Verzweifelt

Hallo,
ich wei├č nicht ob ich das alles vielleicht falsch sehe, aber mich macht es momentan echt fertig...
Ich versuche mich kurz zu fassen ­čÖł

Mein Freund& ich sind im Januar sechs Jahre zusammen. Unsere Tochter ist jetzt 3 Monate alt& sie war auch ein Wunschkind.
Seit ca 2 Wochen ist sie sehr weinerlich, m├Âchte nur getragen werden& wenig alleine liegen. Abends einschlafen ist echt schwierig. Was dazu f├╝hrt, dass ich zu sehr wenig im Haushalt komme& es bei mir mittlerweile auch an die Substanz geht.
Er geht seit 2 Monaten wieder voll arbeiten.

Jetzt warf er mir den einen Tag vor "├ťberfordert zu sein" da ich sie mir in den Arm nahm als sie weinte& er sie nicht beruhigen konnte. F├╝hlte er sich wohl auf den Schlips getreten. Als Mutter wei├č man ja aber nunmal wie man seine Kinder am besten beruhigen kann.
Er findet es nach ein paar Stunden mit ihr schon anstrengend& sagt sie ist eine Nervens├Ąge..
& da ich auch etwas Schlafmangel habe (V├Ąter h├Âren die Kinder nachts ja nicht ­čĄĚ­čĆ╝ÔÇŹÔÖÇ´ŞĆ), bin ich auch etwas gereizt.
Aber statt mir mal zu sagen, dass ich einen guten Job mache, meckert er nur mit mir& sagt ich soll noch dies& das machen.
Vorhin habe ich es mich mal gewagt duschen zu gehen, als er kochte. Da war sie aber auch gerade ruhig& sa├č in ihrem Stuhl& schaute ihm zu.
Da war er sauer, wieso ich nicht noch 5 Minuten gewartet habe, bis er denn soweit fertig war. Weil sie dann etwas sp├Ąter mit weinen anfing und er nebenbei kochen musste. Meinte ich auch, wenn ich alleine bin, hilft mir auch keiner. Hat er nicht verstanden& maulte nur rum.

Sehe ich das nur so eng oder ist sein Verhalten wirklich etwas doof?

1

Oh die erste Zeit ist sooooo anstrengend ­čśů

Bei ein paar Dingen musste ich schmunzeln: also als Mutter wei├č man nicht unbedingt automatisch besser, wie man sein Kind beruhigt. Vielleicht eher als Person, die viel Zeit mit dem Kind verbringt. Aber es gab hier durchaus Zeiten (Motte ist inzwischen 1,5), wo mein Mann sie viel besser beruhigen konnte, als ich (und ich bin in EZ und hab gestillt und getragen und alles ­čśů). Und glaub mir, man nimmt das (selbst wenn man es rational besser wei├č!) pers├Ânlich und f├╝hlt sich vom Kind ungeliebt und selbst ├╝berfordert. ABER: man lernt, damit umzugehen und vieles auch einfach mal anzunehmen. ;)

Ich hasse es auch zu kochen und dabei auf Motte aufzupassen. In den letzten 1,5 Jahren hab ich das wenn m├Âglich immer vermieden! Da w├Ąre ich tats├Ąchlich auch angepisst gewesen ­čÖŐ verstehe deinen Partner da sehr gut. Aber auch du hast dir deine Dusche in Ruhe mehr als verdient, keine frage! Das kann man nur vielleicht einfach besser timen ;) aber das kriegt ihr noch hin!!

Wir haben im ersten Jahr auch wirklich viel gestritten und jeder war mal ├╝berfordert (es ist ja auch komplett anders, als man es sich so ohne Kind vorgestellt hat). Wichtig ist: redet dr├╝ber, erkl├Ąrt warum euch was verletzt und sagt euch auch, was ihr gut findet am anderen.

Ich sag meinem Mann ganz oft, dass ich ihn wirklich bewundere, dass er Vollzeit arbeitet (und da sogar gute Erfolge erzielt) und hier zu Hause trotzdem noch so viel leistet (bringt Motte ins Bett, macht Haushalt, repariert kleine Dinge usw). Umgekehrt wei├č er (dank Elternzeit und Zeit alleine mit Motte immer mal wieder) wie anstrengend es mit Kind ist und man an manchen Tagen wirklich zu NICHTS kommt. Obwohl man zu Hause ist ­čśů er ÔÇ×bewundertÔÇť mich, dass ich das aushalte und durchstehe und es hier insgesamt trotzdem immer sauber ist, wie saubere W├Ąsche im Schrank und einen vollen K├╝hlschrank haben. Ich Termine koordiniere, Papiere bearbeite usw.

Das war zwar immer so, trotzdem war das erste Jahr richtig hart, weil bei jedem die Emotionen Achterbahn fahren, man sich neu organisieren muss und pl├Âtzlich ganz andere Erwartungen an Partner und Kind hat. Da hilft (in meinen Augen) nur: Probleme ansprechen, L├Âsungen (gemeinsam!) suchen und eigenes Verhalten reflektieren.

