Partner mit Depression ... Trennung unverantwortbar?

    • (1) 25.10.18 - 21:21

      Ich hatte neulich schon einmal mein Problem gepostet. Damals (ist ja noch nicht so lange her...) dachte ich dass ich in der
      Beziehung unglücklich bin, weil mir der Sex fehlt. Inzwischen sehe ich aber das Hauptproblem.

      Meine Partnerin hat eine Depression und ist auch in Behandlung. Es gibt ja fortschritte und sie arbeitet an sich.
      Es ist so, dass ich für sie da sein will, ihr helfen, sie stüzen und unterstützen. Sie ist meine beste Freundin, aber ich befürchte, dass die partnerschftliche(!) Liebe abhanden gekommen ist.

      Ich befürchte, ich bin eher aus Pflichtgefühl, Anstand und der Verbundenheit ihr gegenüber bei ihr.

      Ich merke, wie meine eigenen Kräfte schwinden und wie ich selbst nervlich fertig bin. Ich fühle mich leer, antriebslos und hilflos.
      Steuere wohl selbst auf einen "psyhischen Ausnahmezustand" zu...
      Sie merkt das natürlich und sagt mir laufend, dass sie mich liebt, wie sie mich braucht und dass sie ohne mich nicht mehr wüsste, wie
      sie weiterleben sollte.

      Aktuell nimmt sie ein "sabatical" und ist also ohne Job. Finaziell geht´s uns soweit aber gut und es sind keine Kinder im Spiel!


      Ich glaube, ihr seht mein Problem.

      Manchmal (immer wieder und dann immer stärker) würde ich am liebsten eine Sporttasche packen und (erstmal) ausziehen, aber das schaffe
      ich aus Pflichtbewusstsein und der Freundschaft ihr gegenüber nicht. Außerdem habe ich echt Angst, was sie macht, wenn sie alleine wäre.
      Ich befürchte, sie würde noch mehr in die Depression rutschen... Angenommen, sie würde sich tatsächlich was an tun....


      Außerdem würde ich mich selbst irgendwie feige und schlecht fühlen. Ich sehe ja, dass sie an sich arbeitet...

      Andererseits.... ich kann bald selbst nicht mehr. Ich bin 40 und sehe mein Leben an mir vorbei rasen (und lauter solche egositischen Gedanken...)

      • (2) 25.10.18 - 21:37

        Hm, ich finde dich nicht egoistisch. Ich bin im letzten Jahr nach einer Schwangerschaft nach ewig langem Kiwi und nun der Aussicht auf ungewollte Kinderlosigkeit auch depressiv geworden. Natürlich waren auch noch andere Dinge im Spiel, aber das hat mir den Rest gegeben. Ich war nur noch unglücklich. Hab meine Bachelor noch mit Ach und Krach geschafft. Mein Ex hat mich in diesen schweren Std auch verlassen. Natürlich hat mich das noch mehr runter gerissen in den ersten Wochen, aber er ist ja nicht für mein Leben verantwortlich. Bei uns war die Liebe auf jeden Fall noch da. Trotzdem hat mein eigener Zustand ihn total fertig gemacht und er hat die Reißleine gezogen. Und ich verstehe das.

        Mitlerweile geht es wieder bergauf mit allem und ich bin Mitlerweile auch wieder frisch in einer neuen Beziehung. 😊

        Wenn Du Angst hast, könntest Du Dich mit dem sozialpsychiatrischen Dienst deiner Stadt in Verbindung setzen. Die können einem in so einem Fall viele wertvolle Tipps geben.

        Lg

        • (3) 25.10.18 - 22:02

          Danke dir für den Einblick auf "die andere Seite". Darf ich ganz direkt fragen, wie lange du gebraucht hast, bis du wieder "stabil" genug für was neues warst?

          Wie ging es deinem Ex in Sachen Selbstvorwürfen?

          Bzw. war für euch eine "reunion" nicht mehr denkbar? Seid ihr noch/wieder freundschaftlich beieinader oder war das nie wirklich weg? Oder aber war es ein wirklich harter cut?

