Sind wir wieder in einem Schub?

    • (1) 16.08.16 - 08:34

      Hallo und guten Morgen an Euch alle,

      ich muss mal etwas Luft rauslassen.

      Unsere Große (5,5) ist in den letzten zwei Wochen immer ungenießbarer geworden.

      Mal kurz zum Überblick

      - wegen jedem Mist, wenn was nicht gleich klappt, sie etwas nicht sofort kriegt, etc wird geweint und gejault
      - sie hat dauernd und immer was zu meckern, sie ist nie zufrieden

      Am Sonntag waren wir im Kino, sie durfte ihren Wunschfilm sehen, dazu gab es Popcorn und Limo (im Becher mit der Lieblingsfilmfigur) - kaum dass wir draussen waren um 18:30, wollte sie noch ein Eis.
      Gab es nicht, da mein Mann zuhause gekocht hat und das Abendessen fast fertig war.
      Gemeckere, Genöle, Gejaule.

      Gestern im Tierpark.
      Kaum angekommen: "Ich will Tierfutter!"
      Bekommt sie.
      Drei Tiere gefüttert, dann ging es los: "Ich hab Duuuuuuurst!"

      Nach einer Weile (wir springen nicht sofort!) mit Dauergemaule "Ich hab Duuuurst!" gingen wir in den Biergarten im Tierpark, sie bekam was zu trinken.
      "Ich will Pommes!"
      Nein, gibt es nicht, da wir später zuhause essen. Gequengel.
      "Ich will einen Strohhalm!"
      Sie bekommt einen.
      "Aber ich will einen blauen (weil der Junge am Nachbartisch einen blauen hatte)

      Wieder Gequengel, Genöle.

      Später am Spielplatz ging irgendwas nicht nach ihrem Willen und sie wurde wild, kreischig und fing an zu heulen.

      Irgendwie ist es im Moment wie verhext.
      Sie bekommt viele Wünsche erfüllt, aber eben nicht alle.
      Und sie hat auch jetzt in den Ferien durchaus "Action", ob mit uns oder mit Freunden.

      Aber kaum bekommt sie eine Sache, schon wird für die nächste Sache losgequengelt.

      Teilweise sind es wirklich Nichtigkeiten.

      Auch beim Spielen - die Nachbarskinder spielen im Garten auf dem Trampolin.
      Sie geht mit, eine halbe Stunde spielen sie.
      Dann kommt sie heim, meckert rum, dass die anderen Kinder immer so wild hüpfen, dass sie auf dem Trampolin wieder hinfällt.

      Oder sie geht durch den Vorgarten, bleibt leicht an einem Strauch hängen, ein filigraner dünner Kratzer am Bein.
      "Wuaaaaaaääääh, ich blute!" Geheule, Geschrei!
      Man meint grad, dass sie sich wüst das Knie aufgeschlagen hat.

      Ich bin echt hier ratlos.
      Sie bekommt Aufmerksamkeit, es gibt auch keine Geschwistereifersucht, wir unternehmen viel.

      Aber im Moment ist sie ein pingeliges Prinzesschen auf der Erbse.
      Selbst ein Nachbarsjunge (8) war neulich etwas genervt und meinte "Du heulst halt immer gleich los!"

      Habt Ihr Tricks, wie ich ihr dieses Dauergequengel und diese Heulerei bei jedem Mist wieder abgewöhnen kann?

      Danke für Eure Tips und LG

      • Hallo,

        naja einen Schub verbinde ich eher mit Babys und Kleinkindern.

        Sie ist in einem Alter in dem sie versucht ihre bzw. eure Grenzen neu zu stecken und muss diese dafür bis aufs Äußerste ausreizen.

        Ihr macht das schon richtig, nicht immer alles dem pingeligen Prinzesschen (coole Bezeichnung) durchgehen zu lassen. Wir haben mit unserem Sohn ab dem Alter den Familienrat einberufen. Jeder darf sagen was gerade stört und wie er es am liebsten hätte. Dann haben wir zusammen nach einer guten Lösung für alle gesucht und meistens auch gefunden.
        Bei Unternehmungen wird vorher festgemacht was es gibt und was nicht. Also Popcorn okay, dann aber kein Eis mehr. Den neuen Strohhalm hätte sie sich bei mir selbst organisieren können, möchte sie das nicht muss sie den nehmen der da ist.
        Das Gemaule und Geheule habe ich weitgehend ignoriert und die Ohren auf Durchzug gestellt. auch wenn es manchmal schwer gefallen ist beim gefühlt 20sten mal am Tag.

