Hilferuf! Überforderung mit 12-jähriger Tochter

    • (1) 15.05.16 - 13:37

      Hallo liebe Mitglieder,

      ich bin neu hier! Habe ein wenig im Netz gestöbert und bin auf die Seite gekommen.

      Kurz zu meiner / unseren Vorgeschichte. Ich bin schon immer allein erziehend gewesen. Der Kindsvater wollte nie und möchte auch keinen Kontakt zu seiner Tochter.

      Meine Tochter ist jetzt 12. Vor ca. 2 Jahren haben die Probleme schleichend angefangen und sich immer mehr verschlimmert. Seit ca. einem Jahr habe ich dauerhaften Kontakt zum Jugendamt.

      Fakt ist, dass meine Tochter natürlich in der Pubertät ist, dennoch ist die jetzige Situation so schlimm, dass man dies meiner Meinung nach nicht nur auf die Pubertät schieben kann.

      Angefangen hat alles mit dem typischen trotzigem Verhalten und weglaufen. Bei jeder Problematik ist meine Tochter einfach weggelaufen, zu Freunden, hat sich versteckt etc. Immer wider habe ich sie wieder eingefangen. Damals haben die ersten Gespräche mit dem Jugendamt stattgefunden, weil ich schon damals die Polizei informiert habe, um nach ihr zu suchen. Damals war sie 10 Jahre alt.

      Inzwischen sind wir so weit, dass schulisch gar nichts mehr geht. Sie raucht, trifft sich mit älteren Jungs (14-17 Jahre) lügt nur noch. Mein Bruder, meine Eltern, das Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle, wir haben alle Gespräche geführt. Nichts bringt etwas, keine Verbesserung. Ganz im Gegenteil, inzwischen haben wir so viele Gespräche geführt, dass sie weder mich noch das Jugendamt, noch sonst Jemanden für voll nimmt und macht was sie will. Sie kommt nach Hause wann sie möchte, ist mir gegenüber aggressiv, respektlos, macht mich fertig.

      Bei meinem letzten Gespräch mit dem Jugendamt wurde vereinbart, dass ich beim nächsten mal nicht nach Hause kommen ihrerseits, die Polizei einschalten soll und diese sie dann in die Jugendschutzstelle bringen soll. Das ist so geschehen, doch nach zwei Tagen wurde dann von mir verlangt, dass ich sie wieder abhole, da ja zu Hause keine Gefährdung für das Kind besteht. Daraufhin habe ich dies getan. Das Jugendamt agiert nur, wenn eine Gefährdung für das Kind besteht, sonst nicht! Ist leider so! Bis auf Gespräche, die meine Tochter eh nicht für voll nimmt und an Abmachungen, die da getroffen werden sich auch nicht hält, ist nichts passiert.

      Ich bin keine Mutter, die alles unversucht lässt, um ein zumutbares Miteinander zu verschaffen. Ich nehme Termine wahr, lese, tue und mache, nehme mir Tipps an, versuche auch an mir zu arbeiten, aber ich kann einfach nicht mehr. Ich fühle mich vom Jugendamt im Stich gelassen. Ich habe dem Jugendamt gegenüber sehr deutlich gemacht, dass ich nicht mehr möchte, dass meine Tochter bei mir lebt, da sonst zwei Seelen zerbrechen. Das Jugendamt agiert nicht. Teilweise habe ich Angst vor meiner Tochter.

      Bei unserem letzten ehrlichen Gespräch zwischen meiner Tochter und mir, hat sie mir sehr deutlich gemacht (nicht aus Wut, sondern unter Tränen) dass sie keinen Respekt vor niemanden hat, nur vor ihren Freunden und dass auch diese nur für sie zählen. Ihre Freunde kommen aus "bildungsfremden Schichten", ich habe versucht mit deren Eltern zusammenzuarbeiten und die Gespräche gesucht, doch jedoch völlig erfolglos. Ein Beispiel: ich rufe die Mutter einer Freundin an und bitte um ein Gespräch, damit wir uns mal kennen lernen, da unsere Kinder ja so oft zusammen sind. Antwort: ich weiß nicht was mein Kind draußen macht, das ist ihr überlassen.