          • (4) 25.10.18 - 22:12

            Ich hab mich relativ schnell neu gebunden. Nach drei Monaten. Das war aber eher "Zufall" und wir kennen uns auch freundschaftlich seit Jahren.
            Mit meinem Ex hab ich keinerlei Kontakt mehr. Das liegt aber daran, dass er das alles ziemlich heftig beendet hat und auch verbal ausfallend wurde. Ansich bin ich mit den meisten Exfreunden in Freundschaft auseinander gegangen und habe auch noch Kontakt. Den letzten Ex kann man also nicht so ganz als Vorzeigeex nehmen. 😊
            Vorwürfe hat er sich glaube ich nicht gemacht. Weiß ich natürlich nicht genau. Er hat in seiner Verzweifelung dann eher immer versucht, Druck zu machen, wie ich es alles besser machen soll, kann.
            Nun hab ich einen Partner, der die ganze Zeit zu mir steht und mir an trüben Tagen einfach Rückhalt gibt. Und das ist existenziell. Keine Bewertungen. Mehr als eine helfende Hand kann man nicht ausstrecken. Aber genauso musst Du halt auch auf dich aufpassen.

            Lg

            • (5) 25.10.18 - 22:39

              "Er hat in seiner Verzweifelung dann eher immer versucht, Druck zu machen, wie ich es alles besser machen soll, kann"

              Der Klassiker ... aber einem Partner, dem viel an seinem Gegenüber liegt und Null helfen kann verzweifelt einfach. Es ist so frustrierend, beängstigend und macht einfach nur traurig.

              Das soll kein Vorwurf an den kranken sein, aber mit der Hilflosigkeit umgehen ist genau das, woran ich wohl langsam verzweifle.

              Ich muss mich aber erstmal selbst reflektieren. Ich zerbreche mir gerade den Kopf über den (unrealistischen) Fall: Ich wache Morgen (nächsten Monat, nächstes Jahr) auf und sie ist "geheilt" - falls es das überhaupt gibt nach jahrelang unbehandelter Depression. Ich frage mich jedenfalls: was würde ich machen? Wie steht es um meine Gefühlswelt... Ich finde im Moment keine Antwort.

              Ich dachte auch schon auf Trennung auf Zeit. Aber dieses Hoffen&Bangen ist eine Quälerei für das Gegenüber. Das hatte ich schon mal auf der anderen Seite; Es war Hölle und erst der finale Schnitt brachte Besserung. Und ICH war damals gesund...

              • (6) 25.10.18 - 22:55

                Ja, und das versteht auch jeder. Ihr lebt da ja anscheinend gerade in einem Ausnahmezustand. Würde eine Therapie denn für sie in Frage kommen? Ich selbst war, aufgrund der gescheiterten Therapiesuche halt einmal wöchentlich beim Sozialpsychiatrischen Dienst und habe dort geredet. Das tat mir sehr gut. Medis hab ich auch bekommen. Die haben mir aber ehrlich gesagt nix gebracht. Ich musste mein Leben einfach erstmal n bissl umkrempeln. Kein Master mehr. Ich arbeitete jetzt wieder und die Struktur ist für mich wichtig.

                Zudem sollte ich es besser wissen. Aber meine beste Freundin hat auch immer wieder schlimme Depressionen. Und da komme auch ich teilweise an meine Grenzen und verzweifel. Zumal auch noch die räumliche Distanz da ist und ich mir echte Sorgen mache. In einer Partnerschaft ist das ja alles noch viel schwieriger. Ob eine Trennung auf Zeit für euch als Paar das Beste ist, weiß ich nicht. Aber Du wirkst verzweifelt und die Frage ist, wo es hin geht wenn ihr beide so weiter macht.

                Ich glaube schon, dass man eine Depression "heilen" kann. Mir geht es seit Monaten Monaten wieder besser. Ich nehme keine Medis mehr und bin auch nicht mehr bei den Gesprächen. Ich hab geschnallt, dass ich einfach mein Leben ändern muss, um glücklich zu sein.

