Als Trauzeugin versagt, als Freundin Grenzen überschritten.

Hallo ihr Lieben,

ich muss mir einmal Luft machen und hoffe, jemand hat einen Rat für mich.
Vor einiger Zeit habe ich die neue Partnerin des besten Freundes meines zukünftigen Mannes kennengelernt. Wir haben uns richtig gut verstanden und so entschied ich mich dazu sie zu fragen, ob sie mir bei meiner bevorstehenden Hochzeit als Trauzeugin zur Seite stehen würde.
Sie hat begeistert zugesagt - und das war der Anfang von allem Ärger. Sie hat sich um nichts gekümmert, ja selbst wenn ich sie direkt gefragt habe, ob sie zum Beispiel zur Besichtigung einer Location mitkommen würde, hat sie die Nachricht sogar einfach ignoriert. Irgendwann hab ich mir ein Herz gefasst und ihr gesagt sie soll bitte so fair sein und es mir sagen, wenn sie das nicht mehr machen möchte, damit ich jemand anderes fragen kann. Ich muss sagen ich bin davon ausgegangen, dass das ein „Wachrüttler“ sein würde und sich nun etwas ändern würde. Falsch gedacht. Auch nach weiteren Versuchen und Gesprächen hat sich nichts geändert obwohl ich ihr klar definiert hatte, was ich mir von ihr wünsche. Also habe ich nun mit meinem künftigen Mann unser Ding gemacht und wir haben alles alleine geplant. Dinge wie Kleid, Schmuck etc. habe ich mit meiner Mutter ausgesucht.

Unser Glück wurde vor einigen Monaten perfekt, als wir nicht nur der bevorstehenden Hochzeit entgegen fieberten, sondern plötzlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielten. Das war die Kirsche auf der Sahnetorte! #herzlichDoch mit Verkündigung unseres Glückes wurde meine Trauzeugin zur Freundin, die meine Grenzen um Längen überschreitet. Sie nennt sich selbst die Tante, sagt ihr sei es gleich ob es ein Patensohn oder eine Patentochter wird obwohl ihr dieser Posten nicht angeboten wurde, fasst meinen Bauch ständig und permanent an und als Krönung hat sie sich vor kurzem herunter gebeugt und meinen Bauch geküsst. Ich war so geschockt, ich habe mich umgedreht und bin sofort gegangen. Seitdem habe ich mich nicht mehr mit ihr getroffen. Sie schreibt mir ständig, versucht sich sogar auf den letzten Drücker kurz vor der Hochzeit doch noch als prima Trauzeugin einzumischen, was völliger Humbuk ist da ja alles geplant ist und drängt sich mir einfach total auf.

Ich möchte ihr natürlich nicht vor den Kopf stoßen, aber ich habe inzwischen neben meinem Baby auch eine MENGE Wut im Bauch! Ich weiß nicht wie ich ihr verständlich machen soll, dass sie a) als Trauzeugin versagt hat, b) als Freundin meine Grenzen überschreitet, c) sich nicht anzumaßen hat sich das Amt der Patentante selbst zuzusagen und d) ich aktuell von ihr nicht mehr möchte, als meine Ruhe. Unsere Hochzeit steht kurz bevor und ich weiß nicht wie ich es ihr sagen soll und wann. Zumal ich natürlich auch nicht möchte, dass unsere Partner, die wie erwähnt beste Freunde sind, am Ende wegen uns zwischen den Stühlen stehen.

Vielleicht hat einer von euch eine Idee? Aktuell möchte ich nämlich gern mein Telefon an die Wand werfen, auswandern und fernab in Weit-Weit-Weg heimlich heiraten und mein Kind zur Welt bringen. #gruebel

Liebe Grüße, Elfie #winke

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Hallo Elfie,

hmm ... schwierige Kiste, aber ich würde ihr schon sagen, dass dir das mit ihr momentan alles zu eng und vor allem zu übergriffig wird. Sag ihr ruhig, dass du es nicht möchtest, dass sie deinen Bauch tätschelt oder gar küsst, dass es dir unangenehm ist und sie das bitte respektieren möchte. Gleiches gilt für ihr eigengewähltes Patentanteamt. Unter Erwachsenen sollte es doch möglich sein, das ohne bitteres Gezetere über die Lippen zu bekommen.

In Sachen Trauzeugin: Sing einfach den Schwamm-drüber-Blues, beschwere dich nicht über ihre Nachlässigkeit als Trauzeugin und genieße eure Hochzeit. In eure Planungen hat sie sich nicht mehr einzumischen. Ich würde da wohl eher so reagieren: "Liebe XYZ, ist ja sehr nett, aber wir haben nun ohne dich alles soweit auf die Füße bekommen."

Und danach: Einfach auf Abstand gehen. Eure Männer mögen ja beste Freunde sein und bleiben - ihr müsst das nicht. Da kann man sich mal treffen und einen netten Abend gemeinsam verbringen, aber mehr musst du nicht mitmachen.

LG Deichbrise

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Hallo Deichbrise,

Es ist schon irgendwie schwierig, da sie mich als eine ihrer besten Freundinnen sieht (das Kennenlernen liegt gut 1,5 Jahre zurück und wir haben im ersten Jahr wirklich häufig etwas unternommen). Ich will ihr ja auch nicht vor den Kopf stoßen, aber ich ertrage diese Situation nicht mehr. Ich habe es mir nun etwas über ein halbes Jahr angeschaut und es wurde nach jedem Gespräch eher schlimmer als besser. :( das mit dem Verhalten seit der SS ist nun erst vor Kurzem hinzugekommen und bringt das Fass einfach zum Überlaufen..

