Verabschieden der Enkel vom Opa???

    • (1) 12.08.16 - 10:21

      Hallo,
      mein Schwiva wird in dem nächsten Tagen wahrscheinlich an seiner Krebserkrankung sterben.
      Meine Kinder (5 und 9) haben ja den Verlauf mitbekommen (Opa im Bett, sehr dünn etc.). Seit 1 Woche geht es drastisch bergab.
      Seit 2-3 Tagen ist das Schlucken schwer und Nahrungsaufnahme kaum möglich.
      Die Kinder haben ja feine Antennen. Habe gestern mit der großen gesprochen, ihr die Situation erklärt.
      Ich habe ihr gesagt, dass ich es verstehen kann, wenn sie Angst hat nochmal hinzugehen. Sie hat viel geweint, ist hin und her gerissen... verabschieden will sie sich schon.
      Der Anblick wäre sicherlich prägend :-(

      Habt ihr Erfahrungen mit euren Kindern?
      Meine Schwimu ist eher der Typ, der alles fern halten will, aber der Tod gehört ja auch zum Leben dazu.
      Für eure Tips wär ich dankbar.
      Bibi

      • Meine Enkelin war noch keine 9 Jahre alt, als sie hier bei mir in der Wohnung miterlebte, wie ihr geliebter Opa zu atmen aufhörte (sie hörte es im Babyfon). Sie war vorher noch ein paarmal bei ihm im Schlafzimmer und schaute nach ihm. Als er verstorben war, wollte sie unbedingt nochmal ganz alleine zu ihm rein, ihre Eltern erlaubten es. Nach einigen Minuten kam sie raus und sagte nur, sie habe ihm noch was gesagt......
        Sie hatte ihm auch ein wunderschönes Bild gemalt und auf die Bettdecke gelegt - und das wurde ihm dann mitgegeben.
        Da mein Mann ganz friedlich im Bett gelegen ist und es keine schlimmen Szenen gab, war das in Ordnung so.
        Leonie hat so miterlebt, dass Sterben zum Leben dazugehört und - dass ihr Opa nicht mehr leiden muss. Er war zum Schluß ja auch nur noch ganz dünn und klein.

        Fernhalten hätte ich sie nicht können und wäre der größte Unsinn gewesen. Die Kinder sind in dem Alter meist schon so stabil, dass sie das aushalten - im Gegenteil: Schließt man sie aus, kommen sie sich wie ein Baby behandelt vor - und das sind sie ja nicht mehr.
        Lass die Kinder entscheiden, was sie möchten - und so macht ihr es dann auch - egal wie. Es wäre aber schön, wenn jedes noch ein Bild malt und dem Opa bringt. So haben sie das Gefühl, sie konnten ihm noch eine Freude machen.
        Leonie war es ganz wichtig, ob ihr Opa das Bild auch noch gesehen hat. Ich habe das bestätigt, dass er nochmal wach war - und sie war dann richtig froh darüber.
        Du kannst von meinem Beitrag ruhig der Schwiegermutter erzählen - wahrscheinlich will sie den Enkeln nicht wehtun - aber das ist falsch.
        Leonie hat übrigens sogar später die Urne mit mir ausgesucht, sie wollte das.

        Und sie hat absolut keinerlei "Schaden" davongetragen. Heute geht sie ganz selbstverständlich zum Friedhof und gießt ihre beiden Opas.....#verliebt
        Ich wünsche euch viel Kraft für die kommende Zeit.
        LG von Moni

        • Ein sehr schöner Beitrag #pro

          Lieben Dank für die Antwort.
          Ich werde mal die Lage heute peilen ... vielleicht gibt es eine ruhigere Phase ... das rasselnde Atemgeräusch und Zuckungen sind weniger schön ... ich werde ihr sagen, sie kann auf jeden Fall ein Bild malen für ihn .... ich muss dazu sage, dass sie ein reifes und ernsthaftes Mädchen ist ... gestern Abend hat sie sich auch gesorgt, wie es für die Oma allein im Haus sein wird etc.
          Mal gucken wie die nach der Schule drauf ist. Unser Kleiner ist natürlich unbegangener, da er die Endlichkeit nicht greifen kann... hab auch ein paar Bücher ... den "Opa gießen gehen" finde ich eine nette Idee :-)
          LG
          Bibi

