Recht in Italien zu elterlichen Pflichten, wie seht ihr das?

Hey ihr Lieben,

In Italien gab es im Mai/August diesen Jahres wegweisende Urteile des italienischen Verfassungsgerichts.
Demnach sind getrennt lebende Eltern nicht mehr nur zu Unterhalt, sondern auch zu Umgang mit ihren Kindern verpflichtet. Wenn sie der Verpflichtung zum Umgang nicht nachkommen, drohen erhebliche Strafen. Es spielt dabei keinerlei Rolle, wie lange der Elternteil Kontakt zum Kind hatte oder unter welchen Vorraussetzungen es zur Schwangerschaft kam. Es betrifft also nicht nur Eltern, die sich nach der Trennung nicht mehr ausreichend um ihre Kinder kümmern. Sondern auch naturgegebener Weise mehrheitlich Väter, die nach einer ungeplanten Schwangerschaft, die die Mutter gegen ihren Willen fortführen wollte, und die zwar den Unterhalt überweisen, aber keinen Kontakt zum Kind wollen.
Die Strafe für den nicht ausgeführten Umgang beziffern sich an der Halbwaisenrente. Somit kann ein abwesender Vater mit Volljährigkeit des Kindes schonmal leicht auf mehrere tausend Euro verklagt werden.

Mich würde nun interessieren, was ihr davon haltet?
Persönlich und vielleicht auch im Hinblick auf das Recht in Deutschland?

Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass in Italien gleichzeitig komplett anonyme Geburten möglich sind, anders, als bei uns, wird der Name der Mutter in Italien nicht registriert.

Sollte es auch bei uns eine Strafe für Eltern geben, die Unterhalt bezahlen, wenn sie keinen Kontakt zum Kind wollen?

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Ich will mir gar nicht vorstellen, zu was manche ungewollten Elternteile fähig sein könnten, wenn man sie zwingt.. also nein, auf keinen Fall unter Zwang. Das kann weder für die Eltern noch für das Kind gut sein. Mich gruselt es richtig... #zitter

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Einen unwilligen Elternteil kann man in Italien auch nicht zum Umgang zwingen körperlich, das muss hier angemerkt sein!
Er sieht sich dann eben nur mit einer horrenden Strafe konfrontiert. 270.000 Euro oder mehr.
Insofern werden wohl viele eher ungewollten Umgang auf sich nehmen...

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und ihren Frust und ihre Wut am Kind auslassen.. na bravo.

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Ich find so was total bekloppt. Was hat ein Kind denn vom Umgang mit dem Elternteil, der einfach keinen Umgang mit dem Kind haben will? Im besten Fall wird das Kind halbherzig bespaßt, den schlechtesten Fall will ich mir gar nicht erst ausmalen.

Von daher finde ich die Regelung in Italien haarsträubend.

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Naja, in Italien ist es ja so, dass das Kind finanziell profitiert, wenn ein Elternteil ihm nicht die gesetzlich verankerte Zuwendung hat zukommen lassen. Aber ich sehe da tatsächlich auch das Problem, dass Eltern, die eigentlich nicht wollen, sich kümmern, um der Strafe fürs nicht Kümmern zu entgehen. Bin da also bei dir.

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Ganz ehrlich, wäre ich Mutter eines Kindes um das sich der Vater zum Verrecken nicht kümmern möchte, möglicherweise wenn die Schwangerschaft sogar ungeplant war und der Mann von Anfang an sagte, dass er das Kind nicht will.... Was habe ich als Mutter dann davon, wenn der Erzeuger sich kümmert, nur um nicht in die Pleite getrieben zu werden, wohwissend, dass das "sich Kümmern" kaum ein liebevoller und aufmerksamer Umgang sein wird? Da hätte ich keine Minute Ruhe.

Ich kann das Urteil null nachvollziehen und als italienischer Mann würde ich mir nen Knoten in den Penis machen oder gleich ins Kloster gehen nur um sicherzugehen nicht aus Versehen ein Kind zu zeugen das ich nicht haben will.

