Trauerfall (Kind) vor Geburt, nur noch Leere in mir

    • (1) 04.03.18 - 16:59
      Inaktiv

      Hallo ihr.

      Übernächste Woche kommt unser Bub auf die Welt und vor 4 Tagen starb ein Ziehkind von mir durch einen Unfall.

      Er war kein leibliches Kind, aber die Gefühle waren trotzdem so, als wäre er es gewesen. Er war nicht adoptiert, und er war schwerbehindert, körperlich und geistig zurückgeblieben, aber so ein wahnsinnig liebenswürdiger, kleiner Kerl, ein Kämpfer.

      Ich kann vor Schmerz fast nicht atmen. Und niemand in meinem Bekannten/Verwandtenkreis interessiert es. War ja nicht mein "richtiges Kind".

      Nein, war er nicht, Samuel hieß er, aber ich habe ihn trotzdem mit der Flasche seit er 2,5 Wochen alt war großgezogen, mit ihm sämtliche Ergo- und andere Therapien gemacht, manchmal waren wir wöchentlich im Krankenhaus, weil irgendwas war.

      Eine Freundin, ich dachte, sie wäre das, brachte den Spruch mit dem "war ja kein richtiges/leibliches Kind und Deine (anstrengende) Ss geht ja nur noch ein paar Tage" - als ob das meinen Schmerz lindern könnte.

      Ich bat heute meine Schwimu zu kommen, ich brauchte sie einfach, ich brauchte eine Mutter, und sie sagte zu, sie käme um 13 Uhr und um 16 Uhr rief ich sie an und sie meinte, ihr gings nicht so gut, sie hätte sich hingelegt, weil sie heute morgen zu früh auf und folglich müde war.

      Mein Mann schottet sich ab, er kommt ganz schlecht damit zurecht, wir machen uns Vorwürfe, obwohl keiner von uns Schuld hat. Von dem Tag an, an dem er bei uns war, haben wir ihn geliebt, ihm alles gegeben, ihm immer gesagt, wie sehr wir ihn lieben und das wir alles für ihn machen werden.

      Seine Lebenserwartung war beschränkt, vielleicht noch einige Jahre und mein Mann meinte heute morgen zu mir, vielleicht hat Gott uns die Bürde abgenommen, ihn im Sterben begleiten zu müssen, eventuell Wochen/Monatelang. Der Unfall ging schnell, er war sofort tot.

      Ich habe ihn angesehen, hätte ich nicht machen sollen, das Bild geht nicht aus meinem Kopf. Ich stehe neben mir und in mir ist nichts, keine Gefühle, keine Freude auf das Kind, ich kann mich nicht um meinen Sohn (5,5) kümmern, nicht mal die Katzen füttern, ich bin eine Hülle, die nur existiert. Und ich weiß nicht, wie ich mein Baby versorgen soll.

      Ich brauche Hilfe und ich habe niemanden, weil sie nicht verstehen, dass man ein Kind auch ohne DNA lieben kann. Und ich weiß nicht, ob ich mein Baby lieben "darf", wo ich doch so von Schmerz gezeichnet bin. Als würde ich mein anderes Baby verraten.

      Alles hier erinnert mich an ihn, er war klein für sein Alter und aus Spaß lag er als in der Babywiege und hat sich so gefreut, ich rieche daran, ich erinnere mich, wie er an der Treppe oben stand und gewartet hat, dass ich ihn runtertrage.

      Ich bin so furchtbar verzweifelt.

      • Mein Beileid zu eurem schrecklichen Verlust 😔 ich werde für euren Samuel eine Kerze anzünden 🕯️

        Ich drücke dich unbekannter Weise ❤️

        Dein Verlust tut mir sehr leid!
        Die Reaktionen/das Unverständnis in Deinem Verwandten- und Freundeskreis finde ich ganz furchtbar. Es spielt doch überhaupt keine Rolle, ob es Dein leibliches Kind war oder nicht.
        Fakt ist, Du hast Dich um ihn gekümmert und ihn aufgezogen, also war er auch euer Kind!
        Man muß keine Schwangerschaft und Geburt mitgemacht haben, um tiefe Mutterliebe zu empfinden! Extrem unsensibel und emphatielos, wie Dein Umfeld da reagiert.
        Nimm Dir alle Zeit der Welt, zu trauern. Wenn Du niemanden findest, bei dem Du Trost und Kraft finden kannst, dann wende Dich an eine Therapeutin. Auf keinen Fall solltest Du Dich mit Deinem Kummer alleingelassen fühlen.
        Alles Gute für Dich!

