Freundin mit starkem Übergewicht Seite: 2

      • (26) 30.01.19 - 08:35

        Ich finde es sehr merkwürdig, dass man sich nicht traut, seine beste Freundin, die man schon 20 Jahren kennt, auf eine bestimmte Sache, die einem selbst wichtig ist, anzusprechen - ganz unabhängig vom Thema. Ich verstehe eine so feste, lange Freundschaft so, dass man über ALLES sprechen kann, sonst ist es für mich keine wirklich feste Freundschaft.

        • Ganz ehrlich: Ich war erst ein wenig vor den Kopf gestoßen von deinem Beitrag. Meine Freundin gehört zu den Menschen, die sich nur langsam öffnen, und ich freue mich, dass sie mittlerweile mit mir spricht, wenn sie bei der Arbeit oder in ihrer Familie etwas belastet. Dieses Vertrauen möchte ich nicht kaputt machen, indem ich jetzt möglicher Weise in einem ganz schmerzhaften Thema „herumstochere“, über das sie vielleicht noch nicht zu sprechen bereit ist. Für MICH ist ihr Gewicht ja nicht wichtig, ich mag ihr sehr liebes Wesen, das unter der Hülle steckt!
          Und doch - sie ist eine enge Freundin von mir, und ich bin mir sicher, sie sieht es auch so.

          • Nun, dann haben wir eben unterschiedliche Auffassungen vom Begriff "beste Freundin". Ist ja nicht schlimm.
            Ich jedenfalls finde es seltsam, wenn man mit der besten Freundin, die man 20 (!) Jahre lang kennt, nicht über bestimmte Themen sprechen kann. Ich finde, wenn man schon mit der allerbesten Freundin nicht über Probleme sprechen kann, mit wem denn dann? Und wenn man sich um seine beste Freundin Sorgen macht, dann muss man das doch thematisieren können und nicht einfach so tun, als sei da nichts. Für mich persönlich wäre das keine "beste Freundin". Aber das empfindet jeder anders und das ist doch auch völlig in Ordnung. Das muss jeder für sich wissen.

        (29) 30.01.19 - 21:12

        Wow Danke. Ein Mensch der es auch so sieht. #sonne

    (30) 30.01.19 - 09:44

    Ich glaube es ist sehr schwer ein jahrelanges Tabu-Thema einfach so anzusprechen.
    Direkt ansprechen würde ich es auch nicht.
    Aber vielleicht kannst du das Gespräch in die Richtung lenken.
    Vielleicht mit einem gesunheitlichen Thema. Du kannst ihr auch etwas erzählen was dich gesundheitlich belastet.
    Oder gestalte eure gemeinsamen Unternehungen in die Richtung
    -Abends in eine Bar gehen
    -Spatziergang/kleine Wanderung zu einer Sehenswürdigkeit
    etc.

    Vielleicht kommt ihr bei der Gelegenheit auf ihr Problem.
    Wenn von ihr dann nichts kommt würde ich es dabei belassen und sie mit dem Thema nicht bedrängen.

    Wenn Du selber schlank bist, sprich sie lieber nicht drauf an, weil sonst bei ihr sofort der Gedanke kommt "die hat leicht reden".
    Solltest Du selber etwas kämpfen müssen, wäre es für diesen Fall besser. Allerdings würde ich eher vielleicht mal sagen, dass sie jederzeit mit Dir über alles sprechen kann und sie vielleicht nur mal fragen, ob sie etwas bedrückt. Vielleicht "frisst sie etwas in sich hinein" - das heisst nicht ohne Grund so, ich spreche aus Erfahrung.
    Da ich eine Lipödem-kranke Freundin habe, mal eine Idee. Googel das mal und schau Dir die Bilder dazu an. Wenn sie so ähnlich aussieht, ist sie wirklich krank. Leider wurde die Krankheit bisher als "fett und faul" abqualifiziert, auch von vielen Ärzten. Aber aufgrund einer blöden Bemerkung unseres Gesundheitsministers ist endlich Bewegung in das Thema gekommen. Diese Menschen haben schlimme Schmerzen. Lieb von Dir, dass Du Dir Gedanken machst, sie hat es sicher nicht leicht. LG Moni

    • Oh ja, das Thema Lipödem kennen ich von meiner Mama. Das ist ein ständiger Kampf mit den Krankenkassen und immer wieder muss sie sich dumme Bemerkungen von einzelnen Ärzten anhören, obwohl es bei ihr diagnostiziert ist.