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PS: Der Richtigkeit halber: Selbst, wenn die Eltern nicht getrennt sind, besteht theoretisch der Anspruch für das Kind, wenn beispielsweise ein Elternteil trotz Zusammenlebens sich nicht ausreichend um es gekümmert hat. Wobei es dazu, da schwer zu beweisen, selbstverständlich bisher keine Urteile gibt 😉

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Ich finde den Ansatz gar nicht verkehrt. Es gibt genug Elternteile (Männlein wie Weiblein), die sich der Verantwortung entziehen, Unterhalt zahlen und gut ist. Es braucht aber deutlich mehr als Geld, um ein Kind großzuziehen, darin stimmen wir wohl alle überein.
Weshalb sollte der ganze große Rest neben dem Finanziellen einzig Aufgabe der Mutter (ist es in den meisten Fällen eben) sein? Warum sollte der Vater ohne große Einschränkungen in Freizeit, Privatleben und Beruf weitermachen können wie ohne Kind?

Natürlich hat am Ende niemand etwas davon, wenn sich jemand nur um sein Kind kümmert, weil er sonst Strafe zahlen muss. Aber es könnte ein Wink in die richtige Richtung sein, um gerade jüngeren/künftigen Generationen klar zu machen, dass es keine Kleinigkeit ist, ein Kind in die Welt zu setzen und sich niemand mehr von seiner Verantwortung 'freikaufen' kann. Ja, ich weiß, geht dennoch, aber ich sehe in dem Urteil halt wirklich eher das Bild, dass jemand auf den Tisch haut und sagt: So geht es nicht. Also schlecht finde ich das nicht und eine perfekte Regelung gibt es nunmal für nichts.

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Was ist wenn ein Kind gezeugt wird, weil die Frau in der Verhütung einen Anwendungsfehler begangen hat, dies ihr bewusst ist, dem Mann es aber verschweigt, während er sich darauf verlässt, dass sie zuverlässig verhütet?

Und wie siehst du das, wenn eine Frau gegen den Willen des Mannes ein Kind auf die Welt bringt? Oder eine Frau den Mann eigentlich nur als "Samenspender" nutzt, dann aber feststellt, dass es doch ganz nett wäre, wenn ihr jemand ab und an das Kind abnimmt?

Sollen diese Männer auch zum Umgang gezwungen werden, auch wenn sie sich keinesfalls bewusst für die Zeugung eines Kindes entschieden haben?

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Ich hatte ja bereits geschrieben, es wird keine perfekte Regelung zu dem Thema geben. Mir ist durchaus bewusst, dass es da viele 'Abers' gibt. Dennoch finde ich den Grundgedanken nicht schlecht, auch wenn es natürlich wie überall Konstellationen gibt, wo es der falsche Weg ist.
Meinen Jungs habe ich von Anfang an mitgegeben, selbst für Verhütung zu sorgen. Zum einen, weil es nicht richtig ist, auch hier die Verantwortung auf die Frau abzuwälzen, zum anderen, weil sie sich damit gegen die Zeugung eines Kindes entscheiden und die Möglichkeit, als 'Samenspender missbraucht' zu werden deutlich verringern.

Es ist ein schwieriges Thema, aber ich betone es gerne noch einmal: Der einzig perfekte Weg ist, wenn sich Menschen bewusst für ein Kind entscheiden, Mann und Frau sich beide ihrer Verantwortung bewusst sind, ihr nachkommen und als Eltern auch ohne ein Paar zu sein (noch) harmonieren. In diesen Fällen braucht es ja aber auch keine Gerichte.

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Deutschland hat eines der lockersten Rechte bezüglich Sorgerecht und Umgangsrecht. In sehr vielen (insbesondere auch europäischen) Ländern geht das ganz anders. Ich verweise da nur mal auf unseren französischen Nachbarn.

