*Lang* Chronik einer angekündigten Trennung

    • (1) 17.03.19 - 14:26

      Vorneweg möchte ich sagen dass ich mir nicht ganz sicher bin, was für Antworten ich mir hier erwarte, und ob überhaupt. Vielleicht ist es ja auch mein Bedürfnis meine Gedanken in Worte zu fassen, um selber herauszufinden was da ist...

      Mein (Ex?)Freund und ich sind momentan getrennt. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren und waren sehr gut befreundet, die Beziehung würde allerdings (sofern sie noch bestünde) die Jahresmarke erst nächste Woche knacken. Die Schwangerschaft war ungeplant (beide zu dumm zum verhüten, ich gebs offen zu) ich habe es ihm Anfang November erzählt, bis Mitte Dezember hätten wir Zeit gehabt uns zu "entscheiden". Seine erste Reaktion war ein überaus entgeistertes "echt jetzt?!" - ich habe es auf die telefonische Bekanntgabe geschoben, war leider ne Fernbeziehung, sämtliche Versuche ihn zu einem Treffen zu bewegen sind an seinen wochenendplänen (Fußball, Brunch) gescheitert.

      Fast Forward ein paar Tage, mittlerweile hatte der Arzt es bestätigt, treffen wir uns auf halber Strecke um face to face zu reden. Er immer noch skeptisch, ich ja auch, und ich habe versucht ihm klar zu machen, dass auch wenn ich eigentlich eine Abtreibung nicht möchte, sie durchaus eine Option ist, weil ich einfach keinen zwang ausüben und ihn ins verderben stürzen will - wir hätten bis Mitte Dezember Zeit, er möge sich das gut überlegen, für mich wäre es wichtig ein Kind nur dann in die Welt zu setzen, wenn ich bedingungslose liebe und ein gutes Leben garantieren kann.

      Nochmal 2 Wochen und viele Tränen und Überlegungen später, meint er auf einmal, wir schaffen das, eigentlich ist das ja ganz toll, dann hat er wenigstens nen Grund den Arsch hochzubekommen, den Job den er hasst zu kündigen, er zieht her, alles wird super. OK denk ich mir, großartig, das ist eine win win Situation, und fange an zu organisieren, Uni, Arbeit, Zeug, es scheint so, als würde mir kein Widerstand entgegenschlagen, alle sind nett, und machen mir das Leben möglichst leicht, unbefristeter Arbeitsvertrag, Kulanzlösungen ohne Ende an der Uni. Wir haben mittlerweile Ende November.

      Nur der Kindsvater ist auf einmal ein bisschen distant, versteht vieles was ich sage falsch, und ist generell auf Krawall gebürstet - wenn ich dann wirklich Mal explodiere erklärt er mir, ich wäre zu emotional, er kommt mit meinem Temperament nicht klar (fairerweise komm ich mit seinem totschweigen auch nur sehr schlecht klar). Tut meine Übelkeit als lächerlich ab. Berührungen sind mit Ausnahme von hier und da Sex wenn wir uns sehen komplett verschwunden.

      Mir war relativ klar, dass er überfordert sein muss, und habe mir gedacht, ja nicht stressen, noch mehr Druck rausnehmen, für ihn ist das surrealer als für mich, der kommt schon noch zu Sinnen. Ruhig Blut, alles wird gut.

      Fast Forward nochmal, ich habe es zu Weihnachten meinen Eltern erzählt, beide zurückhaltend, meine Mutter stellt natürlich die bösen fragen ob ich mir bei dem Typen sicher bin, aus mir spricht der Hochmut, ich sage dass man sich nie sicher sein kann, wir zanken uns, vertragen uns aber auch wieder. Mittlerweile freut sie sich sehr auf ihr zweites enkelchen. Mitte Jänner schafft KV es tatsächlich nach einer etwas forschen Ansage meinerseits, dass ich ihm nur schwerlich einen Job verschaffen kann, es endlich den Arsch hochzukriegen und 2 Bewerbungen zu schreiben und - endlich - seine Eltern über den Nachwuchs in Kenntnis zu setzen. Die scheinen sich zu freuen, fragen ob sie mich bei meinem nächsten Besuch kennenlernen können. Klar, sag ich, nach dem nächsten Arzttermin mitte Februar, da wollte er eh dabei sein, komm ich mit raus zu ihm.

      Dazu ist es niemals gekommen, zwei Tage vor besagtem Termin haben wir uns wegen einer Lappalie gestritten (er hat beide krapfen gegessen, und mir nichts übrig gelassen, ihr seht, absolut weltbewegende Gründe, ich wollte bloß ne Entschuldigung), ich hab ein bisschen gegrummelt, er hat sich geweigert sich zu entschuldigen, auch nach mehrmaliger bitte danach, war uneinsichtig warum ich jetzt so ein auferhebens mache. Dann wäre es wohl besser sich zu trennen wenn wir so Unterschiedlich sind. Es täte ihm leid dass er es nicht geschafft hätte mir klar mitzuteilen, dass er kein Kind will. Und dann hat er sich ins Auto gesetzt und ist nach Hause gefahren. Ich saß noch eine Stunde heulend am Fenster, in der Hoffnung dass er es sich anders überlegt.