(33) 30.01.19 - 10:14

"Aber wie könnte ich das herausfinden, ohne trampelig zu sein?"

Gar nicht!

Sei einfach die Freundin, welche Du bisher für sie warst und hoffentlich weiter sein wirst.

Wenn sie soweit ist, dann kannst Du sie unterstützen und zur Seite stehen.
Jeder hat sein eigenes Tempo und die beste Veränderung kommt immer aus einem selbst heraus.

Stört sie sich selbst an ihrem Gewicht?

(34) 30.01.19 - 10:53

Ich wollte euch kurz schon mal ganz herzlich danken, dass ihr so zahlreich auf meine Frage eingeht, und euch teilweise die Zeit für ausführliche, differenzierte Antworten genommen habt. Es waren schon mehrere wertvolle Denkanstöße für mich dabei! Ich melde mich mit mehr Zeit nochmal, und lese weiter sehr gespannt, wie ihr darüber denkt - es sind ja doch sehr verschiedene Meinungen und Erfahrungen... Liebe Grüße, Travekind (TE)

Hallo!

Ich weiß nicht, ob ich dir einen richtigen Rat geben kann - finde das irgendwie auch schwierig...
Also ich bin selber stark übergewichtig. Mich kann man darauf ruhig ansprechen. Ich spreche auch von mir aus darüber. Ich weiß ja, dass ich selbst Schuld bin, dass ich so aussehe. Wenn ich mich mal berappel und abnehme, dann spreche ich da nicht so viel drüber. Einfach, weil ich nicht "unter Beobachtung" stehen will.
Was mich daran "nervt", über mein Gewicht zu reden, ist diese Hinweiserei. "Probier doch mal xy", "x hat ja xy gemacht und viel abgenommen". Schön. Das Ding ist: Ich weiß ja , wie es geht. Ich ziehe das dann mal durch, erzähle keinem davon, habe 15kg weg - das ist viel, fällt bei starkem Übergewicht aber eben nicht so schnell auf. Aber irgendwann bin ich schlichtweg zu faul oder verfressen, das weiter durchzuziehen. Ich habe dann keinen Jojo-Effekt, aber ich nehme eben nicht weiter ab. Und mir ist auch egal, wie Hinz und Kunz abgenommen haben, ich stehe mir einfach mit meiner eigenen Faulheit und Bequemlichkeit im Weg.

Was ich damit sagen will: Darüber sprechen ist für mich nicht das Ding. Ich weiß, dass ich dick bin. Ich weiß, dass das gesundheitsgefährdend ist. Ich weiß, dass ich Glück habe, dass ich noch nciht mal Bluthochdruck habe. Ich weiß, was ich machen muss, um abzunehmen. Ich weiß, dass ich mich nicht superschön finde, wenn ich nackt vorm Spiegel stehen. Helfen können mir Freunde halt aber nicht. Punkt. ICH muss MICH motivieren. Das kann kein anderer. Man selbst muss es machen.

Frag sie einfach, wie sie sich fühlt. Du kannst ja direkt sagen, dass es dir etwas unangenehm ist, du das aber gerne mal ansprechen möchtest. Wenn sie Hilfe möchte oder einen Anstoß braucht, dann wird sie das vielleicht von sich aus ansprechen.
Ich zB glaube keinem Menschen, der sehr stark übergewichtig ist, dass er sich superwohl in seiner Haut fühlt. Glaube ich einfach nicht. Das sage ich auch so offen zu meinen Freunden. Und wenn es mir unangenehm wird, darüber zu sprechen, sage ich das auch. Das wird respektiert. Dafür sind Freunde doch da :)

(36) 30.01.19 - 12:02

Bitte sag nichts. Hinter diesem massiven Körpergewicht stehen Probleme, die man nicht einfach mal so mit einer Freundin beim Kaffee bequatschen kann.

