadurch angegriffen. Doch m. E. sollte man manchmal ein, zwei Gedanken daran verschwenden, ob einem nicht selbst doch ähnliches ereilen könnte.

      Ich habe z. B. eine entfernte Bekannte, der ich nicht sonderlich zugetan bin. Sie lästert über alles und jeden - ob über Jugendliche die sich sinnlos betrinken oder irgendwelche Leute der Nachbarschaft, die sich nach Affären trennten oder auch nicht (sicher auch über mich)- doch was SIE im Gegensatz zu vielen ihrer Nachbarn nicht weiß: Ihr Mann betrügt sie immer wieder mal - tja, NICHT JEDER erfährt eben davon!
      Das musste jetzt einfach raus!
      LG

      • Ja so ist das eben, ich nehme mich da in manchen Dingen auch nicht aus.
        Ich hoffe eben, in einer der Situationen so zu reagieren, wie ich es mir VORHER vornehme.
        Aber man weiß das eben nie vorher, wie man tatsächlich reagieren würde, das ist klar.
        Dennoch teile ich jedem lieber meine vorherige Sichtweise über diese Dinge mit, als es schönzureden.
        Denn letztendlich muss sowieso jeder für sich selbst handeln.

        Na was ist schon perfekt?

        Die Erfahrung oder zumindest den Willen zu haben sich vom betrüger zu trennen ist eine Einstellungsache. Nach einer Affäre könnte ich nicht mehr vertrauen und auch der Respekt ist weg. Da muss man sich entscheiden....

        Auf die zu perfekten Darstellungen geht man ma besten gar nicht ein....vieles wird sicherlich geschönt im Internet. Trotzdem gibt es halt auch Menschen die zumindest im Bereich treue keine Kompromisse zugestehen.

        Hallo,

        ja, der Eindruck kann entstehen, ich weiß, was Du meinst. Ich gebe aber zu bedenken, dass

        1. nicht überall immer dieselben Leute schreiben. Diejenigen, die sich als perfekte Eltern zu Wort melden, sind nicht zwingend auch diejenigen, die hier öffentlichkeitswirksam alle Fäden ihrer perfekten Beziehung in der Hand halten. Ich führe darüber keine Statistik, bin mir aber ziemlich sicher, dass viele User schwerpunktmäßig nur in einzelnen Foren unterwegs sind.

        2. man hier größtenteils zu Problemen Stellung bezieht, die einen gerade nicht selbst betreffen. Und natürlich (davon nehme ich mich nicht aus), entsprechen die Überzeugung und das Ideal, was das Richtige ist, nicht unbedingt dem eigenen Handeln, wenn man selbst betroffen ist.

        Ich persönlich finde allerdings differenzierte Stellungnahmen zum Problem mitunter produktiver, als wenn man gemeinsam ein Schicksal beweint.
        Natürlich bleibt dann die Frage, wie man es rüberbringt. "Ich würde NIIIIIEE....", "Wie kann man nur" und "Bei uns ist IMMER...." ist nicht unbedingt hilfreich.

        Ich kann Dir von meinem perfekten (#schein) Leben erzählen. Wenn ich mal ganz grob unterteile in Job, Familie/Partnerschaft/Kinder und Hobby/Freizeit/Sachen nur für mich, dann stelle ich fest, dass niemals alles gleichzeitig rund läuft. Funktioniert gerade eins gut, dann klemmt es woanders. Je nach persönlicher Verfassung auch mal überall.

        Dabei sind mir manche Sachen wichtiger als andere, davon weiche ich auch nicht ab. Zum Beispiel könnte ich mit einem Seitensprung oder einer Affäre leben, mit Gewalt gegen meine Kinder oder mit einer fragwürdigen Gesinnung nicht. Ich nehme für mich in Anspruch, furchtbar chaotisch und für Aktivitäten außerhalb meiner Partnerschaft durchaus offen zu sein - der Verstoß gegen andere Prinzipien kommt wiederum nicht infrage.

        Das heißt: wenn Du mich in einzelnen Foren liest, kann Dir der Gedanke kommen, ich hab die Weisheit mit Löffeln gefressen (und ich meine dann durchaus ernst, was ich schreibe), in anderen aber nicht so.

        Ich unterstelle, dass ich da nicht die einzige bin. Und all das ergibt einfach ein verzerrtes Bild von lauter perfekten Menschen.

        Jetzt bin ich ganz schöm ins Quasseln gekommen, tut mir leid. #hicks Hoffe, ich konnte Deine Frage dennoch ansatzweise beantworten.

        Viele Grüße!

        • (5) 12.10.16 - 10:52

          Danke - das kann ich größtenteils auch so unterschreiben.