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Soweit ich informiert bin, schenken sich Frankreich und Italien nicht viel, wenn es um die automatische gemeinsame elterliche Sorge geht, abgesehen vom Vorrecht der Mutter nach verspäteter Vaterschaftsanerkennung in Frankreich. Allerdings gibt es meines Wissens in Frankreich keine Handhabe, einen Elternteil finanziell zu belangen, sollte er seiner Umgangspflicht nicht nachgekommen sein, da er/sie diese kategorisch ablehnt?

In diesem Fall sehe ich nun eher Parallelen Frankreich-Deutschland, das prinzipielle Recht eines Kindes auf Umgang mit beiden Eltern, eingeschränkt durch die Prämisse des Kindeswohls, sollte ein Elternteil den Kontakt ablehnen und das alles ohne, dass der ablehnende Elternteil dafür verklagt werden könnte?

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Was genau meinst du denn mit Frankreich? Ich lebe in F und bin alleinerziehend, hier gilt eigentlich alles wie in D..

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Absoluter Blödsinn, stell dir vor wie grausam das für die Kinder werden kann. Muss ja nicht mal physische Gewalt sein, das wird die psychische viel viel schlimmer sein.. man stelle sich mal vor, ein junger Mann, ungewollt Vater, muss jetzt sein unerwünschtes (in seinen Augen) "Balg" beherbergen weil er sonst Geld zahlen muss. Also wählt er das kleinere Übel, Blag kommt Freitag zu ihm. Er will in den Club feiern, muss zu Hause bleiben. Freundin kommt vorbei "Wasn das? Was macht der hier?" "Ja muss den eben nehmen sonst zahle ich tausende von Euros an diese Schl.... von seiner Mutter. Diese blöde Kuh hat die Pille nicht genommen und jetzt habe ich *den da* am Hals". Man bedenke dass das Kind die ganze Zeit daneben steht und alles hört. Beide schauen das Kind abschätzig und angewidert an "Wir verschwinden mal ins Schlafzimmer, bleib hier und stör uns nicht!"

Super Sache! Nicht!

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Hallo,

wenn ich versehentlich von einem Mann schwanger geworden wäre, der kein Kind wollte und den ich mir so gar nicht als Vater meines Kindes vorstellen kann, hätte ich schon in Deutschland vor 20 Jahren kein moralisches Problem damit gehabt "Vater unbekannt" anzugeben und dem Mann, falls irgend möglich, seine Vaterschaft zu verschweigen.

Mir ist bewusst, dass das nicht legal wäre. Aber wenn ich den Eindruck gehabt hätte, dass es für das Kind besser ist, hätte ich das getan.
In Italien ist die Motivation für so ein Verhalten massiv gestiegen...

Natürlich ist das eine vielschichtige Sache. Ein Mann muss schon ein kompletter Idiot sein, damit es für das Kind besser ist, keinen Kontakt zu haben. Aber solche Typen gibt's.

Wenn der Erzeuger (der ja auch in der allergrößten Notlage nicht abtreiben kann) keinen Umgang will oder kann, ist es kompletter Blödsinn, ihn zu zwingen. Besser kein Vater als ein völlig unwilliger, gezwungener. Das wiegt kein Geld der Welt auf.

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Nein. Meine Kinder wollten immer mal wieder über längere Phasen nicht zum Vater. Ich hätte sie dann erst recht zwingen müssen.

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Ich bin da auch kein Fan von.
Ich finde ein "nichtkümmerndes" Elternteil besser als ein "schlechtkümmerndes".

Wenn bereits Unterhalt gezahlt wird und dazu noch Geld kommen soll für fehlenden Umgang, werden wohl einige Väter/Mütter eher Umgang wahrnehmen und das kann nach hinten los gehen.
Selbst bei uns - Wechselmodell, guter Vater, vernünftiges Verhältnis der Eltern - will das Kind ab und an nicht wechseln. Wenn ich jetzt dran denke, ein Kind jemandem mitgeben zu müssen, der da nicht mal Lust drauf hat. Da kräuselt sich mir alles. Das kann doch nicht dem Kindeswohl entsprechen.