          • Mein Mann hatte eine Sauerstoffbrille an der Nase und atmete manchmal auch etwas schwer. Diese Brille war für Leonie aber nicht beängstigend, im Gegenteil. Sie hatte mal Angst, dass er ersticken könnte und ich erklärte ihr, dass das mit dieser Hilfe garnicht ginge (okay, kleine Notlügen sind schon erlaubt) Somit war sie sehr beruhigt.
            Es kommt IMMER darauf an, wie ruhig und besonnen man einem Kind was erklärt - die sind manchmal "erwachsener" als die Großen - ehrlich!
            Wenn der Atem des Opas rasselt, würde ich sagen, schau, wenn du Husten hast, machst du auch manchmal komische Geräusche, so ist das halt beim Opa gerade auch.
            Und die Zuckungen.....vielleicht träumt der Opa gerade was Lebhaftes?
            Man kann dem Tod wirklich auch den ganz schlimmen Schrecken nehmen. Aber auch wenn man zusammen mit den Kindern weint, ist das nicht schlimm.
            LG Moni

      Als meine Oma gestorben ist, war meine Große gerade mal 4 und die Kleine ein Baby. Meine Oma lag die letzten Wochen ihres Lebens im Hospitz, hatte kaum noch Blut im Körper und blutete immer mal wieder aus Nase und Mund. Ich war mit meiner Kleinen oft da, damit meine Oma noch viel von ihrer kleinsten Urenkelin mitbekommen konnte. Es hat sie immer so glücklich gemacht. Die Große war da meist in der Kita. Meine Mom und ihre Geschwister waren auch der Meinung, dass es zu viel für die 4jährige wäre, da sie sehr sensibel ist und meine Oma schon sehr abgebaut hatte. Meine Oma war sehr traurig, sie meinte zu mir, sie würd die Große so gerne nochmal sehen. Ich versprach ihr es. Dann baute sie rapide ab, war nicht mehr wach, hielt sich aber am Leben fest. Daraufhin redeten mein Mann und ich mit der Großen, erklärten ihr, dass die Oma jetzt zum lieben Gott in den Himmel reisen wird und fragten sie, ob sie sich verabschieden möchte. Sie wollte. Und entgegen dem Rat der anderen sind wir mit ihr hin. Sie hat es sehr gut aufgenommen, hat der Omi eine gute Reise gewünscht und sich verabschiedet. Keine 3 Stunden später ist meine Oma verstorben.

      Ich bin zum einen überzeugt davon, dass meine Oma gewartet hat und erst dann gehen konnte. Und für die Große war der Abschied sehr wichtig. Sie hat mitbekommen, dass es etwas endgültiges ist aber dass es dazu gehört und nichts erschreckendes ist. Sie ist sicherlich auch manchmal traurig aber das gehört ja auch dazu.

      Ich wünsche euch viel Kraft für die nächste Zeit. Wenn eure Kinder sich verabschieden wollen, dann gebt ihnen die Chance dazu. Ich bin überzeugt, dass mit eurer Unterstützung das viel besser ist, als die Chance zum Abschied nicht mehr zu haben. Und für den Schwiepa ist es sicherlich auch sehr wertvoll.

      Alles Gute.
      Novemberkrümel

    • Hallo!

      2014 verstarb die Oma meines Mannes. Ebenfalls an Krebs. Ich wollte mich natürlich verabschieden und diese Stunden verfolgen mich bis heute. Die einst so stolze Frau lag völlig in sich gefallen apathisch im Bett. Gelegentlich kamen mal lichte Momente, in denen sie klar sah und sich zu artikulieren versuchte. Es kam kein verständliches Wort heraus... Ganz schlimm war das für mich. Meine Oma starb auch an Krebs als meine Mutter grad erwachsen war. Sie warnte vorher davor. Ich hätte es mir aber nicht so schlimm vorgestellt.

      Ich würde meine Kinder durch diese Erfahrung ganz sicher und zu 100% nicht mitnehmen.

      Als mein Opa starb, war ich etwa 8 oder 9. Es war ein Unfall. Ich durfte nicht mit zur Beerdigung. Zur Trauerfeier schon. Nachdem ich 2011 das erste mal auf einen Beerdigung (Schwiegermutter verstarb unerwartet) war, bin ich dankbar dafür, dass man mich mit 9 Jahren davor geschützt hat. Ich habe auch früh gelernt, dass Tod mit zum Leben gehört. Aber Schockierendes habe ich diesbezüglich erst ab Anfang 20 gesehen. Und das war schlimm genug.

