Tochter will nicht mehr zu Vater

    • (1) 10.02.18 - 18:19
      Inaktiv

      Liebes Forum.

      Ich wende ich mit einer Frage an die Community. Ich, w, bin seit 12 Jahren mit meiner Tochter (13,5 Jahre) alleinerziehend. Meine Tochter hatte immer regelmäßigen Kontakt mit meinem Exmann/ihrem Vater. Vor 6 Jahren hat er mit einer neuen Partnerin eine zweite Tochter bekommen; die Beziehung zu der Mutter ist auch längst gescheitert.

      Meine Tochter weigert sich seit geraumer Zeit, ihren Vater zu besuchen. Sie will keinen Kontakt mehr mit ihm. Einer der Hauptgründe ist die Halbschwester, die extrem im Mittelpunkt steht und vom Vater sehr bevorzugt wird. Er "putzt" meine Tochter vor der Jüngeren immer wieder regelrecht runter, nennt unsere Tochter "schwierig", "anstrengend", "spießig" und "Spielverderberin". Meine Tochter ärgert sich aber sehr über das Verhalten der Halbschwester, die in Läden Zornanfälle bekommt, in Restaurants auf den Stühlen rumtrampelt und laut rumbrüllt, und alle Ausflüge verlaufen nach ihrer Nase: Wenn sie keinen Bock mehr hat, wird jeder Ausflug sofort abgebrochen. Man geht nur dort hin, wo die Kleine hinwill. Mein Exmann nimmt die Kleine immer in Schutz und jede Unternehmung dreht sich um die Wünsche der Kleinen, die mit ihren Launen und Unarten jede Situation in Stress ausarten lässt. Ich habe schon einige solcher "Anfälle" miterlebt, wenn ich unsere Tochter bspw. abgeholt habe. Unter anderem war mein Exmann mit der Kleinen hier bei uns, wir haben einen Hund, und er wollte, dass seine Jüngste in Kontakt mit Tieren kommt (er selbst hasst Tiere). Unser Hund hat etwas härteres Fell und sie streichelte 1 mal kurz gegen den Strich, fing sofort an zu brüllen: "Der Hund hat mir weh gemacht, Papa, Hilfe, ich habe Angst, der Hund ist böse!" und sie hat nach unserem Hund getreten. Dabei hat nur das Fell "gestupfelt"?! Und obwohl ich ihr gezeigt hatte, wie man einen Hund streichelt, hat sie - als ich kurz wegsah - gegen den Strich gestreichelt. Mein Exmann hat sie sofort auf den Arm genommen und getröstet - es war irgendwie total grotesk. Ich habe ihm gesagt, dass das das erste und letzte Mal war - unser Hund sei kein Versuchskaninchen für ein hysterisches Kind.
      Meine Tochter berichtet mir immer wieder von sehr seltsamen Situationen mit der Kleinen bzw. deren Verhalten. Ich sage: Die Kleine ist komplett verzogen. Der Vater nimmt sie in Schutz. Meine Tochter ist genervt und sagt dazu ihre Meinung - und der Vater putzt sie runter, weil er die Kleine in Schutz nimmt. Meine Tochter muss die Kleine zum Beispiel zu ihrer Freundin, die in der Nachbarschaft wohnt, mitnehmen. Meine Tochter muss bei den Umgangswochenenden auf die Kleine aufpassen - der Vater geht ins Fitnessstudio oder liegt im Garten und sonnt sich. Vor Kurzem hat er die beiden Mädchen zum Skifahren mitgenommen - er selbst fuhr seine Runden am großen Hang, und verlangte von meiner Tochter, dass sie der Kleinen das Skifahren beibringen solle. Die Kleine brüllte aber nur rum, bekam Zornausbrüche im Schnee und meine Tochter hatte alles andere als einen schönen Ausflug. Mein Exmann kam dann irgendwann und übernahm die Kleine (die das Skifahren nicht lernen will), und meine Tochter musste dann alleine Ski fahren. Sie hat ihrem Vater gesagt, dass die Kleine nur rumzickt und keine Lust habe, das Skifahren zu lernen. Seine Antwort: "Hör auf, S. zu demoralisieren. Sie ist ein kleines Kind und ihre Koordination ist noch nicht ausgeprägt." GÄHN.