                "Du musst dein Ändern leben". 😊

                Ich weiß natürlich nicht, warum es deiner Freundin so schlecht geht.
                Aber der erste Schritt wäre tatsächlich, sich über die Gefühle klar zu werden. Das die unter einem Deckmantel der Traurigkeit nicht so zum Vorschein kommen, ist ja klar.

                Lg

    (9) 25.10.18 - 21:37

    Nur ganz kurz (habe keine Zeit für etwas ausführliches)

    - Du bist nicht der Therapeut deiner Partnerin oder von sonst irgendjemanden

    - Wenn der Partner unter Depressionen leidet kann man nicht aktiv helfen (eigene Erfahrung)

    - du rutschst in eine Art Co Abhängigkeit. Geh selbst zu einem Profi und lass dich beraten, vor allem für dich selbst.

    LG

    (10) 25.10.18 - 21:41

    Hallo,


    ich habe deinen anderen Post nicht gelesen.


    Ob eine Trennung unverantwortbar ist, ist schwer zu sagen. Für mich liest es sich aber so das zwischen euch noch etwas ist was euch zusammen hält. Ob es wirklich nur Pflichtbewusstsein ist oder doch noch etwas mehr ist was euch zusammen hält kann ich nicht beurteilen.

    Du schreibst aber das sie bemüht ist ihre Krankheit zu überwinden und das sie dich liebt. Ich denke das ist ein Grund gemeinsam zu kämpfen. Du solltest aber auch für dich etwas finden was dir Kraft gibt, etwas wobei du auch entspannen kannst. Ich denke es ist auch sinnvoll wenn du dir Hilfe suchst. Vielleicht gibt es eine Selbsthilfegruppe für Partner und Angehörige in deiner Gegend. Oder du wendest an einen Therapeuten.

    Solltest du aber feststellen das gar nichts mehr geht und rutschst weiter ab, dann solltest du dich selbst schützen und wirklich überlegen ob du mit einer Trennung besser leben kannst.

    FG und viel Kraft

    blaue-Rose

    (11) 25.10.18 - 22:08

    Respekt! Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer es ist einem depressiven Partner bei zu stehen. Ich kann auch nachvollziehen wie schwer es ist durchzuhalten und sich nicht selbst zu verlieren. Und wie das Fehlen der körperlichen Nähe ein regelrechtes Gefühlschaos verursachen kann.
    Deine Gedanken sind nicht egoistisch, eher völlig normal. Niemand wird dir sagen können wie es weiter ģeht oder was du tun solltest. Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Am Ende wurde alles gut, es war eine schwere Zeit, ein ständiges auf und ab. Ich habe mich an eine sozialpsychologische Beratungsstelle für Menschen mit depressiven Angehörigen gewendet. Das war eine große Hilfe, konnte mich aussprechen, weinen und schimpfen. Heute ist alles gut, die Depression ist nicht weg, aber es geht ihm überwiegend gut, wir haben gelernt damit umzugehen und sind glücklicher als je zuvor. Ich würde dir raten einen Fachmann oder eine geeignete Beratungsstelle aufzusuchen, sprich dich aus. Versuch zur Ruhe zu kommen wenn auch nur für ein paar Stunden, sortier deine Gedanken. Tue etwas das dir Spaß macht oder dir Entspannung bringt, bei all der Sorge um den Partner darf man sich selbst nicht zu sehr vernachlässigen. Ich weiß, das ist alles leichter gesagt als getan, aber deine Situation ist nun mal alles andere als leicht.

    • (12) 25.10.18 - 22:50

      "Tue etwas das dir Spaß macht oder dir Entspannung bringt..."

      Danke für deine Tips. Das Problem ist, ich habe absolut kein Interesse mehr an meinen eigentlich einst geliebten Hobbies oder generell an irgendwas. Ich sitze neben ihr auf dem Sofa und starre in die Glotze oder drücke unnütze Sachen am Handy/Rechner rum.

      Dann nehme ich sie in den Arm und ... starre ins leere :-(


      Auch auf Arbeit bekomme ich auch keinen geraden Gedanken mehr hin und bin ziemlich unproduktiv was eigentlich total gegen meine Natur ist.

