Neuer Partner - noch alleinerziehend?

    • (1) 04.12.18 - 11:47

      Ich hab mal eine Frage, wie ihr das so seht. Kein weltbewegendes Thema, aber die Frage stell ich mir gerade.

      Ich war/bin seit fast 5 Jahren alleinerziehend mit zwei Kindern. Seit etwa einem Jahr bin ich einer neuen Beziehung, die auch immer enger wird. Wir wohnen nicht zusammen und werden das auch absehbar erstmal nicht, weil der Wohnungsmarkt es nicht hergibt. Aber wir verbringen viel Zeit miteinander in unserer Wohnung. Mein Freund ist sehr oft - bestimmt 5x mal in der Woche - über Nacht bei uns, kommt nach der Arbeit, isst mit uns, unternimmt mit uns am Wochenende Dinge etc.

      Nun haben wir uns gestern unterhalten und ich habe was erzählt von einer anderen Mutter, die "auch alleinerziehend" ist, so habe ich das formuliert. Da sagte er "Wieso auch, Du bist es doch nicht mehr." Er fühlte sich da sichtlich angegriffen, und ich habe ihm dann erstmal zugestimmt, aber denke noch immer darüber nach. Letztlich fühle ich mich nämlich immer noch alleinerziehend.

      Ich mache unseren Haushalt weitgehend allein - er unterstützt mal hier und dort, ist aber eben auch Vollzeit arbeiten und hat superlange Pendler-Wege und entsprechend echt wenig Zeit nebenher. Unterstützung kommt da von ihm also eher wenig, auch, weil die Möglichkeiten begrenzt sind. Finanzielles haben wir weiter getrennt.

      Und was die Kinder angeht: Die drei verstehen sich super, das könnte ich mir nicht besser wünschen - aber es sind eben doch meine Kinder. Er holt mal eins der beiden irgendwo ab, und ich kann mal Laufen oder mit einer Freundin einen Wein trinken gehen, ohne einen Babysitter zu organisieren. Aber: Er kann jederzeit gehen, ich nicht. Wenn die Kinder was brauchen, kommen sie zu mir. Wenn sie krank sind, pflege ich sie. Wenn nachts was ist, stehe ich auf. In welche weiterführende Schule die Große geht, entscheide ich, Informationen dazu sammle ich. Ist auch alles völlig selbstverständlich, das kann ja gar nicht anders sein - es sind eben nicht seine Kinder.

      Aber entsprechend finde ich eigentlich, bin ich immer noch alleinerziehend. Jetzt mit Partner, was toll ist - aber oft auch nicht weniger allein als vorher.

      Wie empfindet ihr das denn? Ist jetzt alles nicht so wichtig und vielleicht einfach eine Frage der Definition, aber es interessiert mich trotzdem.

      • Hallo,
        Ich sehe das wie du.
        Ich bin selbst in einer ähnlichen Situation und bezeichne mich auch weiterhin als alleinerziehend.
        Meine Tochter hat natürlich auch noch einen Vater, mit dem ich wichtige Entscheidungen gemeinsam treffe, aber prinzipiell sehe ich mich als alleinerziehend. Alltägliche Entscheidungen treffe ich alleine, halte zwar oft Rücksprache mit meinem Partner; aber letztendlich trage ich die Verantwortung allein.
        Mein Freund bezeichnet uns auch als seine Familie und behandelt meine Tochter so, als wäre es seine, aber auch er widerspricht nicht, wenn ich sage, dass ich alleinerziehend bin - ehrlich gesagt hätte das für mich einen seltsamen Beigeschmack, ich kann gar nicht genau erklären wieso, aber irgendwie fände ich es fast schon anmaßend nach so "kurzer" Zeit, wenn er sich als "vollwertiges Elternteil" sehen würde...
        Lg Kokosmilch

        • Ja, ich war auch echt erstaunt, dass er das in Frage gestellt hat, und es hat sich für mich nicht gut angefühlt. Ich finde, er verkennt damit total, wie viel Arbeit und wie viel Verantwortung ich eben immer noch alleine trage.

