Gab es Strafen in eurer Kindheit?

    • (1) 30.04.18 - 21:07

      Hallo ihr Lieben,

      ich hoffe, ich trete niemandem auf den Schlips. Heute bin ich ein wenig nachdenklich.
      Wurdet ihr in eurer Kindheit bestraft?
      In meiner Familie war es normal, körperliche "Züchtigung" als Mittel einzusetzen. Dies wurde bei den kleinsten Kleinigkeiten eingesetzt und war normal. Also keine Ausrutscher. Ich bekam erst mal eine von meiner Mutter auf den A****, auch gerne mit Hose runter, übers Knie und mehrmaliges draufhauen und nach Feierabend meines Vaters gab es nochmal eine von ihm.
      Ich frage mich immer, war das bei anderen auch so? Oder bei den meisten?
      Ich habe das Gefühl, dass ich daran zu knabbern habe, weil es für mich sehr demütigend war. Es gab dazu auch natürlich noch emotionale Sachen. "Ich hol den Kochlöffel, Du kannst nicht mein Kind sein usw."

      Wie war das bei euch?

      LG

      • Hallo,

        meine Mutter hat sehr gerne und schnell zugeschlagen. Bevorzugt ins Gesicht. Eine weitere, gern eingesetzte, Strafe war Liebesentzug. Das war die Hölle.
        Mein Vater konnte sehr aufbrausend sein, war aber eigentlich gegen Gewalt. Ich kann mich an wenige Situationen erinnern, in denen ihm die Hand ausgerutscht (wirklich ausgerutscht) ist. Trotzdem hat er meine Geschwister und mich nicht vor unserer Mutter geschützt.
        Andere Strafen, wie Fernsehverbot oder Taschengeldentzug gab es eher nicht.
        Ganz schlimm waren für mich auch Aussagen wie "wie hast du dich nur wieder aufgeführt, XY hat ganz entsetzt geschaut!" Oder "ich wünsche mir zu meinem Geburtstag nichts, du sollst nur endlich brav sein!" "du warst so ein liebes Kind und jetzt bist du so eine Zicke!" .... Ich könnte ewig so weiter machen. Als Kind hatte ich das Gefühl, nie genug zu sein und es immer falsch zu machen.
        Ich konnte meinen Eltern lange nicht verzeihen, hatte trotzdem relativ normalen Kontakt zu ihnen. Dann starb mein Vater plötzlich und unerwartet und seit dem sehe ich die Welt (und meine Kindheit) etwas anders.
        Meine Eltern wussten es nicht besser. Eine schwache Entschuldigung und für mich kein Trost, aber tatsächlich war nicht alles schlecht und sie waren an anderer Stelle sehr bemüht. Es bringt mir nichts, diese Wut und Enttäuschung mit mir zu tragen.
        Wichtig ist für mich, dass ich meine Kinder anders erziehe. Ich finde, das ist gar nicht so einfach, wenn man so viel Balast aus der eigenen Kindheit mit sich trägt, aber ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg.

        LG

        • Vielen lieben Dank für deine Offenheit.
          Das mit dem Liebesentzug kenne ich leider auch. Ebenso das der Vater aufbrausend war. Wir durften z.B. auch nicht am Esstisch reden, damit er seine Ruhe hat und nicht ausflippt.
          Ich bin meinen Eltern auch nicht mal böse. Aber ich kämpfe halt auch immer sehr mit meiner Selbstachtung. Auch weil ich genau wie Du das Gefühl hatte, nicht richtig zu sein. Deswegen beschäftigt es mich doch manchmal mehr als gewünscht.

