Mangelnde Empathie in der Partnerschaft

    • (1) 26.08.18 - 15:30

      Das Männer gemeinhin nicht so empathisch sind wie Frauen habe ich schon häufig beobachten können und führe das auf die andere Erziehung zurück (Jungs bekommen sicher deutlich häufiger zu hören: Indianer kennt kein Schmerz). Ich habe aber, so mein Gefühl, ein besonders unempathisches Exemplar erwischt. Er gerät regelrecht in Panik, wenn er sich meinen Gefühlen widmen soll und verlässt lieber echauffiert den Raum als mich einfach mal nur in den Arm zu nehmen.

      Wenn ich krank bin, soll ich´s ignorieren ("Das geht vorbei"), wenn ich traurig bin, soll ich mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren ("Uns geht es doch gut"), wenn ich mir Gedanken um die Zukunft mache (z.B. neue zeitliche Organisation des Familienalltags nach Einschulung des Kindes) heißt es "Du bist zu verkopft, das regelt sich schon."

      Einerseits schätze ich dieses Stoisch-Pragmatische, dieses Verhaftet-Sein im Hier und Jetzt und weiß, dass ich es ein Stück weit auch brauche, damit ich nicht aus meiner emotionalen Achterbahn fliege.

      Andererseits quält es mich zunehmend. Über die Jahre hinweg habe ich im Grunde genommen aufgehört, mit ihm über das zu sprechen, was mich bewegt. Ich funktioniere halt und bespreche emotionale Themen mit anderen Menschen, was ich für gefährlich halte, weil da manchmal eine Art von Intimität entsteht, die ich eigentlich gerne mit meinem Mann hätte.
      Oft fühle ich mich auch abgewertet, weil mein Mann mir auch suggeriert, dass meine Emotionalität ein Zeichen von Schwäche ist.
      Irgendwie fühle ich mich manchmal ganz schön allein in unserer Beziehung.

      Dabei ist mein Mann sonst ein lieber Kerl, er kann halt nicht aus seiner Haut und meint es bestimmt gut mit mir. Wir führen auch sonst eine gute Beziehung, haben ähnliche Interessen, viele Sachthemen, über die wir stundenlang diskutieren können, teilen ähnliche Werte, haben einen ähnlichen Geschmack und ein tolles Kind.

      Das ist ganz viel und viel mehr als etliche andere Paare haben, denke ich.

      Und trotzdem leide ich manchmal wie ein Hund. Momentan z.B. geht es mir nicht so gut seit einigen Wochen, ich bin gesundheitlich angeschlagen und stehe aufgrund äußerer Umstände etwas unter Strom und ich bräuchte halt gerade dringend jemanden, der mich mal einfach nur in den Arm nimmt. Ich habe das sogar so artikuliert, aber ich kriege allenfalls einen Tee gekocht und dann geht mein Mann wieder auf Distanz, weil er meine Unpässlichkeit nicht erträgt.

      Ich verstehe das sogar: Niemand ist gerne in Gesellschaft von Trauerklößen und Jammerlappen. Aber ich kann halt gerade auch nicht aus meiner Haut und mache ja schon, was ich kann (Sport, Meditation, mich zusammenreißen) und mehr geht halt gerade nicht...

      Was ich mit diesem Post sagen will? Ich weiß es auch nicht. Vielleicht wollte ich einfach nur mal jammern, weil ich da sonst keinen Raum für habe.

      • Hallo

        <<<Vielleicht wollte ich einfach nur mal jammern, weil ich da sonst keinen Raum für habe. <<<

        Was ist mit deinen Freundinnen?
        Jammern kann man dort besser.Nicht wenige Männer sind überfordert mit den Emotionen der Partnerin.
        Wichtig wäre natürlich, wenn es wirklich nötig ist Trost und Anteilnahme zu zeigen.
        Mit jedem meiner Up and Downs behellige ich meinen Partner nicht.Dafür sind Freundinnen da.
        Wenn es einem von uns gesundheitlich nicht gut geht, zeigen wir immer Anteilnahme ,aber kein ununterbrochenes Gutschi Dutzi.
        Wichtig ist eher das Gefühl ,alles jederzeit ansprechen zu können, wenn man denn wollte.
        Ich versuche mein kopflastiges Nordlicht diesbezüglich nicht über zu strapazieren.
        Allerdings hat er immer offene Arme.#hicks
        Stell dir vor er wäre genauso emotional wie du.Will man auch nicht unbedingt.

        L.G.