      Meine Tochter ist ziemlich selbstbewusst und direkt; sie hat die Problematik schon öfter bei ihrem Vater angesprochen. Er wiegelt alles ab und sagt zu ihr: "Du warst auch immer schwierig, als Du klein warst" (was definitiv nicht stimmt). Er richtet die Umgangswochenenden immer so ein, dass beide Kinder bei ihm sind. Aber es dreht sich eben immer alles um die Befindlichkeit der Kleinen. Und er provoziert unsere große Tochter bewusst/unbewusst: Er herzt die Kleine vor den Augen unserer Tochter und sagt zur Kleinen: "Du bist mein Liebling. Mit Dir kann ich so schön kuscheln. Deine Schwester ist immer zickig." Und die Kleine glotzt triumphierend meine Tochter an. Mein Exmann schickt unserer Tochter jeden zweiten Tag Fotos per Whatsapp von der Kleinen. Und meine/unsere Tochter ist einfach nur genervt. Sie bemerkt, dass mein Exmann sie oft als "Babysitter" benutzt und er verlangt bei jedem Umgangswochenende, dass unsere Tochter sich ausschließlich um die Kleine, die ziemlich schwierig ist und dauernd im Mittelpunkt steht, kümmert. Wenn meine Tochter das nicht will, bezeichnet er sie als "Spielverderberin." Meine Tochter hat ihm schon mal ganz trocken gesagt: "Du hast die Kleine gewollt, Du hast sie gemacht, ich habe sie nicht bestellt - also kümmere Dich selbst darum." Keine Reaktion. Die Antwort: Sie sei frech und ungezogen.

      Meine Tochter redet regelmäßig mit mir über diese Wochenenden. Sie hat bei ihrem Vater keine Privatsphäre und ist gestresst und erschöpft, wenn sie heimkommt.

      Einer der Knüller: Die Kleine wollte ins Hallenbad, meine Tochter hatte aber ihre Tage und konnte/wollte nicht ins Wasser. Das sagte sie meinem Exmann und der hat nur die Augen verdreht: Sie solle Tampons nehmen, wie alle anderen Frauen auch. Meine Tochter nimmt aber keine Tampons?! Sie hat dann gesagt, dass sie zum Nachbarsmädchen (ihre Freundin) geht, während er mit der Kleinen im Schwimmbad ist. Das hat mein Exmann nicht erlaubt. Er hat von meiner Tochter verlangt, dass sie mit ins Hallenbad geht. Und da saß sie dann: Komplett bekleidet, und durfte zuschauen, wie er mit der Kleinen im Wasser rumplantscht.

      Bislang habe ich mich nicht eingemischt, weil mein Exmann mich überhaupt nicht akzeptiert und ständig behauptet, ich würde die Tochter aufhetzen. Er ist eifersüchtig auf meinen Partner und behauptet auch, dieser würde ihm die Große wegnehmen - stimmt auch nicht.

      Mein Exmann ist kein bisschen selbstreflektiert. Er hat immer recht. Und er redet einen an die Wand, verdreht Situationen. Meine Tochter ist ihm da nicht gewachsen. Ich habe mit ihm auch schon das Gespräch gesucht, da bekam ich zur Antwort, dass ich unsere Tochter nur aufhetzten würde und einen Keil zwischen ihn und ihr treiben will. Ich habe schon mit seinen Eltern geredet; die sagen, dass er ein erwachsener Mann sei und sich auch von ihnen nichts vorschreiben lasse. Sie würden auch beobachten, dass es nicht gut sei, wie er die Kleine verhätschele, aber er streite das ab.

