Ungefragte Ratschläge von Mann

Hallo Ihr Lieben,

ich bräuchte ein paar Tipps wie man aus dieser blöden Spirale rauskommt:
Mein Mann mischt sich immer wieder ungefragt in meine berufliche Situation ein und hört auch nicht mehr auf, bis ich meist recht deprimiert bin und denke ich lande irgendwann man in der Arbeitslosigkeit da ich nichts richtig kann.

Zum Hintergrund: es ist derzeit für mich nicht so einfach beruflich. Zugegebenermaßen weiß ich nicht, ob ich grade im richtigen Job stehe oder nicht. Mal denke ich "passt super", mal habe ich aber ziemliche Existenzängste, dann mit Ü40 nichts mehr zu finden. Bzw hier muss ich schon einhaken: Mein Mann ist der Meinung wenn ich nicht jetzt wechsle oder mich anders aufstelle, finde ich nie wieder einen Job da zu alt...

Bei der eigentlich alltäglichen und harmlosen Frage "Wie wars heute bei Dir" abends ziehe ich schon das Genick ein. Eigentlich kann es mit jeder Antwort für mich zum Spießrouten-Lauf werden.
Es ist zT wie ein Verhör... Er fängt dann an, mich auszufragen, dabei drängt er mich zT völlig in die Ecke wenn ich erzähle, was ich wie gemacht habe. Er will dann alles ganz genau wissen, meist endet es aber mit Ratschlägen seinerseits warum ich nicht dies... nicht das... so kann man doch nicht... Spätestens wenn die Sätze dann mit "Du musst" anfangen ist bei mir die Hutschnur durch und ich gehe sauer aus dem Raum.
Ich habe bisher noch keine einzige Methode gefunden, wie ich da wieder rauskomme, OHNE dass ER nachher tagelang sauer ist oder mich weiter behackt...
Ich habe versucht:
- Schatz ich mag ehrlich gesagt heute die Arbeit hinter mir lassen
- Du ich bin müde
- lass uns von was anderem sprechen
- ich finde Deine Ideen ganz gut, ich denke drüber nach, danke Dir (endet mit eigeschnappten: " Du machst eh nie...")
- ich möchte grade nicht über Arbeit sprechen

Manchmal hilft er mir wirklich, er hat ja auch gute Ideen, aber meistens möchte ich gar keine Ratschläge weil ich selbst nicht weiß wie ich weitermachen möchte.
Mein Bauch sagt mir, es kommt die Zeit, in der sich das für mich beruflich klärt. Aber sie ist noch nicht da.
Er kann das gar nicht akzeptieren. Auch mein Abwarten nicht. Er sagt immer er wäre froh, wenn ihm jemand so helfen wollen würde wie er mir helfen würde wenn ich es denn zulassen würde...

Manchmal frage ich mich, ob ich nur gutverdienend für ihn wichtig bin...#gruebel

Hat jemand sinnvolle Ratschläge wie ich das so klären kann, dass ich zuhause keine Eiszeit deswegen habe?

1

Hallo!

Was ist denn das Problem für ihn? Bist Du oft deprimiert oder unzufrieden mit deiner Stelle? Das würde er ja auch abbekommen, und da kann ich verstehen, dass es ihm auch an die Substanz geht.

Wenn Du rundum zufrieden wärst, würde das Thema ja gar nicht so oft aufkommen.

Zu alt bist Du nicht, sondern genau richtig: raus aus der Kinder-Phase, aber du hast noch locker 25 Jahre Berufsleben vor Dir. Was sollte denn da zu alt sein? Das ist gerade für Frauen das optimale Alter für einen Wechsel, der neue Arbeitgeber muss nicht befürchten, dass Du kaum nach der Einarbeitung schwanger wirst, und du bist noch sehr lange dort.

3

Danke für Deine Antwort. Deine Worte muntern mich richtig auf.

Nein ich beschwere mich nicht oft. Ich bin selten unzufrieden, denn wir haben ja eigentlich so viel: 2 gesunde und tolle Kinder, schönes Haus, Freunde, Familie. Von daher lebe ich grade eher in den Tag und genieße was ich habe.