          Natürlich weiß ich es total zu schätzen, dass er da ist, wenn ich mal ne Schulter brauche, und es ist für mich sehr viel wert, nicht mehr jede Nacht allein einzuschlafen und auch mal jemanden um seine Einschätzung zu einem Thema bitten zu können, auch, eine Feuerwehr zu haben, wenn ich selbst mal krank bin und so weiter. Aber letztendlich liegt die Verantwortung weiter bei mir, und ob sich das überhaupt einmal ändern kann, das weiß ich gar nicht.

      (4) 04.12.18 - 13:27

      Hallo. Ich sehe es wie du...
      Dennoch empfinde ich es mit Partner schon sehr erleichternd. Bin in einer ähnlichen Situation wie du.

      Allerdings bekommen wir ein gemeinsames Kind. Aufgrund des Wohnungsmarktes, seiner Arbeit und dem Vater meiner Tochter werden wir erstmal nicht zusammenziehen und führen eine Fernbeziehung über 200km.

      Ich sehe mich also demnächst mit 2 Kids alleinerziehend, obwohl ich mit dem Vater zusammen bin.
      Er ist halt nur am WE da. Er findet es auch kränkend wenn ich das sage. Aber es ist ja nunmal so.

      Im übrigen finde ich, dass viele Frauen in einer Beziehung mit dem Vater der Kinder auch alleinerziehend sind. Denn nicht jeder kann/möchte so unterstützen, dass man wirklich sagen könnte, es ist gleichberechtigt.

      • (5) 04.12.18 - 13:30

        Positiv zu sehen ist allerdings:

        Er empfindet sich als Teil des Teams. Er fühlt sich zugehörig und mitverantwortlich. Vor den Konsequenzen einer tiefen Bindung zu dir und den Kindern scheint er sich nicht zu scheuen und nimmt deine Kids so an, wie sie sind. Sie gehören für ihn zu 100% dazu.
        Möglicherweise ist er gekränkt, weil ihn das etwas aus der Familie drängt. Du mit deinen Kids auf der einen und er auf der anderen Seite alleine.
        Für ihn seid ihr scheinbar eine Familie. Ob gemeinsame Wohnungen oder nicht. Er liebt euch alle.

        • (6) 04.12.18 - 14:31

          Das stimmt alles, und das bedeutet mir sehr viel und ich möchte es wirklich nicht kleinreden. Trotz allem Integrationswillen auf allen Seiten ist es aber doch so, dass die Verantwortung für so viele Bereiche bei mir bleibt. Und das ist in meinen Augen auch richtig so. Ich würde zum Beispiel mein krankes Kind aktuell noch nicht mit ihm allein lassen. Und er könnte bei seinem Arbeitgeber auch nicht Kind krank machen - weil es nicht seine sind! Ich würde ihn auch nicht auf einen Elternabend schicken, oder ihn nachts das Bett beziehen lassen, wenn jemandem ein Malheur passiert ist. Er ist eben mein Freund, und so sehr ich ihn liebe, der Vater ist er nicht.

    • (8) 04.12.18 - 18:39

      Das sehe ich genau anders. Wer einen Partner oder Kindesvater hat, der sich kümmert, unterstützt, finanzielle Verantwortung trägt, ist nicht alleinerziehend. Gleiches gilt für Väter, die Umgang pflegen und dabei nicht nur Halligalli im Sinn haben.

      Allein erziehend ist für mich, wer die Aufgaben im weiten und entfernten Sinn alleine bewältigt, zB kein Umgang besteht und ggf. der Unterhalt allein erwirtschaftet werden muss.

      Alle anderen sind für mich "getrennt erziehend".

      Das Einkommensteuergesetz zielt darauf ab, dass keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen erwachsenen Person besteht. Bei 5 von 7 Tagen besteht die für mich.

      Daher ist für mich weder die TE noch deine Beispielfrau eine "echte Alleinerziehende".