Diese Tipps nach dem Motto "Tante Frieda hat so 5, 10 oder 20 abgenommen" sind nicht zielführend and hat jeder von uns extrem Dicken schon zig mal gehört. Abnehmtipps heilen nicht unsere Seele, und die ist das Problem.

Selbst Adipositaschirugie kann nur helfen, wenn man die Fresssucht überwunden hat. In den Selbsthilfegruppen sitzen massenhaft Leute, die ihren Magenbypass jetzt halt mit flüssiger Schokolade austricksen. Nein kein Witz oder Übertreibung. :-( Aus dem gleichen Grund sind in Alkoholentzungskliniken die Steriliumflaschen weggeschlossen. Es ist eine Sucht.

Wenn du deiner Freundin helfen willst, behandel sie normal, steh zu ihr auch in der Öffentlichkeit. Wenn sie dann mal an einen Punkt kommt, wo es für sie "klick" macht, wird sie sich bei dir melden wenn sie Hilfe braucht, weil sie weiss, dass sie sich auf dich verlassen kann.

  • Da kenne ich auch eine Frau. Magenbypass, aber mittlerweile kann sie wieder größere Mengen als ich, ohne Bypass, in sich hineinschaufeln. Bei ihr ist es definitiv eine Fresssucht und das wird sich auch nicht ändern. Sie schaufelt aber auch jeden Abend locker zwei Tafeln Schokolade oder ne Stange Wurst oder ein ganzes Stück Käse weg, da wird mir beim Gedanken schon schlecht dran.

    Dann kenne ich aber ebenso ein Mädel, das absolut diszipliniert mit dem Bypass umgegangen ist, bis heute nur wenig Schonkost zu sich nehmen kann und trotzdem nie auch nur ein Gramm loswurde. Bis dann bei ihr eine Zuckerstoffwechselstörung (kein Diabetes) festgestellt wurde und seitdem sie Medikamente bekommt, hat sie ordentlich abgenommen. Sportlich war sie immer.

(38) 30.01.19 - 13:28

"Wie denkt ihr darüber? Ich finde es manchmal so komisch, das immer auszuklammern. In meiner Gegenwart isst sie übrigens immer extrem wenig. Also mampft sie wahrscheinlich heimlich - und wenn es so ist, wäre es vielleicht ein Zeichen, dass es ihr nicht so gut geht. Aber wie könnte ich das herausfinden, ohne trampelig zu sein? Oder mache ich so weiter und sage nichts, solange sie es nicht anspricht?"


Frage sie, wie es ihr geht!

Ganz ohne Thema Gewicht oder sonstige Folgen.

Frage sie, wie sie sich fühlt, ob sie etwas belastet?
Z.B. wenn sie noch andere Anzeichen hat.

Oder hat sie wirklich nur ausschließlich ihr Gewicht verändert?

Dass sie zugenommen hat, wird sie vermutlich selbst wissen.
Wenn es eine seelische, psychische Ursache hat, kannst du ihr Hilfe dabei anbieten (wenn du selbst stark genug bist)

Wenn es eine körperliche Ursache hat, kannst du es erfahren, in dem du ihr zuhörst. Körper und Psyche hängen oft zusammen.


Bsp. als ich krank war, hasste ich es, wenn man mich auf Äußerlichkeiten ansprach.
Du siehst müde aus, warum gehst du nicht früher ins Bett :-[
Du siehst krank aus, warum gehst du nicht zum Arzt :-[

Dass ich krank war, wusste ich längst. Einerseits wollte ich so wahrgenommen werden wie sonst auch: "Normal"
Andererseits überfordete es mich für "normal" gehalten zu werden, weil ich das ja nicht "leisten" konnte.

Wer mich auf Äußerlichkeiten ansprach, bekam keine Antwort oder eine patzige (wenn ich schlecht drauf war) und eine vertuschend schwarzer Humor, wenn ich gut drauf war.

Die, die wirklich wissen wollten, wie es MIR geht!
Die mich WIRKLICH so annehmen würden, wie ich der Situation gerade war, denen habe ich auch offen alles erzählt.
Sie nahmen mich mit allen Symptomen. Nicht um die Symptome zu verändern! oder mich gesund zu hexen.
Sondern , die anerkannt haben, dass es MIR schlecht ging oder dass es MIR super ging (Krankheitszustand) und miserabel (eigentlicher Gesundheitszustand).

