Angst vor Freund

    • (1) 05.07.17 - 00:55
      Angst vor Freund

      Guten Abend,

      ich stecke gerade in einer für mich sehr schlimmen Situation und würde sie mir gern von der Seele schreiben.

      Zu den Rahmenbedingungen: Mein Freund und ich sind seit 8 Jahren zusammen, haben einen Sohn (5) und ich bin in der 35. Woche schwanger. Unseren Sohn haben wir im Studium bekommen. Ich bin mittlerweile fertig und verdiene noch nicht besonders gut, habe aber gute Aufstiegschancen nach der Elternzeit. Mein Freund hingegen verspricht mir seit Jahren jedes Semester hoch und heilig, sein Studium abzuschließen, hat aber letztlich immer Gründe, warum es wieder nicht geklappt hat (Ansprüche an die Hausarbeit zu hoch, Seminar sinnlos, Professor inkompetent, …). Nun habe ich vor drei Monaten durch Zufall (er hatte die Unterlagen herumliegen lassen) herausgefunden, dass er das Studium abgebrochen hat! Der Krach war riesig, aber er hat mir natürlich versprochen, dass er sich um eine Alternative bemüht.

      Seitdem macht er im Prinzip nichts. Er hat zur Zeit noch einen ganz guten Nebenjob mit 15 Stunden, in dem er aber ab September durch jemand besser Qualifizierten ersetzt werden wird (das stand auch von Anfang an so fest). Er bemüht sich aber nicht um eine andere Arbeit, eine Ausbildung o.Ä. und beteiligt sich wenig an den Kosten, die hier so anfallen. Mindestens 5 Stunden am Tag sitzt er vor dem PC, meistens länger. Für die einzige Bewerbung, die abgeschickt wurde, hat er Wochen gebraucht und letztlich habe ich die Hälfte davon geschrieben. Mein Elterngeld reicht für mich und die Kinder; ich könnte auch die Wohnung halten. Aber ich kann definitiv keinen weiteren Erwachsenen damit durchfüttern.

      Im übrigen Teil der Beziehung läuft es auch schon länger sehr schlecht. Durch die vielen falschen Versprechungen und daraus resultierenden Enttäuschungen gab es immer wieder Stress. Der Respekt voreinander ist schon lange weg, das Vertrauen auch. Ich habe oft den Wunsch geäußert, mich zu trennen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich immer diejenige bin, die alles aufrecht erhalten muss. Diesen Wunsch hat er allerdings erfolgreich ignoriert. Das bedeutet, dass ernsthaften Gesprächen aus dem Weg gegangen wurde, der Trennungswunsch wurde als übertrieben abgetan, Probleme totgeschwiegen etc. Wenn über Probleme geredet wurde, hat er mir je nach Laune das Blaue vom Himmel versprochen und sich an nichts davon gehalten. Natürlich habe ich da auch eine Mitschuld, weil ich mich immer ganz gut einwickeln lassen habe.

      Heute ist es allerdings eskaliert, weil er während eines Streits handgreiflich wurde (Handy aus der Hand geschlagen, mich festgehalten, Mund zugehalten, mich daran gehindert, aus der Wohnung zu gehen). Ich war so fertig und musste mir einfach eingestehen, dass ich nicht mehr kann und er sich auch nicht mehr ändern wird, weil er sich immer im Recht sieht und auch schnell aggressiv wird. Als er bei der Arbeit war, habe ich kurzerhand seine Sachen gepackt und das Schloß ausgetauscht. Ich habe ihm auch Hoteladressen ausgedruckt und Geld dazugelegt.

      Erst hat er versucht, trotzdem in die Wohnung zu kommen. Dann hat er es auf die freundliche Tour versucht, dann hat er mir mit der Polizei gedroht. Er war sich so sicher, dass ich ihn wieder reinlasse, dass er vor einer Stunde immer noch auf dem Hof stand. Jetzt habe ich Angst, dass er ausrastet. Dass ich das Schloß ausgetauscht habe, kann er ja „beweisen“, die Handgreiflichkeiten kann ich nicht beweisen. Er ist sowieso der Ansicht, dass ich Schuld bin, weil ich ihn provoziert habe. Ich weiß, dass er unseren Sohn mit reinziehen wird, und unser Sohn hängt an ihm. Ich habe Angst vor morgen und das Gefühl, dass sich der heutige Tag schrecklich rächen wird :-(

      Wie soll ich so kurz vor der Geburt aus der Wohnung rauskommen? Oder soll ich ihn wieder reinlassen, alles noch ein paar Monate ertragen und dann versuchen, zu gehen? Ich hatte mich so auf die Elternzeit gefreut, aber in den letzten Monaten ist hier alles den Bach runter gegangen...