Danke für deine Antwort! Deine Worte haben mir sehr geholfen! 🌹

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Hallo,

mein Eindruck ist, dass ihr grundsätzlich einfach nicht zueinander passt.
Du hast ihr das Amt der Trauzeugin wahrscheinlich einfach zu schnell übertragen, ohne sie richtig zu kennen.

Die Aufgabe des Trauzeugen ist es, bei der Trauung anwesend zu sein und die Trauung mit einer Unterschrift zu bestätigen. Trauzeuge = Zeuge der Trauung

Alles andere, wie Kleid aussuchen, Location besichtigen etc., ist "nice to have".
Solche Dinge muss man besprechen, BEVOR man jemanden zum Trauzeugen macht. Deine Erwartungshaltung war da wohl einfach zu hoch.

(Meine Trauzeugin war mit mir das Kleid aussuchen, das wars. Das war aber auch völlig ok. Ich hatte nicht erwartet, dass sie ab jetzt meine persönliche Assistenz ist und sich um alles mitkümmern muss. So unterschiedlich können Erwartungshaltungen sein.)

Dass du nicht möchtest, dass sie deinen Bauch streichelt, ist natürlich dein gutes Recht. Aber es zeigt mir auch, wie distanziert euer Verhältnis ist und dass ihr wohl kein inniges, freundschaftliches Verhältnis pflegt, wie es (im Idealfall) zwischen Braut und Trauzeugin sein sollte.
Für mich ebenfalls ein Indiz, dass du sie nie zu deiner Trauzeugin hättest machen sollen.

An deiner Stelle würde ich diese "Freundschaft" langsam ausschleichen lassen, denn anscheinend tut ihr euch gegenseitig nicht gut.

Wenn du nicht angefasst werden möchtst, solltest du das direkt freundlich ansprechen, anstatt wegzugehen. z. B:
"Du Julia, ich mag nicht so gerne am Bauch berührt werden, das ist mir unangenehm." Fertig.
Denn sie macht das sicherlich nicht, um dich zu ärgern. Sprich es an.

Ansonsten (entschuldige, dass ich so offen bin) hörst du dich auch nicht gerade "pflegeleicht" an. #schwitz Es sind eben nicht immer alle Menschen so, wie man sie gerne hätte. Ich finde es daher etwas hart, da von einem "Versagen" zu sprechen.

Alles Gute

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Ohne dir zu Nahe treten zu wollen, diese Frau ist und war nie deine Freundin. Warum du dich dazu entschlossen hast, sie zu deiner Trauzeugin zu machen, erschließt sich mir nicht. Natürlich, ihr habt euch gut verstanden, aber ich verstehe mich auch mit manchen Leuten gut, ohne sie direkt mit Aufgaben an mich zu binden.
Es macht den Eindruck, als hättest du eine kurze Sympathie als Vorwand genutzt, das Band zu deinem zukünftigen Mann und dessen bestem Freund noch enger zu schließen. Denn, sind wir ehrlich, die Frauen der beiden besten Freunde, verstehen sich auch, dass wäre doch für viele der Idealzustand.

Du hast einen Fehler begangen als du eine eigentlich Fremde, an dich gebunden hast und ihr gleich Zugang zu deinem Leben, deinen Gedanken und deinen Gefühlen gegeben hast. Eine wirkliche, langjährige (erprobte) Freundin, hätte bestimmt Interesse daran, dich zu unterstützen und deine Vision der perfekten Hochzeit und Begleitung umzusetzen. Sie nicht, weil ihr eben keine Freunde seid. Keine Vertrauten.

Mit ihr reden musst du, besonders eben, weil eure Partner Freunde sind und du sie sonst immer an der Backe hast. Nach der Geburt, im Wochenbett, zu Geburtstagen, da wäre deine Hochzeit nur der Anfang. Zeig ihr klar deine Grenzen, sie ist und wird keine Tante und keine Patin. Klar kommunizieren, keinen Raum für Spekulationen lassen. Das hätte schon früher erfolgen müssen, sonst wärst du nicht in der Situation, dass eine Fremde deinen Bauch küsst (da wäre ich ausgeflippt). Allein, das du sogar darüber nachgedacht hast heimlich zu heiraten nach all deinen Mühen, sollte doch das beste zeichen sein, dass etwas gewaltig schief läuft.

Sprich zuerst mit deinem Partner über deine Gefühle, soll er mit ihrem Freund befreundet sein, sie können sich treffen und ihren Spaß haben, aber du zieh dich heraus. Ihr passt nicht zusammen und beim nächsten Mal, warte bis du einen Menschen wirklich kennen lernst. Sieh es als Lehrgeld, das passiert dir nicht noch einmal.

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Ich stimme den anderen zu, möchte aber noch hinzufügen, dass die Aufgaben, die du beschreibst, mMn nichts mit dem Trauzeugenamt zu tun haben. Sondern mit dem Amt der ersten Brautjunger.

Ich war ebenfalls schon Trauzeugin und hätte nie gedacht, dass ich daher irgendwelche organisatorischen Aufgaben um die Hochzeit herum zu erledigen hätte. War auch nicht so.