      • (13) 25.10.18 - 23:00

        "Alarm AN"

        Das, was du hier schreibst ist ein deutlicher(!) Hinweis darauf, dass du selbst(!) bereits an einer depressiven Verstimmung, an einer Depression oder wie auch immer leidest.

        Such dir Hilfe! Nicht nur für deine Partnerin sondern (mittlerweile) auch für dich selbst!

        Alles Gute!

        (14) 26.10.18 - 18:10

        Dann kann ich Coppellia nur zustimmen. Höchste Zeit das du dir professionelle Hilfe suchst. Schnellst möglich zur Beratungsstelle, die helfen dir bei den nächsten und erforderlichen Schritten

(15) 25.10.18 - 23:03

Ach sorry, Du hast ja geschrieben das sie in Behandlung ist. Was macht sie denn genau?

Geht sie denn noch raus usw? Kann sie noch ihren alltäglichen Pflichten nachkommen? Vielleicht wäre ein stationärer Aufenthalt ja auch was. Allerdings muss sie das natürlich auch wollen.
Lg

  • (16) 25.10.18 - 23:22

    Sie macht Psychotherapie (keine Ahnung wie da der Fachbegriff ist). Einzelgespräche mit dem Therapeuthen einmal die Woche. Antrag auf stationäre Reha wurde abgelehnt. Medikamente hat sie zuhause, nimmt sie nicht. Seit sie zusätzlich zu einem Heilpraktiker geht wirds ja schon von der Tendenz her besser; so ist es nicht.

    Dieses Auf- und Ab ertrage ich halt nicht mehr und wie gesagt bin ich mir in der Beziehung einfach nicht mehr sicher. Es kommt mir vor, als ob bei mir grad Kopf, Bauch und Herz einen Kampf austragen :-(


    Meine beste Freundin meinte, dass ich schon längst hätte gehen sollen, aber die beiden mögen sich halt auch nicht; infofern ist das schwierig. Generell ist meine Partnerin auch eher eine nicht so einfache Person. Etwas verschlossen und sehr sarkastisch/zynisch, emfpindlich/sensibel und nachtragend. Das muss man schon mögen...


    Dass mir hier keiner helfen und mir DEN einen definitiven Tip geben kann ist mir schon klar, aber es muss irgendwie virtuell mal raus. Danke für´s zulesen :)

    • (17) 25.10.18 - 23:34

      Ja, bei soetwas gibt es nicht den ultimativen Tipp. Es geht ja primär in deinem Tread um dich. Wie gesagt, guck mal nach dem sozialpsychiatrischen Dienst. Dort kannst Du auch ganz offen mit deinen Sorgen heran treten und die können dir bei deinem Gefühlschaos bestimmt auch weiter helfen und dir in eurem individuelle Fall Rat geben, wie man im Falle einer Trennung, Trennung auf Zeit vorgeht oder einem Zusammenbleiben vorgeht. Die sind da wirklich sehr nett ( meine Erfahrung) und man bekommt schnell und unkompliziert einen Termin.

      Noch zu deiner Freundin. Eine Reha wird grundsätzlich nicht so schnell genehmigt. Aber es gibt ja spezielle Krankenhausstationen, die speziell auf Depressionen ausgerichtet sind. Oder eine Tagesklinik. Wenn man depressiv ist, ist aber selbst so etwas schwer anzuleiern. Da kann schon ein einfaches Telefonat zuviel sein.
      Ich verstehe aber auch, wenn Du dich selbst erst mal wieder auf die Kette kriegen willst.

      Ich neige zu Tipps. Merke ich schon😂

      • (18) 26.10.18 - 08:49

        Bei uns in der Firma gibt es so eine Sozialberatung. Ich denke, ich werde die mal kontaktieren.

        Wie gesagt arbeitet sie an sich, es wird auch besser, sie nimmt am Leben wieder Teil, geht raus, freut sich an unserem Getier (sogar der Katze; dem egoistischen Miststück:-) ).

        Es ist nur so, dass ich momentan wirklich nicht sagen kann, ob ich sie eigentlich noch liebe. Ich mag sie ja definitiv und will auch bei ihr sein, aber ich vermisse so einiges in meinem Leben und die letzten 5 Jahre (von 8) waren so kräfteraubend. Ich bin einfach nicht mehr glücklich in meiner Haut, in meinem Haus und in meinem Leben.

