Vater erzählt Lügen

    • (1) 24.10.17 - 09:24

      Ich bin seit vier Jahren vom Vater meiner Kinder (9 und 6) getrennt. Die Kinder leben bei mir, und bis auf einen Nachmittag in der Woche nimmt er die Kinder auch nicht. Früher hat er auch manchmal abends auf sie aufgepasst, damit ich mal rauskann, seit es vor einiger Zeit einen Streit gab tut er das nicht mehr und redet nun gar nicht mehr mit mir. Er betritt die Wohnung nicht, wenn er die Kinder abholt, gibt sie an der Haustür ab und grüßt mich nicht, wenn wir sonst aufeinandertreffen. Ich finde sein Verhalten dem Anlass des Streits absolut nicht angemessen. Ja, er hat sich geärgert, soweit nachvollziehbar. Aber ich habe mich auch schon oft über ihn geärgert und bemühe mich trotzdem zum Wohl der Kinder um ein Minimum an Kommunikation und einen zivilisierten Umgang.

      Jetzt habe ich in den letzten Wochen zum zweiten Mal gehört, dass er meinen Kindern Unwahrheiten erzählt. So zum Beispiel, dass ich nicht möchte, dass er die Kinder öfter sieht. Das stimmt so nicht - er fragt einfach nie danach, und wenn ich umgekehrt mal frage, ob er die Kinder einen weiteren Nachmittag nehmen kann oder wenn es bei mir in den Ferien mit der Arbeit schwierig ist (er ist arbeitslos!), dann gibt es oft unschöne Diskussionen, sodass ich inzwischen kaum noch frage.

      Nun hat er ihnen auch noch erzählt, dass ich nicht mehr möchte, dass er abends auf die Kinder aufpasst. Auch das ist einfach gelogen, er hat klar gesagt ich solle mir dafür jemand anderen suchen. Das ist nicht immer einfach, und ein Babysitter kostet viel Geld, das ist also sicher nicht in meinem Interesse!

      Ich mache mir deswegen solche Sorgen, weil ich nicht möchte, dass die Kinder in einen Loyalitätskonflikt geraten. Er kümmert sich ja auch nicht wirklich um sie, also ist es für sie doch doppelt schwierig, wenn die einzige Person, die sich kümmert und auf die sie sich verlassen müssen, so in Frage gestellt wird. Ich spreche natürlich mit meinen Kindern darüber und versuche das richtig zu stellen. Aber ich denke, ein ungutes Gefühl bleibt wahrscheinlich, und gerade dadurch, dass ich eine andere Version vertrete, wird der Konflikt vielleicht noch verstärkt. Ich möchte das nicht für meine Kinder! Sie sollen sich doch wenigstens auf mich verlassen können!

      Ich habe nun schon mehrmals versucht ihn zu kontaktieren um das zu klären. Er geht aber nicht ans Telefon, wenn er meine Nummer sieht und meldet ich auf Nachrichten nicht zurück. Ich weiß einfach nicht, wie ich hier weitermachen soll. Was würdet ihr tun?

      • Jenachdem wie alt deine Kinder sind, lass sie ihren Papa doch fragen ob er sie Samstag mal holen kann etc. Redest vorher mit ihnen damit sie Wissen das du nichts dagegen hättest.

        Gruß

        Ich persönlich würde versuchen, über eine offizielle Stelle - Jugendamt oder Kinderschutzbund - mit ihm wieder in Dialog zu treten. Wenn die ihn anrufen oder anschreiben kann er kaum behaupten, Du würdest nicht alles tun, um ihm die Kinder häufiger zum Umgang anzubieten.

        Die Kinder haben ein Recht auf mindestens alle 14 Tagen ein ganzes Wochenende (Freitag bis Sonntag) und die hälftigen Schulferien bei ihm zu sein. Und es ist auch nicht im Sinne des Kindeswohls, dass er das verweigert und mit Dir gar nicht mehr kommuniziert. Die Kinder sollen ja nicht zu ihm, nur weil Du ausgehen willst, sondern weil sie Zeit mit ihrem Vater verbringen dürfen. Und alle 14 Tage ist eh schon zu wenig, geschweige denn einen Nachmittag unter der Woche.