          Seine Sichtweise darzustellen, oder auch ein NoGo zu definieren ist das Eine, aber andere Menschen dann eben als blöd abzuurteilen weil sie z. B. nach Fremdgehen eine Partnerschaft weiterführen, oder jemanden vorzuwerfen, da seien 10 Jahre Erziehung wohl schrottwertig gewesen, weil Filius plötzlich arg aufmüpfig wird, ist was anderes.

      Hallo,

      das ist ein Forum und hier kann man sogar noch in Schwarz schreiben, also was hast Du denn erwartet? Daß ALLES perfekt läuft geht gar nicht, in meinen Augen.

      Und falls es Dich beruhigt, bei mir läuft nicht immer alles perfekt, aber für die bescheidene Kindheit, die ich hatte, läuft es mehr als perfekt. Also definiere perfekt ;-)

      LG

      • (7) 12.10.16 - 11:15

        Danke! :-D

        Du hast gerade einen super Aspekt eingebracht, der mich persönlich zu einer Erkenntnis gebracht hat, auch wenn das gerade ein wenig off Topic ist.

        Meine Tochter ist manchmal pupertätsbedingt zickig, vergisst schon mal was ich sage oder lernt nicht genug. Also nicht perfekt im Sinne des Wortes! ABER: sie kam noch nie betrunken heim, ist lieb und höflich zu Mitmenschen, sehr sozial und ein fröhliches, emphatisches Mädchen. Für MICH ist sie perfekt #verliebt

        Mit meinem Freund kracht es schon mal, oder ich ärger mich über ihn -> nicht perfekt!
        ABER: Er ist liebevoll, respektvoll und macht mich glücklich! Für MICH ist diese Beziehung perfekt (zumindest im Moment, wer weiß schon was kommt).

        Es geht vllt nicht so sehr um die allgemeingültige Version von perfekt, sondern um das, was für einen selbst perfekt ist. Und das kann für jmd anders alles andere als das sein...

        So, genug jetzt.

        Schönen Tag und lieben Gruß

        Nane

    Ich lebe nicht perfekt. Habe von Kleinkind bis Kinder in Pubertät alles da.

    Aber ich krieg schon beim Gedanken dass mein Mann mich betrügen könnte Magenstörung. Wir sprechen da drüber. Er kennt meine Ansage: untreu? Und tschüß

    Er würde es mir auch nicht vergeben.

    Nicht zu jedem "niemals" kann ich stehen...das ist Erfahrungssache

    Aber mich körperlich zu betrügen wäre hier das Aus. Ich würde ihn hassen.

    Zum Glück läuft es gut. Sexuell und auch so.

    Er hat rein sex. gesehen keine Notwendigkeit. Da wir offen drüber reden, weil wir andre Fälle kennen.

    Aber nochmal. Hier ist kein perfektes Leben. Das gibts nicht

    Ich denke es ist ein gewaltiger Unterschied ob man

    1. sich vorstellt, wie man sich in einer Situtation verhalten würde

    und

    2. wie man sich dann in Wirklichkeit verhält.

    Ich denke man muss zwischen antworten Unterscheiden die heißen "ich würde" und "ich habe es so gemacht".

    • (11) 12.10.16 - 12:23

      ... in solchen Fällen gerne Salman Rushdie. “Das Leben hat mich gelehrt: Solange mir eine schwierige Frage noch nicht gestellt wurde kann ich nicht sicher sagen was ich antworten würde.“

Ich weiß, was du meinst, und kenne dieses Gefühl, gerade wenn man hier noch nicht länger dabei ist.

Aber du darfst deine eigene, ungefilterte Innensicht, die nur du kennst, nicht mit der polierten Außenansicht der anderen vergleichen, den Vergleicht kannst du nur verlieren. Denn wie es bei denen drinnen aussieht, weißt du eben nicht.

Und schließlich gibt es ja immer noch die User, die eine differenzierte Meinung äußern können, und die Urbia am Ende lesenswert machen.

Ich glaube, man muss einfach auch differenzieren, ob jemand aus eigener Erfahrung berichtet oder ob man über blanke Theorie spricht und vermutet, so oder anders würde man im Fall XY vermutlich handeln, ob jemand erwachsene Kinder hat und so ziemlich alle Stufen des Erziehungselends hinter sich gebracht hat oder selbst Kleinkinder hat und pubertierende Teenager nur vom Hörensagen kennt.

Vor 25 Jahren hätte ich viele Dinge auch anders gesehen. Und bevor ich in deine Situation kam hatte ich -'rein theoretisch - auch eine andere Meinung dazu. Wenn's dann soweit ist und man kommt in Zugzwang, da sieht manches dann doch ganz anders aus. Außerdem ist mir aufgefallen, dass das Alter der User einen Einfluss auf ihre Einstellung hat (zumindest die theoretische). Die Jüngeren sehen vieles entweder Schwarz oder Weiß, die Älten wurden schon eines Besseren belehrt, dass es so im realen Leben eben nicht zugeht.