          Lg

          • Ich verstehe dich voll und ganz.
            Mich hat das jahrelang beschäftigt. Besonders schlimm war es, als mein erstes Kind geboren wurde. Ich fühlte diese unglaubliche Liebe und konnte nicht verstehen, wie man sein eigen Fleisch und Blut so behandeln kann. Gleichzeitig herrschte richtige Trauer in mir, weil ich begriff, was mir eigentlich genommen wurde.
            Ich habe ganz hart an mir und meinem Selbstbewusstsein gearbeitet. So ganz werden die Wunden wohl nie heilen, aber auch hier bin ich auf einem guten Weg.
            Trotzdem muss ich höllisch aufpassen, dass ich das Verhalten und die Äußerungen meiner Mutter nicht zu nah an mich heran lasse.
            Sie versucht eine gute Oma zu sein und ich rechne ihr das auch wirklich an, aber auch im Umgang mit meinen Kindern sehe ich alte Muster, die mir nicht gefallen. Allerdings bin ich nun erwachsen und äußere auch direkt, wenn mir etwas, was meine Kinder betrifft, nicht gefällt. Ob sie ihnen jetzt zu viele Süßigkeiten gibt, ist mir herzlich egal. Wenn aber Aussagen kommen, wie "wenn du so viel Schokolade isst, passt du nicht mehr in dein schönes Kleid!" (meine Tochter ist gerade 5 Jahre geworden), sage ich direkt meine Meinung.
            Aussagen, die meine Kindheit betreffen, ignoriere ich meist. Es hat einfach keinen Sinn und ich bin es so furchtbar leid, ihr erklären zu wollen, warum es NIE NIEMALS die Schuld eines Kindes ist, dass es geschlagen wird. Außerdem ist meine Mutter nicht in der Lage, sich mit mir auseinander zu setzen, ohne zu weinen. Resultat: Ich muss sie trösten für die Fehler, die sie gemacht hat. Dieses Spielchen habe ich zu oft gespielt.

            LG

            • Grmpf.....

              Ich hatte darüber nie Diskussionen. Wie gesagt denke ich immer, es war ansich normal. Aber wenn ich überlege (Habe keine eigenen Kinder) dass ich niemals so etwas tun könnte... verstehe ich meine Eltern nicht. Ich komme aber gerade sehr wohl ins Grübeln, was das eventuell mit meinen bestehenden Problemen zu tun haben könnte. Ich habe wirklich viele Probleme damit, mich nicht annehmen zu können.
              Und ich habe mit meiner Mum relativ aktuell das ersten Mal darüber gesprochen. Was ich denke, was es in mir ausgelöst haben könnte....bzw. ob es da Parallelen gibt. Ihre Antwort war :
              Du warst schon als Kind zu sensibel. Dir hat das bestimmt nicht gut getan.
              Einerseits ne Einsicht, andererseits eine Klatsche. Weil ich wohl wieder Schuld bin:-(

              Lg

              • Ich denke tatsächlich, dass die Gesellschaft früher (ich bin in den frühen 80ern geboren) Gewalt gegen Kinder eher toleriert hat. Ich kann sagen, dass uns nie geholfen wurde. Unsere Mutter hat auch auf offener Straße oder vor Nachbarn zu gehauen.
                Ich habe eine gleich alte Freundin, die von ihrem Vater grün und blau geprügelt wurde. Lehrer wussten Bescheid, es ist nichts geschehen. Heute gibt es entsprechende Gesetze und Lehrer müssten handeln.
                Auch meine beste Freundin aus Kindheitstagen wurde mit Schlägen bestraft.
                Man könnte denken, ich bin in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen, tatsächlich war es aber eher das Umfeld "ländlich gelegene Reihenhaussiedlung". Jeder kannte jeden und es wurde gerne getratscht.
                Bestimmt wuchsen auch damals viele Kinder behütet auf, aber Schläge als Erziehungsmaßnahme waren meiner Meinung nach noch keine Seltenheit (wahrscheinlich sind sie es heute auch nicht - leider).
                Mein Mann ist anders als ich aufgewachsen und hat ebenfalls sein Päckchen zu tragen. Wenn auch ganz anders als ich. Uns war immer wichtig, unsere Kinder zu selbstbewussten Menschen zu erziehen und ich sehe, wie wichtig die ersten Jahre für ein stabiles Fundament sind.
                Ich kann dir wirklich ans Herz legen, eine Therapie zu machen. Ich habe mehrere Therapien als junge Erwachsene durchlaufen und natürlich hatten viele Probleme in meiner Kindheit ihren Ursprung.
                Das alles zu überblicken, verstehen, begreifen, verinnerlichen und vor allem zu ändern ist schwierig und dauert lange, aber das ist es wert!

