Elterngeld, Unterhalt, Aufenthalt im Ausland

    • (1) 13.06.19 - 07:29

      Ich habe einen Freund, der als selbstständiger Musiker arbeitet und nächstes Jahr nochmal im Ausland studieren möchte (Zweitstudium).

      Falls wir zusammen ein Kind bekommen, sagte er, dass er gerne für das Kind da wäre und es aufwachsen sehen möchte. Da ich aus einer Scheidungsfamilie komme, ist es für mich aber wichtig, dass ich das alleinige Sorgerecht habe (um Streit auf Kosten des Kindes bei einer Trennung zu vermeiden). Das ist für ihn auch in Ordnung.

      Jetzt habe ich gelesen, dass ich auf den Unterhalt für das Kind gar nicht verzichten darf und den Vater, wenn er bekannt ist auch auf jeden Fall angeben muss. Aber ist er als Student mit nebenberuflicher Selbstständigkeit und wenn er unterhalb des Selbstbehalts verdient überhaupt unterhaltspflichtig? Bekomme ich dann Unterhaltsvorschuss und er muss das zurückzahlen? Ich würde ihm gerne zusichern, dass ihm keine finanziellen Nachteile entstehen.

      Für ihn wäre es aber gerade nicht schön, wenn er Unterhalt zahlen müsste, aber ich darf es ihm dann ja nicht zurückzahlen, oder? Dürfte ich von dem Geld eine Immobilie für das Kind kaufen und dem Vater lebenslanges Wohnrecht einräumen?

      Ich bin im öffentlichen Dienst angestellt und hätte zunächst Elterngeld von dem ich leben könnte und kann dann auch weiterhin in Teilzeit, so wie jetzt (24 Stunden), arbeiten.

      Da sein Studium im Januar im Ausland beginnt (und ich es wirklich gut finde, dass er das macht) frage ich mich, ob ich den Anspruch auf Elterngeld verliere, wenn ich ihn in der Elternzeit in den USA besuche und ggf. länger dort bleibe. Weiß das jemand von euch? Reicht mein Wohnsitz in Deutschland für Elterngeld aus? Alternativ müsste ich einen Job in den USA annehmen und direkt wieder arbeiten gehen, um bei ihm zu sein, aber dann verliere ich bestimmt auch Ansprüche auf Elterngeld, oder?

      Mein Vertrag hier ist auf bis März 2022 befristet und ich würde ungern vorher kündigen, um in die USA zu gehen, wo ich dann keine soziale Absicherung hätte.

      • (2) 13.06.19 - 07:48

        Also zum Thema Unterhalt:
        Ja, eigentlich „darfst“ du auf Unterhalt nicht verzichten, es da deinem Kind zusteht.
        Aber in der Praxis kannst du natürlich schon darauf verzichten, wenn ihr auch so über die Runden kommt.
        Du darfst dann natürlich keinen Unterhalts Vorschuss beziehen.
        Denn warum sollte dich die Allgemeinheit finanzieren ?
        Allerdings bist du dir sicher, dass du mit dem Elterngeld überleben kannst ? Du arbeitest ja jetzt schon nur Teilzeit und das Elterngeld werden ca 65 Prozent deines jetzigen Gehaltes sein.

        Was das Elterngeld angeht: ich GLAUBE du brauchst einen Wohnsitz in Deutschland.

        Wie lange würdest du denn in den USA bleiben wollen ? Geht ja eh nicht unendlich lange ohne Visum oder ?

        Viele Paare nutzen die Elternzeit zum reisen, die bekommen auch Elterngeld ...

        Aber dein ganzer Plan ist irgendwie komisch.

        Willst du für immer in die USA auswandern ?
        Falls ja, dann finde dort erst einen Job und ordnet dort euer Leben bevor ihr ein Kind plant.

        • (3) 13.06.19 - 08:42

          Er will für immer in den USA bleiben und dort selbstständig arbeiten.