        • Ich sehe das ja prinzipiell auch so wie du und habe auch Freunde, mit denen ich Themen, die ich mit meinem Mann nicht besprechen kann, berede.
          Nur gerade im Moment würde ich mir wünschen, dass mein Mann nicht immer gleich das Panik P in den Augen hat, nur weil ich gerade etwas neben der Spur bin.
          Wenn ich mich in 9 von 10 Fällen allein wieder auf die Reihe kriege, ihm zuliebe und weil ich der Meinung bin, dass Partnerschaft keine Selbsthilfegruppe ist, denke ich, er könnte dann hin und wieder auch einfach mal da sein, ohne sich anmerken zu lassen, dass ihm das eigentlich widerstrebt.

      Huhu...vermutlich liegt es an seiner Erziehung.
      Ich wurde auch so erzogen. Wenn ich krank war, hieß es „stell Dich nicht so an“....das gleiche wenn ich traurig war oder sonstwas.
      Meine Eltern konnten damit nicht umgehen und ich merke, dass ich bei meinem Mann auch oft so „kalt“ bin.
      Ich verurteile mich selbst dafür, jedoch kommt das bei mir immer automatisch. Bei unseren Kindern bin ich absolut anders - da bin ich seeeehr einfühlsam. Ich versteh mich da auch selbst nicht. Ändern konnte ich mein Verhalten auch bisher nicht. Diese Emotionen sitzen so tief denke ich.
      Leider war das nun keine Hilfe für Dich, aber Dein Mann meint es sicher nicht böse oder gegen Dich. Er kann mit der Situation sicher auch einfach nicht besser umgehen.
      Liebe Grüße und alles Gute.🍀

      (6) 26.08.18 - 16:40

      Hi du,

      von dem, was du da beschreibst, könnte man meinen, wir haben den selben Mann. Für meinen ist Empathie auch nen Fremdwort, er versteht nicht, wenn ich sage, ich bräuchte ihn einfach mal "da".

      Wir hatten vor ein paar Wochen auch ganz groß Stress deswegen. Mein Kind hat ne Diagnose bekommen (nichts lebensbedrohliches, aber durchaus lebensverändernd auf lange Sicht) und am nächsten Tag ist er weggefahren, während es mir schlecht ging und es mir unter den Nägeln gebrannt hat, über unsere Zukunft zu reden. Wir wohnen nicht zusammen, wollen das aber in nächster Zeit ändern und deswegen mach ich mir nen Kopf, was er wiederum nicht versteht. "Es sind ja nur fünf Tage".

      Und genau wie deiner hat meiner auch so seine Sprüche. "Alles wird gut", "das wird schon wieder", "das ist bald vorbei" usw.

      Lässt dein Mann sich darauf ein, dass du ihm genauer erklärst, was dir grade so zu schaffen macht und dass es manchmal mehr bringt, einfach in den Arm genommen zu werden, während man rumheult, als stundenlang zu erzählen? Oder geht er da sofort in den "ist doch nicht so schlimm und gleich vorbei"-Modus?

      Bei uns hats geholfen, dass ich ihm klar sage, dass es mir nicht gut geht und ich einfach grade mal ne Tafel Schokolade und ne Umarmung brauche. Er hat sich mit Müh und Not auch die leeren Floskeln ein Stück weit abgewöhnt und gibt produktiven Input bei solchen Sachen.

      • Hach, ich spreche ja schon aus, was ich brauche. Ich finde mich voll praktisch, weil ich die Gebrauchsanweisung immer gleich mitliefere.
        Aber er ist einfach ein sachliches Gemüt. Als ich ihn vorgestern erklärte, was ich habe und was ich mir gerade wünsche, bedankte er sich anschließend aufrichtig, aber eben sachlich für das erhellende Gespräch.
        Darauf, dass er mich nun mal einfach in den Arm nimmt, warte ich allerdings noch.
        Ich muss schon fast wieder lachen gerade über meinen gefühlsparanoiden Mann. Er ist halt keiner, der zeigt, was er fühlt oder nur sehr, sehr selten.

        Die Situation mit deinem Kind und der Diagnose kenne ich hier 1:1. Ich bin auch zuständig für nötige Kontrollen im Krankenhaus etc. und wehe, ich will dann mal erzählen, dass ich mir etwas Sorgen mache. Das wird sofort weggeredet. Ich weiß, dass er das nicht böse meint. Er ist so aufgewachsen. Und trotzdem reicht es mir manchmal, vermutlich genauso wie ihm, wenn seine Frau mal wieder “gefühlig“ ist.
        Und so arbeiten wir uns aneinander ab... immerhin: langweilig ist das nicht.

        • (8) 26.08.18 - 23:15

          Da kannst du ja nur hoffen, dass du und der Rest der Familie weiterhin funktionieren. Ansonsten siehst du deinen Mann wohl nur noch von hinten.
          Ne, für mich wäre das nichts. Mit so einem Mann entsteht keine Nähe.
          Aber du scheinst ja damit ganz gut klar zu kommen. Ihn ändern wirst du sicher nicht.