                LG

                • Oh man. Da haben wir echt einige Gemeinsamkeiten. Eine gute Freundin damals von mir wurde von ihren Eltern ach echt grün gehauen. Habe es meiner Mum damals erzählt. Meine Freundin hat mir damals ihre Striemen vom Gürtel ihres Vaters gezeigt. Meine Eltern haben nix gemacht und ich war zu jung. Ich wusste als Kind schon, dass sowas falsch ist. Selbst, wenn man es aus der eigenen Familie abgeschwächt kennt. Genauso haben mein Dad und ich im Urlaub gesehen, wie ein Vater seinem Sohn, vielleicht 6 Jahre, voll ins Gesicht geschlagen hat. Ich fand das damals schlimm. Aber mein Vater hat auch nix gemacht.
                  Vielleicht hab ich deswegen so ein Helfersyndrom......

                  Ich danke dir auf jeden Fall. Es tut gut, sich darüber mal auszutauschen und Gott sei gelobt, immerhin haben sich die Rechtsprechung bzw die Gesetze in solchen Dingen schon verändert.
                  Ich werde die Tage bestimmt noch n bissl grübeln.

                  Lg

            Dein Text könnte 1:1 von mir sein.

            Genau so lief es auch in meiner Kindheit ab. Nur mit dem Unterschied, dass ich nach langen Jahren des Bemühens den Kontakt zu meiner Mutter völlig abgebrochen habe, nachdem ich feststellen musste, dass sie mit meinem Sohn genauso lieblos umging wie mit mir in meiner Kindheit.

            Meine Mutter verteilte Schläge ins Gesicht, wie andere Bonbons. Für jede Nichtigkeit wurde zugelangt. Wenn ich (mit 6 Jahren !!) beim Tisch abräumen etwas fallen ließ, gab es bereits eine Ohrfeige. Für „schlimmere Vergehen“ wurde dann wahlweise der Kochlöffel, das Hackbrett, der Teppichklopfer verwendet und das solange bis ihr Arm müde wurde.
            Zum Abschluss einer solchen Prügelorgie wurde ich dann meist noch ein paar Stunden in den dunklen Keller gesperrt (die Glühbirne wurde natürlich extra für mich raus gedreht), damit ich dann über meine „Missetaten“ nachdenken konnte.

            Auch als ich längst erwachsen war, zeigte sie keinerlei Einsicht, hat ihre Handlungen stets damit gerechtfertigt, dass ich es "verdient" hätte. Lange hatte ich ihre Erziehung damit entschuldigt dass sie es ja auch nicht besser wusste, denn genau so wurde sie von ihrer Mutter als Kind behandelt. Erst als ich selbst Mutter wurde und diese unendliche Liebe zu meinem Kind verspürte, wurde mir klar dass es sehr wohl möglich ist, trotz schlimmer Kindheit das eigene Kind bedingungslos zu lieben – sofern man will.

            Meinen Vater hat das alles nicht interessiert. Kindererziehung war Frauensache und er ließ sie gewähren, Hauptsache ich als Mädchen war artig, wohlerzogen, leise und gehorsam. Meine Brüder durften sich mehr erlauben, es waren ja schließlich Jungs. Da war er sogar Stolz darauf wenn sie über die Stränge schlugen, denn Jungs dürfen das und so werden aus ihnen „echte“ Männer.

            Zu meinem Vater habe ich noch sehr oberflächlichen Kontakt, wir sehen uns vielleicht ein- zweimal im Jahr, haben uns aber nichts zu sagen, denn ich bedeute ihm nichts. Für ihn zählte immer nur die Arbeit, das Familienunternehmen (in 3. Generation) und meine beiden Brüder, die ja schließlich die „Stammhalter“ waren. Mein Sohn bedeutet ihm ebenfalls nichts, denn er ist zwar männlich, trägt aber nicht den Familiennamen weiter. Was anderes zählt für ihn nicht.