      Da komme ich null weiter. Ihre Freunde sind mir gegenüber genauso respektlos wie meine Tochter. Wenn ich nach ihr suche und sie finde und diese mir gegenüberstehen, werde ich ausgelacht, beschimpft etc.

      Inzwischen bin ich so weit, dass ich sage, dass ich meine Tochter schlagen werde, damit etwas passiert. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Meine Ärztin sagt, dass mein Zusammenbruch vorprogrammiert ist, wenn sich nichts ändert. Ich bin mit meinen Kräften am Ende, kann nicht mehr.

      Gruß

      • Hallo Martina,

        ich kenne Ähnliches von meinem ältesten Sohn. Wir haben, als er 12/13 Jahre alt war, jeden Einfluss auf ihn verloren. Falscher Umgang, rauchen, bald auch kiffen, "selbstverständlich" Alkohol, Straftaten - es war ein rasanter Abstieg trotz Jugendamt, Sozialarbeitern, psychotherapeutischer Kinderklinik. Schulabbruch vier Monate vor dem Abi bei wirklich guten Noten, Ausbildungsplatz gefunden und verloren, Kontaktabbruch vor bald drei Jahren, seitdem absolute Funkstille. Überleben kann ich das nur, weil ich noch drei weitere Kinder habe, die völlig im normalen Rahmen unterwegs sind was Studium, Schule, Hobbies, Freunde etc. angeht.

        Gestört hat mich damals, dass JA und Sozialarbeiter gebetsmühlenartig von Pubertät und Provokation sprachen. Ich wollte für meinen Sohn damals gerne Hilfe in einer therapeutischen Wohngruppe oder lieber noch in einem Internat haben. Ersteres lehnte das Jugendamt ab, weil er dort nur andere "böse Buben" kennen gelernt hätte und alles nur noch schlimmer geworden wäre. Das Internat kam aus Kostengründen nicht in Frage - wir konnten, das JA wollte es nicht bezahlen. Als mein Sohn 18 war und alle Maßnahmen gescheitert waren, ließ das JA ihn bei der ersten Gelegenheit fallen. Am Ende hatten ich und meine jüngeren Kinder Angst vor ihm. Nach einigen untragbaren Vorfällen blieb uns nichts anderes übrig, als ihn (zum zweiten Mal) aus dem Haus zu werfen - wir mussten um unsere Sicherheit fürchten, wenn er da war. Seitdem: Funkstille.

        Mein Fazit: Es tut unendlich weh. Aber: Er hat entschieden. Es gab bis zu einem gewissen Punkt die Möglichkeit für ihn, seine Richtung zu ändern. Er wollte es so wie es ist. Unsere Tür ist für ihn offen, wenn er uns sagt, welche Hilfe er braucht und anzunehmen bereit ist.Er wird aber nicht kommen, auch das ist seine Entscheidung. Es tut weh, aber ich kann mich nicht darin aufzehren, einen jungen Mann von Mitte zwanzig zu pampern.

        Deine Tochter wird sich entweder besinnen (für sie ist noch nichts zu spät) oder auf diesem Weg weitergehen. Wenn Du nur die üblichen Fehler gemacht hast, die eben jeder in der Erziehung macht, liegt die Schuld nicht bei Dir. Manchmal ist es Glückssache und eine Charakterfrage. Ich glaube nicht an die stereotype Begründung "schlechtes Elternhaus": Pädagogen und Psychologen haben mir bestätigt, dass die Kinder bei uns gut aufgehoben waren und bei uns alles "im grünen Bereich" ist. Also: Nimm die Hilfe an, die Du bekommen kannst. Versuch, mit Deiner Tochter im Gespräch zu bleiben. Pass auf Dich auf (ich war in der schlimmsten Zeit soweit, dass ich mich umgebracht hätte, wären nicht die anderen Kinder gewesen).

        Ich wünsche Dir viel Kraft und den Blick dafür, wann Du für Dich die Reißleine ziehen musst. Und natürlich hoffe ich, dass es bei Euch besser ausgeht als bei uns!

        LG, basta.pasta

        • @basta.pasta

          vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Deine / Eure Geschichte hört sich für mich, wie meine Befürchtungen an, die ich habe.