        Andere Kinder sind immer gute Erzieher. Die sagen direkt wenn sie genervt sind und in der Regel wollen Kinder ihre Freunde ja nicht vergraulen.

        LG
        Tanja

        • Danke Dir,

          das stimmt schon - wenn andere Kinder ihr sagen, dass ihr dauerndes Gemaule, die "Bestimmer-Nummer" oder die Weinerei nervt, dann reißt sie sich eher zusammen.

          Ich stelle auch schon auf Durchzug, nur nach dem 20. Mal pro Tag würde ich sie dann am liebsten ins Bett verfrachten und mir erst einmal eine Flasche Rotwein öffnen. #fest#cool

          Sie ist sonst eine wirklich liebe, aber momentan kann man es ihr nicht recht machen.

          Am Sonntag wirkte sie halt wirklich wie ein verwöhntes Prinzesschen, als sie aus dem Kino kam - in einer Hand die viertelvolle Popcorntüte, in der anderen Hand eine Gidget-Figur aus dem Film, eigentlich sollte sie rundum zufrieden sein.
          Und dann das weinerliche "Aber ich will noch ein Eiiiiiiiiiissssss!"

          #augen

          LG

      Hallo,

      wie lange habt ihr schon Ferien? Denn so schön diese Zeit auch ist, auch den Kindern fehlt irgendwann die Routine, und dann wird es anstrengend.

      Situationen wie im Tierpark könnt ihr umgehen, wenn ihr Essen (Snack) und Trinken von zu Hause mitnehmt. Dazu eine klare Absprache vorher, dass nach Rückkehr "richtig" gegessen wird.

      "Ich will" gibt es schon mal gar nicht. Bei Gejaule und Gejammer kurze Ansage, dass du erst mit ihr spricht, wenn sie vernünftig redet. Gequengel ignorieren und wenn es die Situation zulässt diese dann verlassen. Genauso Spielplatz, fängt sie an zu kreischen, ab nach Hause.

      Bei dem Kratzer hätte ich ein Riesenpflaster draufgeklebt und sie hätte drinnen bleiben müssen, so schwer verletzt wie sie ist.

      Ansonsten viel rausgehen und auspowern.

      Eure Tochter ist Einzelkind nehme ich an? Vielleicht bekommt sie doch zu viele Wünsche erfüllt. Das meine ich nicht böse, nur, ich habe auch ein Einzelkind. Da ist man eher geneigt, den einen oder anderen Wunsch mehr zu erfüllen.

      Viele Grüße

      Heike

      • Huhu,

        danke Dir.

        Nein, sie ist kein Einzelkind.
        Und sie hat seit 1,5 Wochen Ferien und eigentlich ist bei uns immer "open Door".
        Das heißt, es dürfen Nachbarskinder zu ihr kommen und sie zu ihnen.

        Wir unternehmen auch viel, aber jeden Tag Action und Bespaßung rund um die Uhr geht halt auch nicht.

        Das mit dem Snack/Trinken hatten wir auch schon.
        Dann fing plötzlich das Gemecker an, dass sie aber ein Eis von der Bude will oder sie hat bei einem anderen Kind in der Hand irgendwas gesehen (irgendeinen Riegel oder ein Eis oder eine bestimmte Limoflasche), was sie sich dann per se in den Kopf setzte, dass sie das nun auch haben muss.

        Klar gebe ich nicht allem nach (damit wird es ja nur schlimmer) und wir sind auch schon hier und da heimgefahren/gegangen, wenn sie auf dem Spielplatz oder sonstwo plötzlich das Zicken anfing.

        Aber es nervt einfach, ich hoffe, diese blöde Jammer- und Quengelphase geht bald vorüber.

        Trotzdem danke Dir und LG

    Huhu

    Natürlich kann es wieder ein "Schub" sein, denn es ist quatsch das es nur bei kleinen Kindern so ist!

    Julian ist eigendlich sehr Pflegeleicht, aber auch er hat "schwierige Phasen"
    Wir haben es wieder seit Sonntag!
    Ich kann ihm nichts recht machen und er hat wiederworte und "besserwisserei" ohne Ende!!!

    Julian ist 7 und geht in die 2. Klasse!

    Er will irgendwas von Oma abholen, ich sag ihm es ist heut schon spät und wir können es morgen holen!
    ...gejammer und gemecker, und ICH bin gemein!

