Er will einen Ehevertrag

    • (1) 05.03.17 - 10:36

      Hallo zusammen,

      Ich bin gerade tief getroffen und verwirrt. Mein Verlobter hat mir gestern eröffnet das er einen Ehevertrag möchte...
      Wir sind 12 Jahre zusammen, haben 4 gemeinsame Kinder und wollen nun endlich in 2 Wochen heiraten.
      Unsere Beziehung war nicht immer leicht, wir waren sehr jung als wir zusammen gekommen sind und mussten durch viele Tiefen gehen. Waren auch ein mal kurze Zeit getrennt, aber das lief freundlich ab. Kein Streit ums Geld, ich habe nichts verlangt und wir haben damals alles geteilt.
      Jetzt 14 Tage vor der Hochzeit sagt er das ich unterschreibe soll, dass ich im Falle einer Scheidung auf alles verzichte, Unterhalt für mich, Zugewinn usw...
      Ich bin so traurig...er verdient sehr gut und ich verdiene eher wenig weil ich immer nur halbtags arbeite wegen der Kinder. Ich verstehe das nicht, ich habe ihm immer den Rücken frei gehalten für seine Karriere. Habe mich um Kinder und alles andere gekümmert und nun diese Klatsche...

      Was sagt ihr dazu? Reagiere ich über?
      Seit dem Thema gestern ist Funkstille...wir reden nicht, gehen und aus dem Weg...ich überlege sogar die Hochzeit ab zu sagen... :-(

      Liebe Grüße

      • Klar, erst 2 Wochen vor einer lange geplanten Hochzeit kommt er mit einem Ehevertrag. Kann ich nicht glauben. Natürlich würde ich ihn nicht unterschreiben und unter diesen Umständen auch die Hochzeit absagen. Du wärst ja schön blöd, auf Unterhalt zu verzichten.

        Ich weiß nicht, ob meine Antwort urbiakonform ist, aber ich würde so jemanden nicht heiraten.

        Das bedeutet einfach, dass er dir nicht vertraut. Wenn ihr erst kurz zusammen wäret und er Reichtümer in die Beziehung mitgebracht hätte, würde ich es ja noch verstehen, aber wenn ich das richtig rauslese, hat er nur so ein gutes Gehalt, weil du auf Karriere verzichtet und ihn unterstützt hast. Daher finde ich das nicht fair.

        Ihr seid doch schon lange eine Familie. Wie kann man da noch in deins und meins denken? Ist er auch im Alltag so?

        Also, zunächst einmal ist ein Ehevertrag eine sehr sinnvolle Sache und erspart einem im Trennungsfall so manche böse Auseinandersetzung. Und jetzt kommt das ABER. Was dein Verlobter da vorhat, ist richtig unschön. Du sollst im Falle einer Trennung auf alles verzichten, er bekommt alles. Einmal davon abgesehen, dass ein Ehevertrag mit einer derart offensichtlichen Benachteiligung einer Partei so weder beurkundet würde noch bei einer Scheidung vor Gericht Gültigkeit hätte, finde ich, dass das sehr deutliche Rückschlüsse auf den Charakter deines Verlobten zulässt.

        Sollte er das wirklich so meinen, würde ich ganz sicher nicht heiraten.

        Besonders fies finde ich übrigens, dass er damit zwei Wochen vor der Hochzeit um die Ecke kommt und dich damit so überfährt... so etwas bespricht man in Ruhe im Vorfeld und bricht es nicht übers Knie.

      • Alternative 1: Sage die Heirat ab

        Alternative 2: Nimm dir einen Rechtsanwalt

        (6) 05.03.17 - 11:04

        Ganz ehrlich, mach das bloß nicht! Eigentlich hättest Du einen Grund Du (wenn überhaupt!), einen Ehevertrag zu fordern, eben weil du deine Karriere "aufgibst" (ob du Karriere machen wolltest oder nicht, ist da ja gar nicht wichtig!) um die Kinder groß zu ziehen, das ist nicht nur jetzt ein finanzieller Nachteil, sondern auch später, wenn es um die Rente geht usw. ... Eigentlich müsstest du deine langfristige finanzielle Zukunft absichern im Falle einer Scheidung.

        Das tut mir total leid, dass dir jetzt sowas passiert! Wer hat ihm denn bitte den Floh ins Ohr gesetzt? Wenn das sonst nie ein Thema war, reagiert er jetzt vielleicht über ... vielleicht ist das sowas wie Torschlusspanik? Keine Ahnung, aber das solltet ihr auf jeden Fall klären!