Für mich kann ich nur sagen, dass mal das eine und mal das andere familiär und beruflich rund läuft. Dann gibts Phasen, die ohne besondere Vorkommnisse dahinplätschern. Aber wirklich große Katastrophen blieben uns erspart - wobei wir hier wieder bei der Definition von "Katastrophe" eines jeden Einzelnen wären. Für einige ist es schon eine Katastrophe, wenn der Mann Pornos konsumiert.

Bei vielen Themen hier gibt es naturgemäß Uneinigkeit. Worin sich die meisten aber einig sind, ist Gewalt gegen Kinder und Partnerinnen, was niemals tolerierbar ist. Ich schließe mich ein und da werde ich auch wirklich eckig. Beruflich habe ich viel mit Kindern zu tun und man bekommt einen Eindruck von div. Familien oder weiß um deren Themen. Ein nicht unerheblicher Anteil unserer Schüler lebt bei Pflegefamilien, hat Familienhelfer, lebt in Wohngruppen usw. Und das ist nur der Teil, bei dem es bekannt ist. Ich bin sicher, es gibt eine größere Dunkelziffer, wo niemand Bescheid weiß, was sich zuhause abspielt. Meine Sportkollegen berichten, sie achten in den Umkleiden unauffällig auf Male auf der Haut der Kinder. Gibt es vielleicht gehäuft Blutergüsse, ritzen sich die Schüler etc.pp.???? Mich macht das krank.

Und damit zum Thema Trennung und ob alle das auch wirklich so durchziehen würden? Vielleicht gibt es da zwei Lager. Die toughen, die vermutlich erst gar nicht in bestimmte Situationen geraten würden oder ihren Fehler, sobald sie ihn erkennen, möglichst zügig korrigieren. Und die Schwachen, die eben in Partnerschaften leben, wo sie gedemütigt, belogen, betrogen und geschlagen werden und eben wegen ihrer Schwäche und Bedürftigkeit auch nicht den Absprung schaffen oder sich gleich das nächste Modell mit gleicher Machart an Land ziehen, weil sie allein ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen wollen/können.

  • (14) 12.10.16 - 14:09
    bauch-herz-kopf

    ..... Und damit zum Thema Trennung und ob alle das auch wirklich so durchziehen würden? Vielleicht gibt es da zwei Lager. Die toughen, die vermutlich erst gar nicht in bestimmte Situationen geraten würden oder ihren Fehler, sobald sie ihn erkennen, möglichst zügig korrigieren. Und die Schwachen, die eben in Partnerschaften leben, wo sie gedemütigt, belogen, betrogen und geschlagen werden und eben wegen ihrer Schwäche und Bedürftigkeit auch nicht den Absprung schaffen .....
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    Nix dazwischen meinst du? Du kommst mir nun ehrlich gesagt überhaupt nicht schwach vor, auch wenn du betrogen wurdest.

    Ich finde deine Beiträge oftmals recht konstruktiv.

    • Doch schon......dazwischen gibt es sicher sehr viele Schattierungen. Würde nur den Rahmen sprengen, das alles aufzudröseln - wenn es überhaupt gelingt.

      Mir ist nur generell aufgefallen, dass es (eben häufig und dadurch auffällig) die Sorte gibt, die unbedingt einen Partner braucht und sich vor der Trennung Gedanken machen, wo und wann der nächste wohl zu finden ist und ob sie überhaupt jemals wieder einen mitkriegen. Der letzte war mies oder ist gerade erst vom Hof, da steht der neue potenzielle Seelenverwandte schon auf der Matte und man plant recht zeitnah die gemeinsame Zukunft, gern auch mit weiterem Kind, Umzug und Hochzeit und allem Drum und Dran. Die trennen sich nur, wenn rein gar nichts mehr geht oder ein warmer Wechsel möglich ist. Das sind für mich die eher schwachen und lebensuntüchtigen Frauen. Sehr klischeehaft beschrieben natürlich.

      Mich würde ich wohl in der Grauzone einsortieren. Ich wollte mich trennen. Meinem Mann habe ich gesagt, dass ich Reisende nicht aufhalten werde und ihm viel Glück gewünscht (und das sogar so gemeint). Wenn er meint, dass er seine Bestimmung woanders gefunden hat, dann kann ich das nur so akzeptieren. Auf halbherzigen Kram habe ich keine Lust.
      Und es hat eben etwas gedauert bis wir beide zu dem Entschluss kamen, dass wir es nochmal versuchen werden. Allein mit den Kindern hätte ich auch überlebt und nicht hätte mir ferner gelegen, als mir gleich den nächsten zu suchen.

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