        • "Die Kinder haben ein Recht auf mindestens alle 14 Tagen ein ganzes Wochenende (Freitag bis Sonntag) und die hälftigen Schulferien bei ihm zu sein"

          Steht das so im Grundgesetzt oder hast Du Dir das kurz ausgedacht?

          Ich finde, die Kinder haben ein Recht darauf genauso oft beim Vater zu sein wie sie bei der Mutter sind. Komischerweise sehen ganz viel Mütter das nicht so...

      Ich bin kein Freund des erzwungenen Umgangs. Was bei meinem Ex einmal in der Woche stattfindet ist TV und Junkfood. Darauf legen weder ich noch meine Kinder gesteigerten Wert, das haben sie tatsächlich auch schon so geäußert. Übrigens ist auch meinem Ex nicht wirklich an mehr Umgang gelegen. Wie beschrieben ist jeder weitere Termin, um den ich bitte, Anlass zu Diskussionen. Ich lasse es dann lieber, das ist im allgemeinen Interesse. Der Umgang steht hier also nicht zur Debatte.

      Worum es mir geht ist, dass ich nicht möchte, dass die Kinder durch Lügen verunsichert und manipuliert werden.

      • Du hast geschrieben, er hat den Kindern erzählt, dass Du verhinderst, dass sie ihn öfter sehen. Darum geht es, dass Du Dich dagegen wehrst, indem Du ihm mehr Umgang offiziell anbietest.

        Dann ist nämlich klar, dass er ihn auch ebenso offiziell abgelehnt hat und damit kann er die Kinder auch kaum mehr manipulieren.

        • Ok, verstehe. Da du so auf der Wichtigkeit des Umgangs für die Kinder beharrt hast habe ich das anders verstanden. Ich glaube nämlich in unserem Fall nicht dass für meine Kinder darin irgendein Mehrwert besteht. Wie gesagt, sie wollen es auch nicht, auch wenn sie ein Recht darauf haben.

      Irgendwie verstehe ich nicht wo dein Problem liegt. Deine Kinder wollen angeblich nicht mehr Umgang mit ihrem Vater - und du willst auch nicht, daß sie öfter bei Ihm sind. Wo ist also das Problem? Dann ignoriert euch doch! Ich verstehe schon, daß du vor deinen Kindern als "die Gute" dastehn willst - aber das will der Vater eben auch. Aber mit "Papa lügt! - Nein, Mama lügt! - Nein, Papa lügt!" werdet ihr nicht sonderlich weit kommen. Und ich garantiere dir, das es erst recht zu nichts führen wird, öffentlichkeitswirksam übers Jugendamt o.ä. aufeinander einzudreschen. Für deine Kinder bleibt es ihr Vater - so wie du ihre Mutter bleibst. Sie werden sich immer schlecht fühlen wenn ihr beide aufeinander einschlagt. Warum willst du also in dieser Situation noch mehr Öl ins Feuer gießen? Für mich klingt das alles nach einem dieser "Ich-habe-euch-viel-lieber-als euer-Vater/eure-Mutter" Wettbewerbe bei dem am Ende nur die Kinder die Verlierer sind.

      Im Übrigen: das Scheidungskinder durch Lügen oder "alternativer Wahrheiten" verunsichert und manipuliert werden, ist nach meiner Erfahrung leider eher der Standard als die Ausnahme. Insbesondere, wenn die Scheidung nicht im "Gegenseitigen Einvernehmen" abgelaufen ist.