        • (7) 05.03.17 - 11:11

          PS: Eheverträge sind in bestimmten Fällen sinnvoll, wenn ein Partner beispielsweise ein Haus oder irgendwelche geerbten Vermögen, die vor der Beziehung entstanden sind, miteinbringt. Und in vielen anderen Fällen auch. Aber was dein "Verlobter" da vor hat, ist schon ziemlich gemein. Eigentlich will er dich mit dem Ehevertrag um deine Rechte bringen, nämlich Unterhalt für dich. Was anderes wäre ja, wenn du faul zu hause sitzen würdest - aber das tust du ja nicht. Ich denke auch, das so ein Ehevertrag von keinem Anwalt/Notar abgenommen würde - einfach weil du total benachteiligt wirst.

          Nimm dir bitte einen Rechtsbeistand. Ich weiß nicht, ob profamilia da auch ne Anlaufstelle für dich ist? Evtl. können die dir aber sagen, wohin du dich wenden kannst!

      Soviel ich im Hinterkopf habe, wäre so ein Ehevertrag sittenwidrig und hätte vor Gericht keinen Bestand. Aber da googel bitte mal selber. Somit müsste ihm auch jeder seriöse Anwalt davon abraten.
      Schlichtweg eine Schweinerei finde ich es, mit so einem Ansinnen zwei Wochen vor der Hochzeit rüberzukommen. Und das würde ich ihm auch genauso sagen! Ich glaube nicht, dass ich so einen linken Typen heiraten möchte, aber das musst Du selber wissen. Sei doch genauso wie er, Heirat ja, aber nur ohne Ehevertrag....mal sehen, was er dann sagt. Soll er doch die Hochzeit absagen, dann trägt er auch die Kosten. Leute gibts.....LG Moni

      Wie ist der denn drauf?

      Never ever würde ich sowas unterschreiben (also mit diesen Forderungen). Es gibt eben Dinge, die einem als Partner bei einer Scheidung zustehen. Punkt.

      Ich würde ihm da schnell den Kopf waschen oder die Hochzeit absagen. Das ist respektlos.

      Danke für eure Antworten, das zeigt mir das ich doch nicht überreagiere...
      Ich liebe ihn, er ist ein toller Vater und auch ein guter Mensch, aber wenn es ums Geld geht ist er wie ausgewechselt...
      Ich versuche das Gespräch nachher ruhig anzugehen, denke auch das dieser "plötzliche" Wunsch danach nicht von ihm kommt. Zuletzt war er viel mit seinem Bruder unterwegs...der ist so ein Kanidat für "tolle Ratschläge".

      Ich möchte ihn gerne heiraten und freue mich sehr auf den Tag, aber ich werde definitiv nichts unterschrieben. Besteht er weiterhin darauf, werde ich wahrscheinlich nicht nur die Hochzeit, sondern auch die Beziehung in Frage stellen....drückt bitte mal die Daumen, dass er wieder zur Besinnung kommt.

      Danke euch allen <3 schön das es Urbia gibt. Fühle mich jetzt gestärkt.

      • Frag ihn mal, wieso er da plötzlich drauf kommt. Vielleicht hat er vor irgendwas Angst oder Sorge.

        Vielleicht bekommt er da gerade etwas Panik und lässt sich da leicht von jemandem bequatschen.

        Ich drück dir die Daumen, dass das eine Kurzschlussreaktion war und er eigentlich andere Ängste hat, die er so versucht zu kompensieren.

        (12) 05.03.17 - 11:38

        Grundsätzlich finde ich Eheverträge sinnvoll. Aber Verträge regeln die Interessen beider Seiten, nicht nur einer. Das solltest du ihm mal sagen.

        Andererseits sieh es mal so: wenn ihr nicht heiratet und alles bleibt wie es ist, dann würdest du die negativen Folgen eurer Rollenverteilung auch allein tragen: kein Unterhaltsanspruch es sei denn, ihr habt noch ein Kind unter 3, kein Zugewinnanspruch, keinen Ausgleich der Rentenversorgungsansprüche.

        Er will quasi diesen status quo fortschreiben. Was ich mich an deiner Stelle fragen würde: warum war das für dich über ein Jahrzehnt und vier Kinder lang vollkommen okay und stellt JETZT ein Problem für dich dar?