Mein Mann gab auch mal zu, dass er vom schreien ├╝berfordert ist. ├äu├čerlich tat er es viel besser als ich (blieb ruhig, wirkte fast ÔÇ×desinteressiertÔÇť und trug Motte einfach rum; w├Ąhrend ich regelm├Ą├čig mit Motte in Tr├Ąnen ausbrach und mitheulte ­čśů). Das hat mich wahnsinnig ├╝berrascht und ich hab meine Forderungen (er soll sie ├Âfter tr├Âsten, weil er es ÔÇ×kannÔÇť) ├╝berdacht. Wir haben uns dann abends abgewechselt, in 20-30 Minuten Schichten ­čśů das war immer ne spanne, die jeder aushielt und der andere durfte Fernsehen oder raus und durchatmen.

Das ist kein Patentrezept, aber ein Beispiel f├╝r einen L├Âsungsansatz. Wie sowas ablaufen kann ­čśŐ

Die Zeit spielt zudem auch f├╝r euch. Auch wenn man es kaum glauben will - es wird besser! Ehrlich!

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Besser h├Ątte ich es nicht ausdr├╝cken k├Ânnen!

Dr├╝ber sprechen ist das A und O. Aufgaben teilen usw. Was das Beruhigen angeht, war es bei uns exakt das Gleiche ­čśé Die M├Ąnner haben da irgendwie den Vorteil, dass sie besser "funktionieren" k├Ânnen, glaub ich. Als Mutter ist man schneller emotional. Schlie├člich kann man ja sonst alles. Hunger stillen, Wickeln, ... Wenn das Beruhigen dann pl├Âtzlich nicht klappt, ist man schnell an der emotionalen Grenze.

2

Das erste Babyjahr, wer kennt es nicht ­čśů
Meiner Meinung gibt es zwei Baustellen. Du kannst nicht gut abgeben, er will nicht so gerne ├╝bernehmen. Eure Tochter nervt nicht, sie hat Bed├╝rfnisse die sie nur auf eine Art einfordern kann, n├Ârgeln, meckern, weinen und schreien. Das muss dein lieber Freund begreifen.

Auch wenn es weh tut, ├╝bergibt ihm die Verantwortung f├╝r euer Kind. Stillst du die kleine? Denn bis auf diese Sache k├Ânnen Papas absolut alles machen. Auch das sollte er verstehen und "├╝ben".

Uns Frauen ist das nicht "in die Wiege gelegt". Wir m├╝ssen den Umgang mit den kleinen auch lernen. Du hattest 3 Monate, jetzt ist er dran. Wenn ich mal nicht mehr kann, nichts mehr hilft, dann bringe ich meinem Mann unseren mittlerweile zweiten Sohn, sage, dass ich nicht mehr kann, schlie├če hinter mir die T├╝r und lege mich ins Bett. Nach 10 Minuten hat er es dann auch geschafft, legt ihn neben mich ins Beistellbett, w├Ąhrend ich schon tief und fest schlafe. Die k├Ânnen das. Du musst sie nur ein bisschen zwingen ­čśë

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<<Als Mutter wei├č man ja aber nunmal wie man seine Kinder am besten beruhigen kann.<<
Du degradierst deinen Mann und wunderst dich, dass er sauer ist?

Ich kenne haufenweise V├Ąter, die genau wissen, wie sie ihr Kind beruhigen k├Ânnen.
Aber man muss sie auch lassen und ihnen nicht das Gef├╝hl geben, dass sie sowieso zu doof sind.

<<Vorhin habe ich es mich mal gewagt duschen zu gehen, als er kochte. Da war sie aber auch gerade ruhig& sa├č in ihrem Stuhl& schaute ihm zu.
Da war er sauer, wieso ich nicht noch 5 Minuten gewartet habe, bis er denn soweit fertig war. <<
Kann ich auch verstehen. Wir hatten ein absolutes Schrei- und N├Ârgelbaby und wir haben immer nur "unsere" Sachen wie eben auch duschen gemacht, wenn der andere sich um das Baby k├╝mmern konnte, nicht gerade am Kochen war.

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Ich denke auch, es liest sich etwas, als ob Dein Mann mit dem Baby ├╝berfordert ist und Du ihm zus├Ątzlich unbewusst das Gef├╝hl gibst, dass Du es besser kannst. Wenn Du den Satz hier niederschreibst, wird er als Dein Partner genau merken, dass Du denkst: "Mensch, ich kann das aber besser." Lass ihn mit der Kleinen auf seine Art und Weise umgehen, die beiden werden schon ihren Weg finden. Dass er Dich anmotzt, ist nat├╝rlich auch nicht nett, aber meistens motzt man ja, wenn man ├╝berfordert ist und keinen anderen Weg findet, das zu kommunizieren. Alles Gute f├╝r Euch drei!