      Viele Grüße

      • Guten Morgen
        Wer kann dich vor Ort unterstützen? Sind Eltern oder gute Freunde in der Nähe?

        Und: lass dich weiterhin nicht einschüchtern. Es ist eindeutig, dass du die Beziehung nicht mehr möchtest und dass ihr, wenn der große Schreck bisschen abgeklungen ist, neue Wege finden werdet, dass er weiterhin der liebevolle Vater sein kann, oder ?
        Lg

        • (3) 05.07.17 - 07:03
          Angst vor Freund

          Guten Morgen,

          habe nicht besonders viel geschlafen... Ich habe nicht vor, ihm bzgl. der Kinder etwas zu diktieren oder sie fernzuhalten, falls Du das meinst. Eltern und Freunde sind schwierig, Bekannte und Verwandte trifft es eher. Bei letzteren war mein Freund gestern selbst, seine eigenen Verwandten wohnen weiter weg. Ich schätze mal, dass das ganze "Theater" eher missbilligt wird, weshalb ich ungern um Hilfe bitte. Schon allein wegen der Geburt und der Betreuung sind sie aber in den nächsten Wochen involviert.

          Viele Grüße

          • Ich würde nicht " schätzen", sondern im Dialog bleiben. Wenn die Bekannten nicht dumm sind, wissen die, dass es immer zwei Seiten einer Geschichte gibt.
            Wenn sich dann herausstellen sollte, dass sie Partei ergreifen und dich komplett ablehnen, dann kannst du dich immer noch neu sortieren.

            Der drastische Schritt kann eine Chance sein, damit der Freund aufwacht. Und Gewalt in der Beziehung geht gar nicht. Das ist kein Theater. Steh zu deinem Schritt und mach dich selbst nicht klein und mach es nicht als Theater ab

          • (5) 05.07.17 - 07:38

            Hallo

            Wenn du mal häusliche Gewalt googelst, wirst du schnell fündig. Sie ist oft auch psychisch und muss nicht immer physisch sein.

            Meiner Meinung nach hast du genau richtig gehandelt. Du hast ihn vorher drauf hingewiesen was dich stört und dass du dich trennen möchtest. Er hatte also Zeit zu reagieren. Jetzt muss er mit den Konsequenzen leben.

            Ich weiß leider nur nicht wie die rechtliche Situation aussieht. Versuche die bitte ganz schnell bei den Organisationen pro familia etc. Zu erkunden welche Möglichkeiten du hast.

            Dein Freund wird dich wegen der Kinder etc. Noch ganz schön Unterdruck setzten. Versuch stark zu bleiben und dir ein gutes Netzwerk aufzubauen mit Menschen die dir helfen.

            Ich hab die selbe Erfahrung gemacht wie du, nur waren keine Kinder im Spiel sondern Haustiere. Jetzt 4 Jahre nach dem ich das beendet habe, ist es Rückblickend sehr krass zu sehen zu welcher Person mein Ex mich gemacht und wie er es geschafft hat mich jedes Mal einzulullen.

            Deswegen wünsche ich dir ganz ganz viel Kraft und alles gute für dich und deine Kinder.

            Das ist ein etwas sperriges Wort, aber in dem Zusammenhang ist Deutungshoheit enorm wichtig. Deshalb solltest Du offensiv mit der Situation umgehen, und Dich nicht zu Hause verkriechen, Dich für das Scheitern der Beziehung/der Familie kasteien.

            Wenn Dein Ex allen in Eurem Umfeld zuerst seine Version der Geschichte erzählt, sich als Opfer darstellt, dann könnte es schwierig für Dich werden, die Unterstützung zu bekommen, die Du sehr bald dringend benötigen wirst.

            In dem Zusammenhang wäre es auch hilfreich gewesen, die häusliche Gewalt aktenkundig zu machen, und nicht selbst aktiv zu werden. je nachdem, wer im Mietvertrag steht, könnte das Austauschen des Schlosses nämlich ungünstig gewesen sein. Aber das ist ja nun alles schon gelaufen.