Sie waren einfach da, haben zugehört und dann gefragt, was ich BRAUCHE.
Nicht, was ich will und nicht, was sie meinten, dass ich aus deren Sicht bräuchte (Was sie sahen), sondern, das was ich FÜHLTE. Und dabei haben sie mich unterstützt.

Als sie ungefähr wussten, wie es mir ging (Erzählt), haben sie mit mir in meine Richtung geschaut, Ideen eingebracht.
Aber nicht, um die Symptome zu verändern, sondern unter Berücksichtung, dass vieles eben NICHT möglich war .... und Suche nach LINDERUNG innerhalb der bescheidenen Rahmenbedingungen.


Wenn du ihr helfen möchtest, höre ihr zu.
Frage sie, wie es ihr geht.
Nimm Anteil an ihrem Leben. Nicht nur Gewicht, sondern all das, was ihr Leben ausmacht. Gefühle, Familie, Gesundheit, Alltag...

irgendwann ergibt dann eines das andere.
Bsp. Gewicht schlägt auf die Psyche, Psych aufs Gewicht....
ob nun das Huhn oder das Ei zuerst da war.... das interessiert bei der Lösung
aber nur bedingt beim Einstieg.

Sowohl Huhn als auch Ei brauchen Zuwendung, Zuhören .... und dann kommt der nächste Schritt.
Wer sich auf die Schale konzentriert, übersieht die Gefühle, die im inneren stecken ;-) Auch dann, wenn die Schale offensichtlich nicht so ist, wie es gesund wäre ..... wie fühlt sie sich? (Damit oder mit anderen Problemen, die auch Ursachen sein können, aber gesellschaftlich nicht akzeptiert werden, wenn die Schale betrachtet wird).

(39) 30.01.19 - 17:26

Und was macht Deiner Meinung nach eine Freundschaft aus, wenn man sich nicht GRADE SOWAS sagen kann?

  • (40) 30.01.19 - 18:09

    Das ist ja gerade meine Zwickmühle: Einerseits mache ich mir Gedanken um sie, und überlege manchmal, ob und wie ich es ansprechen könnte.

    Andererseits macht finde ich eine Freundschaft auch aus, dass man genau so, wie man ist, angenommen wird, ohne sich irgendwie bewertet oder in Frage gestellt zu fühlen.

    Und ihr Übergewicht ist nun mal ein Thema, das sie verletzen könnte... Zumal sie von sich aus so gar nicht darüber spricht.

(41) 30.01.19 - 19:21

Ja, ich verstehe glaube ich was Du meinst.

Dennoch wäre es für mich nicht die beste oder perfekte Freundschaft wenn man sich nicht wirklich alles sagen kann. Ohne verstellen. Ohne Schönreden.

Ich bin eh ein sehr wahrheitsliebender Mensch. Für mich zählt genau sowas. Es ist für mich verletztender, etwas schöner zu reden oder erzählt zu bekommen als es ist etc. Mich bereichern diese aufrichtigen Beziehungen, in denen ich weiss, dass ich demnjenigen nichts vormache. Und jaa ich freue mich wirklich auch über eine unschöne Wahrheit.

Wenn sie sich selbst richtig reflektiert hat und nicht total auf den Kopf gefallen ist, wird sie es sowieso schon wissen dass sie Übergewicht hat. Vielleicht will sie darüber auch gern reden und es belastet sie?

Vielleicht fühlt sie sich damit auch allein, hübscher, wohler, vielleicht ist es auch eine Krankheit. Vielleicht hat sie auch Angst, dass Du es total negativ findest und will deshalb da nicht weiter drauf eingehen. Es kann so vieles sein. Was auch immer es ist. Es wird meines Erachtens nach aufjedenfall, so oder so interssant werden, zu erfahren wie sie darüber denkt.

Ich würde es ihr einfach so ähnlich sagen wie Dus geschrieben hast.

Derzeit sind Kurvy Models auch total angesagt. Du könntest ja sogar sagen, dass sie darunter fallen könnte, da sie übergewichtig ist. Wie sies findet. Das Du dabei ein bisschen Angst vor gesundheitlichen Problemen hast etc. Halt so wie Du darüber denkst.