      • Ja, Du hast recht, ich möchte vor den Kindern als die Gute dastehen. Ich bin leider die einzige, die sich um sie kümmert, und ich möchte, dass sie mir vertrauen und sich bei mir sicher fühlen können. Das können sie aber nicht, wenn sie von ihrem Vater mit derartigen "alternativen Fakten" verunsichert werden. Es geht mir also genau darum, die von Dir beschriebene "Papa lügt! - Nein, Mama lügt!-Situation zu vermeiden!

        Ich habe im Gegensatz zu ihm immer darauf verzichtet, ihn vor den Kindern schlecht zu machen. Klar, irgendwann kommen mal Nachfragen: "Warum passt eigentlich der Papa nicht mehr abends auf uns auf?" Und dann muss ich antworten. Das versuche ich so neutral wie möglich zu halten. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.

        Es mag sein, dass Du Deine Vaterrolle anders interpretierst, das ist toll und lobenswert. Aber nicht immer ist die Ex die Böse.

        • Nein, natürlich ist die Ex nicht immer die Böse. Es haben immer beide Elternteile Schuld an der Situation. Schuld schon deswegen, weil sie es nicht geschafft haben, ihren Kindern eine sorglose Kindheit zu bieten. Das ist ein Makel mit dem wir alle, die wir in dieser Situation stecken, für den Rest unseres Lebens klarkommen müssen.

          Ich nehme mich da auch keinesfalls aus. Ich war damals durch die Fremdgeherei meiner Ex dermaßen gekränkt und am Boden zerstört, daß auch ich Dinge gesagt und getan habe, auf die ich heute auch alles andere als stolz bin. Ich habe mit meinen Aktionen teilweise auch meinen Kindern wehgetan nur um IHR eins auswischen zu können. Dafür schäme ich mich heute zutiefst. Zum Gluck habe ich sehr schnell bemerkt, daß dieser Weg ins Nichts führt. Heute habe ich ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern - und meine Ex und ich ignorieren uns so gut es geht.

          Wichtig für dich ist aber - und für diese Erkenntnis sollten die 4 Jahre seit eurer Trennung genügen - irgendwann einen Schlußstrich unter all die Beleidigungen, Lügen und Manipulationsversuche zu ziehen. Das gilt natürlich für beide Seiten.

          Ich finde schon mal toll, daß du versuchst so neutral wie möglich zu sein. Ich glaube auch, daß deine Kinder bald soweit sein werden, daß sie die Situation selber einschätzen können. Insofern wäre es auch eine Alternative, auf die Frage "Warum passt eigentlich der Papa nicht mehr abends auf uns auf?" so zu reagieren, den Kindern vorzuschlagen selber beim Papa anrufen und nachzufragen, wann er denn mal wieder Zeit hätte. So könntest du sozusagen eine Beweislastumkehr erreichen und im besten Fall hast du dann auch keinen Streß mehr mit deinem Ex. Denn DU zeigst damit, daß du eben nicht die Papa-Zeiten boykottierst und außerdem ist ER dann SEINEN KINDERN gegenüber in der Pflicht - und kann sich damit nicht mehr einreden DIR mit ständing umgeworfenen Planungen eins auszuwischen.

          • Ich bin da anderer Meinung.

            Natürlich war mein Lebensplan ein anderer, und ich hätte es mir für meine Kinder gewünscht, in einer anderen familiären Situation aufzuwachsen. Ich bin mir aber sicher, in Anbetracht der Umstände auch im Interesse meiner Kinder gehandelt zu haben und sehe die Trennung von ihrem Vater deshalb keineswegs als Makel an. Im Gegenteil bin ich der Ansicht, dass ich mich schuldig gemacht hätte, wenn ich nicht die Konsequenzen gezogen und mich getrennt hätte. Ich leiste als alleinerziehende Mutter, die selbständig den Lebensunterhalt für diese Kleinfamilie bestreitet, so viel, ich kämpfe so hart, da von Schuld und Makel zu sprechen halte ich für absolut nicht angemessen. Ich trage meine Verantwortung, ich leiste meinen Beitrag und weit mehr. Was von der anderen Seite kommt, darauf habe ich keinen Einfluss.