          Ich glaube jedoch nicht, dass ich die Kraft noch haben werde dies die nächsten 5/6 Jahre mitzumachen. Ich finde es toll, wie ihr es so lange "ausgehalten" habt. Oft habe ich inzwischen "dunkle" Gedanken, weil ich nicht mehr kann. Diese habe ich ebenfalls dem JA gegenüber geäußert, doch ohne jegliche Reaktion oder Unterstützung für mich. Ich kann es leider leider nur noch einmal erwähnen, das JA reagiert nur bei Kindsgefährdung und da ich in ganz "normalen" Verhältnissen lebe, tut sich einfach nichts.

          Wie kann es möglich sein, dass in meinem Fall nicht reagiert wird?? Ich schreie um Hilfe, weine etc., nichts passiert!!!!

          Muss ich mein Kind wirklich erst verprügeln, damit etwas passiert??

          LG

          • Hallo Martina,

            eine drastische Möglichkeit wäre, das Sorgerecht auf das JA zu übertragen. Hast Du mal mit dem Vorgesetzten Deines bisherigen Ansprechpartners beim JA geredet?

            Du bringst hier sehr klar rüber, dass Du Entlastung brauchst. Wenn Du Dir sicher bist, dass Du am Ende Deiner Kraft und Möglichkeiten bist: Könntest Du Dir vorstellen, Dich von einem Rechtsanwalt (Familienrecht?) über Deine Hilfsansprüche gegenüber dem JA beraten zu lassen und den Anwalt zu einem Gespräch mit Deinem Sachbearbeiter und dessen Vorgesetztem mitzunehmen? Mach Druck, damit sich die Amtsmühlen in Gang setzen, aber denke daran, dass Du sie möglicherweise nicht mehr anhalten kannst. Darum sei Dir sicher, was Du willst!

            Na ja, dass wir so lange ausgehalten haben, ist keine Leistung, sondern im Nachhinein Versagen. Aus heutiger Sicht hätten wir das Sorgerecht - eher: die Sorgepflicht - aufs Jugendamt übertragen müssen. Aber solange man in dieser unerträglichen Situation steckt, sieht man nicht klar. Du hast es ja als AE doppelt so schwer wie wir. Ich kann Dir nur raten, jetzt alle Kraftreserven anzuzapfen und Deine Rechte mit allen Mitteln einzufordern. Du hast keine andere Wahl: Du musst durchhalten, bis Du die Hilfe bekommst, die Du brauchst und die Dir zusteht. Darum mach Druck (Rechtsanwalt).

            Viel Glück, Kraft und Überblick für gute Entscheidungen wünschr Dir
            basta.pasta

            • man kann das sorgerecht nicht einfach abgeben wie einen alten handschuh.

              das sorgerecht kann ganz oder teileweise entzogen werden, wenn eine kindeswohlgefährdung besteht, aber nicht weil mama keine lust mehr hat.

              ich stimme dir allerdings zu, dass etwas passieren muss. da mama offenbar komplett überfordert ist, muss hilfe her, und die wird übers jugendamt finanziert. also muss man dort druck machen. da sind wir ganz auf einer linie.

              übrigens: ich habe viele jahre lang in einer therapeutischen wohngruppe gearbeitet. da wohnen keine "bösen buben", sondern kinds, deren eltern überfordert sind. bei uns haben sich alle kids bald gefangen und den für sich machbaren lebensweg eingeschlagen.

              leider gibt es immer mal wieder sozialarbeiter im jugendamt, die keine ahnung von nichts haben, in dem fall wendet man sich besser direkt an den amtsleiter.

              • Ich war bei den Gesprächen mit dem JA mit sehr wachem Kopf anwesend. Die "bösen Buben" und die Übertragung des Sorgerechts wurden vom JA thematisiert.

                Dieses Thema ist emotional belastend für mich. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du meine Aussagen in dieser Angelegenheit nicht anzweifeln würdest. Es ging um Gruppen, die für meinen Sohn in Frage gekommen wären; das mögen andere gewesen sein, als Du kennst. Zumal wir nicht generell überfordert waren - das hat den Touch von "Schuld". Und ich bin heute so weit "Schuld" von mir zu weisen. Mein Glück ist, dass ich drei weitere Kinder ohne "Überforderung" gut erziehen konnte. Sprich nicht von dieser meiner schlimmsten Zeit, ohne was darüber zu wissen. Bei uns hat das JA Schmalspurhilfe ohne Wert finanziert. In unserem Fall war es so, wie ich es schreibe. Deine Erfahrungen mögen anders sein.