          • Er ist ja da, nur eben auf eine pragmatische Art. Ganz deutlich wurde das, als wir unseren Schwiegervater gepflegt haben, der todkrank war. Da wurde schon alles Notwendige gemacht und es wurden Listen abgearbeitet, was vor dem Tod noch alles gemacht werden musste. Gespräche über Ängste oder andere Emotionen gab es halt nicht und auf der Beerdigung hat niemand geweint (außer ich), sondern alle haben Haltung bewahrt.

            Weißt du, ich bewundere das auch und es entsprach auch dem Wesen des Schwiegervaters. Und doch ist es mir vollkommen wesensfremd und mir fehlt halt manchmal die emotionale Nähe. Dabei unterstelle ich mal, dass mein Mann durchaus Emotionen hat, sie halt nur sehr schwer zeigen kann. Da muss er schon mit dem Rücken an der Wand stehen und dahin zwinge ich ihn nur ungern.

    Hey,

    ich bin (leider) auch so wie dein Mann. Ich vermute mal, auch aufgrund der Erziehung (obwohl ich eine Frau bin). Meine Eltern haben's halt auch nicht besser gewusst und wollten nur, dass ich "stark" bin. Worauf ich ja auch wieder irgendwie stolz bin.

    Es ist schwierig, mit dieser Haltung tiefgehende, emotionale Bindungen zu schaffen. Weil man eben niemandem wirklich an sich heran lässt und alles mit sich selbst ausmacht. Oft fühlt man sich auch tief drinnen einsam, obwohl es rundherum soviele Freunde gibt, an die man sich wenden könnte. Darum hab ich auch wirklich versucht, an mir zu arbeiten. Es funktioniert aber nicht, ich komme nicht aus meiner Haut :-(

    Ich meine es wirklich nicht böse, aber ich fühle mich oft hilflos, wenn geliebte Menschen mir ihr Herz ausschütten und ich nichts MACHEN kann, ihnen zu helfen. Dieses Problem hat dein Mann vielleicht auch. Und da niemand es mag, sich hilflos zu fühlen, weicht er diesen Situationen aus.

    • "Oft fühlt man sich auch tief drinnen einsam, obwohl es rundherum soviele Freunde gibt, an die man sich wenden könnte. Darum hab ich auch wirklich versucht, an mir zu arbeiten. "

      Ich war bass erstaunt, als mir mein Mann neulich in einem seiner raren emotionalen Momente eröffnete, er hielte sich eigentlich für einen sehr melancholischen Menschen.

      Das war mit einer der Situationen, wo ich dachte: Mensch, wie gut kennst du deinen Partner eigentlich, wenn er dich nur so selten hinter die Kulissen schauen lässt? Wer weiß, was er sich noch so alles denkt und was noch so alles fühlt, von dem ich nichts weiß.

      Dass man sich hilflos fühlt, wenn man nur zuhören soll und nicht helfen kann, kann ich sogar nachvollziehen. Das ist tatsächlich ein doofes Gefühl. Trotzdem ist es halt das, was ich mir manchmal wünsche und das, was mir (und z.B. meinem Sohn) am meisten hilft. Manchmal muss man halt ganz lösungsunorientiert eine Runde heulen, jammern, schimpfen....

      Ich würde mir halt wünschen, dass er es hin und wieder einfach mal versucht. Ich versuche ja im Umkehrschluss ganz oft pragmatisch-lösungsorientiert zu sein und bin mittlerweile echt gut daran Probleme zu analysieren und sie in Angriff zu nehmen, ohne Emotions-Schnickschnack.

      • Hm, ich bin eigentlich auch ein sehr melancholischer Mensch. Würde wohl auch keiner vermuten ;-)

        Trotzdem kannst du dir ja vor Augen führen, dass Taten mehr sagen als Worte. Wenn er mit seinen Taten zeigt, wie sehr er dich und euer Kind liebt, wie wichtig ihr ihm seid, dass Vertrauen da ist etc., ist das doch auch toll. Das ist doch besser als einer, der dauernd große Reden schwingt, aber dann doch anders handelt, oder?

        Ich hab meinem Partner übrigens mal gesagt: "Ich find das toll das du mir oft auf den Zahn fühlst, dann auch mehrmals nachfragst und nicht gleich locker lässt. Auch wenn ich mich in der Situation unangenehm fühle und mich winde, weiß ich doch, dass sowas wichtig ist. Leider kann ich nicht von mir selbst aus anfangen. Also weiter so" :-)

        Du könntest deinen Mann ja fragen, ob ihm das auch so geht? Oder mag er dass wirklich überhaupt nicht?