        Ich würde ja sagen zum Ehevertrag, aber zu einem auf Augenhöhe. Außerdem wäre das, was er da plant, ggf. sittenwidrig, insbesondere wenn du abhängig von sozialen Hilfen würdest.

        LG Küstenkönigin

        << Besteht er weiterhin darauf, werde ich wahrscheinlich nicht nur die Hochzeit, sondern auch die Beziehung in Frage stellen >>

        So sehe ich das auch.

        • (14) 05.03.17 - 11:50

          Verstehe ich ehrlich gesagt nicht.

          Dieses Leben führt sie seit 1,5 Jahrzehnten und das stellt JETZT plötzlich die Beziehung infrage?

          Dieses Risiko trägt doch jede Frau, die unverheiratet Kind (er) bekommt und die Hausfrauen-Teilzeit-Richtung einschlägt. Das war für sie bisher okay und an den Verlusten der letzten 15 Jahren ändert die Ehe auch nichts.

          LG

          (15) 06.03.17 - 16:37

          weil sie jetzt erst draufkommt, wie er tickt.

    Grundsätzlich sind Eheverträge ja nicht schlecht.
    Was mich aber irritieren würde: er kommt jetzt, zwei Wochen vor der Hochzeit, damit um die Ecke! Und offensichtlich für dich völlig überraschend. Warum spricht er nicht offen darüber? Ich nehme an, er hat sich dazu anwaltlich beraten lassen - ohne Dich! Das würde mir zu denken geben!

    • (17) 05.03.17 - 14:07

      Anwaltlich beraten wurde er sicher nicht - der hätte ihm nämlich ganz schnell verklickert, dass das, was er da vorhat, sittenwidrig ist und er keinen Notar finden wird, der das so beurkundet.

Hallo!

Ich wäre durchaus für einen Ehevertrag, in dem eine ordentliche Absicherung für Dich enthalten ist. Du hast ja schon seit dem ersten Kind kräftig zurück gesteckt, Deine Rentenansprüche sind entsprechend mies, also besteht da durchaus ein wenig nachholbedarf. Und genau das würde ich in den Ehevertrag aufnehmen lassen.

Eben dass ihr schon Jahre so ein klassisches Modell mit dir in Teilzeit lebt, aber du noch keinen Ausgleich durch zugewinn und Ehe dafür hast.

Könntest Du denn überhaupt Vollzeit arbeiten? Steuerklasse 4 statt 5?

Lächerlich

Du hast Rechte, die er Dir absprechen will.

Da würde ich es mir 3x überlegen

Ich habe keinen Ehevertrag. Ich habe vor den Kindern geheiratet.

Wir sind glücklich und keine Scheidung in Sicht

Aber vorab mich aller Rechte bewusst zu berauben käme nicht in Frage.

Hat er den Vertrag selbst zusammengeschustert? Ein seriöser Notar kann da nicht im Spiel gewesen sein.

Mein Mann und ich haben auch einen Ehevertrag. Das macht bei uns durchaus Sinn. Ich wollte damals festgehalten haben, dass mein Mann im Falle einer Trennung nur Kindesunterhalt zahlen solle, aber keinen Unterhalt für mich, falls ich darauf noch Anspruch gehabt hätte. Das hat der Notar gleich abgewiegelt. Das ist in der Tat sittenwidrig. Selbst wenn es der Wunsch der betroffenen Person ist.

Hallo,

das finde ich heftig von deinem Partner.

Wobei ich mir nun nicht vorstellen kann, daß sowas im Falle eines Falles zum tragen käme, daß du auf alles verzichtest. Wenn nun bsp. eine Immobilie vorhanden ist, welche auf euch beide läuft grundbuchamtlich, dann glaub ich nicht, daß sich das durch so einen schnell aufgesetzten Vertrag einfach aushebeln lässt - da müsste man sich genau informieren.

Die bisherige Zeit liegt ja sowieso vor eurer Ehe, also egal was ihr bisher hinzugewonnen habt, das hätte im Falle einer Scheidung keine Bedeutung.

Fakt ist ja wohl, daß ihr noch relativ kleine Kinder habt und du deswegen wohl noch einige Jahre auf alle Fälle weniger verdienen wirst. Es sind aber auch seine Kinder, also ist auch er irgendwie für die Betreuung zuständig. Ich hätte da momentan wohl wirklich eine Wut, wenn er das dann so abtun würde.