        Hallo,

        wenn man etwas verliert was einem etwas bedeutet hat, dann trauert man (so die Definition von Trauer).....

        Mit tut euer Verlust so unglaublich leid..... es gibt keine Worte die dich jetzt trösten können....

        Das schlimme daran ist, das dir, außer jemand mit geduldigen Ohren, niemand helfen kann.

        Ich will versuchen deinen Text aufzuteilen...

        Du hast diesen kleinen Menschen eine ganz lange Zeit bei dir gehabt, hast mehr mit ihm erlebt als andere Eltern mit ihren Kindern erleben..... leider eben hier vermehrt Ängste und Sorgen... und doch wird es nachher das Bild auf der Treppe sein, seine leuchtenden Augen in der Babywippe, was sich vor die Trauer schiebt.

        Viele Menschen wenden sich von Trauernden ab, leider auch die Familie oder die guten Freunde. Doch oft wissen sie selbst nicht wie sie mit uns umgehen sollen, was sie sagen sollen usw..... und da erscheint der Rückzug die einzige Möglichkeit. Was sie damit in uns, in dir anrichten, das wissen sie gar nicht.

        Männer trauern anders als Frauen, auch das ist wichtig zu wissen. Dein Mann hat nicht nur Samuel verloren, sondern auch dein "altes" Ich... du bist nicht mehr die selbe Frau wie vor ein paar Tagen.....er sieht dich leiden, vlt. hat er Angst nicht mehr stark sein zu können, für dich, die Faamilie, euren ungeborenen Sohn.....vlt. bleibt es deswegen so "tapfer"?

        Du hast Samuel nach dem Unfall gesehen... das du jetzt ständig diese Bilder vor Augen hast ist so normal..... aber aus der Erfahrung heraus kann ich dir sagen das sie verblassen werden und du auch wieder die schönen Erinnerungen und Bilder im Kopf haben wirst.

        Es ist gut das du ihn dir angeschaut hast, auch wenn das schwer war.... aber so hast du ein Bild von ihm und oft ist die Phantasie schwerer zu ertragen als die Realität.

        Du schreibst, ob ihr Schuld hattet an dem Unfall? Diese was wäre wenn Fragen steellen sich alle Eltern deren Kinder gestorben sind. Jetzt findet ihr darauf noch keine Antwort, dazu braucht es Zeit, viel Zeit.....und die müsst ihr euch auch nehmen.

        Ob du dein Baby lieben wirst? Oh ja, denn es ist kein Ersatz für Samuel, sondern ein neuer, ganz eigenständiger Mensch.... und der hat es verdient geliebt zu werden..... und wenn du das allein nicht schaffen kannst, gerade in dieser Situation, dann gibt es Menschen die dir dabei helfen werden.

        Warum ich dir das alles so schreibe bzw. schreiben kann? Ich habe selbst meinen Sohn verloren, auch er war ein so besonderes Kind wie euer Samuel..... Max ist kurz vor seinem 11. Geburtstag gestorben und auch heute, nach 12 Jahren habe ich immer mal wieder genau dieses Gefühl wie du es beschreibst. Ich bekomme keine Luft, kann nicht atmen.... und das wird auch so bleiben... ein Vermächtnis von ihm :-)

        Weißt du, ich bin nicht gläubig, bzw. glaube ich nicht an jemanden der da oben sitzt und alles lenkt und leitet, aber ich glaube daran das alles was passiert aus einem Grund passiert...... ein halbes Jahr bevor mein Sohn gestorben ist kam seine Schwester auf die Welt, als Frühchen, gerade 1100g..... vielleicht wusste Max (oder wer auch immer) das seine Zeit hier bei uns vorbei war, wir unsere Kraft für seine Schwester brauchten.... niemand weiß was unseren besonderen Kindern erspart geblieben ist. Und heute bin ich dankbar für die zeit die wir mit ihm haben durften, denn durch ihn bin ich heute der Mensch der ich bin.

        Aber das alles hat Zeit und Kraft gekostet und die müsst ihr euch nehmen......

        Wenn du magst kannst du mir gern schreiben, manchmal hilft allein das schon....