                LG, basta

                • das meinte ich mit den unfähigen sozialarbeitern, wenn sie dir so einen blödsinn erzählen.

                  insofern habe ich keine aussage von dir angezweifelt, sondern den unsinn, der da bei euch verzapft wurde.

                  in eine therapeutische wohngruppe kommt man ja normalerweise ohnehin nicht ohne diagnose, da diese erheblich mehr kosten als normale betreute wohngruppen. das bindet sich natürlich kein amt gerne ans bein.

                  überforderung ist keine schuldfrage, sondern hat immer gründe. ob die gesundheitlicher art sind oder durch irgendwelche anderen probleme verursacht werden, es geht nie darum, dass einer der böse wäre. ich glaube daran, dass jede mutter ihre sache so gut macht wie es ihr möglich ist. trotzdem kann jeder in die situation kommen, in der er hilfe braucht, weil er überfordert ist. wenn dann das jugendamt versagt, ist das natürlich grosser mist. (und hat leider auch wieder gründe, weil die mitarbeiter ja auch meist unter permanenter überforderung leiden :-()

      Ich hab Dir eine PN geschrieben.

      Liebe Grüße
      Anja

      Ich weiss auch nicht aber ich glaube ich würde meiner Tochter einen Brief schreiben, dort all meine Emotionen rein werfen... angefangen von meinen glücksgefühlen bei ihrer Geburt bis hin zu meinen schmerzen die ich nun durch ihr verhalten habe und das ich nun nicht mehr kämpfen möchte/kann. Ich würde ihr in dem Brief mitteilen, dass sie ihren weg gehen kann und dass sie wenn sie in meiner Wohnung ist sich zu benehmen hat. Wenn sie draußen ist, ist es ihre Sache. Und fertig. Vielleicht Fotos aus besseren Zeiten dazu und gut ist. Manchmal kriegt man Kinder auf der emotionalen Basis. Nicht im Gespräch sondern wenn sie für sich sind. Leg es ihr aufs bett und versuche Abstand zu ihr zu nehmen. Informiere aber das Jugendamt über dein Vorhaben nicht mehr jeden Abend nach ihr zu suchen wenn sie weg ist und wie es ist wenn sie nicht zur Schule geht. Zur Not übertrage wirklich das Jugendamt das Sorgerecht, aber kläre deine Tochter darüber auf und sage ihr dass du sie über alles liebst aber dies der letzte Ausweg für dich ist.

      So aufsässig wie ich auch als teenie war für mich ging eine Welt unter als meine Mutter damit drohte, dass sie zum Jugendamt geht und ich von ihr komplett weg muss... für immer. Als ich für mich alleine war und über die worte meiner mama nachgedacht habe bekam ich solche Angst dass ich eine Wende in meinem verhalten eingelegt habe und heute bin ich mehr als dankbar so eine mama zu haben.
      Ich wünsche euch alles gute und hoffentlich wird bald alles gut.

      Betreutes Wohnen fällt mir da ein hoffe dir wird und auch ihr wird geholfen, denke ihr müsst euch räumlich trennen um aus der Spirale rauszukommen