            Ich habe bis heute damit zu kämpfen, mich als liebenswerter Mensch zu fühlen. Einerseits sehne ich mich sehr nach menschlicher Nähe, nach Freundschaft, Liebe, eben alles was den Menschen zum Menschen macht. Andererseits tue ich mir sehr schwer, diese anzunehmen, Freundschaften zu schließen oder auf andere zuzugehen.

            Solche Narben aus der Kindheit bleiben ein lebenslang. Ich wünsche meinen Eltern heute nichts schlechtes, aber ich will es auch nicht mehr mit einem „sie wussten es eben nicht besser“ entschuldigen. Denn sie hätten es besser wissen MÜSSEN.

            • Du hast vollkommen Recht, sie hätten es besser wissen müssen.
              Ich denke auch ehrlich, dass vor allem meine Mutter zu "bequem" war, um wirklich etwas zu ändern. Sie litt selbst extrem unter ihrer Mutter und hat es schon als Fortschritt gesehen, wie sie sich uns gegenüber verhielt. Tatsächlich war es das aber kaum. Man fühlt sich als Kind enorm geliebt, wenn einem die eigene Mutter sagt "ich habe dich schon gewollt, nur nicht zu diesem Zeitpunkt!" Meine Oma sagte mal zu meiner Mutter, sie hatte versucht sie abzutreiben, das habe aber nicht funktioniert. So viel liegt nicht zwischen den beiden Aussagen, meine Mutter hat das nur nie begriffen.
              Mein Vater hat zumindest aufrichtig versucht uns anders zu erziehen als seine Eltern ihn erzogen haben. Trotzdem hat er schwerwiegende, kaum zu verzeihende Fehler begangen. Aber ich vermisse ihn trotzdem wahnsinnig und das zeigt mir auch, dass nicht alles schlecht war. Gerade an meinen Vater habe ich viele schöne Erinnerungen. Er hat viel mit uns unternommen und uns durchaus auch Wertschätzung entgegen gebracht.
              Das wiegt die Fehler nur leider nicht auf. Ich hatte bereits als Kind eine Verhaltensstörung und als junge Erwachsene wurde es dann richtig schlimm.
              Und trotzdem war es nach dem Tod meines Vaters unglaublich wichtig für mich zu verzeihen. Hätte ich diese Wut und Trauer weiter mit mir getragen, wäre ich sicher zerbrochen.
              Es ist einfach wahnsinnig schwer einen Weg zu finden, diese tiefen Verletzungen zu verarbeiten. Und ob man es will oder nicht, unsere Eltern sind ja auch ein Teil von uns.

              Meine Mutter würde heute nie zulassen, dass ihren Enkeln Gewalt angetan wird. Dass Kinder eine Seele und ein Gehirn haben, hat sie dennoch nicht wirklich verstanden. Ich habe oft den Eindruck, dass Kinder für sie kleine Idioten sind, die sich den Erwachsenen unterzuordnen haben. Alles andere gilt als nicht brav und nicht lieb. Das bekomme ich nicht mehr aus ihr heraus.
              LG

              • Das schlimme war ja... Sie konnten es besser. Sie waren durchaus fähig Liebe zu geben, denn meine Brüder wurden ja geliebt und weitaus besser behandelt.
                Klar auch sie erhielten ab und an eine Ohrfeige, sie haben aber auch am laufenden Band Blödsinn angestellt. Das wurde aber meist sogar mit geheimen Stolz quittiert "sind halt echte Jungs". Nur wenns richtig arg war, wurde bei ihnen mal zugelangt.