    Er will ein Eis, ich biete ihm an, was wir haben.....
    Sein "Wunscheis" ist leider nicht dabei!
    ...geheule und wut! Ob ich denn nicht einkaufen kann! #rofl

    Er soll ins Bett, morgen ist ja Schule!

    Kein gejammer! Ein böser blick zu mir und die Aussage: "Heut ist echt nicht mein Tag!!!!"

    Dann das echt gemeine!
    Er will um 20 Uhr immer noch nicht schlafen, sondern zum Spielplatz!
    Ich sag ihm das es zu spät ist!

    Er sagt!:
    Nagut, dann hab ich halt keine Mama mehr, ICH hasse Dich!"

    das geht nahe, aber es geht vorbei!
    heute kann er selbst nicht sagen, warum er so gemein war! Es tut ihm leid!
    Er hat noch keinen Entwicklungsschub gemacht, den ich JETZT erkenne, aber wette ich kann ihn in 2 Wochn hier schreiben!

    Also Keep Cool....

    Auch wenn es schwer fällt

    Lg Steffi

    • #rofl redest Du von unserem Sohn, auch sieben?
      Aber sowas von!!!!
      Und ja, er ist am ET geboren und ich konnte damals die Uhr nach diesem Buch o je ich wachse stellen! Aber sowas von. Wir haben nach einigen Schüben unseren Urlaub danach geplant!!! Das hat nicht jedes Kind, bei weitem nicht, aber unser Sohn hat diese unglaublichen Phasen immer bevor er wieder etwas neues kann oder sich verändert.
      Inzwischen sind sie noch anstrengender, weil, wie Du schreibst, sie auch weh tun. Man muss schauen, dass man das nicht persönlich nimmt, aber das kann ich nicht gut.
      Bei uns enden diese Wutanfälle dann aber immer mit Kuschelattacken und dann höre ich erstmal dass ich die liebste und beste Mama auf der ganzen Welt bin, nachdem ich vorher gehasst wurde und er ausziehen wollte etc. Das ist natürlich schön und ich genieße das.
      Aber auch ich weiß dann schon, dass etwas ganz neues kommt, dass er sich wieder verändert.
      Das gibt's also durchaus auch später noch, es reagiert nur nicht jedes Kind gleich.
      Lg

Huhu, meine Tochter ist noch nicht so alt, aber trotzdem mal ein paar Ansätze von mir.

Grundsätzlich würde ich unterscheiden zwischen Situationen, an denen du etwas ändern kannst und denen, die außerhalb deiner Macht liegen. Bei letzteren (Kratzer, Trampolin ...) würde ich meine Tochter einfach ernst nehmen und trösten. Für dich mögen das Nichtigkeiten sein, deine Tochter hat aber offenbar das Bedürfnis, sich auszujammern, warum ihr das verwehren? Kann sein, das deine Tochter diese Dinge als sehr schlimm erlebt, kann auch sein, dass sie über das Jammern Zugang zu deiner Nähe finden möchte. Ganz egal, ich wäre für sie da. Und zwar nach der CALM-Technik, die Jennifer Kolari hier beschreibt: https://www.google.de/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3Dq28IrZq14hk&ved=0ahUKEwiQ-6rz3MzOAhXCd5oKHcx6BrQQtwIIHzAA&usg=AFQjCNE_bmARFx2RLd1aTc1vsy4Q0AfAcQ&sig2=sCZ59u8UVEXopEFPIDxqzg

Dann gibt es noch die anderen Situationen, wo deine Tochter nicht über etwas (mehr oder minder) Schlimmes weint, das ihr zugestoßen ist, sondern jammert, um etwas konkretes in der Zukunft zu erreichen. Hier habe ich den Eindruck, dass das Jammern eben die Strategie ist, die deine Tochter aktuell für sich entdeckt hat, um etwas zu bekommen. Wenn dir diese Strategie missfällt, hilf ihr dabei, eine andere zu finden. Generell würde ich versuchen, meiner Tochter mehr Verantwortung zu übertragen. Sie soll selbst Entscheidungen treffen und Handlungen durchführen, anstatt dich durch Jammern dazu zu bringen wollen.