      Du redest und denkst zu viel - und handelst zu wenig, Wahrscheinlich läuft das bei Dir schon die letzten 12 Jahre so. JETZT willst Du Deine Tochter schlagen?! Kann ich gut verstehen - aber wenn es so weit gekommen ist heißt das nur, dass Du ihr nie deutlich genug ihre Grenzen aufgezeigt hast. Im Prinzip regen mich Berichte wie der Deine auf. Klar hat jedes Kind seinen ganz speziellen Charakter, manche Kinder sind leichter zu lenken, manche schwieriger. ABER: Respekt und Achtung vor den eigenen Eltern lernen Kinder nur (gerade die etwas rebellischeren Kandidaten) wenn Mütter und Väter das von Beginn an einfordern. Mit 12 ist es zu spät, da ist der Zug abgefahren. Wenn Du nun das Gefühl hast, an der Situation zu zerbrechen bleibt Dir als radikale Konsequenz nur eines übrig: stell Deine Tochter vor die Alternative - entweder sie benimmt sich zu Hause so, wie DU es für richtig hältst - oder sie fliegt raus. Wenn ihre Freunde ihre Referenz sind: bitte sehr, soll sie zu ihren Freunden ziehen. Versteh mich recht: mir tut auch Deine Tochter leid - die Situation ist komplett verkorkst, das Mädel weiß nicht, wo es sich Orientierung holen soll. All Dein emotionales an-sie-hinreden bringt Deiner Tochter nichts - im Gegenteil, damit ist sie überfordert. Was Deine Tochter braucht ist mal ein ordentlicher Knall, damit sie merkt: SO geht das nicht. Den bringst Du aber vermutlich nicht fertig - MIR wäre bei so einem Verhalten schon viel früher die Sicherung durchgebrannt (nein, ich schlage meine Kinder nicht - es gibt andere Möglichkeiten.) Aber Autorität muss man ausstrahlen, das lässt sich nur bis zu einem gewissen Grade anerziehen. Wenn Du das nicht fertigbringst, wirst Du weiter leiden müssen. Das JA ist nun auch nicht für sämtliche Erziehungsfehler zuständig. Tut mir leid. Ich glaube nicht an das "grundsätzlich Böse" in Kindern.

      • Wir kennen hier alle die Te nicht - ich finde es problematisch zu pauschal zu sagen, dass da "Erziehungsfehler" für die Misere jetzt verantwortlich sind, genauso wie es falsch wäre, von dem "Bösen" in einem Kind zu sprechen.

        Ja, vielleicht hatte und hat die Te nicht die Kraft, Autorität auszustrahlen, und es kann auch gut was daran sein, dass das Mädchen sich Orientierung bei den anderen Jugendlichen holt und deshalb zu Hause so auf Krawall gebürstet ist. Und dass zwischen "Reden und Handeln" manchmal eine ganze Welt liegt, das ist sicher wahr.

        Trotzdem: Das Jugendamt ist dafür da, in so einer Situation zu schauen, wie Mutter und Tochter miteinander wieder besser zurecht kommen können - und im Moment sieht es so aus, als könnte (vorübergehende Distanz) da hilfreich sein. Die Alternative: "Wenn Du Dich nicht an die Regeln hältst, geh doch zu Deinen Freunden" kann man für eine 12-Jährige nicht wirklich anwenden!

        So dramatisch wie bei der Te ist die Situation bei uns nicht, aber auch wir sind im Moment in enger Zusammenarbeit mit Jugendamt, Erziehungsbeistand und Erziehungsberatung, weil wir unseren 13-Jährigen einfach nicht erreichen. Es geht nicht um Fehler, die man gemacht hat, sondern darum, JETZT einen Weg miteinander zu finden!

        LG

        • Da hast Du natürlich recht - natürlich war meine Antwort sehr polemisch. Es verblüfft mich einfach oft auf negative Weise, wie spät manchmal gehandelt wird...ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein derart problematisches Verhalten erst in der Pubertät entsteht. Ich habe selbst einen fast 13-jährigen zu Hause (dito seine Freunde und SEHR oft auch meine 9 Neffen, von denen 5 im Alter zwischen 12 und 17 liegen) - ich weiß also durchaus, was Pubertät bedeuten kann. (Das, was Du beschreibst trifft ja gerade auf Jungs in diesem Alter oft zu). Remo Lago hat das mal sehr treffend so beschrieben: Pubertierende sollten ein dickes Schild vor dem Kopf haben: wegen Umbau geschlossen!
          Dennoch: bestimmte GRUNDregeln können und müssen weiterhin gelten, wenn ich höre, dass Eltern ANGST vor ihrem Kind haben finde ich das nicht nur alarmierend, sondern desaströs. Und zwar vor allem für den betreffenden Jugendlichen. Und sorry: meiner Ansicht nach ist es absolut nicht legitim sich damit zu entschuldigen, dass das eigene Kind eben "schwieriger" oder "problematischer" ist als andere Kinder. Richtig ist, dass es um ressourcen- und lösungsorientiertes Denken gehen muss und darum, einen Ausweg zu finden, sprich: nach vorne zu blicken. Das funktioniert aber wirklich nur, wenn man erkennt, welche Fehler am Anfang standen und wie man - ANDERS!!!! - weitermachen muss. Und da sind einfach nach wie vor in erster Linie die Eltern gefragt - das Jugendamt kann nur unterstützen. Klar kann das Kind nicht zu ihren Freunden gehen, das war natürlich provokant. Aber wenn die Mutter es nicht schafft, dem Mädchen STARK gegenüberzutreten ist es daheim auch nicht gut aufgehoben. Ich habe wirklich Empathie mit jeder allein erziehenden Mutter, ich will mir gar nicht vorstellen, was das auf Dauer bedeutet - aber schließlich geht es hier unter anderem um einen jungen Menschen, dessen Leben auch etwas wert sein soll.