      Meine Tochter verweigert nun jeden Kontakt mit ihm. Sie will nicht mehr mit ihm reden, "denn es bringt nichts. Er redet so viel, dass ich mich nicht mehr wehren kann." Sie will nicht mehr zu ihm. Sie will nichts mehr von der Schwester wissen. Sie hat ihre Großeltern (seine Eltern) angerufen und ihnen gesagt, dass sie nicht mehr kann.

      Nun bat sie mich, dass ich ihm sage, dass sie ihre Ruhe haben möchte.

      Ich weiß, was passiert, wenn ich das tue: Ich bekomme zur Antwort, dass ich sie beeinflussen würde, und er bedrängt sie per Whatsapp.

      Weiß jemand einen Rat, wie ich das so kommunizieren kann, dass meine Tochter möglichst stressfrei eine Auszeit haben kann?

      Danke fürs Lesen und Antworten.

      • (2) 10.02.18 - 19:52

        "Weiß jemand einen Rat, wie ich das so kommunizieren kann, dass meine Tochter möglichst stressfrei eine Auszeit haben kann?"

        Ganz ehrlich, mit fast 14 Jahren ist Deine Tochter grundsätzlich alt genug, das halbwegs selbst zu regeln. Ich würde sie beraten und ihr durchaus meine Meinung zu dem Thema mitteilen, aber selbstverständlich nicht in beeinflussender Art und Weise. Das tust Du aber anscheinend auch nicht. Mein Tenor wäre: Wenn sie sich beim Vater nicht mehr wohl fühlt, dann muss sie überlegen, wie sie damit umgehen will.

        Sie kann ihm z.B. einen Brief schreiben und darin ihre Gefühle äußern. Schafft sie das nicht alleine, dann würde ich ihr helfen oder sogar eine neutrale Person (Kinderschutzbund!) um Hilfe bitten. Die könnten auch mal mit ihm sprechen, falls er dazu bereit wäre. Und Du wärst nicht "die Böse".
        Wendet er sich doch an Dich und wirft Dir vor, Du beeinflusst sie, dann schreibst Du einfach nur ohne weitere Erklärungen zurück, dass Du das gar nicht kannst, weil sie schon alt genug ist, sich eine eigene Meinung zu bilden.

        Er muss selbst merken, dass er mit seiner Art das eigene Kind vertreibt. Und Deine Tochter sollte auch Unterstützung bekommen, damit sie nicht glaubt, sie werde nicht mehr geliebt. Der Mann ist eventuell einfach nur total vernagelt, er muss es nicht einmal schlecht meinen.

        • (3) 11.02.18 - 12:52

          Hallo und danke für Deine Nachricht. Die Situation dauert schon etwas länger, ist also nicht neu und meine Tochter hat jetzt nicht gerade eine "Laune". Sie hat bereits mehrere Gespräche mit dem Vater zu führen versucht, ist argumentativ auch ziemlich fit und stark, aber sie erfährt von der Gegenseite leider kein Verständnis: Ihr Vater (sehr dominant) redet sie halt in Grund und Boden und verunsichert sie immer wieder, indem er ihr sagt, sie wäre als Kleinkind auch sehr schwierig gewesen und er erwarte nun Verständnis von ihr.
          Mal davon abgesehen, dass eine 6Jährige (seine Jüngste) in meinen Augen kein Kleinkind mehr ist, stimmt es einfach nicht, dass die Große schwierig war. Er will ihr einfach nur ein schlechtes Gewissen machen und das finde ich ziemlich grenzwertig. Meine Tochter will oft von mir wissen, wie sie denn als kleines Kind so war und ich bestätige ihr immer wieder, dass wir ein sehr schönes, entspanntes Leben hatten, das bis heute anhält, und dass sie sehr unkompliziert und fröhlich war - was auch bis heute so geblieben ist.