            Alles in allem erscheint es, dass Du (immer noch) zu sehr auf Harmonie bedacht bist. Deinen Wunsch, Dich zu trennen, hat er ignoriert. Aber eine Trennung muss ja nicht vom Partner "durchgewunken" werden, wenn für Dich die Beziehung als Paar beendet ist, dann teilst Du ihm das mit, und dann ist das so. Dann seid Ihr weiterhin Eltern, aber eben kein Paar mehr. Passiert tausenden von Menschen.

            Also, kurz zusammengefasst: Such Dir Hilfe, ob nun professionelle von Organisationen, die Geschädigten häuslicher Gewalt helfen, oder eben aus Deinem Umfeld. Aber vor allem: Rede! Erzähl Bekannten und Freunden, wie es ablief. Dass er kein Partner war, sondern nur schmarotzt hat. Dass er Dich körperlich angegangen ist. Dass er gelogen hat. Dass Du schon seit geraumer Zeit alleinerziehend bist, weil er sich seiner Verantwortung für seine Familie komplett entzogen hat, und dass Du diese Belastung einfach nicht mehr ausgehalten hast. Dass Du ihm viele Chancen gegeben hast, die er alle ungenutzt hat verstreichen lassen.

            Es ist erstmal unangenehm, sich so zu entblößen. Aber vielleicht erlebst Du auch, dass es Dich entlastet. Und vor allem kennt dann Euer Umfeld nicht nur seine version, in der Du bestimmt die hysterische Zicke bist, die ihn grundlos rausgeschmissen und von seinem Kind getrennt hat.

            • Hab grad nochmal nachgelesen: Also die häusliche Gewalt kannst Du natürlich auch im Nachhinein anzeigen. Natürlich ist es immer schwieriger, Ermittlungen zu führen, wenn es weder Sachbeweis noch Personalbeweis gibt, aber wenn nicht grad die Nachbarn die Polizei anrufen, weil der Streit so lautstark ist (und auch die sehen ja nicht, sondern hören nur), dann ist häusliche Gewalt eben in der Regel ohne Zeugen. Also nur Mut! In der Regel gibt es speziell geschulte Sachbearbeiterinnen (keine Diskriminierung von Männern, aber aus guten Gründen sind das tatsächlich meist Beamtinnen), die sich in dem Deliktsfeld gut auskennen und auch Kontakte zu Hilfsorganisationen vermitteln können. Wenn Du eine Anzeige machen möchtest, rufst Du am besten beim zuständigen Revier an und bittest um einen Termin bei der zuständigen Sachbearbeiterin.

              Allzulange Zeit solltest Du nicht verstreichen lassen, denn auch wenn das ein traumatisches Erlebnis war, wird Deine Erinnerung verblassen.

      Hallo!

      Bitte zeig deinen Freund trotzdem an, auch wenn es nichts zu beweisen gibt. Sicherheitshalber. Außerdem Protokoll führen, wenn er wieder die Wohnung belagert oder austickt.

      Rede mit dem Vermieter, sag ihm, was sache ist, und wer die Miete zahlt. Vielleicht kannst du die Wohnung dann alleine behalten, es muss aber ein neuer Mietvertrag geschlossen werden.

      Denk bitte an alle Verträge, die auf den einen oder anderen laufen, und geh zur Bank, falls er eine Vollmacht für dein Konto hat oder deine Kreditkartennummer kennt. auch Paypal-Passwort, Amazon-Passwort etc. ändern. Er kann sonst damit eine Menge Mist machen, nur um sich zu rächen.

      Und nein, du solltest ihn besser nicht mehr rein lassen, er findet wesentlich leichter irgendwo unterschlupf als du mit Kind.

      Hallo,

      du könntest zumindest zur Polizei gehen und dich beraten lassen, das habe ich auch damals getan, du musst nicht gleich Anzeige erstatten.

      Wenn du nach so einem Gewaltausbruch nämlich gleich die Polizei rufst, bekommt er ein Betretungsverbot für 10 Tage.

      Ich glaube, als Hochschwangere mit Kleinkind glauben sie dir das schon.

      Wie es mit der Wohnung ist, hängt davon ab, wer sie gemietet hat. Wenn es deine ist, passt ja alles, ihr seid ja nicht verheiratet.