          • Hallo,

            das klingt immer alles so schön von Personen, die nie als Eltern solche Probleme hatten. Ich wünsche Dir ganz ehrlich, dass Du das nie erlebst: Guter Draht zu Deinem Kind, alles gut - neue Schule - neue Klassenkameraden - alte Freunde in neuen Konstellationen - Anschluss an die schwierigen Jungs - Dein guter Draht zum Kind vom Kind gekappt, ohne Vorwarnung - innerhalb von zwei(!) Tagen Kind außer Kontrolle - Straftaten - Jugendgerichtshilfe und in der Folge Sozialarbeiter schnell im Boot - aber es geht unaufhaltsam abwärts. Du bist machtlos: Sagst Du Deinem Kind, dass es zu Hause bleiben soll, stellt oder schubst es Dich aus dem Weg und geht. Sagst Du Deinem Kind, was sein Handeln bei Dir auslöst, sagt es "Halt die Fresse" und geht. Schreibst Du Deinem Kind emotionale, später sachliche, noch später Konsequenzen aufzeigende Briefe, spuckt es vor Deinen Augen drauf und geht. Ziehst Du die Konsequenzen durch, bricht Dein Kind den Kontakt ab. Das ist ein Bruchteil dessen, was ich mit meinem Sohn im Alter von 12 bis 17 Jahren erlebt habe. Die Hilfe des Jugendamts: Klettern im Hochseilgarten. Ich schreibe von einem Jungen mit einem IQ von 140. Clever genug, um zu manipulieren und jeden Sozialarbeiter wie eine Marionette zu bewegen.

            Ich weiß, dass die Kombination aus Charakter und Umgang, Glück und Pech in der Erziehung unbeeinflussbar sind und über Erfolg und Misslingen entscheidend mitbestimmen.

            Man kann nicht beurteilen, was man nicht kennt. Und ich wünsche Dir, dass Du diese Probleme niemals beurteilen können wirst!

            LG, basta

            • Ich kann verstehen, dass Du aus Deiner sehr persönlichen Erfahrung heraus sehr dezidierte Ansichten zu dem Thema hast. Das ist legitim. Du solltest aber auch bezüglich meiner Rückmeldung nicht vorschnell urteilen - immerhin weißt Du ja nicht sehr viel von mir. Richtig: meine Söhne sind glücklicherweise (noch) auf Spur (den Kleinen lasse ich jetzt ohnehin mal außen vor, mit knapp 7-Jährigen hängt bei den meisten Familien der Haussegen ja noch sehr gerade) - ich arbeite aber seit Jahren im Konfliktlösungs- und Mediationsbereich und habe schon wirklich schwere Jungs gesehen. Nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Ich habe 5 Jahre lang mit ehemaligen Kindersoldaten gearbeitet, da reden wir von teils äußerst gewaltbereiten Jugendlichen. Aber auch deren Entwicklung hat ihre Geschichte und ihre Gründe - und die liegen aus meiner Sicht nun mal in der Sozialisation begründet - und NICHT (aber auch schon gar nicht!) im Menschen selbst. JA: es gibt Kinder, die anfälliger für bestimmte Dinge sind als andere, aber auch die werden nicht automatisch zu Verbrechern.
              Richtig ist, dass die Eltern nicht alles in der Hand haben, da stimme ich Dir zu. Und ich bedaure Dein Schicksal. Ich stelle mir das sehr schwer vor. Das meine ich ehrlich.
              evi

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