      Am Ende kannst du dein Kind am besten und weißt, wie sie das verpackt.

      Ich wünsche euch für die schwere Zeit alles Gute!

      Ich war 7 Jahre alt, als meine Oma starb. Sie hatte auch Krebs. Ich wollte mich von ihr verabschieden und sie sehen, als sie verstorben war. Als Kind spürte ich, dass ihr Tod für sie eine Erlösung war.

      Bis heute bin ich dankbar, dass mir ihr Tod nicht vorenthalten wurde. So konnte ich mich von meiner Oma verabschieden. Kinder trauern auch anders als die Erwachsenen.

      Ich würde Deine Kinder fragen, was sie wollen. Fernhalten bringt nichts. Vielleicht ist es besser für Deine Kinder, ihn noch zu sehen, als die Vorstellung von dem Opa, wie er stirbt. Vielleicht ist die Vorstellung schlimmer als die Realität.

      Hallo,
      erst einmal wünsche ich euch viel Kraft für die schwere Zeit.
      Ich kann nur von uns erzählen. Meine Oma verstarb am 7.8.2016 im Alter von 95 Jahren.
      Unsre kleine Tochter war da 8,5 Jahre, es war ihre Uroma.
      Gemeinsam mit meiner Mutter haben wir sie über drei Jahre gemeinsam gepflegt, wobei sie nach ihrer Op (vor 3 Jahren) noch einigermaßen fit war. Von Anfang an haben wir unsere Tochter dabei gehabt, auch vor drei Jahren auf der ITS. Sie hat erlebt, wie meine Oma immer schwächer und auch Demenz wurde, doch hatte sie immer eine Art mit ihr in Kontakt zu treten und zu reden.
      Sie war in der letzten Phase auch dabei, bloß als sie dann verstarb nicht.
      Sie sagte mir aber am nächsten Tag, da war sie ja schon 9,5: Oma war doch krank und es ging ihr nicht mehr gut, jetzt geht es ihr wieder gut, du musst nicht traurig sein."
      Sie war aber sehr traurig, dass sie sie nicht noch eimal sehen durfte. Also haben wir beschlossen, sie mit zur Aufbahrung zu nehmen und sie entscheidet, ob sie in den Raum geht oder nicht. Ich habe mir gesagt, dass Kinder Räume, in denen sie bedenken haben nicht betreten. Kennst du vielleicht, dass sich Kinder manchmal sträuben in einen Raum zu gehen. Es hat gut geklappt und als sie meinte, sie hätte jetzt tschüss gesagt, ist Papa mit ihr raus.
      Sie hat dann auch zur Trauerfeier Harfe gespielt und am Grab einen Luftballon mit einem Segenswunsch steigen lassen.
      Ich glaube Kinder bilden sich ihre eigene Vorstellung und wenn diese für sie schlüssig und gut anfühlt ist das ok und sie kommen damit klar.

      Liebe Grüße und viel Kraft

    Hallo.

    Ja wir haben das auch gerade durch. Mein Schwiegervater ist am Montag auch nach einer schweren Krebserkrankung gestorben. Gerade mal fünf Monate hat es gedauert, bis er gehen konnte. Unser Sohn ist acht, aber auch er muss es verarbeiten. Aber er meint, da ja Opa sehr krank war und auch nicht mehr essen konnte, war es besser. Wir waren seit der Diagnose jede Woche im Krankenhaus bzw. bei ihm zuhause. Aber man konnte zusehen, wie es ihm schlechter ging. Und zum Schluss war er auch fast ausschließlich bettlägerig. Das letzte Mal konnten wir noch mit ihm draußen spazieren gehen (er im Rollstuhl natürlich). Ich glaube, da hat er gemerkt, dass es zuende geht. Er hat den Kleinen nicht aus den Augen gelassen und alles aufgesaugt, was er konnte (jedes Gespräch, jede Bewegung einfach alles). Und eine Woche später kam er endlich ins Hospiz und am selben Abend ist er noch verstorben. Unser Sohn hat geschluckt und meinte, jetzt hat Opa keine Schmerzen mehr. Er ist der einzige Enkel von ihm.