      Ich würde es allerdings auf jeden Fall trotzdem so lassen, wie es ist, in deiner Situation und es auf Stress ankommen lassen. Viel schlimmer kann es ja nicht kommen!

      Frag ihn gleich nach seiner neuen Adresse für die Unterhaltsforderungen vom Jugendamt für die Kinder.

      Als ich mich von meinem Ex getrennt habe, habe ich wegen dem Kind niemand von den wahren Trennungsgründen erzählt und meine Freunde haben sich auf seine Seite geschlagen.

      Das würde ich heute anders machen und in deinem Fall ist das besonders wichtig. Oder sind Bekannte und Verwandte auch solche Looser wie er?

      Du hast das Richtige getan, du musst dich als Mutter um deine Kinder kümmern!

      Alles Gute!

      Bleib hart und lass ihn nicht mehr rein. Wenn er mit der Polizei droht, dann ruf du die Polizei und sage er war gewalttätig.

      Das hast du gut gemacht. Bleib unbedingt dabei und lass dich nicht beeindrucken. Nein, lass ihn nie wieder in die Wohnung, schon gar nicht, wenn du allein bist. Wer hat die Wohnung gemietet? Wenn ihr beide im Mietvertrag steht, würde ich die Polizei anfragen, wie du am besten vorgehen solltest.

      Freunde und Verwandte würde ich grob informieren, ansonsten bist auf einmal du die Böse, die den armen Jungen einfach rausgeschmissen hat.

      Alles Gute thyme

      (12) 05.07.17 - 08:10

      Guten Morgen nochmal,

      ich danke Euch für die vielen hilfreichen Antworten, das macht mir wirklich Mut! Leider stehen wir beide im Mietvertrag, ich zahle Miete und Nebenkosten aber allein (er zahlt monatlich nach seinem Gutdünken, aber niemals die Hälfte). Ich dachte mir schon, dass das mit dem Schloß nicht die schlauste Lösung war, darum mein schlechtes Gefühl gestern. Wahrscheinlich wird er aber auch nicht zustimmen, den Vertrag zu ändern, dann hätte er ja noch weniger Einfluss auf mich.

      Es stimmt, dass ich (zu) sehr auf Harmonie bedacht bin, was mein Ex immer zu nutzen wusste. Die Polizei wollte ich immer nur sehr ungern einschalten, schon allein wegen unseres Sohnes und weil ich meinem Freund seine (berufliche) Zukunft nicht verbauen wollte, aber vielleicht geht es nicht anders.

      Viele Grüße

      • Umso wichtiger ist es, dass Du schnell handelst! Dein Ex ist Vertragspartner, ob er nun zahlt oder nicht, Du hast ihm mit der Schlossgeschichte den Zugang zu seiner Wohnung verbaut. Selbst wen Du jetzt die Wohnung kündigt, er aber nicht, musst Du ggf. für die Mietschulden aufkommen, die weiter auflaufen werden, bis er aus der Wohnung geklagt ist. Lass Dich da bitte beraten!

        Er hat dich bedroht und Gewalt angewendet! Wie schon jemand gesagt hat: Am besten, du lässt dich beraten, entweder in einem Frauenhaus, Frauennotrufzentrale oder direkt bei der Polizei.

        Die können dir auch sagen, wie das ganze rechtlich aussieht und welche Möglichkeiten du hast.

        lg thyme

    (15) 05.07.17 - 10:33
    Fühl dich gedrückt

    Bitte bitte geh zur polizei und zeig ihn an!! Nein du musst ihn nicht wieder reinlassen. Such dir einen Anwalt, vertrau ihm euren Sohn erstmal nicht an. Such eine Beratungsstelle auf. Ganz sicher musst du diesen Zustand nicht weitere Monate ertragen. Was er aus seinem Leben macht, ist dann sein Problem. Hält er sich beim Umgang nicht an Vereinbarungen, kürzt du ihm den Umgang oder streichst ihn ganz. Das Kindeswohl steht an erster Stelle.

    Sei stark für deine Kinder und setz dich durch. Wenn ihn das stört, soll er dich erstmal anzeigen und ob er recht bekommt ist bei dem Verhalten doch mehr als fraglich.

    Du bist finanziell unabhängig. Das ist ein dickes Plus.

    Er hat dir sein wahres Gesicht gezeigt. Auf so jemanden kannst du verzichten!

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