Ich sterbe....

    • (1) 01.07.18 - 12:12
      Hierkannichanonymsei

      Hallo,

      ich muss mir einfach mal was von der Seele reden. Ich weiß momentan nicht weiter.

      Angefangen hat alles mit 14 Jahren. Ich hab mich selbstverletzt und musste zum Kinderpsychiater. Darauf folgte eine nicht enden wollende Krankenhauskarriere. Klapse, Psychosomatische usw. Mit Mitte 20 ging es mir endlich gut. Bis mein Vater starb. Wir haben ihn in den Tod gepflegt. Das hab ich nie verkraftet. Nach langem Kiwu wurde ich letztes Jahr in der Bachelorphase schwanger. Ein Abgang. Auch das hab ich nach ca. 10 Jahren Kiwu nicht verkraften können. Im Januar hatte ich dann einen Suizidversuch. Wurde mit Blaulicht erst in die Unfallambulanz, dann in die Geschlossene gebracht. :-(

      Ich versuche es. Bin momentan beim Sozialpsychatrischen Dienst. Nehme 2 verschiedene Antidepressiva..... es gilt nicht. Ich habe das Gefühl, ich sterbe gerade. Und ich will leben. Aber meine Gefühle bringen mich um. Ich weiß nach 22 Jahren Krankengeschichte nicht mehr, was ich noch tun soll.
      Ich fühle mich austherapiert und hoffnungslos.... :-(((

      • Geht es Dir denn besser, wenn Du in der Klinik bist? Fühlst Du Dich dort sicherer, besser betreut und könnte man nochmal versuchen, die Medikamente nochmal anzupassen, wenn sie nicht wirken?

        Eine Freundin von mir wurde auch lange auf bipolare Störung behandelt und man wunderte sich, dass so gar nichts richtig anschlug. Bis heraus kam, dass sie eigentlich ADHS hat. Manchmal dauert es leider wirklich lange, bis man auf der richtigen Spur ist. Ich würde Dir raten, es nochmal zu versuchen!

        • (3) 01.07.18 - 20:36
          Hierkannichanonymsei

          Danke für deine Nachricht. Ich kann das gar nicht richtig beantworten. Ja, in einer Klinik fühle ich mich oft besser. Nur ist das ja nicht das "echte"Leben. Und es hat immer den faden Beigeschmack des Versagens. Ich möchte mein Leben gerne hinkriegen. Alleine aushalten. Und mich zusammen reißen. Aber dann kommen wieder solche Tage, an denen ich nicht mehr weiter weiß.
          Ich bin Borderlinerin. Meine Gefühle machen mich halt manchmal einfach fertig. Und es ist so kräftezehrend, immer zu kämpfen.

          Lg

      Hallo,



      du hast eine sehr bewegte Vergangenheit. Eine Vergangenheit die sehr viel Kraft von dir gefordert hat. Du schriebst du warst in der " Bachelorphase ". Trotz aller Umstände hast du es geschafft diese Phase zu erreichen. Das zeigt das du ein sehr starker Mensch bist. Ich vermute du wirst jetzt denken was schreibt der für Müll. Ich und stark, nein klein und schwach. Ich meine es aber wirklich so wie ich geschrieben habe. Ich denke bei vielen hätte nur ein einzelnes Erlebnis von denen die du hattest gereicht um sie aus der Bahn zu werfen.

      Ganz ganz wichtig finde ich deine Aussage: " Ich will leben". Das zeigt mir das du dein Leben nicht aufgeben möchtest. Ich kann dich auch verstehen wenn du schreibst : " Aber meine Gefühle bringen mich um."

      Vielleicht hilft es dir über deine Gefühle zu reden oder zu schreiben. Ich weiß, das ändert nichts an den Erlebten, es kann aber auch entlastend sein alles von der Seele runter zu bekommen.


      Ich schicke dir ganz viel Kraft.

      blaue-Rose

      • (5) 01.07.18 - 20:38
        Hierkannichanonymsei

        Danke für deine sehr lieben Worte. Das tut gut. An solchen Tagen wie heute sehe ich das Positive gar nicht mehr. Da braucht man den Input manchmal von außen. Ich hatte heute noch ein Telefonat mit einer sehr lieben Freundin. Die hat mir meine positiven Eigenschaften vor Augen geführt. Dabei kamen mir gleich die Tränen. Ich verstehe nicht, warum ich für jeden Menschen Empathie entwickeln kann, nur bei mir selbst nicht. Ich bin mein größter Feind.

        Lg

        • So wie es dir geht geht es vielen. Viele die bestimmte Dinge ertragen mussten haben ein sehr großes Problem mit sich selbst. Sie können z.B. ihren eigenen Körper nicht annehmen. Fühlen sich schmutzig, minderwertig und wertlos.
          Erzählen Dritte ihnen eine Geschichte, die im Grunde genommen die eigene sein könnte, dann können sie alles richtig einordnen und auch sehr hilfreiche Ratschläge geben.
          Durch bestimmte Ereignisse haben einige ein sehr geringes Selbstwertgefühl und sehr wenig Selbstvertrauen. Außenstehende betrachten einen allerdings ganz anders. Sie sehen oft eine sehr starke Persönlichkeit.

