Wer hat seine Kinder mit 18 oder 19 “ raus geschmissen“

Hallo,
Es ist provokant formuliert,daher möchte ich es hier nochmal präzisieren, was ich meine.
Ich spreche mit meiner Tochter gerade über die Zeit nach der Schule, sie wird nächsten Sommer ihr Abi haben und will dann 1 Jahr ins Ausland.
Über das danach haben wir uns auch unterhalten und sie sagte, dass sie dann studieren will, womöglich auch im Ausland, so dass sie wahrscheinlich mit 18 endgültig ausziehen wird.
Ich bin darüber sehr erleichtert, denn ich hätte ihr auch so nahe gelegt auszuziehen, ich hab die Kinder gern hier gehabt, möchte aber endlich das Kapitel abschließen und wieder für mich sein, das Haus für mich haben, wieder “ungestört“sein.
Mit meiner jüngeren Tochter kam das Gespräch jetzt auch auf und ich hab ihr sie gesagt, dass sie bleiben kann, ich es aber lieber sehen würde wenn sie nach abgeschlossener Ausbildung ebenfalls auszieht.
Einige Freunde waren entsetzt, dass ich das so klar sage.
Aber, es heißt ja nicht, dass ich die Kinder schlecht behandeln will, ich habe lediglich meine Vorstellungen und Wünsche klar geäußert, darf man das als Mutter nicht?
Ich finde die Vorstellung halt nicht besonders verlockend dass die Kinder mit 25 immer noch hier sind.
Und wer zum Studium nicht auszieht, tut es auch oft nicht, wenn das Studium abgeschlossen ist, denn zu Hause ist es ja bequem und man spart das Geld für Miete und Lebensunterhalt.
So sehe ich es zumindest immer häufiger im Freundeskreis und ich finde das nicht ok und möchte das nicht.

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Früh auf eigenen Beinen zu stehen ist super.
Ich habe erst Abi gemacht und danach eine Lehre. Fertigt war ich mit knapp 22.
Dann habe ich tatsächlich noch 2jahre zuhause gewohnt.
Mit einer Art "Miete" und mehr unterwegs als zuhause.
Ich war sehr eigenständig, hab mein Leben super geregelt bekommen. Meine Eltern hatten genug Zeit für sich und waren aber dann sogar traurig als ich in meine erste Wohnung zog. Von meinem eigenem Geld.

Wenn sie mir gesagt hätten, dass ich versuchen sollte auszuziehen sobald ich 18/19 gewesen wäre, hätte ich das auch getan. Aber für mich hätte das etwas von: "Puh, gottseidank darf ich die jetzt rauswerfen. Keine Lust mehr auf das Mädel ".
Mein Verhältnis zu meinen Eltern wäre bestimmt nicht so toll wie es jetzt ist.

Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Nur weil man mit Anfang 20 noch zuhause wohnt, ist man doch kein unselbständiger Schmarotzer der nicht im Leben klar kommen wird? Verstehe ich nicht so eine Aussage.

Alleine die Tatsache, dass man jemanden, (wenn auch freundlich) die Tür zeigt, finde ich in diesem Alter fragwürdig.
Ausziehen ist meiner Meinung nach nicht eine Frage des Alters, sondern der Lebensumstände.
Mein Schwager "durfte" wie selbstverständlich mit 24 wieder in sein altes Zimmer ziehen, weil einiges schief gegangen war und er wieder neu Fuß fassen musste.
Das waren 6 monate, die ihm unglaublich viel geholfen haben.
Und das nicht nur im materiellen Sinne. (Er hat sich auch an den Kosten beteiligt).
Sondern vor allem die seelische Unterstützung war ihm eine große Hilfe.
Man hätte jetzt auch sagen können, dass er alt genug ist auf eigenen Füßen zu stehen.
Ist er auch. Keine Frage.
Aber was spricht gegen elterliche Unterstützung, wenn es machbar Ist?