            Ich sehe es überhaupt nicht als Makel, dass meine Kinder in einer Ein-Eltern-Familie aufwachsen. Heutzutage gibt es so viele verschiedene Familienmodelle, und jedes davon kann gut und richtig sein, wenn es die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder berücksichtigt und wenn es von Respekt geprägt ist.

            Wenn es an dieser Stelle in unserer Konstellation ein Problem gibt, dann liegt es bei meinem Ex, der die Bedürfnisse seiner Kinder nicht sehen will und ihnen nicht die Zeit und Aufmerksamkeit gibt, die sie sich wünschen oder zumindest früher einmal gewünscht haben. Und das sage ich vollkommen neutral - es ist seine Sache, wie er seine Vaterrolle lebt. Da rede ich ihm nicht rein, ich nehme es hin wie es ist. Aber die Tatsache "3 Stunden/Woche" spricht denke ich für sich.

(15) 25.10.17 - 09:06

Hallo meikeike,

das ist wirklich unschön für dich und vor allem für deine Kinder.

Bitte laufe ihm nicht mehr hinterher, bringt ja offensichtlich nichts. Rufe ihn nicht mehr an, schicke ihm keine Nachrichten. Ich würde ihm einen Brief schreiben in dem du deine Wünsche und vor allem die Wünsche deiner Kinder bezüglich des Umgangs genau formulierst. Bleibe dabei sachlich und freundlich. Setze ihm eine Frist von 14 Tagen um zu antworten. Diesen Brief behältst du in Kopie bei dir.
Deine Kinder sind alt genug um den Brief zu lesen bzw. vorgelesen zu bekommen, Sie können durchaus auch an der Ausfertigung beteiligt werden. Dann werft ihr diesen Brief gemeinsam in den Briefkasten. Danach heißt es schlicht abwarten.

Für dich und vor allem deine Kinder muss eine feste Regelung her. Umgang ist kein Machtspiel und kein "ich mache was ich will". Umgang ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht. Leider sehen viele Ex-Partner das anders, zu Lasten der Kinderseelen.

Die übliche Regelung lautet: jedes zweite Wochenende und die halben Ferien.
Das dient dem Erhalt der Beziehung zwischen den Kindern und dem abwesenden Elternteil und auch deiner Entlastung und Planungsmöglichkeit.
Funktioniert leider in der Realität oft nicht, was sehr traurig ist.

Bei uns ging das so weit, dass in unserem Fall die Mutter den Umgang nicht ernst nahm und ihre Bedürfnisse vor die des Kindes stellte und letztendlich mit Ankündigung schriftlich für 4 Jahre auf den Umgang komplett verzichtet. Da ich alles dokumentiert und schriftlich habe, kann ich dem Kleinen später alles zeigen und erklären. So gehe ich falschen Anschuldigungen, die durchaus aus der Familie der Mutter kamen, aus dem Weg und kann beweisen, dass ich alles getan habe was ich tun konnte, die Mutter aber eben einfach nicht will.

Klar wird es hart für euch, wenn er von sich aus kaum oder keinen Umgang pflegt, aber ändern kann man es nicht. Du hast alles getan und musst dich dann auch noch mit seinen Lügen auseinandersetzen. Was er da treibt, ist negative Beeinflussung der Kinder um selbst gut dazustehen, das geht gar nicht. Damit werden die Kinder unter Druck gesetzt und müssen sich irgendwann innerlich entscheiden, das kann schwerwiegende Folgen für die Kinderseelen haben. Kinder lieben beide Eltern, egal was passiert und dürfen solchem Verhalten nicht ausgesetzt werden. Das solltest du deinem Ex auch deutlich machen. Beim Umgang geht es nur um die Kinder und nicht um Streit zwischen euch Erwachsenen oder gar um zu lügen.

Ich wünsche dir viel Kraft ,

omamufu

Top Diskussionen anzeigen