Im Falle des blauen Strohhalm für mich ganz klar: Sie soll den Kellner bitten, ihr einen blauen Strohhalm zu bringen. Ihr seid raus aus der Geschichte und sie ist eigenverantwortlich. Vielleicht entscheidet sie sich dagegen, zu fragen, weil ihr der blaue Strohhalm doch nicht mehr so wichtig ist. Vielleicht fragt sie und bekommt keinen. Dann ist der Kellner der Buh-Mann, nicht ihr (trotzdem trösten bei Bedarf).

In den anderen Fällen wollte sie ja immer etwas gekauft haben. Da ist es etwas schwieriger. Wenn sie schon rechnen kann, würde ich vorher ein Budget mit ihr ausmachen, das für Ihre Wünsche an dem Tag zur Verfügung steht. Ob dann nach dem Kino noch ein Eis drin ist oder nicht, hängt dann davon ab, was sie sich vorher ausgesucht hat.

Vielleicht kann man auch mal sagen: "Wenn es dir so wichtig ist, kaufe ich dir das, obwohl ich das Geld eigentlich lieber für etwas anderes aufheben würde." Ich glaube, dass solches Jammern oft auf einem Gefühl der Willkür beruht, das Kinder gegenüber elterlichen Entscheidungen empfinden. Dieses Gefühl würde ich versuchen, ihr zu nehmen, indem ich sie viel mitentscheiden lasse. Und wenn sie nicht mitentscheiden kann, dann in den Begründungen so klar wie möglich sein. Wenn ich mich in eine Fünfjährige hineinversetze, würde es mich nicht überzeugen, dass ich jetzt auf Pommes verzichten soll, weil es nachher Zuhause was gibt. Da würde ich überhaupt keinen Zusammenhang sehen. Ist doch Wurst, ob ich jetzt die Pommes esse oder nachher den Gulasch. Oder vielleicht beides. Da würde ich als Elternteil bei der Begründung etwas mehr ins Detail gehen. Ist dir das Geld zu schade oder die Mühe in das gekochte Essen zu investieren, das dann stehen gelassen wird? Geht es um das Prinzip, keine Lebensmittel wegzuwerfen? Oder vielleicht ist es auch die Zeit, die ihr alle damit vergeudet, deiner Tochter jetzt beim Essen zuzusehen? Du siehst, nicht mal ich weiß, was der genaue Grund ist, woher soll das eine Fünfjährige wissen?

  • Hallo und entschuldige bitte, dass ich mich hier einklinke, aber bei der Trinkröhrchengeschichte bekomme ich Schnappatmung. Das Kind (kein Kleinkind) hat ein funktionierendes Trinkröhrchen, sieht bei einem anderen Kind eine vermeintlich bessere Farbe und will das nun auch. Vielleicht wäre ein Kind mit einem gelben Teil daher gekommen, will es plötzlich gelb oder rosa oder grün oder farblos. Dann rennt das Kind jedes Mal zur Theke und möchte eine andere Farbe??

    Kann man einem 5 1/2jährigem! Kind nicht einfach erklären, dass es eben diese Farbe gewählt hat und gut. Bein nächsten Mal alles auf Null. Nun den Kellner Grenzen setzen lassen: "Es tut mit Leid, pro Person gibt es nur ein Trinkröhrchen." und den daraus resultierenden Wutanfall dem Fremden in die Schuhe zu schieben, finde ich daneben.

    Irgendwann muss man doch auch mal lernen, Frust auszuhalten, weil es eben nicht zu ändern ist (ja hier KÖNNTE man ändern, aber das zahlt/geht zu Lasten des Lokals). Mit 6 oder 7 Jahren geht die Schule los, da rennt Mutti wegen jeder 3 zur Lehrkraft, weil sie sich ungerecht behandelt fühlt?

    Und damit könnte ich auch schlecht leben: "Vielleicht kann man auch mal sagen: "Wenn es dir so wichtig ist, kaufe ich dir das, obwohl ich das Geld eigentlich lieber für etwas anderes aufheben würde." Ich denke, hier kann das Kind durch die Verschachtelung den Sinn wiederum nicht gänzlich verstehen, zumal es in diesem Moment sowieso auf seinen (neuerlichen) Wusch fokussiert ist. Erst ja, wenn dir das wichtig ist (da, das ist es) und dann das Aber.