Wenn Du immer so ein Tabu drum machst wird sich die Stimmung zwischen Euch auch nicht verbessern ...und auf einem Niveau bleiben, das wie ich finde seeehr austauschbar ist. Weil Sachen verschweigen und sich dann gut verstehen -geht einfach, und ist doch letztendlich ziemlich kalt.

Ich war übrigens immer schlank. Bin dann krank geworden, so dass ich mich kaum bewegen konnte und bekam dann Übergewicht. Wenn dieses leichte Übergewicht nicht zu gesundheitlichen Problemen geführt hätte, hätte ich das Übergewicht glaub ich sogar attraktiv gefunden. Jedenfall geh ich jetzt wieder in die Richtung schlank ;-) Mein Partner findet mich übrigens schlank genauso sexy wie mit etwas Übergewicht. Also ich glaube ihm das auch wenn ich nach der Häufigkeit des Sex etc gehe :-D Es gibt auch welche, die nur Frauen mit was mehr dran mögen ;-) Es muss nicht immer so negativ behaftet sein, wie Du vielleicht meinst, dick zu sein oder jemanden darauf anzusprechen der´s ist.

  • (42) 30.01.19 - 19:43

    Hi,
    ich könnte mir vorstellen, dass die TE genau spürt, dass es ein Thema ist, das ihre Freundin nicht ansprechen möchte. Sonst hätte sie es sicherlich schon getan.
    Auch das macht eine tiefe Freundschaft aus. Feinfühlig miteinander umgehen.

    vlg tina

(43) 30.01.19 - 19:59

Ich selbst bin übergewichtig und mache das nirgendwo zum Thema, auch nicht mit meinen engsten Freunden. Ich selbst fände es total unsensibel, wenn mich eine Freundin darauf ansprechen würde (am besten noch eine die besonders schlank ist...)
Wenn sie drüber reden will, wird sie das Thema von sich aus beginnen.
Ansonsten sag ich ehrlich, lass das Thema ruhen. Gerade wenn sie stark übergewichtig ist, steckt da meist mehr dahinter und man will da nicht mit jedem drüber sprechen, auch nicht mit einer engen Freundin (bei der man vielleicht das Gefühl hat sie ist nicht der richtige Ansprechpartner)
Ich selber habe Zeit meines Lebens Esstörungen gehabt, als Jugendliche Magersucht und heute leider das Gegenteil. Man sucht sich seine Leute mit denen man darüber reden will....und das sind meist Gleichgesinnte.
Man muss sich als übergewichtiger Mensch ständig ungefragt dumme Ratschläge von anderen anhören, die das eigentlich überhaupt nichts angeht, da kann das ansprechen (auch von einer sonst lieben Freundin) gehörig nach hinten losgehen.

(44) 30.01.19 - 20:21

Hallo!

Ich hasse es, auf mein Gewicht angesprochen zu werden. Ich besitze einen Spiegel, also bin ich mir dieses Umstandes im Klaren. Und wenn jetzt eine gute Fee kommen würde, die nur einmal mit ihrem Zauberstab wedelt und ich passe ab da in Größe 38, hätte ich auch nichts dagegen.

Aber es gibt keine guten Feen, und eine dauerhafte Gewichtsreduktion in diesem Umfang ist keine Kleinigkeit und auch nicht mal eben so in ein paar Monaten zu machen. Du kennst sicher ganz viele Leute, die schon rumjammern, weil sie 5 Kilo abnehmen müssen für ihre Bikinifigur - und kurz nach Ende der Diät aber allerspätestens nach Weihnachten die 5 Kilo wieder drauf haben. Viele stark übergewichtige haben auch ihre fünf Kilo, die sie regelmäßig ab- und wieder zunehmen. Weil sie eben keine Diät dauerhaft durchhalten.

Wenn Du was tun willst, dann rede nicht, sondern schlag Aktivitäten mit Bewegung vor. Trefft euch zu einem Spaziergang, weil DU zur Zeit immer so viel rumsitzt und dringend Bewegung brauchst. Halte sie da aber außen vor. Und wenn sie zum Kaffee vorbei kommt, dann gibts Obst statt Torte. Aber bitte mach kein Thema draus.