      Abends dann eine Nachricht, er hätte einen Fehler gemacht. Gut, denk ich mir, wir machen alle Fehler, habe ihm mitgeteilt dass ich gerne abkühlen möchte, wir können morgen reden, in Ruhe ohne Schuldzuweisungen. Gesagt getan, ich habe meine Position nochmal klar gemacht, dass ich ihn zu nix drängen oder zwingen will, er soll sich bitte genau überlegen was er will und es mir mitteilen, Ich hätte aber Angst dass sich so eine Situation wiederholt wenn das Baby da ist und alles komplizierter ist.

      Am nächsten Tag nach dem Arzttermin habe ich ihn wie gewünscht darüber in Kenntnis gesetzt dass es seinem Kind gut geht und es höchstwahrscheinlich ein Mädchen ist. Eine Woche später hat er gefragt wie es ihr geht, nach meiner Antwort war Funkstille. Das ist jetzt auf den Tag genau einen Monat her.

      Hier sitze ich nun, Anfang 7. Monat. Manchmal bin ich sauer dass er sich so leicht aus der Affäre ziehen konnte. (Nicht wegen potenzieller Hilfe, ich bin ja schon die ganze ss allein, kenne es nicht anders) Manchmal bin ich unendlich traurig, nicht weil ICH ihm nicht genug war, sondern weil mein kleines Mädchen ohne Papa aufwachsen muss. Und ich Frage mich: denkt er eigentlich nach einem monat noch nach, ob er uns will, oder hat er schon längst entschieden und traut sich nicht es auszusprechen?

      Ich habe das Gefühl, auf ganzer Linie versagt zu haben, miese Freundin, miese (bald) Mama, Karriere und Bildung ist auch aufgeschoben. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe Knuddelchen jetzt schon mehr als ich jemals jemanden auf dieser Welt geliebt habe, sie ist und bleibt meine nr 1, und das für immer. Ich wollte auch immer Mama werden, nur wenn ich früher gewusst hätte, dass mein Kind Gefahr läuft, nicht das Maximum an Zuwendung und liebe zu kriegen, das es eigentlich verdient hätte, dann hätte ich mich dagegen entschieden.

      Danke für's zuhören/lesen, weiß wie gesagt nicht ob man auf sowas überhaupt antworten erwarten kann, tat jedenfalls gut es Mal aufzuschreiben.

      • Hallo mauseline90,


        ich habe den Eindruck das eure Beziehung von Anfang an nicht richtig funktioniert hat. Es ist, war eine Fernbeziehung , von daher vermute ich das ihr nicht viel Zeit gemeinsam verbracht habt. Ich weiß auch nicht wie er diese Beziehung gesehen hat. Seine Eltern haben dich ja noch nicht persönlich kennen gelernt.

        Rede dir aber bitte nicht ein versagt zu haben. Miese Freundin, warum? Weil du deinem Kind eine gute Zukunft bieten möchtest. Miese Mama, warum ? Du machst die Gedanken über die Zukunft deiner Maus. Hört sich nach einer verantwortungsvollen Mama an. Dein Kind wird auch das Maximum Zuwendung und Liebe bekommen. Das der leiblich Vater sich aus der Affäre zieht ist nicht schön, es sagt aber nicht das dein Kind darunter leiden muss. Ich kann mir gut vorstellen das du einen neuen Partner findest der sowohl für dich da ist, aber genauso für deine kleine Maus. Kinder ist es egal ob es der leibliche Vater ist oder ein " sozialer Vater" ist. Für Kinder ist derjenige der Papa, der dem Kind Zuwendung und Liebe gibt. Karriere und Bildung ist aufgeschoben. Aufgeschoben aber nicht aufgehoben.

        Ich wünsche dir und deiner Maus eine glückliche Zukunft.

        blaue-Rose

        • Ich möchte euch beiden für eure netten und vor allem aufbauenden Antworten danken!

          Wie das Amen im Gebet - man beschwert sich und dann passiert was - hat er sich heute früh gemeldet. Viel heiße Luft von seiner Seite, extrem viel schlechte Laune für mich - dafür habe ich jetzt eine Antwort wie es um seine Entscheidung steht bekommen.

          Ich sag euch, dass heute in der Arbeit die Hütte gebrannt hat und ich mich 8h heftigst konzentrieren musste war ein Segen!

      „ich liebe Knuddelchen jetzt schon mehr als ich jemals jemanden auf dieser Welt geliebt habe, sie ist und bleibt meine nr 1, und das für immer.“

      Für mich hört sich das nach einer tollen Mutter an !!!!! 🙂 die Zeit wird manchmal echt hart werden, aber wenn deine Kleine dich dann ansieht/ anlächelt und du ihr Vertrauen spürst, wird Dir das Herz aufgehen... 😍

      Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Bitte versuche Dir auch gerade für die Anfangsphase Hilfe zu besorgen. Können deine Eltern dich unterstützen?

      Und „miese Freundin“.... kann ich auch nicht erkennen.... Der Kerl ist halt leider noch nicht im Leben angekommen.... ( klingt für mich eher nach einem zweiten Kind als einem Elternteil).
      Bitte verstehe mich nicht falsch. Für mich klingt es aber so, als wärst Du vielleicht ohne ihn besser dran. Natürlich ist es schade für ein Kind ohne Papa aufzuwachsen... aber wir leben nun einmal nicht in einer perfekten Welt.

      Du schaffst das! 👍🏻

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