Eigentlich nur wenn es richtig Stress gab auf Arbeit - was selten vorkommt - bin ich mal abends ko und möchte nicht groß reden. Oder erzähle ich mal meinen Frust - wobei ich das eingestellt habe und maximal einmal im halben Jahr mir rausrutscht...

Er selbst bringt er viel von der Arbeit mit, fast jeden Abend meint er, er habe genug und sei gestresst und dann gehts los von wegen ich könne es so gut haben im Job, WENN ich mal endlich mal dies oder jenes...

4

Klingt eher so, als ob er selbst unzufrieden im Job ist, aber statt seine eigenen Probleme anzupacken lieber auf Dich ablenkt.

Dann kann er sich selbst gegenüber sagen, er könne ja gerade nichts ändern, weil deine Situation ja so unsicher wäre... verstehst du, was ich meine? Er hat selber Schiss seine Probleme anzupacken, also konstruiert er künstlich Probleme bei Dir, damit er sich nicht drum kümmern muss.

Ich würde ihn da mal drauf ansprechen. Seine Probleme werden ja nicht kleiner, nur weil er Dir welche einredet, sondern er konstruiert nur eine Ausrede, warum er sich jetzt gerade nicht kümmern muss.

weiteren Kommentar laden
2

Wenn jemand meine Entscheidungen nicht akzeptieren kann und meine Grenzen nicht akzeptiert, würde ich genau da ansetzen und mich fragen, warum das so ist.
Diese Frage würde ich dem Anderen dann auch mal stellen und hören was er zu sagen hat.
Stichwort: Mansplaining

Ich würde mir aber auch überlegen welche Signale ich vielleicht sende, die den anderen dazu ermutigen mich immer weiter beraten zu wollen obwohl ich vermeintlich klar ausdrücke, dass ich das nicht möchte.

Mehr fällt mir dazu auch nicht ein ausser:

Ratschläge sind auch Schläge

Lg fatty

5

Hallo Fatty,

oh Danke Dir für Deinen Beitrag.
Ich lese mich grade in Mansplaining ein... ganz interessant.

LG

6

Egal, welchen englischen Spezialbegriff es dafür gibt - wenn sich mein Mann derart in mein Berufsleben eingemischt hätte, hätte ich es ihm einmal so unmissverständlich deutlich klargemacht, dass er es sich für ewig gemerkt hätte. Was er da veranstaltet, ist respektlos und gemein. Konstruktive Hilfe ist er keine, also kann er genauso still sein und soll sich um seinen eigenen offensichtlichen Frust kümmern.
Als mir mal ein Chef das Leben zur Hölle machte, sagte mein Mann nur ganz ruhig "dann schick doch einfach mal Testbewerbungen los, dann siehst du, was du noch angeboten bekommst. Dazu holst du dir ein Zwischenzeugnis, sodass dein Personalchef das mitkriegt, dass du gehen willst".
Es war die beste Idee, die man haben konnte. Meine Personalabteilung fiel aus allen Wolken, als ich das Zeugnis wollte - und knöpften sich meinen Chef äußerst unmissverständlich vor. Die Initativbewerbungen ergaben, dass ich ohne weiteres auch andere Jobs im ÖD bekommen hätte, was meinem Selbstbewusstsein seehr gut tat. Ich war übrigens auch schon ca. 40 Jahre alt. Ich blieb dann bei meinem Haufen, da ich auch wusste, dass mein Chef irgendwann wieder wegversetzt wird und es mir dort ja gefiel.
Wäre das eine Idee für Dich? DU musst Dich in Deinem Beruf und bei dem Arbeitsplatz wohlfühlen, von Deinem Mann lässt Du Dir bitte nichts vorschreiben.
LG Moni

7

An Mansplaining musste ich auch gerade denken...

Ich habe mal das Konzept "Blaumann oder Rotwein" gehört, vielleicht hilft es dir:

Männer neigen dazu, sofort Lösungen zu suchen, wenn man ihnen etwas erzählt. Sie springen also gedanklich in den Blaumann und eilen sofort zur Hilfe.