          Ich promoviere gerade, also möchte ich erst meine Doktorarbeit hier fertig machen und danach erst in die USA gehen. Ich könnte aber auch von dort aus in Deutschland promovieren. Also ja, die Situation ist bestimmt nicht alltäglich, aber ich muss zum "arbeiten" nicht anwesend sein.

          Ein Kollege von mir hat anstatt Elternzeit nur vom Home Office aus gearbeitet. Mein Chef bekommt selbst ein Kind im Herbst und wird von zu Hause aus arbeiten. Ich könnte aber auch dort an einer Uni arbeiten.

          Für mich würde es zeitlich halt gut passen, die Elternzeit mitzunehmen bevor mein Vertrag hier endet und während der Elternzeit meine Doktorarbeit fertig zu schreiben und erst danach in den USA einen Job zu suchen. Ich mache mir aber finanziell gesehen, oder jobtechnisch keine Sorgen, weil ich dort schon angetestet habe und auf jeden Fall einen besser bezahlten Job als in Deutschland bekäme. Ich habe auch in den USA studiert und bereits gelebt.

          Er macht sich mehr Sorgen, weil er das erste Mal im Ausland lebt und natürlich den Druck der Selbstständigkeit hat.

          In zwei Jahren müsste ich aber ersteinmal wieder Probezeit usw. abwarten und dann bin ich auch schon 33 Jahre alt. Ob das dann noch was wird...

          Für mich klingt es plausibler, dass ich erstmal in Deutschland bleibe und zumindest hier ein festes Einkommen habe, von dem ich leben kann. Ich würde ca. 1200€ Elterngeld bekommen, oder eben 1800€ Gehalt wenn ich arbeite und denke, dass ich damit alleine mit Kind um die Runden komme. In den USA gibt es keine Elternzeit oder Mutterschutz und keine gute Krankenversicherung. Da zahlt man alles aus eigener Tasche (Geburt, Krankenhaus, Elternzeit usw.). Daher würde ich nicht dorthin auswandern, bevor ich Kinder hätte.

          • (4) 13.06.19 - 14:39

            Wenn Du mit 1400 Euro gut leben kannst, hast Du offensichtlich eine sehr günstige Wohnung. Ich halte das schon für relativ wenig Geld, wenn man dann auch noch regelmäßig Flugtickets in die USA finanzieren möchte.

          • (5) 13.06.19 - 16:53

            Naja,
            der Ganze Plan könnte allerdings schon daran scheitern das die USA sich jetzt nicht gerade um freischaffende Musiker reißen, es also sehr fraglich ist ob er für diesen Plan überhaupt ein Visum bekommt .....

      (6) 13.06.19 - 21:09

      Ich glaube ehrlich gesagt du stellst dir das alles etwas zu einfach vor. Ich kann mich gut in deine Lage versetzen. Ich hab selbst unter gleichen Bedingungen promoviert und zum Ende des Vertrags ein Kind bekommen. Alles ist machbar, ich hab es auch geschafft, aber so hart hab ich es mir nicht vorgestellt...und ich hatte einen Vater zum Kind vor Ort, der sich viel gekümmert hat, jeden Tag pünktlich daheim war etc. Ich war fast fertig mit der Promotion als ich in Elternzeit gegangen bin und dachte mir das wird doch easy, ich bin doch eh daheim und das Kind schläft doch am Anfang viel. Tja, so stellt man sich das vor. Gibt sicher Kinder die machen das. Meins nicht 😂 Ich hab mit Baby in der Trage am Stehpult gestanden und getippt, meine Paper beim Spaziergang im Park gelesen - bloß nicht Stehenbleiben sonst wacht das Baby auf - und die Hauptarbeit nachts mit Baby auf nackter Brust gemacht, da schlief er wenigstens. Ich denke, in aller Bescheidenheit, die meisten hätten entweder hingeschmissen oder wären zumindest nicht innerhalb der Elternzeit fertig geworden. Ohne meinen Mann vor Ort, der mich sehr unterstützt hat und die Großeltern vor der Tür, die auch mal eingesprungen sind, hätte ich es nicht nur nicht geschafft sondern wäre komplett verzweifelt - auch ohne Diss. Mein Kind war anstrengend. Ich liebe ihn ohne Ende, aber er war und ist nie das Anfängerbaby, das man sich wie selbstverständlich vorstellt, wenn man daran denkt wie es ist Kinder zu haben. An diese Möglichkeit denkst du zu wenig. Überleg es dir gut, deine Situation mag dir für ein Kind optimal erscheinen - so dachte ich auch - du siehst das aber etwas zu rosarot insgesamt finde ich und EURE gemeinsame Situation erscheint mir nicht so optimal wie du es für ausmalst.