                Ich kann mich auch nicht erinnern, dass meine Brüder zb je mit dem Kochlöffel, etc. geschlagen wurden. Das war mir vorbehalten.
                Das tat ja zusätzlich noch so weh, tagtäglich mit ansehen zu müssen, wie durchaus liebevoller Umgang vorhanden war...für die anderen.
                Irgendwann als wir als Kinder älter wurden sprangen auch meine Brüder auf diesen Zug der Lieblosigkeit auf, ich wurde dann auch von ihnen schikaniert, gehänselt, auch verprügelt wenn ich nicht bei ihren Befehlen spurte. Kein Wunder es wurde ihnen ja vorgelebt, dass das so ok ist.

                Jahre später wurde mir noch von meinen Eltern vorgeworfen "ich wäre ja sooo ein schwieriges Kind gewesen."

                Später als Erwachsene war ich durchaus in der Lage rational und verstandesmässig zu begreifen, was da zuhause bei uns abging. Meine Mutter war in einer völlig lieblosen Ehe gefangen, sie hat meinen Vater eigentlich verabscheut - geheiratet wurde weil sie mit meinem ältesten Bruder schwanger war...damals war eben ein uneheliches Kind ein NoGo.
                Meine Brüder wurden aber von ihr geliebt, weil sie ganz nach ihr kamen - optisch und auch charakterlich. Ich kam - Gott sei's geklagt - ganz nach der väterlichen Seite. Ich bin meiner Tante (Schwester meines Vaters) sehr ähnlich, sie wurde oft für meine Mutter gehalten. Meine Mutter hasst die gesamte Familie meines Vaters bis heute.
                Tja doppelte Arschkarte.

                Mein Sohn ist das Ebenbild meines Vaters - Gott sei Dank nur optisch. Und bereits als er noch ein kleiner Junge war, ist meiner Mutter das Gesicht förmlich eingefroren, wenn sie die Ähnlichkeiten (auch in Körperhaltung, Gesichtsausdruck etc) bemerkte. Mit jedem Monat, wo sich die Ähnlichkeit deutlicher abzeichnete, kam mehr und mehr Ablehnung. Als sie dann mal wortwörtlich sagte, sie könne mit meinem Sohn "einfach nichts anfangen" war für mich endgültig Schluss, weil sie Nichts absolut Nichts begriffen oder eingesehen hat.

                Dass ich all dies Mechanismen kopfmässig begreife bedeutet aber nicht, dass es nicht schmerzt. Auch heute noch verfalle ich oft bei tatsächlicher oder auch vermeintlicher Ablehnung in die Frage "was stimmt mit mir nicht, dass man mich nicht mag."

                Ach ja, ich bin übrigens Jahrgang 67. In meinem gleichaltrigen Freundeskreis gab es kaum jemanden der von seinen Eltern geschlagen wurde. Höchstens mal hier und da eine Ohrfeige. Meine Freundinnen hatten es zwar auch nicht immer leicht, eine hatte einen sehr aufbrausenden cholerischen Vater, aber zugehauen hat er lt. ihr nie.
                Mein Mann, Jahrgang 62 sagt immer er hatte eine wundervolle Kindheit. Er wurde weder körperlich noch psychisch gezüchtigt. Auch sein Vater und seine Mutter (Jahrgang 23 und 25, also volle Vorkriegs- und Kriegsgeneration) hatten niemals Schläge erhalten, und das obwohl die Zeiten sehr schlecht waren, und die Nerven sicher auch oft blank gelegen hatten.

                Eine solche Erziehung, wie ich sie erhalten habe, war also auch früher nicht wirklich "normal", wenn sie auch sicher häufiger vorkam als heute.

            Mist, jetzt habe ich Tränen in den Augen....fühl dich gedrückt #liebdrueck

            Komisch ist, dass man oft liest, meine Mutter hat so agiert, weil sie es selber so von ihren Eltern kannte. Als ich Mama wurde, konnte ich nicht verstehen, wie man so was dem eigenen Kind antun kann. Warum kam erst in unserer Generation den meisten der Durchblick? Woran liegt das? Man könnte ja genauso schlagen, weil man es nicht anders kennt, aber glücklicherweise ist das heute bei den meisten verpöhnt. Liegt es an der Gesellschaft, die nun mehr gegen Gewalt an Kindern ist? Ein Glück! Denke ja, oder???