      LG

      • (9) 04.12.18 - 19:00

        Ich habe einen Ex, der die Kinder 3 Stunden pro Woche nimmt und Halligalli macht und einen Freund, der nicht hier wohnt, finanziell getrennt wirtschaftet und mich punktuell unterstützt. ALLEIN erziehend.

        Wenn ab und zu mal die Oma aufpassen würde wäre es auch nichts anderes.

        • (10) 04.12.18 - 19:24

          Du wolltest doch andere Sichtweisen. So wie du das schilderst, empfindest du deinen Freund scheinbar eher als deinen "Besuch", der eben etwas mit anpackt und nicht als einen Partner, der Teil der Familie ist und eben noch eine eigene Wohnung hat.

          Dein Freund scheint das umgekehrt zu empfinden und ist nun getroffen, weil er merkt, dass du ihn eher als Besucher mit Benefits im Bereich Familie siehst. Ich kann das verstehen.

          Es ist ja auch vollkommen wurscht, wie ich das sehe, es geht ja allein um eure Sicht und was die unterschiedlichen Sichtweisen, hier insbesondere bei deinem Freund, auslösen.

          An seiner Stelle würde ich mich auch etwas herabgesetzt fühlen.

          LG

          • (11) 04.12.18 - 19:52

            Ja, wahrscheinlich hast du schon recht, ich sehe ihn mehr als Besuch. Ich bin tatsächlich der Meinung, um hier als Familienmitglied zu gelten müsste mehr von seiner Seite kommen. Da wünsche ich mir, dass jemand mitdenkt und in bestimmten Bereichen auch mal selbstständig Dinge übernimmt. Momentan ist das wirklich nicht der Fall. Er kauft mal ein, und er kocht auch ab und zu mal. Aber es ist nie so, dass ich erwarten kann, dass er solche Dinge verantwortlich übernimmt. Mal sieht dass der Müll raus muss und es dann auch macht. „Ich mache das jetzt, du brauchst dich nicht darum zu kümmern.“ Das ist es, was mir zum Familienmitglied fehlt und ihn zum Besuch macht.

            • (12) 04.12.18 - 20:51

              Aber dann habt ihr doch eine gute Gesprächsgrundlage um zu klären, was ihr eigentlich für Vorstellungen habt. Und du kannst dir ja überlegen, ob dir lieber selbständig Alleinerziehenden mit Besuch bleiben willst oder einen eigeninitiativ mitwirkenden Partner als Familienmitglied.

              LG

              (13) 06.12.18 - 09:32

              Ich würde ihn nicht als Besuch bezeichnen.
              Er ist dein partner. Mehr aber momentan noch nicht.
              Was du in verbindung mut den kids schilderst könnte auch ne gute freundin oder die oma machen. Alles zwischen euch scheint super partnerschaftlich. Das hat aber nix mit den kindern zutun.

              Mein partner ist nicht gleich vaterfigur meiner kinder.

      (15) 04.12.18 - 19:13

      Naja. Du kennst ja die Geschichten mit dem Vater meiner Tochter. Zumindest hast du immer super geantwortet, mit einer klaren Meinung.
      Mit ihm bin ich alleinbelastet. Er kümmert sich immer dann, wenn er mir eins auswischen kann ODER sich in rechts Licht rücken kann.

      Wie es nach der Geburt mit dem Geschwisterkind wird, wird sich zeigen. Du hast schon recht, dass der Vater von Samstags mittags bis sonntagsabends zwar da ist, aber alles was anfällt... ja getrennt erziehend.


      Oder doch alleinerziehend. Männer bleiben doch auch ein Leben lang 12 und wachsen dann nur noch 😉😉😉😉
      Ich bin dennoch froh über die emotionale Stütze. Denn das ist zumindest das was mir in den letzten Jahren mit meiner Tochter so geholfen hat. Er war einfach da. Ich wusste es gibt jemanden, der ist da, wenn es mal nicht so läuft, der mir aber auch in den Hintern tritt...