          Versuch dich mit Augen Dritter zu betrachten und erkenne deine Leistungen und Erfolge an. Was für einen selbst als Kleinigkeit aussieht kann für andere ein sehr großer Erfolg sein.

          • (7) 01.07.18 - 21:06
            Hierkannichanonymsei

            Wow, damit beschreibst Du die Situation echt gut. Meine Freundin meinte heute, sie kennt niemanden der so stark ist wie ich. Da war ich erstmal total verdattert. Aber ja, ich versuche es.

            Lg

            • Weißt du was das schlimme an der ganzen Angelegenheit ist? Du kämpft mit Folgen die durch Ereignisse entstanden sind für die du nichts kannst.

              • (9) 01.07.18 - 21:18
                Hierkannichanonymsei

                Danke. Ich denke immer, ich reiß mich nur nicht genug zusammen. Und alles entlädt sich immer nach einer gewissen Phase des Funktionierens. Letztes Jahr ist irgendwie alles wie ein Kartenhaus zusammen geklappt. Ich werde bald keine Kinder mehr bekommen können. Meine Beraterin vom sozialpsychiatrischen Dienst meinte, ich soll mich mit diesem Gedanken anfreunden. Kann ich nicht. (Wobei ein Kind in der jetzigen Situation natürlich keine Option ist). Dann hat man bei mir eine Darmkrebsvorstufe entdeckt. (vom Vater vererbt)usw. Ich hab immer das Gefühl, es kommt immer noch was mit drauf. Und dann denke ich "Hör auf im Selbstmitleid zu zerfließen".

                Hach ja... irgendwie geht es weiter.

                • Ich weiß nicht ob " funktionieren" der richtige Weg. Nur zu funktionieren kostet ungeheuer viel Kraft.

                  Das was du im vorigen Jahr verarbeiten musstet ist nicht einfach, ich weiß auch nicht ob du es wirklich verarbeiten kannst.

                  So wie es aussieht kommt leider immer etwas Neues dazu was dich weiter herunter zieht.

                  Selbstmitleid ist verständlich, hilft es aber auf Dauer weiter?

                  • (11) 01.07.18 - 21:39
                    Hierkannichanonymsei

                    Nein, es hilft nicht weiter und ich danke dir fürs Kopfwaschen. Mir geht es jetzt auch ein Stück besser. Ich muss einfach mal die Karten auf den Tisch legen glaube ich. Und mein Leben wieder in die Hand nehmen. Die letzten Monate waren einfach nur depressiv. Aber ich weiß, dass es mir auch besser gehen kann. Und manchmal benötigt man die Sicht von außen. Dankeschön 😊

                    • Versuch aber bitte nicht alles mit dir selbst auszumachen. Rede über deine Sorgen und Probleme.

                      • (13) 01.07.18 - 21:43
                        Hierkannichanonymsei

                        Ja. Das sollte ich tun. Es ist nur immer ein Eingestehen von Schwäche. Oder Stärke?

                        Tatsächlich triffst Du es mit deinem Post vorhin auch gut. Ich hab mit 12 das erste mal suizudale Gedanken nieder geschrieben und erinnere mich nicht daran, mal anders gedacht zu haben. Habe mich schon als Kind ungeliebt gefühlt. Und Du hast Recht. Da liegt vielleicht die Wurzel allen Übels.

                        • Ich sehe es etwas anders. Sich jemanden anzuvertrauen, Hilfe anzunehmen und zu sagen ich schaffe es allein eventuell doch nicht hat in meinen Augen nichts mit Schwäche zu tun. Für mich zeugt es von sehr großer Stärke.

                          Ich vermute das deine suizidalen Gedanken mit deinen Erlebten zu tun haben. Vielleicht hast du gedacht, dann habe ich meine Ruhe und niemand kann mir mehr weh tun.

                          • (15) 01.07.18 - 22:10
                            Hierkannichanonymsei

                            Ja, es war immer eine Ausweichmöglichkeit zu einem für mich unerträglichen Zustandes. Lieber tot als das...
                            Momentan habe ich wirklich viel in mich hineingefressen. Ich werde auf jeden Fall das Gespräch mit meinem Freund suchen. Das steht seit ein paar Wochen eh aus.

                            Lg

                            Ich drücke dir für das Gespräch die Daumen und wünsche dir das dein Freund gut zuhören kann und auch weiß wie er dich auffangen kann.

                            (17) 01.07.18 - 22:12
                            Hierkannichanonymsei

                            Ich versuche halt immer, niemanden mit meinem Kram zu belasten. Aber gerade hab ich das Gefühl, dass macht es für andere nur schlimmer.

                            Ich weiß das oft das Gefühl da ist das man" mit deinem Kram" andere nicht belasten sollte. Aber aus der Sicht der anderen sieht es zum Teil ganz anders aus. Es ist nicht für jeden belastend wenn sich einem jemand anvertraut. Zum Teil warten vielleicht auch die anderen darauf das jemand über seinen eigenen Schatten springt und sich öffnet.