        Tja; Da kann mir halt keiner helfen - Jammerlappen

        • (19) 26.10.18 - 14:32

          Ach Quark. Du bist kein Jammerlappen. Das mit der Beratungsstelle klingt doch super. Ich drücke dir die Daumen, dass Du für dich ein bisschen Klarheit finden kannst.

          Lg

    (20) 26.10.18 - 06:35

    Wenn sie ihre Medikamente nicht nimmt, ist es kein Wunder, dass es ihr nicht besser geht! Ich würde ihr wirklich die Pistole auf die Brust setzen und sagen, wenn sie ihre Medis nicht nimmt, bist du weg! Du musst auch an dich denken. Alles Gute.

    (21) 26.10.18 - 12:36

    Sie ist eben zurück zu ihrer Mutter gezogen ...erstmal.

    Jetzt sitze ich hier vermisse sie schon jetzt so unglaublich :-(

(23) 26.10.18 - 09:58

Vielleicht kannst du mal mit ihrer Therapeutin reden? Die gibt dir natürlich keine Auskunft, soll sie auch nicht. Aber die könnte dann vorgewarnt sein in Bezug auf Trennungsabsicht und deine Sorge, deine Freundin könnte sich etwas antun. Mit welcher Begründung nimmt sie die verordneten Medikamente nicht?

Ich würde an deiner Stelle auch versuchen, für dich selbst Hilfe zu bekommen, ggf. über Vermittlung deines Hausarztes. Ich sehe es in einer Beziehung nicht als Pflicht an, den Partner so weit zu stützen, dass man selbst dabei Schaden nimmt. In diesem Fall musst du dir selbst näher sein, das ist einfach lebenserhaltend. Und wenn du selbst am Boden liegst, bist du auch für deine Freundin keine Stütze mehr. Ihr steckt dann einfach nur beide im Sumpf. Das kann ja niemand wollen.

LG

(24) 26.10.18 - 10:23

Hallo,
ich wollte dir auch noch mal meine Geschichte/Meinung dazu erzählen. Hilft ja oft auch andere Geschichten zu hören.

Ich war 5 Jahre mit einem Mann zusammen, der schon beim Kennenlernen unter Depressionen litt und sich das auch eingestanden hatte und in Therapie war. Ich war zu Beginn der Beziehung 21 Jahre als, er 23. Es war anfänglich gut zu händeln, doch dann hatte er einen schlimmen Rückfall und bekam eine Psychose. Ab da immer wieder stationäre Aufenthalte, starke Tabletten und ein einziges Auf und Ab. Ich war immer da und hab ihn unterstützt. Bin gott sei Dank selbst eher der emotional stabile Typ und nicht anfällig für sowas.

Doch nach jedem "überlebtem" Rückfall bzw. wochenlangen stationären Aufenthalt (der ihn auch immer komplett aus seinem/unserem Leben und seiner Arbeit raus nahm) war da die Gewissheit, dass es wieder passieren kann und wird. Gefühlsmäßig war ich immer mehr damit beschäftigt für sein Weiterleben zu sorgen.

Stabiles Zuhause, Job, Nimmst du deine Tabletten, Trink nicht zu viel Alkohol, sind deine Freund noch gut für dich....

Und dann irgendwie die Erkenntnis, dass sich die Gefühle geändert haben. Sehe da übrigens starke Parallelen zu dir. Irgendwie hab ich mich eher wie seine Mutter verhalten.
Da kamen dann auch die ersten Gedanken über Trennung. "Aber sollte ich wirklich die ganzen 5 Jahre "Arbeit" wegschmeißen, was wird er machen, wie wird er reagieren. Bin ich dann Schuld an evtl. Rückfällen?"

Hab dann, auch bedingt durch neue Bekanntschaften, gelernt, dass ich nicht daran schuld bin und es Möglichkeiten gibt, die ihn auffangen, ohne, dass ich mich darum kümmern muss. Hab die Beziehung als friedlich beendet und es war alles gut. Wie es ihm jetzt geht, weiß ich nicht, da ich den Kontakt abgebrochen habe.