      • (16) 04.12.18 - 19:20

        Ich finde, es gibt da echt Grauzonen. Ein Vater, der alle zwei Wochen mal ein paar Ausflüge macht, ist noch etwas Anderes als einer, der mit den Kindern deren Hobbies wahrnimmt oder auch mal für die Mathearbeit lernt, zum Arzt geht oder zum Elternabend. Und ein Vater, der Umgang nur wahrnimmt, um einen Fuß im Leben der Mutter zu behalten und ihr auf den Keks zu gehen, hat mit "miterziehend" auch nichts zu tun.

        An dich habe ich vorhin auch denken müssen. Aber du hast ja jetzt auch eine bessere Hälfte, die mit anpackt.

        LG

        • (17) 04.12.18 - 21:55

          Ja absolut. Wie gesagt. Die emotionale Unterstützung nützt mit persönlich mehr, als jemand der staubsaugt. Wobei derzeit (35te Woche) wäre jemand der den Haushalt schmeißt super.

    (18) 05.12.18 - 16:53

    Finde es übrigens reichlich absurd, ausgerechnet das Einkommenssteuergesetz als Maßstab anzulegen. Was Familien anbetrifft ist das wirklich maximal unfair, was man schon daran sehen kann, dass ich annähernd so besteuert werde wie ein Single ohne Kinder.

    Weil 5x in der Woche jemand bei mir übernachtet - seriously...?!

    • (19) 05.12.18 - 21:46

      Mal anders herum: was ist denn für dich NICHT alleinerziehend?

      LG

      • (20) 06.12.18 - 08:51

        Bei getrennten Eltern: Wenn zwei (oder mehr ;-)) Erwachsene - nicht notwendigerweise die leiblichen Eltern - einigermaßen gleichberechtigt die Verantwortung für die Kinder im Haushalt tragen. Wenn also jeder der Erwachsenen zumindest einen Großteil der Aufgaben, die die Kinder betreffen, verantwortlich übernehmen kann, ohne vorher groß gebrieft zu werden.

        • (21) 06.12.18 - 09:23

          Ich glaube, dass sich unsere eigene rechtliche Würdigung des Begriffs am jeweils anderen Ende der möglichen Spanne befindet. Ich kann deine Auslegung nachvollziehen. Allerdings verstehe ich dann, dass Mütter, die ein ganz klassisches Rollenprinzip leben, sich dann auch als Alleinerziehende betrachten.
          Das widerstrebt mir eben, weil für mich eine teil- oder gar vollversorgte Frau (egal ob zusammen lebend oder getrennt) nicht allein erziehend ist. Für mich spielen da nicht nur die praktischen Alltagsthemen sondern auch die finanzielle Verantwortung rein.

          Ich hoffe, dein Freund trägt dir das nicht mehr nach!

          LG

          • (22) 06.12.18 - 09:34

            Ich gebe Dir recht, die Ehefrau, die alle Aufgaben am Kind übernimmt und aber finanziell von ihrem Mann versorgt wird, ist für mich auch nicht alleinerziehend. Alleinerziehend kann für mich eigentlich nur jemand sein, der vom Vater der Kinder getrennt lebt - steht ja auch so in meiner Definition. Das impliziert natürlich im Umkehrschluss, dass im Fall des Zusammenlebens der Eltern die Verantwortung für die Kinder gemeinsam getragen und finanziell gemeinsam gehaushaltet wird. Das wird natürlich bei weitem nicht immer so sein. Die Leute haben dann eben ihre eigenen Probleme - sind aber meiner Meinung nach nicht alleinerziehend.

            Ich habe auch selbst während meiner Ehe schon die Kinder komplett allein versorgt. Alleinerziehend war ich erst, als er weg war.

(23) 04.12.18 - 13:49

Ich bezeichne mich als getrennt erziehend... aber wir betreuen auch im Wechselmodell.

Ja, für mich bist du noch allein erziehend. Klar gibt es immer welche die es schwerer haben, niemanden haben etc. Aber dein Partner ist max. eine Unterstützung.

Steuerlich gesehen bist du ja auch allein erziehend, solange er nicht bei euch wohnt.

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