          Ich habe mich damals von ihrem Vater getrennt, weil er alles, einfach alles bestimmt hat: Was ich esse, wann ich esse, wann welches Fenster um wieviel Uhr gekippt oder geschlossen werden sollte usw (das waren noch die harmloseren Beispiele). Er hat spezielle Vorstellungen vom Leben - und er zwängt es anderen auf. Das ist das PRoblem.

          Mich strengt diese Unruhe einfach auch an: Jedes Umgangswochenende endet seit etwa 3 Jahren in Diskussionen. Meine Tochter regt sich regelmäßig auf, kommt total erschöpft und/oder schlecht gelaunt aus den Wochenenden heim. Und es sind viele Kleinigkeiten, die einfach nerven: Sie bekommt vom Vater ein Hoverboard geschenkt, darf es aber nicht zu uns nach Hause nehmen. Sie diskutiert mit ihm dann rum, denn es ist ja eigentlich ihr Geschenk (was aber er eigentlich für sich gekauft hat, wie sich dann rausstellt...). Dann darf sie es doch ausnahmsweise mit zu uns nehmen, bekommt aber nicht das Akku-Ladekabel. Das behält er bei sich. Sie kann es also nur begrenzt nutzen usw.

          Er muss immer kontrollieren. Er bestimmt. Er entscheidet. Und stresst damit erheblich.

          Jetzt im Moment will sie Abstand haben und ja: Ich finde das gut und es ist ihr Recht, Grenzen zu setzen.

          • (4) 11.02.18 - 13:08

            "Jetzt im Moment will sie Abstand haben und ja: Ich finde das gut und es ist ihr Recht, Grenzen zu setzen."

            Jeder Mensch hat das Recht, Grenzen zu setzen. Allerdings ist das trotzdem noch ihre Sache, das ihrem Vater gegenüber zu kommunizieren. Sie will ja aus triftigen Gründen nicht mehr hin, dann kann sie das auch mitteilen. Und wenn er Terror macht, braucht sie Unterstützung von Fachleuten. Mehr wollte ich mit meiner Antwort auch nicht sagen.

            Wenn Du aber meinst, Du müsstest Dich da schützend vor sie stellen, dann musst Du Dir diese Hilfe eben selbst holen.

      (5) 11.02.18 - 01:02

      Kann deine Tochter ihrem Vater nicht vorschlagen, dass sie erstmal nur an den Wochenenden kommt wo die Halbschwester nicht da ist?
      Dann könnten sie Zeit verbringen und reden und dein Ex würde merken, dass sie fehlt (als Babysitter) wenn die kleine Schwester da ist.

      • (6) 11.02.18 - 12:41

        Hallo und lieben Dank für Deine Antwort. Die geschilderte Thematik dauert ja schon längere Zeit und hat viele Facetten, die ich alle gar nicht darstellen kann, da sonst zu umfangreich. Meine Tochter blockt jetzt nicht einfach, weil sie grad eine Laune hat, sondern: Sie hat jetzt kapituliert. Sie hat mehrere Vorschläge gebracht, über insgesamt 3 Jahre verteilt. Sie bekommt halt immer die gleiche Antwort: "Du hast eine Schwester und Du musst Dich um sie kümmern. Und Du warst als kleines Kind auch schwierig, also musst Du Dich jetzt auch arrangieren." Wenn sich eine Situation, die einem nicht gut tut, nicht ändert, muss man Konsequenzen ziehen. Das ist zumindest meine persönliche Lebensphilosophie, die meine Tochter in meinem Alltag sieht. Und sie setzt sie wohl gerade selbst um.

        • (7) 11.02.18 - 17:28

          Dann soll sie halt mal paar Monate nicht zum Vater gehen. Vielleicht entspannt sich die Situation, sie ist fast 14 und eh irgendwann ihren eigenen Weg gehen.
          Die 14 jährige meines Bruders lebt beim Papa und ist auch nach Lust und Laune im Moment bei ihrer Mutter. Ist dann halt erstmal so. Vielleicht merkt es der Vater dann.
          Aber kommunizieren über Brief etc. sollte es die Tochter selber.

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