    Ich glaube, dass es einfach besser ist, diese Zeit mit zu begleiten. Ein Kind versteht es dann auf jeden Fall besser, dass er gehen musste. Wir haben es unseren Sohn auch immer freigestellt, ob er mitkommt oder nicht. Schwiegervater hatte zeitweise immer schlimm gehustet, das fand er schon krass. Aber wie gesagt, somit kann er besser mit seinem Tod umgehen. Schwiegermutter wollte auch, dass der Kleine nicht mitkommt. Sie meinte, es wird dem Opa zu anstrengend. Aber wir haben den Opa gefragt und er wollte aber, dass er mitkommt, wenn er mag. Weil in dieser Zeit zählt eigentlich nur das, was der "Sterbende" möchte, sind eben seine letzten Wünsche gewesen.

    Euch alles erdenklich Gute und viel Kraft. Wir müssen auch noch realisieren, dass er wirklich nicht mehr da ist.

    LG

    Hallo #winke
    Erstmal möchte ich euch viel Kraft wünschen für die kommende Zeit #liebdrueck
    Lass deine Kinder entscheiden, mir wurde damals mit 8 Jahren die Entscheidung abgenommem, ich wollte meine Oma nochmal sehen bevor sie stirbt, aber meine Mutter und ihre Schwestern wollten das nicht. Konnte meine Mum dann doch überreden, aber da war es zu spät, kurz darauf kam der Anruf, dass Oma gestorben ist #schmoll ich liebe meine Mum und meine Tanten, aber verzeihen konnte ich ihnen das bis heute nicht. Es ist viele Jahre her, doch weiss ich heute, dass mir das damals gefehlt hat, noch ein letztes Mal meine Oma zu sehen, ändern kann man es nicjt mehr.
    Also sprich mit deinen Kindern und lass sie entscheiden

    Alles Gute #liebdrueck

    Hallo Bibi!
    Weisst du, die Kinder gehen da eigentlich ganz toll mit um. Mein Opa ist im letzten Sommer gestorben. Und mittags sagte Jonte dann aufeinmal: Mama, fahren wir zu Uropa? Ich habe dann gesagt, dass der Uropa ja jetzt tot ist. Dass wir den nicht besuchen können. (Mein Sohn hatte ein ganz enges Verhältnis zu seinen Uropa. Und an dem WE wo er im Sterben lag, waren wir ganz viel da. Und als er letzendlich gestorben ist, waren meine Mama und ich auch dabei. Und so hart wie es ist, ich bin da sehr froh drüber)

    So, wir hatten vorher das Buch "nie mehr Oma Lina Tag" gelesen. Kennst du das? Das haben die bei uns im Kiga und das ist klasse!!! Auf jeden Fall hat Jonte dann gesagt, dass er weiss, dass Uropa tot ist, aber der Körper wäre ja noch da. Das wäre bei Oma Lina auch so gewesen. Wir haben dann überlegt, und sind mit Jonte zu Opa gefahren. (Opa war noch bis zum nächsten Tag zu Hause) Ich habe ihm gesagt, dass Uropa nicht antworten kann, dass er sich nicht bewegt und dass er ein kleines bisschen anders aussieht.

    Wir sind dann ins Zimmer und Jonte hat sich dann von Uropa richtig verabschiedet. Er hat ihn berührt und hat gesagt: Gute Reise Uropa....dann sind wir gefahren und dann war es ok für ihn. Klar war er traurig und hat geweint, aber er hat das super verarbeitet. Auch bei der Beerdigung war er mit dabei.

    Ich habe diesen Abschied zugelassen, weil er sich zwei Wochen vorher nicht von unserem Hund verabschieden konnte. Und das nimmt er bis heute sehr schwer, dass er nicht Tschüss sagen durfte.

    Was ich damit sagen will, die Kinder haben oft einen besseren oder anderen Blick dafür!! Die machen das schon.

    So, und nach so viel Erinnerungen sitze ich jetzt hier und heule... Siehst, auch ich vermisse meinen Opa schrecklich. Der war 92 ????

    Mein Sohn war da übrigens fünf.

    Und auch wenn sich in mir erst alles gesträubt hat, war es das beste was ich machen konnte! Ich bin so froh, dass ich dem Wunsch meines Sohnes nachgegangen bin.

    Alles Gute für euch!

    (14) 15.08.16 - 13:44

    Ich bin der Meinung, dass in unserer Gegend der Tod zu sehr ausgeklammert wird. Er ist etwas, über das man nicht spricht und was man schon gar nicht sehen will.