Gerade Frauen wollen aber manchmal einfach nur erzählen. Sie wissen schon ganz gut, wie sie verfahren wollen und möchten lediglich berichten. Quasi beim Glas Rotwein in Ruhe erzählen.

Einigen Paaren soll es geholfen haben, wenn die Frau jedes mal, wenn der Mann mal wieder im gedanklichen Blaumann steckte, direkt zu sagen: "Stopp Schatz - Rotwein!" Das reicht als Signalwort. Anders herum kann sie ganz gezielt um den Blaumann bitten, wenn sie seine Hilfe möchte.

Das Konzept musst Du deinem Mann natürlich in Ruhe und wenn ihr beide gerade emotional nicht aufgewühlt sein, erklären. Sonst versteht er ja nur Bahnhof.

Wenn solche "sanften" Methoden nicht helfen, funktioniert nur eine klare Grenzziehung mit Ich-Botschaft: "Ich fühle mich bedrängt von deinen Ratschlägen. Ich habe nicht darum gebeten, sie helfen mir nicht und ich will ab sofort, dass du das akzeptierst."

Mein Mann hat auch immer Tatendrang und manchmal muss ich sehr deutlich werden, wenn er am liebsten los sprinten würde und meine Angelegenheiten für mich regeln. Es ist schön, wenn man sich auf seinen Partner verlassen kann, aber es sollte schon klar sein, dass beide mündige Menschen sind und keiner einen Retter braucht. Noch dazu ungefragt.

8

hast du auch schon ein:

ES GEHT DICH NICHTS AN
versucht? Ein deutliches "Ich möchte nicht sprechen"?

Tut mir leid, aber wenn mich jemand derart bedrängen würde, den würde ich nicht mit "Du Schatz..." versuchen abzuspeisen. Sondern ein Gespräch über gegenseitigen Respekt aufdrängen.

10

Dein Mann klingt leider etwas übergriffig, ich frage mich, ob sich das in anderen Bereichen auch zeigt.

"Schatz ich mag ehrlich gesagt heute die Arbeit hinter mir lassen"
Wenn dem so ist, dann formuliere das deutlicher "Ich möchte heute nicht über die Arbeit sprechen." und dann bleibe dabei, also: Wirklich nichts über die Arbeit sagen.
Wie reagiert er, wenn du ihm sowas sagst? Bohrt er weiter und gibt nicht auf, bis du ihm antwortest?

15

Ja er bohrt weiter bis ich etwas sage...

11

Das hört sich wirklich furchtbar an! Ich wäre da gar nicht diplomatisch und vorsichtig, sondern ich würde mir das ziemlich schnell verbitten. Es ist dein Job, nicht seiner. Wenn er konstruktiv wäre und dir damit helfen würde - gut. Aber er tut genau das Gegenteil - er hackt auf dir rum. Und wer das so macht... sorry, aber der will auch nicht helfen, sondern nur beweisen, wie tüchtig er selbst ist. Warum machst du das mit?

12

Warum sagst du nicht offen, wie seine "Ratschläge" bei dir ankommen, anstatt auszuweichen.

"Ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt."
"Deine Aussagen sind für mich nicht hilfreich."
"Du überschreitest meine Grenzen."
"Ich empfinde deine Hilfen als Einmischung."
"Ich würde gerne mit dir auf Augenhöhe sprechen."
"Ich fühle mich von dir klein gemacht und herabgesetzt."
"Ich wünsche mir Ermutigung."
"Lass es mich auf meine Weise tun."
"Ich brauche Zeit und Luft zum Atmen."
"Bin ich nur gut verdienend wichtig für dich?"

Grüße

13

Na schatz, wie war die Arbeit heute?

"normal wie immer"

Na erzähl doch mal etwas genauer...

"nein schatz. Wie du sicherlich weißt, unterschreibt man schon beim Abschluss des Arbeitsvertrags dafür, dass man über betriebliche Angelegenheiten schweigt."

Es geht deinem Mann einfach rein gar nichts an. Also erzähl ihm einfach gar nichts.

Was soll er tun, wenn du NICHTS erzählst? Dich fesseln und foltern? Wohl kaum.

Also hast du es ja wohl in der Hand.