        Ich nehme dich mal virtuell in den Arm.... (und wer weiß, vlt. sitzen die beiden ja da oben zusammen und gucken auf uns runter und haben ein lächeln im Gesicht weil sie dort wo sie jetzt sind gesund sind und Spaß haben)

        Fühl dich gedrückt

        Sandra

        • (5) 23.03.18 - 17:39

          Ich möchte Euch allen, aber vor allem Dir, Sandra, für Eure Worte danken.

          Im Moment funktioniere ich nur, Baby ist da, gesund, ich habe gute Stunden und schlechte Stunden. Manchmal hangle ich mich von 5 guten Minuten zu den nächsten 5 guten Minuten.

          Meine Ehe leidet darunter, die Beziehung zu meinem Mann. Er ist voller Freude über unseren Naftali, und ich (vielleicht auch bedingt durch das Wochenbett und die verdammten Hormonschübe) schwanke zwischen Liebe, "Gott sei Dank ging alles gut, Kind gesund", Trauer, Schmerz, Verlustangst, Wut, Enttäuschung, Hass, Vergebung... Die komplette Gefühlspalette.

          Er versteht mich nicht wirklich, er zieht sich auch zurück, lenkt sich mit trivialen PC-Spielen ab, wobei ich mir unsicher bin, ob er sich von seiner Trauer ablenkt oder vor mir und meiner Trauer.

          Der Besuch im Wochenbett hat kein Wort darüber verloren, alle machen weiter, als hätte es unseren Samuel nicht gegeben, als wäre mit dem Baby jede Trauer dahin. Es ist furchtbar schwer.

          Nachts und tagsüber funktioniere ich, das Baby ist bislang recht pflegeleicht. Und Abends, wenn ich im Bad bin, unter der Dusche, bricht es über mich herein und ich breche zusammen, solange bis das warme Wasser leer ist und ich raus muss.

          Und ich bitte Gott und ich flehe meine verstorbenen Ahnen an, dass sie sich um ihn kümmern. Er ist doch noch ein Baby. Auch wenn er ein Kleinkind war, er ist geistig ein Baby. Und der Gedanke, dass sich niemand um ihn kümmert, macht mich fertig. Dass niemand ihm verschiedene Nahrung anbietet, bis er endlich isst. Oder dass ihn nachts niemand zudeckt. Ich glaube, das alles spielt im Himmel keine Rolle mehr - ich denke zu abstrakt.

          Vielleicht schreibe ich einmal mehr dazu, im Moment kann ich nicht. Ich danke Euch!

      Leider kann ich dir keine richtige Hilfe geben, aber meine Gedanken sind bei euch. ich sitze hier mit Tränen in den Augen und es tut mir so Leid. Du scheinst doch eine ganz starke Frau zu sein und ich bin ganz sicher du wirst das Baby versorgen können.

      Mein herzlichen Beileid!

      Ich bete und denke an euren kleinen Samuel#kerze#herzlich#blume

    (8) 13.03.18 - 11:40

    Hallo
    Weißt du ich habe nicht viele Worte aber ich glaube. Ich glaube ganz fest daran dass dein Kind nun die liebe ist. Die Liebe die du spürst. Die Liebe die du weitergibSt. Die Liebe für deinen Mann und deine Kinder. Die Liebe die du immer für ihn hast. Die Liebe bleibt dir.

    • (9) 23.03.18 - 17:43

      Ich habe das so oft gelesen in den letzten Tagen und ich breche jedes Mal in Tränen aus. Ich habe so Angst zu lieben, zu leben. Es zerreißt mich. Was, wenn ich wieder verliere? Und darf ich lieben? Darf ich weiterleben, mich freuen, lachen, wo ich mich doch am Liebsten zu meinem kleinen Samuel legen würde? Einfach einschlafen und es wäre vorbei. Die Tränen laufen wieder, ich habe das Gefühl, das Leben nicht zu packen.

      • Es tut mir furchtbar leid dass du deinen Samuel verloren hast! Und ich wage mir kein Bild auszumalen wie es dir jetzt geht. Aber für mich schreit alles in mir nach einem Psychologen! Es ist furchtbar ganz ganz furchtbar traurig. Und ich wünsche dir so sehr dass du wieder lachen kannst, eines Tages. Ich fände es auch ganz wichtig, dass du deinen Mann ins Boot holst. Ich finde es gar nicht gut wenn er sich von dir abschottet. Ich finde ihr solltet gemeinsam einen Weg finden das Schicksal zu verarbeiten. Ich wünsche euch von Herzen alles gute!

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