    Und dabei ist der Tod das wirklich Einzige, was wir alle gemeinsam haben. Man sagt so oft „Dies und jenes ist das natürlichste auf der Welt.“ Aber wirklich nur beim Tod trifft der Satz zu.

    Es gibt Säuglinge die versterben, ohne eine Atemzug getan oder ohne jemals Verdauung gehabt zu haben. Von der Einnistung der Eizelle an sind wir zum Tode verurteilt und bewegen uns darauf zu.

    Ich finde die Haltung der Gesellschaft zum Tod extrem ungesund. In vielen anderen Ländern geht man natürlicher damit um. Auch ohne Berührungsängste. Das war hier vor nicht allzu langer Zeit genauso. Leider haben wir das verlernt.

    Nur wer sich mit dem Tod auseinandersetzt, der kann auch angstfrei durchs Leben gehen. Wem schon von Kleinauf suggeriert wird, der Tod sei etwas heimliches und heimtückisches, der wird in seinem Leben oft Angst haben. Und derjenige bekommt auch richtig Probleme, wenn jemand stirbt, der ihm wirklich etwas bedeutet.

    Ich würde meine Kinder nicht fernhalten. Wenn sie sich verabschieden möchten, sollen sie es tun. Und auch eine Leiche als Kind zu sehen halte ich nicht für problematisch, solange die Eltern ein normales Verhältnis zum Tod haben. Gruseln sich aber zB bereits die Eltern vor Leichen, überträgt sich das natürlich.

    Ich war durch Zufall auf einer Beerdigung in Südamerika. Und dort haben alle den Toten berührt und gestreichelt und noch ein paar Wörter gesagt. Auch die Kinder. Es war eben ein richtiger Abschied. Und ich glaube, dass ein solcher Umgang mit diesem Thema das Verarbeiten der Situation sehr erleichtert.

    Hallo. Mein Vater ist vor 2 Wochen plötzlich verstorben. Ich habe es glaube ich noch gar nicht verstanden. Er wurde nur 57 Jahre alt. Meine beiden Kinder (3 und 4) waren bei der Urnenbeisetzung dabei. Der Große fragte schon immer, wann wir zum Friedhof gehen. Er wollte unbedingt mit. Viele waren eher dagegen, von manchen bekam ich vorher sogar richtige Sprüche an den Kopf geknallt.
    Ich habe vorher bei 2 Psychologen, dem Bestatter und dem freien Redner nachgefragt, was das Richtige ist. Wollte mich nochmal rückversichern. Alle sagten einstimmig, dass es wichtig und richtig ist, Kinder egal welchen Alters mitzunehmen. Sie haben auch ein Recht auf Abschiednahme und wie sollen sie es verstehen, wenn sie nicht dabei sein dürfen?
    Obwohl meine Beiden recht quirlig sind, waren sie dort ganz ruhig. Der Große hat sogar geweint und es verstanden.
    Ich finde es nur wichtig, sie vorher gut darauf vorzubereiten.
    Ich habe ihnen gesagt, dass wir in eine Kapelle gehen, viele schwarz tragen und viel geweint wird. Dass alle traurig sind und sie es auch sein dürfen. Dass sie deswegen keine Angst haben müssen.
    Ich habeziehe auch gesagt, dass Opa nun in einer Urne ist. Mein Sohn fragte, wie er da rein passt und ich antwortete ganz ehrlich.
    Opa lebt nicht mehr und ist aus seinen Körper heraus gegangen. Er ist nun als freundlicher Geist unterwegs. Der Körper wurde verbrannt, wie das Holz, was du mit Opa immer im Garten verbrannt hast, sagte ich. Und die Asche ist mit seinem lachen, reden, sehen, hören usw in der Urne. Dass wir sie dann vergraben und er dann von dort in den Himmel gehen kann und immer bei uns ist. Nur unsichtbar.

    Sie haben es so gut verstanden und wussten was auf sie zukommt. Sie haben beide ein Bild gemalt, was sie zusammen mit dem Bestatter in die Urnenbeisetzung stecken durften. In das Grab schmissen sie jeder ein Kuschelte.

    Wir reden nun viel und offen darüber und es tut Ihnen gut.

    Wenn Sie keinen Abschied hätten nehmen dürfen, hätten sie es nie begreifen können.

    LG

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