(Klar gibt es Ausnahmen, die die Eltern evtl. Ausnutzen und "nie wieder" ausziehen. Aber ich glaube um diese speziellen Fälle geht es hier nicht)

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Meine Mutter hat auch immer klar kommuniziert, dass Sie uns mit spätestens 25 rausschmeißt. Soweit kam es nicht, denn wir sind ja selbst - wie du schon sagst - nach abgeschlossener Ausbildung oder für die Ausbildung/Studium um- und ausgezogen.
Ich werde das bei meinen Kindern auch genauso kommunizieren. Wenn man in der gleichen Stadt studiert, wie das Elternhaus ist, ist es finanziell natürlich Quatsch ne eigene Wohnungstür nehmen, die dann meistens ja eh die Eltern mitfinanzieren müssen. Also da würde ich es nicht so eng sehen. Aber ich werde schon auch hinterher sein, dass sich ein Job gesucht wird und das Leben selbst gemeistert wird. So wie wir es als Geschwister auch machen mussten/müssen. Das stärkt einen fürs Leben und man lernt einfach auf eigenen Beinen zu stehen. Diese verhätschelten Kinder, die mit 25 noch zuhause ausgehalten werden, weil sie ihr Leben nicht gebacken bekommen, haben’s auch im Beruf später bzw. allgemein nicht leicht. Also man tut den Kindern als Eltern damit keinen Gefallen.

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Meine Kinder ziehen aus, wenn sie auf eigenen Beinen stehen. Punkt.

Ob das nun mit 18, 20 oder erst mit 25 so sein wird, ist mir herzlich egal.

Es sind meine Kinder. Sie stören mich jetzt nicht ( trotz Studium und viel Lernzeit die ich benötige ) und werden mich auch in Zukunft nicht stören.

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Meine Eltern haben ganz klar gesagt, dass wir so lange bleiben dürfen, wie wir möchten. Sie hätten uns nie rausgeschmissen. Sie haben uns aber auch ein positives Bild davon vermittelt, wie es ist, die Welt zu erkunden, sodass wir alle nach dem Abi zum Studium freiwillig ausgezogen sind. Halt mit dem Wissen im Hinterkopf, dass wir, wenn alle Stricke reißen, jederzeit im Elternhaus einen sicheren Hafen finden.

Tatsächlich musste ich mit Ende 20 davon noch mal Gebrauch machen - viel Stress und Chaos, hektischer Umzug über 250 km, keine Bleibe, kein Geld, kein Anspruch auf Sozialleistungen. Ich war sehr froh, dass ich bei meiner Mutter unterschlüpfen konnte, bis ich mein Leben wieder sortiert und auf Linie hatte. Das war auch auf der emotionalen Ebene extrem wertvoll und unterstützend.

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Hallo,

ich kann nur umgekehrt berichten. Bei uns war immer klar: nach dem Abitur zieht ihr aus. Auch gar nicht böse, eher so nach dem Motto "alles hat seine Zeit". Wir alle fanden diese "ewigen Elternhocker" immer ganz furchtbar.

Mein Bruder ist geblieben bis nach dem Zivildienst, ich noch das erste halbe Jahr meiner Ausbildung. Dann war es Zeit zu gehen. Ich finde das vollkommen ok.

Wir haben sogar beide eine Waschmaschine geschenkt bekommen, damit wir nicht zum waschen nach Hause kommen :-p (sonst sind wir natürlich immer herzlich willkommen).

Lg

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Meine Tochter ist 11. Je nachdem ob sie zum lernen bzw studieren weg geht entscheide ich das dann. Vielleicht will sie aber auch irgendwann zu ihrem Vater ziehen... Von daher ist das noch Zukunftsmusik.
Ich bin selbst mit 18 ausgezogen. Das war die beste Entscheidung für mich.
Kenne auch Leute die mit 30 noch bei Mutti wohnen...kann ich nicht verstehen...

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Ich bin mit fast 19 während ich im 1. Ausbildungsjahr war ausgezogen. Freiwillig. Meine beste Freundin wurde quasi von ihrem Vater vor vollendete Tatsachen und somit vor die Tür gesetzt und ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mit ihr zusamnen zu ziehen. Da keine von uns beiden eine Wohnung allein hätte finanzieren können. Also zogen wir mit fast 19 zu hause aus. Wir waren beide in der Ausbildung. War cool! Wir wollten beide nicht wieder zurück. Einmal raus ist raus und man lernt die Vorzüge des allein Lebens kennen. Wir waren im Freundeskreis die ersten, die eine eigene Wohnung hatten. Mit 18/19 hatte man die Wahl: eigene Wohnung oder eigenes Auto. Beides konnte man sich in der Ausbildung ja nicht leisten. Da wir von Dorf kamen, hatten die meisten unserer Freunde sich für ein eigenes Auto entschieden. Wir hatten natürlich keins. Aber brauchten es auch nicht, da wir in eine Kleinstadt mit guten Anbindungen zogen. Also ich finde, ich habe damals alles richtig gemacht und würde es jedem empfehlen. Mit 19 ausziehen und für dich selbst verantwortlich sein ist einfach fantastisch.