        • Das tue ich ja auch, also wertschätzen, dass er seine Liebe in Taten zeigt. Ich halte unsere Beziehung auf ihre Art schon für sehr stabil und trotzdem innig. Ich kann ja auch fast immer gut damit leben, dass mein Mann ist wie er ist. In anderen Situationen ist es halt schwer.

          Ich leide seit Jahren an einer generalisierten Angststörung. Die habe ich oftmals sehr, sehr gut im Griff, so dass ich immer wieder glaube, oft monatelang, sie sei weg und dann bricht sie doch hin und wieder hervor. In solchen Situationen ist es halt unwahrscheinlich schwer, wenn jemand nicht über Gefühle sprechen mag, denn ich bestehe in den Zeiten ja eigentlich nur aus Gefühl (Angst) und es würde mich sehr erleichtern, wenn ich drüber sprechen könnte, nicht endlos, und ich will mich auch nicht in meiner Angst verlieren, sondern sie eher im Gespräch reflektieren. Und das funktioniert halt nicht, wenn der andere innerlich die Augen verdreht, wenn es mal wieder losgeht. Bei allem Verständnis für seine Situation...
          Und ich will nicht jedes Mal ne Therapie machen, wenn es mich wieder packt...

          Wenn mein Mann mal unter meinem Druck über Gefühle spricht, muss ich gewiss aufpassen, dass dann nicht die Pferde mit mir durchgehen. Ich halte mich ja für ein Gefühlsprofi und erkläre ihm dann gerne mal seine Gefühlswelt, d.h. er beginnt zögerlich zu sprechen und dann übernehme ich mit einem Wortschwall. Das ist bestimmt ganz
          furchtbar für ihn.

          So sind wir wohl alle nicht ohne Fehl und Tadel. Heute, mit ein paar Tagen Abstand, geht es mir mit unserer Unterschiedlichkeit schon wieder ganz gut. Als ich den Thread schrieb, saß ich gerade mal wieder zähneklappernd in einer Ecke und fürchtete mich vor allem und jeden.

(14) 27.08.18 - 12:24
loesungsorientiert

Männer sind (generell) lösungsorientiert, Frauen eher emotional. Versucht man ein und das selbe Gespräch mit einem männlichen Kumpel und einer Freundin zu führen wird das selten klappen. sagt man z.b der Freundin Mensch, ich hab seit Wochen so stechende Kopfschmerzen...wird sie sowas sagen sagen wie oh ja das kenne ich, ist vielleicht das Wetter? oder ähnliches. ein Mann sagt sowas wie hast du das öfter? vielleicht solltest du mal zum Arzt und das abklären oder ähnliches. Dein Mann wird wohl einer von der Sorte jammern bringt nix sein und damit hat er ja im Grunde auch recht. Versuch doch deine Kraft draus zu ziehen das er positiv denkt statt zu erwarten das ihr gemeinsam heulend auf dem Sofa sitzt.
möchtest du eine Umarmung würde ich zu ihm gehen und ihn umarmen. er wird dich sicher drücken und dann geht es weiter. Manchmal sind die Dinge wie sie sind und jammern bringt halt nichts, wenn du ihm Moment gesundheitlich angeschlagen bist ist das so, dadurch das er dich drückt wirst du sicher nicht gesund. Du tust ja was dagegen und das braucht seine Zeit. Klare Ansagen funktionieren bei Männern aufjedenfall besser als "ich würde mir mal wünschen dass..." Sätze. Daher würde ich halt sagen schatz ich will eine Umarmung bitte. oder ihn einfach drücken. ich sage meinem Mann auch gern mal Schatz ich bin irgendwie mies drauf heute kannst du mich drücken und mir sagen das alles gut wird bitte.

  • Weißt du, was mich an diesem Männer sind so und Frauen sind so-Dings oft nervt, ist, dass die männlichen Eigenschaften dabei in der Wertung besser wegkommen.

    Mein Mann ist z.B. der Meinung, dass seine Art, Dinge anzugehen, die bessere ist, während die Menschheit, wenn sie so emotional wie ich wäre, noch immer auf Bäumen säße und über das Runterfallen einer Banane wehklagen würde... (mal überspitzt formuliert).

    Es wäre schon mal ein Schritt, wenn er zumindest meine Emotionalität als gleichrangig zu seinem Pragmatismus ansehen würde. Beides hat ja nun seine Stärken und Schwächen.

    Und während ich "Pragmatisch" als Zweitsprache erlernt habe, könnte er sich zumindest mal anstrengen, die Grundzüge von "emotional" zu erlernen.

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