    • (7) 15.06.19 - 07:41

      Du kennst niemanden mit Baby und oder Kind, die alleinerziehende arbeitet oder??
      Meinst du denn USA warten auf promovierte Mütter mit Kind? Das ist ein riesen K.o. Kriterium. Kinder werden laufend krank wenn sie dritt betreut mit anderen spielen. Betreuung kostet auch. Bei uns ca. 350 € im Monat. In Amerika kostet auch alles. Kinder mit Homeoffice sind kein Lottogewinn. hatte ich u habe ich auch u nutze es nicht. Es diktiert deinen Tag. Strukturiertes Arbeiten nicht möglich. Deshalb mache ich es nur im absoluten Notfall. Und dann sehr ungern ..USA sind mit Baby eine riesen Herausforderung. Schon in Deutschland alleinerziehende zu ein, ist sehr stressig. Da hoffe ich , du hast gute finanzielle Rücklagen. Sonst weiss ich nicht wie du mit den 1400 € gut leben willst. Kinder kosten. Auch gebrauchte Sachen kosten. Erstausstattung. Und vor allem. Dein Freund will auswandern um sich auf seine Karriere zu fokussieren. Da wird er wenig Zeit und Geduld für ein Baby haben. Es klingt als hättest du sozialromantische Vorstellungen und sicherst ihm zu, auf alle Verantwortung seinerseits zu verzichten. Das ist mehr als naiv. Du hast null Plan und null Ahnung was dich erwartet . Was euch erwartet. Was ist wen ihr euch wegen Überbelastung.. Finanzen. . Kindbetreuung dauernd streiten würdet ?? Kämst du ohne dritte Hilfe in Amerika allein zurecht ?
      Ich kenne eine promovierte Mama die noch in der Promovierung schwanger wurde. Sie ist jetzt arbeitslos. Kein Arbeitgeber möchte Mama mit kleinem Kind. Dauerbelastung für die Firma. Ständig Ausfälle wenn Kind krank ist oder man selbst. Selbst wenn es nicht so sein würde. Man ist in einer Schublade. Also du solltest deinen Plan nochmals überdenken. Es gibt zu viele promovierte an der Armutsgrenze. wenn du alleinerziehend bist, spielt dein Bildungsgrad keine Rolle. Im Gegenteil. Er behindert dich noch mehr.

      (8) 15.06.19 - 15:19

      >> Ich würde ihm gerne zusichern, dass ihm keine finanziellen Nachteile entstehen.<<
      Warum?
      Ein Kind kostet, bis es 18 ist, ca. 180.000€. Es verbreitet seine Gene, er will das Privileg haben, es aufwachsen zu sehen, aber keine finanziellen Nachteile? Bullshit!

      Er will ein Zweitstudium in den USA, er will als selbstständiger Musiker da bleiben? Was genau treibt ihn zu der Annahme, das die USA nur auf ihn gewartet hat? Ist er schon in Deutschland so erfolgreich, das er es ohne Connection und Netzwerk schaffen kann?

      Und Du willst - oh grosse Liebe - Deine kompletten Absicherung aufgeben und ihm nachreisen? Mach' es - aber tue das keinem Kind an.

