Wohnen in der Nähe der Eltern

    • (1) 25.04.18 - 14:48

      Hallo zusammen,

      mein Freund und ich (beide Ü40) sind seit 2 Jahren zusammen. Seine Eltern wohnen in Ihrem eigenen Miethaus, mein Partner hat dort ebenfalls eine Wohnung. Man lebt also Tür an Tür. Vor einem Jahr bin ich zu ihm gezogen, obwohl ich nicht unbedingt viel davon halte, mit Schwieger(Eltern) so nahe zusammen zu wohnen. Mein Partner - ich nenne ihn Martin - ist ein Familienmensch und liebt seine Eltern sehr. Pro Tag wird mindestens einmal, meist öfter telefoniert, die Mutter bringt Kuchen, er geht rüber zu den Eltern. Es gibt einmal im Jahr eine gemeinsame Kurzreise. Der konservative Vater bearbeitet häufig das Grundstück, wobei er Martin regelmäßig einspannt, ihn dabei dominiert und Anweisungen erteilt wie einem kleinen Kind. Gartenabende mit der gesamten Familie sind nicht selten. Mein Partner liebt dieses Leben und erwartet, dass ich mich "in die Familie integriere". Mich befremdet dieses Innigkeit und empfinde eine nicht Losgelöstheit von der Ursprungsfamilie. Dazu kommt, dass es zwischen mir und der Familie doch eher wenige geistige Berührungspunkte gibt, sie mit mir nicht viel anfangen können und mich ihre Gesprächsthemen nicht interessieren.

      Mit gelegentlichen Kontakten kann ich mich arrangieren, aber hier wird das gesunde Maße an Nähe gesprengt, so sehe ich es für mich. Ich wollte eine Partnerschaft, nicht eine Partnerschaft mit Familie, die einen so bedeutenden Raum einnimmt.

      Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen/Schwierigkeiten erfahren oder möchte etwas dazu sagen? Ich freue mich

      Eva

      • > Ich wollte eine Partnerschaft, nicht eine Partnerschaft mit Familie, die einen so bedeutenden Raum einnimmt.<

        Das kann ich verstehen, es gibt Menschen die das stört. Aber wusstest Du das nicht, bevor Du zu ihm gezogen bist?

        Dein Partner liebt es wie es ist, Du bist so wie es ist zu ihm gezogen. Lösungen, damit niemand zu kurz kommt müsst ihr gemeinsam finden. Versteht er Dein Problem?

        Ich bin auch zu meinem Mann gezogen, mit enger Familienanbindung und vor allem Nachbarn, die sich alle lieben und auch spontan besuchen und mal im Garten des anderen spontan versacken - ich finde das toll. Irgendwie ist immer was los - im Winter erholt man sich dann voneinander.

        Lichtchen

        • Danke Dir, für Deine schnelle Nachricht!

          Ich wusste es schon, aber es zu erleben, ist noch mal das Andere. Und aus Liebe habe ich es gemacht, für ihn selbst war es unvorstellbar, mit mir eine eigene Wohnung zu beziehen.

          Nein, er versteht mein Problem nicht. Wirft mir "Familienfeindlichkeit" vor. Was so nicht stimmt, aber mit Familienanbindungen kann ich wirklich nicht viel anfangen. Was nicht heißt, dass ich ein gewisses Maß leben kann.

          Tja, wir haben kleinere Differenzen nicht ausgetragen, weggeschwiegen; wir hätten Lösungen finden können, hätten wir eher drüber geredet. Jetzt hat es vorgestern richtig geknallt und seitdem haben wir keinen Kontakt. Vielleicht es jetzt endgültig vorbei.

          • Oh Mist, das klingt nicht gut.

            Naja, das sind letztendlich verschiedene Lebensentwürfe. So wie ich wohne, eng mit den Nachbarn, jeder kennt jeden und weiß alles von ihm, wenn mal das Auto in der Einfahrt steht in der Woche wird schon gefragt, ob man krank ist, spontane Besuche etc. - ich kenne genug Leute die da die Krätze kriegen würden. Ich mag das, ich bin so aufgewachsen.

            Ihr seid letztendlich erst kurz zusammen und Du bist zu ihm gezogen, obwohl Du das schon nicht mochtest - und Riesenfehler in meinen Augen, ihr habt nicht geredet. Wie Du es sagst, man hätte vielleicht Lösungen finden können - aber früher.

            Vielleicht war es ja nur ein reinigendes Gewitter und ihr findet nochmal einen Weg?

            Könnte eine Lösung sein, dass er Dir mehr Rückzug und Ruhe gönnt und gewisse Dinge alleine mit den Eltern macht? Oder willst Du ihn dann auch für mehr "paarzeit" an deiner Seite haben, eigentlich?