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Hallo,
Ich bin aktuell mit meinen beiden Kleinen 500km weg gezogen und habe meinen Erwachsenen in Berlin gelassen.
Ohne schlechtes Gewissen, es geht uns allen gut damit.
floe

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Ich finde, es kommt ganz stark auf die Umstände an.
Ich habe mit 19 meine Ausbildung angefangen, die nicht finanziert wurde (Erzieher müssen sogar noch Wohngeld zahlen:p). Selbst mit meinem Nebenjob war ein Auszug nicht möglich, da die Kosten für eine Wohnung in Berlin zu immens waren, staatliche Hilfe nicht bewilligt wurde etc.
Ich hätte es finanziell also nicht geschafft.
Ich zog in der Ausbildung noch inoffiziell zu meinem damaligen Partner, aber das war zwei Monate vor Beendigung der Ausbildung und daher zählt das wohl nicht :p.

Raus war ich dann mit 22. Anpacken in Haushalt, eine gewisse Abgabe von meinem Nebenjob waren jedoch für mich selbstverständlich

Mittlerweile wohne ich übrigens wieder im Elternhaus :p. Meine Eltern haben damals den Dachboden zu einer eigenen Wohnung (2 1/2 Zimmer) ausgebaut. Ich zog mit meinem Partner hier ein, um ihnen finanziell und vor allem auch in anderen Dingen zu helfen.

Jeder hat eine eigene Wohnung, alle wohnen aber unter einem Dach. Gerade bei meinem kranken Vater ein Segen :).
Denn falls was passiert, würden mein Partner oder ich definitiv ein Hilferuf hören !

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Hallo
Das kann man doch so überhaupt nicht sagen. Jemand der ü18/ü20 daheim wohnt muss nicht auf der faulen Haut liegen und von Mami betüttelt werden, genau so wie jemand der gleich mit 18 auszieht nicht automatisch ganz toll auf eigenen Beinen steht.
Von „auf eigenen Beinen stehen“ hat wohl ohnehin jeder seine eigene Definition. Ich kenne junge Erwachsene die kein Verständnis für andere haben die daheim wohnen. Schaut man bei denen die große Reden schwingen und andere verurteilen näher hin... Naja. Alles in den Allerwertesten geschoben bekommen und alles und mehr voll finanziert bekommen, 99% auswärts essen gehen, Wäsche mit heim nehmen,... Aber Hauptsache „also ich habe natürlich meine eigene Wohnung“.
Ich sehe es nicht so dass ich mit dem 18 Geburtstag von allem befreit bin und meinen Job getan habe. Meine Kinder dürfen, insofern sie das wollen, während Ausbildung/Studium gerne daheim wohnen. Auch danach würde ich sie nicht sofort mit dem Abschluss dessen raus werfen.
Jedoch ziehe ich meine Kinder schon u18 in Verantwortung etwas zu unserem Leben beizutragen. Je älter sie werden, desto mehr Verantwortung können und werden sie hier bekommen. Ein Azubi/Student wird also genau so wie wir Eltern mal dran sein mit Bad putzen, einkaufen,...
Auch zum Geld sparen hat wohl jeder seine Ansicht, gerade wenn wir von Studium/Ausbildung in der Heimat reden. Ob das Kind jetzt daheim bleibt und man so finanziell mehr oder weniger das gleiche „investiert“ und Kind die Möglichkeit gibt SELBST schon etwas anzusparen für sein Leben, oder dem Kind auswärts den Mindestsatz oder mehr zahlt... Gerade hier liest man ja oft von Familien die größeren Summen ansparen und dann schenken. Irgendwie ist es für mich komisch würde man gleichzeitig sagen nach dem 18 Geburtstag muss es raus.
Generell kann ich diese Angst vor einem Unfähigen Kind nicht ganz nachvollziehen. Da denke ich mir wie läuft es in solchen Familien denn im Alltag???

LG

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Mhm... ich habe auch bis 25 zu Hause gewohnt und mit meinem ersten Job mir ne Wohnung gesucht.
Ich sehe es also nicht so, dass man auf ewig dann im Hotel Mama hockt und mir wurde da auch wirklich nicht alles hinterher getragen.
Aber ich gebe zu: es wurde dann auch Zeit, was aber für mich nicht bedeutet mit Volljährigkeit das Kind raus muss. Irgendwas dazwischen finde ich gut, aber je nach Möglichkeiten.