mein Papa ist für immer eingeschlafen

    • (1) 19.06.18 - 06:03

      Hallo liebes Forum.
      Mein Name ist Janette und mein Papa ist vor 2 Tagen gestorben. Ich weiss nicht wie ich das schaffen soll. Ich fühle mich so leer und traurig. Bin den ganzen Tag am weinen und nachdenken.
      Andererseits muss ich stark sein und weiter machen denn ich habe 2 Söhne im Alter von 11 und 3 Jahren. Mein kleiner Sohn war der absolute Sonnenschein meines Vaters. Da er ihm so ähnlich kommt und immer Interesse an dem Dorfleben zeigte. Es ist so wahnsinnig schwer klare Gedanken zu fassen. Warum er? Er kann uns doch nicht alleine lassen...

      • Liebe Janette,

        das tut mir sehr leid.

        Du darfst deine Trauer jedoch zulassen, das ist kein Zeichen von Schwäche. Für deine Kinder bist du ja dennoch da.

        Es dauert seine Zeit, aber die darfst du dir gerne nehmen.

        Mein Vater ist damals völlig unerwartet verstorben, einfach umgefallen nach einem schönen Tag, das war für mich auch unfassbar.

        Ganz liebe Grüße
        Masinik

        • Danke für Deine lieben Worte.
          Es fing im letzten Jahr im November an.
          Er bekam die Diagnose AML (Leukämie). Von da an waren viele Chemo's und Krankenhausaufenthalte nötig. Auch Weihnachten verbrachte mein lieber Papa im Krankenhaus. Im Jahr 2018 dann die überraschende Wendung. Die Krebszellen sind alle vollständig bekämpft. Der Arzt jedoch riet meinem Vater trotzdem eine Stammzellentransplantation zu machen denn das erhöht nochmal die Chance das der Krebs nicht wieder kommt. Mein Vater ließ sich drauf ein. Er wollte leben. Jetzt in dem Moment als ich diesen Text schreibe kullern die vielen Tränen mein Gesicht hinunter. Ich verstehe es einfach nicht.

          Weiter im Text.

          Es hieß dann wir werden uns jetzt zusammen mit der DKMS zusammen nach einem passenden Spender umschauen.
          Es dauerte glaube nur fast 3 Wochen bis der genetische Zwilling gefunden war. Die Freude war groß. Jedoch auch die Angst vor den Nebenwirkungen und dem langen Krankenhausaufenthalt.

          Im Mai letzten Monats war es dann soweit. Alle Vorbereitungen waren getroffen und mein Papa ging ins KH nach Frankfurt/ Oder.

          Er unterzog sich einer schweren Chemotherapie die das komplette Immunsystem auf 0 gefahren hat. Ansonsten könne man die Transplantation nicht vornehmen.

          Am 6.6. war es dann soweit. Mein Papa bekam seine neuen Stammzellen. Sein neues gesundes Leben.

          Aber ab dem darauffolgenden Tag bis zum bitteren Ende muss mein Papa höllenqualen durchlebt haben.
          Es bekam eine Lungenentzündung, eine Harnwegsinfektion, eine Sepsis (Blutvergiftung), Bakterien sind eine Wunde eingedrungen, die Nieren arbeiteten nicht mehr richtig, die Leber auch nicht, er hätte ganz gelbe Augen. Und schon wieder ein Heulanfall wenn ich das schreibe.
          Mein Papa muss höllische Schmerzen gehabt haben. Er hat nicht mehr gesprochen, höchsten ja und nein oder kopfschütteln. Getrunken und gegessen hat auch jetzt auch nichts mehr. Das zerbricht einem das Herz.
          Wir merkten das es ihm schlecht ging. Daraufhin haben sich meine Mutter und ich in ein Hotel eingemietet in der Nähe vom KH. Damit wir immer in seiner Nähe sind und ihn auch oft besuchen können.
          4 Tage vor seinem Tod war es so angenehm und schön in seinem Zimmer das kann ich nicht beschreiben. Er sprach nur ganze Sätze mit uns. Er hat seit 4 Tagen wieder etwas gegessen und getrunken und wollte sich die Füße massieren lassen von meiner Mutti. Warum war am nächsten Tag alles weg?! Was war das?