Ich bin in einer neuen Beziehung und fühle mich gut, weil es jetzt viel mehr ein Miteinander ist. Bin nicht mehr die Mami ;-)

(25) 27.10.18 - 14:58
eigene Erfahrungen

Ich möchte dir jetzt einmal von meiner Erfahrung berichten, die euch vielleicht etwas helfen kann.

Bei uns bin ich die Betroffene. Hinzu kommen Persönlichkeitsstrukturen die das Leben mit mir sehr anstrengend machen. Dieselben Merkmale machen das Leben mit mir allerdings auch sehr spannend, aufregend und erhellend. Die Grenzen zwischen krank und gesund sind fließend und nicht statisch.

Das Zusammenleben ist nicht einfach aber möglich. Mein Mann ist nicht mein Vater und ist in der Lage sich auch abzugrenzen. Den Grad des Leides kann man ab einem gewissen Therapiestand selbst mitbestimmen. Bei uns ist es zum Beispiel so, dass er mir mittlerweile hilft aufzustehen wenn ich Termine habe, mich aber schlafen lässt wenn ich ihm vorher kein Signal gegeben habe. Dann haben wir ein SOS Signal ausgemacht, das für mich ohne große Hemmschwelle abzugeben ist (direkt um Hilfe zu bitten ist in manchen Phasen unmöglich). Ansonsten widmet er sich seinem eigenen Alltag und seinen Aktivitäten.

Wir haben feste Zeiten in denen wir körperliche Nähe gestalten. Ich selbst darf dabei den Grad bestimmen wie weit und wie eng das gehen soll. Manchmal sehen wir auch einfach gemeinsam im Bett einen Film an. Wenn es mir besser geht nehmen wir uns aktiv Zeit für körperliche Partnerschaft. Auch das geht wieder. Mir hilft es, wenn es fest strukturiert im Tag ist, ich aber auch ein Signal geben kann wenn es jetzt passt. Zum Beispiel ist der Tag fest gelegt, aber die Uhrzeit darf ich bestimmen. Manchmal merke ich wie ein Sonnenstrahl dass es jetzt geht und dann melde ich mich. Und je mehr Körperlichkeit ich zulassen kann, desto mehr wächst auch das Sehnen danach.

Wenn du deine Frau nicht mehr liebst, dann sage ihr das so auch und trenne dich und versuche nicht dir auf Grund der Depression eine Art "Ausrede" zu basteln die vom Umfeld verstanden wird. In diesem Moment wirst du sie in einem schwierigen Moment im Stich lassen. Das wird immer negativ bewertet werden von der Umwelt oder verstanden werden. Du trennst dich wenn du es dann tust doch eher nicht wegen der Depression, du trennst dich weil die Liebe abhanden gekommen ist.
Hier könnte euch eine Paartherapie helfen wieder einen gemeinsamen Weg zu finden. Wenn du selbst in eine Depression zu rutschen drohst dann suche dir möglichst schnell Hilfe. Meiner persönlichen Erfahrung nach fängt sie allerdings damit an, dass man sich von sozialen Kontakten, also auch deiner besten Freundin, zurückzieht und seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Das mit den Hobbys kann auch einfach Trägheit sein. Das läuft meistens parallel, da Hobbys ja meistens auch mit "Mitmenschen" zu tun hat. Also da kann viel zusammenlaufen, schau da auf jeden Fall nach dir selbst.

Insgesamt würde ich dir raten dich nicht hinter der Depression deiner Frau zu verstecken und selbst für dich einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Ich finde es als Betroffene unverantwortlich, dass du das Scheitern eurer Beziehung auf ihre Depression schiebst. Es gibt heutzutage genug Möglichkeiten sich gut um sich selbst zu kümmern, auch wenn es schwer ist mit einer psychisch kranken Person zusammen zu leben. Mir scheint du brauchst Erholungszeit um mit dir selbst wieder klar zu kommen. Sie arbeitet an sich, mehr kann sie erst einmal nicht machen.

Ich wünsche euch alles Gute.

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