            Wobei... aus manchen Dingen gibt es einfach keinen Ausweg, wenn der Garten zum Familienfestgarten spontan mutiert - biste eben mittendrn #gruebel

            Lichtchen

            • Zusammen sind wir zwei Jahre, davon 1 Jahr jetzt in seinem Elternhaus (jetzt bin ich erst mal wieder in meiner eigenen kl. Wohnung).

              In den letzten Tage hatten mich einige Dinge genervt, die ich aber geschluckt hatte; Dann vorgestern am Abend einer Geburtstagsfeier war ich schon entsprechend belastet und gereizt und man hat mir meine Laune wohl angemerkt. Im Auto kam dann der Knall zwischen uns: ein böses Wort ergab das andere. Ich bin dann zu mir; gestern haben wir uns kurz getroffen: Er will eine "Auszeit". Es habe ihn sehr getroffen und er muss sich grundsätzliche Gedanken machen. Das Gespräch dauerte nur ein paar Minuten. Er war nicht bereit, sich weiter auseinander zu setzen - und das nehme ich ihm übel. Er muss das mit sich allein ausmachen, meinte er. Ich finde das heftig, er blockt mich ab, will nicht reden, schickt mich weg zu einer "Auszeit", statt sich in Ruhe zusammen zu setzen.

              Wie siehst Du das? Ich habe ihm darauf hin gesagt, dass ich von einer Auszeit nichts halte, dann beende ich die Beziehung ganz. Seitdem ist Funkstille.

              Zu Deiner Frage bzgl. Lösungen: Rückzug für mich allein, ja, auf jeden Fall. Im gewissen Rahmen hat er mir den auch gegeben, wobei wir das ganz klar definieren sollten - bisher ist es "einfach so gelaufen". Paarzeit: Ich kann sagen, dass wir sehr, sehr viel Zeit zusammen hatten, er hatte sehr viel Zeit für mich und tat es gerne. So sind wenige Männer. Na ja, jetzt muss man sehen, ob es für uns noch eine Chance gibt.

              • Auch wenn es Dich in der Situation sehr getroffen hat - versuch es mal objektiv zu sehen. Ich finde es ok zu sagen, ich möchte eine Auszeit und Dinge bedenken. Manchmal ist es gut aus der Streit-Situation rauszugehen, mal durchzupusten, zur Ruhe zu kommen. Sich im Streit und Stress immer weiter auseinanderzusetzen bringt doch meist auch nix - nur dass ein Wort das andere ergibt und man gar nicht mehr sachlich diskutieren kann.

                Gleich von Dir aus zu reagieren, dass Du dann die Beziehung beendest - wäre für mich dann allerdings das Signal "es ist schluss".
                Mit sowas droht man nicht.

                Andererseits finde ich darf es in einer Beziehung auch mal knallen, ohne dass der eine eine Auszeit möchte und der andere gleich Schluss macht. Das klingt für mich insgesamt sehr wackelig - so vom Fundament her...

                Lichtchen

          (7) 26.04.18 - 11:08

          Ich habe jetzt nichts herausgelesen, dass die Schwiegerfamilie extrem übergriffig dir gegenüber wäre. Vermutlich ist es also einfach insgesamt die Häufigkeit und Intensität des Kontaktes der dir sauer aufstösst.

          Wenn du Familie am liebsten auf Distanz hast und am besten überhaupt nur 1x im Jahr zu Weihnachten sehen möchtest, ist das natürlich dein gutes Recht. Nicht jeder kann eben mit Familie, besonders wenn man selbst aus einer Familie kommt, in der es nicht viel Harmonie, Nähe oder Zuneigung gibt. Das dürfte vermutlich bei dir der Fall gewesen sein.

          ABER du hast dir einen absoluten Familienmensch geangelt, und möchtest ihn jetzt verändern, dahingehend dass er in dein Schema passt, wie Familienleben zu sein hat. Das ist weder fair von dir, noch dürfte das auf Dauer gut gehen.

          Ich selbst komme auch aus einer Familie, wo man sich am liebsten nur von Weitem gesehen hat, 1x im Jahr hat oft schon für das ganze Jahr gereicht. Mein Mann hingegen ist, wie dein Freund aus einer sehr harmonischen Familie mit intensivem Kontakt. Wir haben zwar nicht im selben Haus, sondern nur im selben Ort gewohnt. Aber solange seine Eltern gelebt haben, hatte er sie wirklich jeden Tag besucht. Warum? Weil er sie eben liebte und sich mit seinen Eltern immer gut verstanden hat.

          Nicht jeder will eben seinen Eltern einen Fusstritt geben, kaum das er erwachsen ist und sie nicht mehr braucht.
          Für mich kam es auch nie in Frage daran etwas zu ändern zu wollen (das hätte er ohnehin niemals akzeptiert und sich eher getrennt), denn genau DIESES Verhalten, diese Charaktereigenschaften haben ihn ja zu dem Mann gemacht in den ich mich verliebt habe.