          Von da an ging es immer weiter bergab mit meinem Papa. Er hatte nun nur noch die Augen geschlossen und sagte nichts mehr. Sein Körper war aufgepumpt von den Wasseransammlungen weil die Nieren ja nicht mehr arbeiten. 2 Tage bevor mein Papa eingeschlafen ist wurde bei ihm ein septischer Schock festgestellt... (die Organe waren immer mehr in Ihrer Tätigkeit eingeschränkt) 1 Tag vor seinem Tod bekam meine Mutti abends einen Anruf vom Krankenhaus. Mein Papa liegt jetzt auf der Intensivstation. Er hatte einen Kreislaufzusammenbruch und musste 3 mal per Herzdruck Massage ins Leben zurück geholt werden. Er liege jetzt im künstlichen Koma und wird beatmet.
          Wir fuhren gleich am nächsten Morgen hin. Meine Mama ging als erstes zu ihm. Dann meine Schwester und ich. Es war für mich so schlimm ihn da so hilflos zu sehen. Es sah aus als ob er schläft. Aber gleichzeitig hatte ich Angst. Es lief Blut aus seinem Mund und seiner Nase. Ich habe es nur 3 Minuten dort drin ausgehalten. Ich habe seine Schulter und Brust gestreichelt und gesagt: Papa hier ist Janette ich hab Dich ganz doll lieb. Draußen zwitschern die Vögel und die Sonne scheint. Ich hab dich so lieb Papa"

          Dann bin ich raus.
          In dieser Nacht ist mein Papa eingeschlafen. Die Schwester meinte er hätte keine Schmerzen und ist friedlich eingeschlafen. Alle Ärzte und Schwestern meinten auch das er bis zum Schluss gekämpft hat. Das ist so schlimm. Er wollte leben und hat es sich verdient. Hat sein ganzes Leben hart gearbeitet. War gerade mal 60 Jahre jung. Warum musste er uns verlassen? Unsere Kinder müssen jetzt ohne Opa aufwachsen. Ich habe Angst das ich den Verlust nicht überwinde...

          • Mein herzliches Beileid, ich kann sehr gut mitfühlen, wie es Dir geht. Ich war erst 23, als mein Vater viel zu früh starb. 2014 saß ich am Totenbett meiner besten Freundin, sie hatte ebenfalls eineinhalb Jahre gegen die Leukämie gekämpft, richtig gekämpft -und doch verloren. Ein halbes Jahr später starb mein Mann. Man sitzt da und begreift erstmal - nichts, garnichts, so wie Du jetzt. Die Frage "warum" beantwortet einem niemand. Lass die Gefühle nun einfach zu, Du kannst sie ohnehin nicht unterdrücken. Auch vor den Kindern brauchst Du nicht die Tapfere spielen, ihr könnt auch zusammen um den Papa/den Opa weinen. Es ist alles normal. Meine Enkelin hat sogar die Urne für ihren Opa ausgesucht - seeeehr sorgfältig und liebevoll - ach Mist, nun heul ich auch ...... ich versteh Dich gut. Ich wünsche Dir alles Liebe und viel Kraft, die kommende Zeit durchzustehen.
            Liebe Grüße von Moni

    Ich kann dich so gut verstehen, da ich das letztes Jahr auch durchgemacht habe.

    Mein Papa kam ins Krankenhaus da er schlechter Luft bekam... es wurde eine Atypische Lungenentzündung festgestellt... wenige Tage später wurde er ins Koma gelegt in der er dann nach 3 Wochen verstorben ist ... für uns die Hölle...
    Ich habe auch nur noch geweint.

    Das muss auch sein... lass es zu...

    Auch meine Kinder hingen sehr an ihm... er hat viel mit denen unternommen war immer fröhlich und für jeden Spaß zu haben.

    Er fehlt uns so... es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich nicht an ihn denken muss ...

    Aber der Schmerz wird erträglicher... es ist tatsächlich so... ich konnte es vor einem Jahr auch noch nicht glauben ... auch wenn der Schmerz immer noch da ist... aber einwenig anders...

    Ich wünsche Dir / Euch ganz viel Kraft in der schlimmen Zeit

    Izzy

... und ein herzliches Beileid

Hallo, mein herzliches Beileid auch von mir. Was du durchgemacht hast, mache ich gerade durch. Mein Papa hatte einen Herzinfarkt, erst waren die Prognosen gar nicht so schlecht. Dann haben aber die Nieren nicht mehr richtig mitgespielt, ausserdem bekam er eine Lungenentzündung und eine Sepsis. Er ist noch am Leben. Ich bin den ganzen Tag bei ihm, meine Mama auch nachts. Wir warten darauf dass er endlich erlöst wird. Aber er kämpft, kommt einfach nicht zur Ruhe. Wir wissen, dass er sterben wird, er hat keine Chance mehr. Und es tut so unendlich weh. Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr essen....
Es tut mir leid, wahrscheinlich erwartest du dass man sich hier im Forum aufbaut, das kann ich leider nicht. Aber ich kann dir sagen, ich weiss wie du dich fühlst. Es ist gemein, dass solche Dinge passieren. Warum müssen Menschen so etwas aushalten?

  • Oh nein ich weiss was du meinst. Fühle dich ganz lieb gedrückt von mir. Genieße aber jede Minute die du noch mit deinem Papa hast. Auch wenn sie dir extreme Kraft und psychischen Stress kosten... sage ihm noch so viel wie möglich was Dir einfällt. Ich hatte leider nicht mehr die Möglichkeit. Weil niemand daran dachte das er stirbt... wir können auch gerne per PN schreiben wenn dir danach ist. LG

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