            • Die Tatsache, dass es heute strafbar ist, zwingt ja auch zur Auseinandersetzung damit. Ob schon ein Durchblick angekommen ist, bezweifle ich manchmal.
              Und ich finde es oft nicht leicht, wenn man nur dieses Verhaltensmuster kennt, bei den anderen Kindern anders zu reagieren. Ich habe meine Kinder nie geschlagen. Aber ich erwische mich manchmal mit lauten Worten, die ich völlig falsch finde und nie sagen wollte.

              Ich bin mir, wenn ich in manchen Threads lese, nicht sicher, ob sich wirklich viel Haltung den Kindern gegenüber geändert hat. Und auch wenn man eine theoretisch andere Haltung hat, ist es nochmal eine andere Sache, sie auch praktisch zu leben, weil man seine ganze Vergangenheit, und damit auch die der Eltern, Großeltern mit sich herumträgt...

            <<<Warum kam erst in unserer Generation den meisten der Durchblick? >>>

            Stimmt, da hast du Recht. Ich wurde auch von meiner Mutter geschlagen (Mit dem Latsch oder dem Bügel), durfte den ganzen Haushalt machen und wurde auch gedemütigt. Obwohl ich sagen muss, dass schon einige Bekannte zu ihr sagten, was machst du mit deinem Kind. Wie behandelst du es. Das komische war ja, dass ich noch Geschwister habe und diese eben nicht so behandelt wurden bzw. nicht ganz so schlimm. Ich glaube, daher habe ich auch so ein distanziertes Verhalten ihr gegenüber, obwohl sie ja jetzt immer sagt, sie hat uns bzw. mich nie geschlagen. Warum verdrängt sie sowas. Ich kann nicht sagen, dass ich genauso bin. Ich könnte meine Hand nie gegen die Kinder richten. Ich glaube, daher sind auch meine Kinder verwöhnt, da ich keine bzw. wenig Grenzen setze. Ich kann es einfach nicht einschätzen, da meine Grenze als Kind direkt vor mir war. Und das fand ich beschissen. Ich hatte dadurch auch sehr wenig Selbstwertgefühl. Ich wollte meinen Kindern Gewalt und Leid ersparen. Meine Kinder sagen zu mir immer, Mama du bist zu lieb. Du hättest mal öfter auf den Tisch hauen sollen, dann hätten wir dich nicht so geärgert.:-p Aber ich muss sagen, ich halte dann lieber das Nervige aus, als mit meinem Gewissen zu kämpfen. Ich bin einfach so.Naja, und wenn man dann noch an einen Partner gerät, der da weiter macht, wo deine Mutter aufgehört hat, dann denkt man, ist wohl doch normal gewesen. Aber irgendwann kann man nicht mehr und man flüchtet. Ich bin jetzt in zweiter Partnerschaft (Jugendliebe) und weiß, es geht auch anders. Am Anfang fand ich es etwas befremdlich, dass ich ich sein durfte. Aber mittlerweile hab ich so an Stärke gewonnen, dass ich selbst mit meinen Eltern drüber reden kann. Und das hilft. Mein Stiefvater bestätigt manche Sachen, die meine Mutter verdrückt. Aber mir hilft es unwahrscheinlich und hat mir mein Selbstwertgefühl zurück gegeben. Und meine Kinder merken es auch, dass ich mal NEIN sagen kann. Ungewöhnlich für sie, aber sie finden es dann doch ganz gut.

            <<<Woran liegt das? >>>

            Ich denke, vieles ist auch typabhängig. Ich bin der ganz liebe Typ und mit mir konnte sie es durchziehen. Meine Geschwister waren rebellischer. Aber sie hatte ja mich als Ventil. Aber mittlerweile kommen wir ganz gut klar. Sie ist auch ein bisschen einsichtig, dadurch funktioniert unser Kontakt, aber trotzdem mit Distanz. Aber ist auch gut so

            LG

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