      Sorry, aber Dein Freund liest sich kein bißchen so, als hätte er auch nur für 5 Cent Lust, Verantwortung für ein Kind, eine Familie zu übernehmen. Wieso willst Du unbedingt mit ihm ein Kind?

      Grüsse
      BiDi

      (9) 16.06.19 - 14:56

      Richtig ist, dass du den Vater, falls bekannt angeben musst.

      Theoretisch stimmt auch, dass du nicht im Namen von Dritten (deinem Kind) wirksam auf etwas (den Unterhalt) verzichten kannst, allerdings kräht danach tatsächlich kein Hahn, solange du selbst für euch beide sorgen kannst.
      Du darfst ihm selbstverständlich auch Geld (zurück-) zahlen oder eine Immobilie für das Kind kaufen und dem Vater lebenslanges Wohnrecht einräumen.

      Probleme gibt es allerdings dann, wenn dein Geld für euch beide nicht ausreicht. Denn dann wird der Vater zur Zahlung des Unterhalts aufgefordert, bevor du andere staatliche Leistungen erhältst. Und der Kindsvater hat eine gesteigerte Erwerbsobliegenheit, d.h. er steht in der Pflicht, für ausreichendes Einkommen zu sorgen, so dass er mindestens den Mindestunterhalt leisten kann. Das heißt, er kann sich nicht damit "herausreden", dass er unter dem Selbstbehalt verdient, sondern muss, da ein Zweitstudium auch eher als "Luxus" denn als zwingende Berufsausbildung gewertet wird, eben dafür sorgen (durch Nebenjobs oder ggf. sogar Beendigung des Zweitstudiums), dass er den Unterhalt zahlen kann. So wäre es jedenfalls, wenn er in Deutschland lebt, ob sich an der Situation rechtlich etwas ändert, wenn er in Amerika lebt und für deutsche Behörden nicht so leicht greifbar ist- keine Ahnung...

      Allerdings (und das geht jetzt deutlich über deine eigentliche Frage hinaus, stößt aber sehr deutlich auf) halte ich es für sehr schwierig, mit jemandem ein Kind zu bekommen, der so wenig Verantwortung dafür übernehmen möchte.
      Und natürlich kannst du, wenn ihr euch da einig seid, erstmal das alleinige Sorgerecht haben, aber der Kindsvater kann jederzeit, wenn das Kind schon älter ist, das gemeinsame Sorgerecht beantragen und wird dies in der Regel auch erhalten. Du hast also mitnichten die Garantie, dass damit das Bestimmungsrecht über das Kind ein für allemal geregelt ist.

      Da ich auch viele Eltern kenne, die in der ELternzeit monatelang gereist sind und trotzdem Elterngeld bezogen haben, gehe ich davon aus, dass dein Aufenthalt in den USA kein Problem sein dürfte, bin da aber nicht sicher....

      Hast du hier ELtern/Geschwister/sehr gute Freunde in der Nähe, die dich in der Kinderbetreuung unterstützen können? Ich fürchte nämlich, es wird eine ganz schöne Herausforderung, mit Baby deine Promotion zu beenden. Ich habe mit Baby "nur" meine Masterarbeit geschrieben, hatte allerdings einen (Vollzeit-arbeitenden, aber mich dennoch so gut es geht unterstützenden) Ehemann und meine Eltern vor Ort, und dennochwar diese Zeit wahrlich kein Zuckerschlecken. Da sind sicherlich die Belastungsgrenzen verschieden und auch die Kinder verschieden pflegeintensiv, aber bedenke in deiner Planung dennoch, dass das evtl. nicht so einfach werden könnte....

      Was ich nicht so unbedingt teile, ist die Skepsis mancher Mitschreiberinnen, was die erfolgsaussichten auf Job mit Kleinkind sind, aber da kommt es sicher sehr auf deine Qualifikationen und Branche an und was das betrifft habe ich auch keine Ahnung, wie es in den USA aussieht....

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