    Viele Grüße

    Heike

    • Ja, ich mag es, wenn Kinder sich dort reiben können, wo der Interessenskonflikt auch tatsächlich besteht und nicht ich als Elternteil stellvertretend für die ganze Welt meinem Kind immer wieder sagen muss: "Der möchte das nicht." (Was nicht heißt, dass ich Schwächere nicht vor meinem Kind schützen würde, den Kellner schätze ich aber nicht als schwach ein)

      Wie du daraus dann den Bogen spannst, in der Schule würde ich das dann plötzlich genau umgekehrt handhaben und dann selbst bei der Lehrerin auf der Matte stehen, erschließt sich mir nicht. Muss aber hier gar nicht Thema sein.

      Bei deinem zweiten Punkt schrieb ich als Denkanstoß "VIELLEICHT kann man MAL sagen". Ob das passt oder nicht, hängt sicher von der geistigen Reife des Kindes ab und von der Art der Beziehung, die man zu ihm hat.

      Meine Mutter hat mich viel selbst entscheiden lassen und ich kann gut bei meinen Entscheidungen mein eigenes Wohl und das anderer gegeneinander abwägen und das möchte ich bei meiner Tochter ähnlich handhaben. Ab welchem Alter das möglich sein wird, weiß ich allerdings noch nicht.

      Ich habe jedenfalls schon Kinder erlebt, die gerne auf etwas verzichten, wenn sie damit einer nahestehenden Person einen Gefallen tun. Das wird insbesondere gefördert, wenn man ihnen auch öfter einen Gefallen tut.

      Dazu müssen sie aber auch wissen, dass man ihnen entgegen kommt, dass man eigene Wünsche hätte, die dem entgegen stehen und dass einem diese Entscheidung schwerfällt. Würde man einfach nur stur jeden Wunsch erfüllen, halten sie das natürlich für normal und wollen diesen Standard beibehalten.

      • Schön, dass die Welt bunt ist und die Meinungen verschieden. Ich wiederum stehe auf dem Standpunkt, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Und ja, natürlich, sie sollen entscheiden (lernen), aber dennoch denke ich, dass die (zu)vielen Entscheidungsangebote Kinder zuweilen überfordern.

        Genau wie Eltern, die eigentlich genau wissen, dass sie in einer bestimmten Situation ihrem Kind Grenzen setzen müssen, aber sich drehen und verbiegen, damit sie ein Nicht-Setzen schönreden können.

        Gerade die Beispiele mit den Gaststätten, das Kind soll den Mitarbeiter des Hauses fragen: nach dem 3. Trinkröhrchen:-p, der zweiten Eiswaffel oder der vierfachen Portion Streusel aufs Eis und diese sagen nein. Das Kind tobt, die Eltern posten im Internet: Kinderunfreundliche Einrichtung! Die Lokalitäten leiden, und kaum noch jemand traut sich ein "Nein" zu - Kinder bekommen ihren Willen, die Eltern sind fein raus. Letztlich zahlt die Zeche aber das Kind, indem es keine bzw. nur labile Grenzen kennen lernt. Ihnen fehlt damit auch Sicherheit. Das kann man beliebig ausdehnen, z.B. auf (Spielzeug-)Geschäfte, in denen Kinder eben nicht die Regale ausräumen oder schon mal mit Spielen beginnen.

        Mein Sohn ist jetzt 12, und ich bin froh, bei ihm den Spagat zwischen Grenzen und Selbstbestimmung offensichtlich ganz gut getroffen zu haben. Ich hoffe, wir stehen die Pubertät auf dieser Basis auch weiterhin gut durch.

        Ich wollte auch keine Seitenstrang-Grundsatzdiskussion lostreten, aber irgendwie bin ich auf die Trinkröhrchen angesprungen.#fest

        Viele Grüße und ein schönes Wochenende

        • Also ich hab kein Problem, ich diskutiere sehr gerne ;-)

          Ich denke, du hast meine Einstellung aber noch nicht so richtig verstanden. Ich finde prinzipiell auch, dass das Kind kein zweites Trinkröhrchen braucht. Auf der anderen Seite finde ich aber nicht, dass es "lernen muss", dass es auf KEINEN FALL ein zweites (oder zehntes) Trinkröhrchen haben darf. Das einzige, was es hier in dieser Situation lernen sollte, wäre, dass die Entscheidung, wie viele Trinkröhrchen dem einzelnen Gast zustehen (und in welcher Farbe) beim Personal liegt. Dass ich als Mutter die Wichtigkeit eines zweiten Trinkröhrchens keinesfalls so hoch einstufe, dass ICH dafür den Kellner fragen möchte, dass ich dem Kind aber nicht im Weg stehe. Es kann hier Eigenverantwortung und Selbstständigkeit lernen und vielleicht auch, wie man mit Zurückweisung umgeht. Oder vielleicht auch, welcher Tonfall sich eignet, einen Fremden um einen Gefallen zu bitten. Und die Reaktion des Kellners wird ihm vielleicht dabei helfen, einem Fremden zukünftig schon vorher anzusehen, ob man hier mit einer Bitte Gehör finden wird oder nicht. Das finde ich alles sehr nützliche Skills.