Übrigens ist es ein totaler Unsinn, dass man schlanker sofort glücklicher wäre, sie wäre immer noch unsicher und schüchtern. hätte nicht sofort den Traummann am Start und auch nicht plötzlich eine tolle Karriere. Es ändert sich erst mal nur die Konfektionsgröße..

(45) 30.01.19 - 20:46

Warum muss das Gewicht denn Thematisiert werden? Weil es dich interessiert und du das Bedürfnis hast oder geht es tatsächlich um einen Gesundheitlichen Aspekt?

Desto mehr du um das Thema eierst was dich interessiert, desto schlechter fühlt sie sich damit, weil sie dann merkt, dass es für dich eben nicht so normal ist wie das Wetter.

Also wenn mein Bester Kumpel kommen würde und mich offen fragen würde wie ich mich mit meinem Gewicht fühle und ob ich vorhätte was zu ändern, würde mich das nicht stören. Das kommt aber sicher auf ihren Typ an.

In Sport hingegen bin ich so schlecht, da ist es mir vor meinen Freundinnen schon perinlich, dass würde ich mit einem Mann nicht machen wollen.

Aber vielleicht gemeinsames Kochen oder ein Kochkurs etc...

Du kennst sie am besten und wirst wissen welche Art die beste ist.

(46) 30.01.19 - 21:09

Die meisten Leute hier bestimmen für deine Freundin, dass es taktlos wäre, ihr Deine Gefühle zu ihrem Gewicht mitzuteilen. Das finde ich z.B. respektlos und taktlos. #gruebel

Sie raten Dir dazu, Dinge zu verschweigen von denen sie keine Ahnung haben, ob es bei deiner Freundin gut oder schlecht ankommt. Es sind schlichtweg Mutmaßungen, dass sie sich nicht freuen würde, wenn mal jemand mit ihr darüber spricht. #aha

Was sagen diese Leute dann, wenn sie gesundheitliche Probleme davon bekäme und vielleicht sogar stirb und Du hast ihr nichts gesagt? Vermutlich: " Mach Dir keinen Kopf. Du trägst keine Schuld".#augen#schein

Das ist hier bei urbia meistens so. Die meisten möchten die Wahrheit nicht hören wenn sie zu unschön ist. Da sie sie nicht ertragen. Solche Leute wundern sich dann im Partnerschafts- oder Liebesforum, wenn sie jahrelang von jemandem belogen oder betrogen werden und Dinge verschwiegen bekommen haben. Wenn Partner plötzlich auf sie zukommen und sagen: "eigentlich finde ich dich schon seit Jahren nicht mehr hübsch". Wie cool es gewesen wäre, hätten sie das schon vorher gewusst, hm? Aber sowas sagt man solchen Menschen nunmal nicht, die es nicht gelernt haben, die Wahrheit hören zu wollen. #schwitz

Die urbis werden Dir meistens zu "Feinfühligkeit" raten. Was für sie bedeutet, die Wahrheit zu verschweigen. Feinfühligkeit ist für mich was anderes. Es bedeutet für mich, aufrichtig, respektvoll, ehrlich, tollerant, taktvoll und nett miteinander umzugehen. Das hat normalerweise nichts mit: "ich sag es ihr nicht weil es sie verletzten könnte" zu tun. Es hat nichts mit Unehrlichkeit zu tun. Aber das erkennen die meisten hier nicht. #schmoll

Ich finde es einfach nur Respektvoll einen Menschen nicht zu vereppeln. #sonne

Wenn ihr alle mal ein bisschen toleranter im Bereich Meinungsfreiheit wärt und nicht immer erwarten würdet, dass Eure "Liebsten" so sind, wie ihr es Euch in Eurer Wunschvorstellung erhofft. Sie auch anders sein dürfen. Wäre das Leben ein Stückweit leichter. Es gibt bestimmt diese eine Freundin die garkeie Probleme mit dem Übergewicht hat. Wie in Eurer Wunschvorstellung, wenn ihr Übergewicht habt. Aber es gibt auch die anderen, die es haben. Und diese dürfen auch ihre Daseinsberechtigung haben und sind nicht unbedingt schlechtere Menschen dadurch. Es gibt tatsächlich auch Menschen die genau so eine Freundin haben möchten, die etwas gegen das Gewicht hat. Und das auch so äußert. #klee