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Du klatscht doch auch nicht t├Ąglich Beifall wenn er zur Arbeit f├Ąhrt oder essen kocht, oder?

Stattdessen rei├čt du ihm das Baby aus der Hand wenn er versucht es zu beruhigen. Besonders wertsch├Ątzend finde ich das auch nicht.

Mich nervt es auch wenn ich koche und mein Mann ist da und verschwindet einfach. Nat├╝rlich kann neben der Kinderbespassung kochen- aber es ist entspannter wenn man wei├č jemand anders k├Ânnte schnell den Kindern helfen.

Lernt einfach ein bisschen besser zu kommunizieren, dass findet sich. Mein Mann k├Ânnte mit unseren Kindern als Baby auch nicht viel anfangen, aber zum Gl├╝ck werden die sehr schnell gro├č..;-)

Das mit der Teamarbeit als Eltern findet sich, dass braucht einfach oft etwas Zeit. Bleibt m├Âglichst entspannt und verst├Ąndnisvoll- gegenseitig.

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Atme tief durch! Wie die anderen schon schrieben: das erste Jahr ist f├╝r Partner oft belastend. Von einem auf den anderen Tag ├Ąndert sich alles. Die Fremdbestimmung und ├ťberforderung mit Schlafmangel tut ihr ├ťbriges. Es wird besser, aber daf├╝r m├╝sst ihr miteinander reden: wie ihr euch f├╝hlt, was euch st├Ârt, ehrlich und ohne zu verurteilen. Und tu dir selbst einen Gefallen: denke nicht, dass du es besser wei├čt oder kannst nur weil du die Mutter bist. Gib ihm die Chance es selbst auf seine Art zu machen/zu versuchen. Wenn er Hilfe braucht, wird er sich melden. Dadurch k├Ânnen beide eine gute Bindung aufbauen und da hast dus sp├Ąter auch leichter.

Liebe Gr├╝├če

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Wer alles am besten kann, muss es dann halt auch machen.
Ich konnte mit den Kindern nichts besser als mein Mann, den J├╝ngsten konnte er besser beruhigen, bei den anderen gab es keinen Unterschied.
Er schlief nachts auch nicht fester als ich.

(Aus meiner Kindheit gibt es die Anekdote, dass meine kleine Schwester nachts immer "Papa!" rief. Irgendwann war mein Vater dann auch mal m├╝de und sagte laut, "kannst du nicht einmal deine Mama rufen?!" Und Schwesterchen legte den Zeigefinger auf die Lippen und fl├╝sterte "Psst, die Mama schl├Ąft!")

Lass ihn mehr machen, der kann das und gew├Âhnt sich dran.

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Das weinende Kind dem Vater aus dem Arm rei├čen. Hallo Helikoptermutter.
Damit sagst du deinem Partner: Du kannst sowieso nichts und ich k├╝mmere mich alleine ums Kind, weil du zu unf├Ąhig bist. Dein Partner wird also nie lernen, mit dem Kind umzugehen. Schau doch mal ins Baby/Kleinkind/Familienlebenforum, wie viele Frauen sich dort beschweren, dass ihre M├Ąnner sich nicht um die Kinder k├╝mmern und alles alleine machen m├╝ssen. Das ist leider viel zu h├Ąufig hausgemacht. Habe vertrauen in deinen Partner, er ist der Vater!

Du schreibst "Als Mutter wei├č man ja aber nunmal wie man seine Kinder am besten beruhigen kann" - ├Ąh ja? Woher? Hast du ein geheimes Handbuch zur Geburt bekommen und steht da alles drin? Nein, du hast es gelernt. Genauso muss dein Partner auch lernen, wie er das Kind beruhigen kann.

Du f├╝hlst dich von ihm nicht gewertsch├Ątzt. Kann ich verstehen. Da w├Ąre ich auch sauer. Vielleicht verbringt er mal ein paar Stunden alleine mit kind um zu sehen, wie anstrengend es ist. Mein Mann und ich haben beide 7 Monate Elternzeit gemacht. Bei uns gab es solche Themen nie, weil wir genau wussten, was der andere leistet.

Das erste Babyjahr ist ein Neufinden der Beziehung und der Zust├Ąndigkeiten. Viele Frauen tappen in die mental load falle (Stichwort: M├╝tter wissen am besten, wie man Kinder beruhigt), care arbeit ist nicht angesehen und wird wenig gewertsch├Ątzt. Da hilft nur reden reden reden. Absprachen treffen. Kompromisse finden.
In meinem Freundeskreis haben sich aufgrund dieser Problematiken schon drei Paare getrennt. Alle mit Wunschkinder, ein paar sogar nach jahrelangen KiWu Behandlungen. Alle drei haben das erste babyjahr nicht ├╝berstanden. Bei allen dreien war es die klassische Rollenverteilung: Frau zuhause, Mann arbeiten. Frau hat sich nicht gesehen gef├╝hlt, Mann hat Frau nicht wertgesch├Ątzt/verstanden.