          Mit Sicherheit würde ich mich nicht hinterher über die Reaktion des Kellners beschweren, wenn sie nicht gerade extrem herabwürdigend (zb "Verschwinde, du dreistes Gör!") ausfällt. Wie bereits geschrieben, würde ich mein Kind trösten und vielleicht (wenn es in der Stimmung ist) mit ihm gemeinsam Strategien für das nächste mal überlegen. Man könnte z. B. beim Bestellen des Getränkes einen Farbwunsch äußern, wenn einem dies sehr wichtig ist.

          Mir geht es auf keinen Fall darum, dass das Kind jeden Wunsch erfüllt bekommt, sondern darum, dass das Kind lernt, dass manche Wünsche nicht erfüllt werden können und zwar (wichtig) nicht etwa, weil Mama das willkürlich verbietet (in dieser Annahme sehe ich den Grund für das Jammern), sondern weil sie mit den Wünschen von anderen Menschen kollidieren - hier der Wunsch des Restaurants, Geld zu sparen.

Die Überschrift war ja wohl hoffentlich ironisch gemeint, oder?#kratz

Vielleicht sollte deine Tochter erstmal lernen, nicht immer "ich will..." zu sagen, sondern stattdessen könnte sie es ja mal mit "ich möchte..." oder "darf ich vielleicht...?". Denn zur Stimmung der Eltern trägt ja der Tonfall ganz erheblich bei. Das kann auch schon eine 5-Jährige begreifen.

Und dass Kinder quengeln, muss nicht zwingend immer einen Grund haben. Schließlich entwickeln sich Kinder permanent weiter und müssen ja auch mal versuchen, wie weit sie bei Erwachsenen so gehen können und wie viel für sie dabei heraus springt.

Grundsätzlich finde ich, sollten Kinder dabei spüren, dass sie mit permanenten Forderungen erst mal gar nix erreichen. Also wenn meine Kinder - nachdem sie einen Strohhalm bekommen haben - eine andere Farbe fordern, würde ich den vorhandenen Strohhalm wegnehmen und sagen: "Wenn dieser nicht recht ist, ist es vielleicht doch besser, keinen Strohhalm zu haben." Da würde ich mich auch nicht beirren lassen. Und das prägt sich bei Kindern schnell ein ;-)

Du behauptest so sicher, dass es sich nicht um Geschwistereifersüchteleien handelt. Aber woher willst du das wissen? Das äußert sich ja nicht unbedingt dadurch, dass das Geschwisterkind angepöbelt wird. Stattdessen geht es eben häufig über den Weg des Erzwingen von Aufmerksamkeiten durch eben dieses nimmersatte oder aufmüpfige Verhalten.

Zum Thema "Schub": "Schübe" nannte man früher "völlig normale kindliche Entwicklung", die nun einmal nicht gleichmäßig verläuft. Mal merken es Eltern mehr und mal weniger, aber immer entwickelt sich das Kind - mal zur Zufriedenheit der Eltern (Durchschlafen), mal nicht (Quengeln). Ich lach mich immer scheckig, wenn junge Eltern auf den nächsten Schub warten, der laut Literatur und Internet (und bekanntlich steht dort ja IMMER die Wahrheit) ja schon längst da sein müsste. Oder Eltern entlarven auch gern mal nächtliche Schlafstörugen (die in Wirklichkeit einfach nur Blähnungen sind) als "ganz sicher schon der nächste Schub, der nur etwas früher eintritt". #augen

Stark finde ich dabei, dass sich Eltern sogar hinreißen lassen, bis weit ins zweite Lebensjahr in Wochen zu zählen, weil einige "Wissenschaftler" wirklich vermessen genug sind, auch noch in dem Altern Schübe nach Wochen einzuordnen. So heißt es dann z.B. "75. Woche: Ihr Kind braucht Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit" (was brauchte es denn vorher? Nur Halbtagsbetreuung???)#rofl#rofl

LG
cori

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