  • (47) 30.01.19 - 21:26
    Sehe ich anders

    Ehrlichkeit ist sicherlich wünschenswert und wenn es hier um den Partner/in gehen würde der sie nicht mehr attraktiv findet, dann wäre ich auch dafür etwas zu sagen, aber in einer Freundschaft wo gegenseitige Anziehung keine Rolle spielt finde ich, das einfach ehrlich sein nicht immer angebracht ist.
    Bist du selbst betroffen? Weißt du wie es sich anfühlt stark übergewichtig zu sein? Die meisten (vor allem Frauen) wollen darauf nicht angesprochen werden und nicht darüber reden. Wenn man massives Übergewicht hat, kommt das nicht von "mal zuviel über Weihnachten gegessen", sondern es steckt oft ein tiefgreifendes Problem dahinter über das man NICHT mit jedem sprechen möchte, auch durchaus nicht mit der besten Freundin (vor allem wenn diese keine Gewichtsprobleme hat).
    Mag sein, dass besagte Freundin anders tickt, allerdings bezweifel ich das sehr. Ich habe viele übergewichtige Frauen in meinem Leben kennengelernt und plage mich seit Jahrzehnten selbst mit Übergewicht und ich kann mir kaum was schlimmeres vorstellen als darauf angesprochen zu werden.
    Nicht alles wird besser indem man es direkt anspricht.

(48) 31.01.19 - 10:09

Hi,
ich habe nach dem Lesen sämtlicher Beiträge doch die ganze Zeit über dein Dilemma nachdenken müssen. Zumal die Meinungen zu deiner weiteren Vorgehensweise doch stark auseinander gehen. (Und ich einem einen kleinen Seitenhieb auf einen meiner beiden Beiträge zu erkennen glaube;-))

Du bist dir ja sehr unsicher, ob du deine Freundin darauf ansprechen sollst oder nicht und hast es die ganzen Jahre über nicht getan. Ich denke, die Gefahr besteht, dass du aus dieser Unsicherheit heraus dann vielleicht den falschen Ansatz wählen und sie doch sehr vor den Kopf stoßen könntest.
Du eröffnest ihr ja keine neuen Erkenntnisse, dass sie zu dick ist, Probleme hat und in dir eine Freundin hat, die für sie da ist und die sich sorgst, weiß sie ja mit Sicherheit selbst.

Warum möchtest du dieses Tabuthema denn ausgerechnet jetzt anschneiden? Gibt es einen ausschlaggebenden Anlass? Ist es eine Entwicklung in ihrem Wesen, die erkennen lässt, dass es ihr schlechter als zuvor geht? Oder ist es der Gegenteil der Fall, wirkt sie offener und bereiter dafür?

vlg tina

  • (49) 31.01.19 - 11:10

    Liebe Tina,

    erstmal danke dafür, dass du so mit nachdenkst, es freut mich sehr, und ich fand deine beiden Beiträge ganz toll - ehrlich. Ich hatte das Gefühl, dass du gut verstehst, worum es mir geht, und auch richtig einschätzt, dass mich vermutlich (zu recht) ein „Bauchgefühl“ vom Ansprechen abhält - und ich denke mittlerweile, das ich diesem Gefühl auch eher weiter folgen sollte.

    Warum ich jetzt überhaupt darüber nachdenke, ist eine gute Frage.

    Ich glaube, es ist eher Zweiteres. Ich kenne diese Freundin ja schon lange, aber irgendwie ist in den letzten Jahren die Freundschaft nochmal näher und entspannter geworden. Ich habe zum Beispiel mittlerweile mehrere (kleine) Kinder, und irgendwie hat sie da ein ganz tolles, unkompliziertes Händchen, mit anzupacken, zu spielen, und alles, was noch so dazugehört. Sie kommt auch öfter mal zu meiner Unterstützung vorbei, wenn mein Mann beruflich lange weg ist. Dadurch haben wir auch manchmal schon Situationen zusammen gemeistert, die jetzt nicht nur rosig waren, sondern „Stress in Tüten“ ;-), und irgendwie hab ich das Gefühl, das hat etwas Positives bewirkt. Sie weiß völlig ungeschminkt, dass bei mir nicht immer alles perfekt läuft, und sie öffnet sich nun auch mehr, wenn sie von etwas gestresst ist, oder sie etwas belastet. Das freut mich total.