                            (19) 01.07.18 - 22:24
                            Hierkannichanonymsei

                            Ja. Das vermute ich ganz stark. Ich kenne das ja selbst von anderen. Ich höre lieber schlechte Nachrichten als gar keine. Und selbst bin ich nicht besser. Ich nehme mir das wirklich zu Herzen und werde mit meinem Freund reden. Ich hab heute eine Kopfwäsche gebraucht.

                            Lg

                            Es stimmt keine Nachrichten können belastender sein wie schlechte Nachrichten. Die Ungewissheit die dadurch aufkommt kann auch viel zerstören.

                            Wenn du möchtest kannst du mich auch jederzeit anschreiben.

                            LG

                            (21) 01.07.18 - 22:38
                            Hierkannichanonymsei

                            Dankeschön. Das ist sehr lieb von dir 😊 Vielleicht komme ich darauf zurück. Aber erst mal kläre ich alles "im echten Leben".

                            Lg

                    (22) 02.07.18 - 10:02

                    Der Tipp "lerne dich selbst zu lieben" ist sicherlich ein sehr guter, aber schwer umzusetzen, selbst für einen Menschen ohne so heftige Vorgeschichte wie deine. Ich würde wohl lernen einen Plan B zu entwickeln. zumindest hilft mir das sehr. z.b Thema Kinderwunsch. wir haben es auch lang probiert, Anfang inklusive und ich fing an mir einen "neuen" Plan zurecht zu legen. Kind klappt nicht, okay, was möchte ich sonst haben/erreichen...so lebe ich mein Leben mit mindestens 2 Möglichkeiten die ich mir zurecht lege, überdenke und darauf hinarbeite, klappt etwas nicht habe ich Plan B oder feile an Plan A nochmal herrum. Es führen mehrere Wege zum Ziel. Ich selbst bin nicht depressiv, noch habe ich sonstige Krankheiten und eine schöne Kindheit hatte ich auch...trotzdem Frage ich mich manchmal was sehen andere in mir? ich bin doch nix besonderes. Ein Stück weit sind diese Gedanken normal und nichts wofür man sich schämen muss aber irgendwie muss es weiter gehen den man lebt nur 1 mal, irgendwann ist man fertig und blickt zurück auf ein Leben voller...was? ich würde da gerne Glück einsetzen können und arbeite daran das ich diesen Satz auch so beenden kann.

(24) 01.07.18 - 13:00

Nicht schön.

Kann dir nur meine kleine und im Vergleich sehr kurze Erfahrung mitteilen. Vielleicht bringt es dir was.

Ca. 5 Wochen diverse hardcore Medikamente.

"Hilfe, die bringen mich hier um."
Ich kam mir "vergiftet" vor (derber Einfluss auf mein Wesen durch Medikamente) - kein paranoides, schizophrenes Denken einer tatsächlichen "Vergiftung" oder dass man es übel mit mir meinte. Die Medikamente stellten einiges mit mir an.

Hatte auch das Gefühl, dass ich auf den Todestripp geschickt wurde. Hatte teilweise auch den Eindruck sterben zu müssen, auch wenn ich leben wollte

Das alles ist nun einige Jahre her. Ich denke, es gibt einige Menschen, die eben ungewöhnlich auf Medikamente, Therapien etc. reagieren ..

Hört sich bescheuert an, aber dieser "Klick" muss (bei mir) von selbst kommen. Und von innen heraus.

Diese Erfahrung habe ich bei 2 "größeren" Geschichten im Leben gehabt: Ende einer jahrelangen Bulimie und nach einem Zusammenbruch. Alles von außen half nicht - bis eben auf einmal (nicht darauf "hingearbeitet") dieser "Klickmoment" da war.

Das ist nur eine einzelne, sehr unscharf gehaltene Erfahrung. Ohne Wertung, ohne dass man etwas für richtig oder falsch hält. Kein Kontra gegenüber Therapien oder Medikamenten. Sondern es soll dir vielleicht ein kleines bisschen Mut machen ... es kann gut werden und es gibt viele Wege dorthin.

  • (25) 01.07.18 - 20:42
    Hierkannichanonymsei

    Danke für deine Nachricht. Die Medikamente nehme ich noch nicht lange. Erst ein paar Wochen und nur, weil es mir vorher schon so schlecht ging. Mein Problem ist das alleine sein. Wenn ich bei meinem Partner bin, geht es mir Ansicht ganz ok. Aber sobald ich in meinen eigenen vier Wänden bin, drehe ich durch. Ich hatte am Freitag einen totalen Wutanfall. Hab hier meine Fensterbank kaputt gemacht. Der Tag danach mit der Scham ist Ansicht noch schlimmer als der Zustand ansich. :-( Hab es meinem Freund erzählt. Und schäme mich so schrecklich.
    Irgendwie muss ich das aushalten.

    Lg

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