          - ... Wirft mir "Familienfeindlichkeit" vor. ... -
          Naja stimmt doch irgendwie auch.
          Du willst dass er den innigen Kontakt zu seinen Eltern reduziert, am besten noch wegzieht, weil es nicht in DEIN Schema passt.
          Was verstehst du denn mit "einem gewissen Maß kann ich damit leben"? Ich finde diesen Ausdruck absolut gruselig. Willst du ihm Stunden zuteilen, wie einem Teenager PC Zeit? Und wenn er die Zeit, die du zumutbar findest überschritten hat, was dann? Gibts wieder Diskussionen und Stress? #zitter

          - ...Vielleicht es jetzt endgültig vorbei. ... -
          Vermutlich in dieser Konstellation besser so.

    Hallo!

    Wir leben mit meiner Mama im gleichen Haus, sehen uns jeden Tag, telefonieren auch manchmal zusätzlich und fahren zwei mal im Jahr gemeinsam auf Urlaub.

    Wenn mein Mann das nicht ebenso gern machen würde wie ich, würde das hier definitiv nicht funktionieren. Dann müsste man sich überlegen, woanders hinzuziehen.. was in unserem Fall reichlich bescheuert wäre, da wir hier gratis in Traumlage leben.

    Aber bei euch ist es doch eigentlich easy, ihr habt keine gemeinsamen Kinder, oder? Da kann er bei seinen Eltern bleiben und du suchst dir eine süße kleine Wohnung.

    LG Claudi

    • Hallo Claudi,

      nein, wir haben keine Kinder. Ich habe noch eine kl. Wohnung - die hatte ich nicht aufgegeben. Aber ob das eine Option auf Dauer wäre... eigentlich möchte ich lieber mit ihm zusammen leben.

      Lg, Eva

(11) 25.04.18 - 16:39

Ich befürchte auf Dauer kann es nicht funktionieren.
Er fühlt sich mit dieser Situation wohl, du nicht.
Er kann sich nicht in deine Lage hineinversetzen, dich verstehen.
Wie wäre es, wenn ihr wieder separat wohnt?

Viele Grüße

  • (12) 25.04.18 - 17:20

    Ja, das hatte ich mir auch überlegt, zumindest eine Zeit lang, wenn wir uns wieder annähern, wenn es die Chance denn noch gibt. Nur auf Dauer kann ich mir das nicht vorstellen, denke ich, ich lebe mit meinem Partner lieber zusammen.

    Lg, Eva

Ein Wort: Ausziehen. Seiner Auffassung nach bringst du dich zuwenig ein, du willst umgekehrt (was ich persönlich übrigens sehr gut verstehen kann) nicht unter der Tatsache, dass dein Freund unter der Fuchtel zu stehen scheint (wobei er das ja offenbar anders empfindet), leiden.

(14) 25.04.18 - 20:35

Was für ein tolles Familienleben!
Das wünschen sich viele, das es so im Einklang ist, stressfrei und womöglich steht einer für den anderen ein.

Du bist kein Familienmensch, dann lass es gleich, denn das gibt nur Stress.
Ich kenne einige Mehrgenerationshäuser, wo es prima klappt. Nicht jeder nimmt sich besonders wichtig, stellt sich als " besser dar..."

Wenn es nicht dein Ding ist, sag es klar und deutlich. Du kannst dir eine eigene Wohnung nehemen aber ehrlich, er wird seine Familie nicht wegen Dir vernachlässigen.

lg
lisa

(15) 26.04.18 - 07:16

Man kann niemanden zu etwas machen, was er nicht ist. Und ich vermute stark, Du bist nicht die richtige Frau für ihn bzw. er ist nicht der Partner, der Dich auf Dauer glücklich macht.

Getrenntes Wohnen wäre hier die Lösung und ein paar Schritte aufeinander zu. D.h. wenn er Zeit mit Dir verbringt, sollte er beispielsweise auch nicht für die Eltern telefonisch erreichbar sein. Da reichen auch zwei drei schriftliche Nachrichten hin und her. Umgekehrt braucht er Zeit mit seinen Eltern, dabei spielt es auch keine Rolle, ob diese ihn dann herumkommandieren oder bemuttern. Scheint ihn ja nicht zu belasten und Du musst Dir das ja nicht ansehen. Weisst Du, was ich meine? Kompromisse.

Das Problem ist aber, getrenntes Wohnen kommt nicht in Frage, das schließt Du kategorisch aus. Und er möchte, wenn ich das richtig verstehe, eigentlich eine Partnerin haben, die sich vollständig in die Familie einfügt und mit den Gartenabenden glücklich ist, wie er. Das heißt, Euer beider Motto ist "ganz oder gar nicht" und an der Stelle hat es jetzt gekracht, weil das eben nicht funktionieren kann. Insofern würde ich es bei der Trennung belassen.

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