    Und nun denke ich manchmal, dass es so komisch ist: Wir wissen so viel voneinander, aber ich habe keine Ahnung, warum genau sie solche Gewichtsprobleme hat, wie es ihr eigentlich damit all die Jahre geht, ob sie manchmal gerne (wie eine andere Userin schrieb) „sich in Größe 38 zaubern würde“, oder ob es für sie eher okay so ist.

    Und was ich außerdem denke: Ich hätte gerne, dass wir immer noch befreundet sind, wenn wir alt und runzelig sind, und ich habe manchmal Sorge, dass ihr starkes Übergewicht ihr Leben verkürzen könnte.

    Um übrigens noch auf die Frage von Moni und einigen anderen Userinnen zu antworten: Ich selber bin „leider“ schlank und sportlich. Das macht natürlich das Ansprechen schwieriger, als wenn man vorschlagen könnte, das Thema gemeinsam anzugehen...

    Tja. Wie du sagst: Es scheint wirklich keine einfache Entscheidung zu sein, und vielleicht ist die Gefahr größer, dass ich etwas kaputt mache, als wenn ich einfach weiter meine Klappe halte - und warte, ob sie sich irgendwann von sich aus dazu bei mir meldet. Ich fand schön, wie du schriebst, dass sie sicherlich weiß, dass ich zu ihrer Unterstützung da wäre. Das hoffe ich sehr!! Denn mehr wollte ich ihr auch eigentlich auch gar nicht sagen - als dass ich gerne an ihrer Seite wäre, FALLS Sie gerne etwas ändern würde, aber es evtl. alleine nicht schafft.

    Lieber Gruß!

    • Hallo!

      Rein statistisch gesehen ist es extrem unwahrscheinlich, dauerhaft ein Übergewicht von 30 oder mehr Kilo abzunehmen. Selbst Leute, denen ein Magenband eingesetzt wurde, verlieren im Durchschnitt nur 15% ihres ursprünglichen Gewichts - das sind vielleicht zwei Kleidergrößen, aber was macht das schon, wenn man sogar bei Ulla Popken nach den allgergrößten Sachen suchen musste?

      Die Fettzellen sind vorhanden und sie brüllen mit Macht darum, wieder gefüllt zu werden. Abnehmen selbst ist daher oft gar nicht das extreme Problem, sondern das Gewicht dann auch zu halten. Wenn man irgendwann nach der Abnahme wieder halbwegs "normal" essen will, dann hat man alles ruck zuck wieder drauf.

      Deine Freundin muss also gar nicht übermäßig viel Essen, es kann durchaus sein, dass sie seit JAHREN auf Dauerdiät ist, aber ihr Körper so gut Essen verwerten kann, dass trotzdem nicht mehr viel geht. Und die ganzen Tipps die es gibt - Low Carb schadet auf Dauer den Nieren. Trennkost bringt wenig. Schlankheitsdrinks klappen gut, aber soll sie die für 3 Jahre nehmen? Und und Und. es ist nicht einfach.

      Und ganz ehrlich, die Ursachen sind sehr privat. Ob die Eltern damals den Schnuller in Honig getunkt haben, damit das Baby aufhört zu schreien und so schon in allerfrühster Kindheit die Verbindung "Süß=Trost" hergestellt wurde, die Familie immer schon extrem ungesund gekocht hat und damit alle ein Gewichtsproblem hatten, ob es seelische Probleme sind, die Notwendigkeit, sich ein "dickes Fell anzuschaffen" oder sie durch immer wieder eine neue Diät mit folgendem Yo-Yo-Effekt so viel zugenommen hat - das ist wirklich intim und geht auch meistens in die frühe Kindheit. Und ganz oft wirken viele Faktoren zusammen.

      Auch wenn sie deine Freundin ist, muss sie wirklich einen kompletten Seelenstriptease hinlegen, nur um festzustellen, dass sie sowieso kaum was isst und daher ihrem Übergewicht durch Ernährung kaum noch beizukommen ist?

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