Dann soll er gefälligst bezahlen für alles, wo ich ihn unterstütze ... Kinderbetreuung, Essen kochen, Wäsche, Haushalt..... Das ist jetzt überzogen und ironisch gemeint, aber ich glaube so würde ich versuchen, ihm das mal klarzumachen.

LG

(22) 05.03.17 - 13:20

Du wärst schön dämlich wenn du unterschreiben würdest.

Ich finde dein Mann verhält sich total rücksichtslos, insbesondere sollte ein Ehevertrag nicht einseitig aufgesetzt und der anderen Partei kurz vor der Hochzeit zur Unterschrift vorgelegt werden. Das grenzt ja an Nötigung.

Anständig wäre es gewesen dich kurz nach der Verlobung auf das Thema anzusprechen und gemeinsam die Vermögensaufteilung im Trennungsfall zu planen.

Du gehst halbtags arbeiten um die vier gemeinsamen Kinder zu betreuen und sollst leer ausgehen im Trennungsfall? Der spinnt doch.

Soll er doch die Hochzeit absagen, dass würde ich aussitzen. :-[

  • (23) 05.03.17 - 13:43
    Ehevertrag-Befürworter

    Ich habe auch einen Ehevertrag, da ich Vermögen in die Ehe eingebracht habe, das für den Fall der Scheidung abgesichert habe, aber auch nur das. In solchen Fällen, genauso wenn es um die Existenz einer Firma geht, kann ich nur jedem raten, einen Ehevertrag aufzusetzen. Es hat zwar immer ein "Geschmäckle", weil man auch dabei Misstrauen unterstellen könnte, aber ich nenne das nur vernünftig, denn keiner weiß, was in 5, 10, 15 oder x Jahren ist.

    Im Übrigen. Du kannst ruhig unterschreiben. Der Ehevertrag ist ohnehin nicht gültig.

    Das BGH hat bereits 2004 entschieden, dass stark zu Gunsten einer Person gerichtete Eheverträge nicht gültig sind. Das gilt insbesondere dann, wenn Grundrechte bei einer Scheidung wie Unterhalt etc. ausgeschlossen werden sollen. Solche Verträge nennt man sittenwidrig.

    In Eurem Fall macht m.E. ein Ehevertrag keinen Sinn.

(24) 05.03.17 - 13:44
Ehevertrag-Befürworter

Ich habe auch einen Ehevertrag, da ich Vermögen in die Ehe eingebracht habe, das für den Fall der Scheidung abgesichert habe, aber auch nur das. In solchen Fällen, genauso wenn es um die Existenz einer Firma geht, kann ich nur jedem raten, einen Ehevertrag aufzusetzen. Es hat zwar immer ein "Geschmäckle", weil man auch dabei Misstrauen unterstellen könnte, aber ich nenne das nur vernünftig, denn keiner weiß, was in 5, 10, 15 oder x Jahren ist. Im Übrigen. Du kannst ruhig unterschreiben. Der Ehevertrag ist ohnehin nicht gültig. Das BGH hat bereits 2004 entschieden, dass stark zu Gunsten einer Person gerichtete Eheverträge nicht gültig sind. Das gilt insbesondere dann, wenn Grundrechte bei einer Scheidung wie Unterhalt etc. ausgeschlossen werden sollen. Solche Verträge nennt man sittenwidrig. In Eurem Fall macht m.E. ein Ehevertrag keinen Sinn.

Ein Verzicht auf Trennungsunterhalt ist in einem Ehevertrag nicht möglich. Was das angeht, kannst du den Vertrag getrost unterschreiben.

"Ein Verzicht auf Trennungsunterhalt ist im Ehevertrag nicht möglich. Waren die Partner während der Ehezeit erwerbstätig, so besteht aber auch während der Trennung die Verpflichtung zur Erwerbsarbeit. Dasselbe gilt auch für die Zeit nach der Ehe (BGH, 20.03.2002, XII ZR 159/00 (FamRZ 2002, 810). Die Inanspruchnahme auf Trennungsunterhalt kann in entsprechender Anwendung des § 1579 Nr. 7 BGB aber unzumutbar sein, wenn der Unterhaltsberechtigte eine länger dauernde Beziehung zu einem anderen Partner eingegangen ist, die sich in einem solchen Maße verfestigt hat, dass sie als eheähnlich anzusehen ist (im Anschluss an Senat, NJW 1989, 1083 = LM § 1577 BGB Nr. 15 = FamRZ 1989, 487 (490 f.))."

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